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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1926-12-28 · 8 (28.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
8 (28.12.1926)
Date
1926-12-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden j Nr. 8 - —;---' 1-1- Alte" ist von Werfel mißverstanden. Sie ist eine spätere Hinzuiügung zu seinem Namen, um ihn von seinem gleichnamigen Enkel Gamaliel ll. zu unterscheiden. Ter ärgste und ärgerlichste Irrtum Werfels ist allerdings, daß er Gamaliel zur Zeit des Marullus unter der Hohenpriesterschaft des Theopbilos, der mit dem hebräischen Namen Ebananel hieß und von 37 bis -ll) das Hohenpriesteramt verwaltete. sterben läßt. Eine sichere Ueberlieserung (Pessachim N8b) macht aber (tzamaliel zum Zeitgenossen des Königs Agrippa l. und seiner (Yattin Kyprjs. Agrippa verhinderte im Jahre 11 noch von Nom aus die den Juden angedrohte Ausstellung der iiaiserstatuc im Tempel. Er wurde dann von .Kaiser Claudius zum König von Judäa ernannt, der iväbrend seiner Negierung (42 bis 44) eine gesetzliche Anfrage an (tzamaliel gerichtet-hat. Gamaliel hat also sicher noch unter dem Nachfolger des Marullus unter Agrippa l. gelebt, wabrscheinlich diesen sogar noch beträchtlich überlebt. Werfel könnte sich, da alle seine geschichtlichen Angaben irrig. sind, für seine Anschauung der Christensreundlichkeit des (»Kunaliel allein auf die christliche Legende berufen, die er allerdings selbst (2. 186) als „wider die Vernunft" bezeichnet (Clemens Nomanus Recogn. 1, 71). In Pisa werden ja sogar die Gebeine der heiligen Gamaliel gezeigt. Aber, diese Legende ist nicht mehr berechtigt als die seltsame Mitteilung. daß Clamaliel und der Arzt Galenits dieselbe Person gewesen ist (Steinschneider, Uebersetzungen 401). A ber auch in seinen weiteren geschichtlichen Ängaben ist Werkel nicht weniger unglücklich. Ter erste Träger des Namens Rabbi Huna ist 160 tu Chr. gestorben. Ter Name Nabbi Meir ist irrtümlich für dessen ersten Träger, der 207 n. Cbr. gestorben ist. Rabbi Zaddok ist ein Zeitgenosse des 135 tu Cbr. gefallenen Bar Kochba. Ter Gruß Maran Atlia lS. 46) heißt nicht. „Ter Herr wird kommen", sondern entweder „Unser Herr ist gekommen" oder „Unser Herr kommell. Tie Schemone Cßre, das tägliche Gebet der Juden, ist aus Seite 5.7 völlig falsch zitiert — ein Blick in irgendein (Gebetbuch bätte Werfel vor diesem Mißgriff bewahren können. Eine Entgleisung ist es, wenn er Seite 83 den beiligsten Namen Gottes in der falschen Form aussprechen läßt, die das 10. Jahrhundert für ihn erfunden hat! Zu den sachlichen und geschichtlichen Unmöglichkeiten in Werfels Tichtimg kommen die religiösen. -Halbwissen macht die Liebe zu der angeblich neuen Offenbarung des Christentums. In Werkels Dichtung sagt Paulus: „Tas Gesetz ist erfüllt und die Liebe gekommen", worauf Gamaliel attt> wortet: „Die Liebe wird kommen." Und doch ist di« Liebe als Grundzug in Gottes Wesen in Israels Lehre stets anerkannt worden. Der Psalmist sieht überall in der Geschichte diese allmächtige Gottesliebe und preist für alles unh jedes: „Denn ewig währet seine Liebe." Im rabbinischen Schrifttum wird die Liebe des Menschen zu Gott als höchste Menschentugend gepriesen. „Hiob hat Gott nur aus Liebe gedient, wenn er 13,15 sagt: „Selbst wenn er mich töten will, vertraue ich ihm." „Handle aus Liebe, denn, wenn du hassen wolltest, so wisse, daß du lieben sollst" (j, Sotq 5 zu 5. Mose 6, 5). Den Höhepunkt der religiösen Unmöglich.- keiten erreicht Werfels Dichtung in den letzten Szenen, die im Tempel zu Jerusalem am heiligsten Tag des Jahres, am Versöhnungstage, spielen.. Wix sind Zeugen der Aussprache zwischen Paulus und Gamaliel, der die Berichte über Jesus den Ketzer studiert hat (S. 142). Er will für Jesttm zeilgen, er will das „Fehlurteil" über Jesum revidieren und mit Hilfe des Paulus „den Rabbi Don Nazareth zu Israel zurllckfübren" (2. 165), er wijl am Tage der Versöhnung Versöhnung schaffen. Aber er verehrt den Menschen. Pattlus den KSCI reinigt und färbt Gesellschaftstoiletten Gottessohn Jesus, ugd, dg er Paulus nicht überzeugen kann, .greift er zum Messer, um Paulus zu töten. Aber Gamaliel wagt den Mord nicht ohne Gottes Gebot, und nun kommt das Ungeheuerliche: ein trotziges Gebet zu Gott, durch ein Wttnder für oder gegen Jesus zu zeugen. Gamaliel, aufstampfend, herrisch: „Antworte!!" Gott schweigt, und Gamaliel läßt das Messer fallen. Er segnet Paulus mit dem Priestersegen, dann stürmt er mit dem Schreckensschrei davon: „Tie Zerstörung über uns!!' Tie Zerstörung . . ." Sein Leichnam'wird auf die Bühne, gebracht und verhindert den Römer Marullus an der Entweihung des Tempels. (Gamaliel zum Morde am Versöhnungstage im Tempel entschlossen, Gamaliel aufstampfend, herrisch vor Gott — das mag dramatisch, faustisch, dionysisch sein, jüdisch ist es in keinem Zuge! Fachminnisch gepflegt* ~~ Habanas und Brasils Robert Hermann - Zigarren-Import-Haus Dresden-A., Prager Straße 20 " Fernsprecher Nr. 20370 :: Gegründet 1863 20 IM HAUSE PRAGER STR. 20 Spezialität: Rohera- Fabrikate Naue Nachmittagsklaidar J. VOLLRATH Dresden-A.v Prager Straße 20 Fernsprecher 19205 Naue AbandkJaMar und Mlntul

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