Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 8 (28.12.1926)
- Date
- 1926-12-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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mtiMiMatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ deck Gemeindevorstandes *mmu Benmtwockl. klttstttv »a: Barottrrttor L.V1oem«t>kr. D«sd«« - Verlag: Ikaelittslb« ReligiousgemeinLe Dresden - Druck: Staben &Gom»„ Dresteu-A. 2. Jahrgang Dresden, den 2K.Dezember 1926 WH Rümmer 8 Franz «Werfelr Paulus unter den Juden (Dramatische Legende) Eine Prüfung ihrer geschichtlichen und religiösen Voraussetzungen Von Staotrabbiner Dr. R i e g e r, Stuttgart Die dramatische Namen „Paulus un Legende, die Franz Werfel unter dem er den Juden" veröffentlicht hat uyd die bereits über eine A eihe^ deutscher Bühnen mit bedeutendem Erfolge gegangen ist, soll nach seinen eigenen Worten mehr als eine Dichtung ein. Nach der'Vorbemerkung, die der Buchausgabe (Verleg Paul Zsolnay, Wien) vorgedruckt ist und für die der V> rfasser verantwortlich zeichnet, soll „der große Augenblick bei Weltgeschichte, da das erste Christentum sich loslöst von der jüdischen Religion* und Mutterwelt, um die ganze Erde zu!>ekehren", in diesem Buche „zur erschütternden Seelenun! Menschentragödie" werden. Diesen Vor spruch ergänzt Werfel durch ein Nachwort, das er Argument, also die geschichtswi senschaftliche Begründung seines Werkes nennt. Er will in seinem Gedicht mehr als eine Dichtung, er will in ihm Geschichte auf die Bühne bringen. Würde Werfel diesen Anspruch nickt erheben, so müßte sein Buch lediglich als Dichtung ästhe isch und künstlerisch bewertet werden. Werfel erhebt aber geradezu den Anspruch, hier Geschichtsschreiber zu sein, in seiner ^historischen Tragödie die tiefere Rekonstruktion des Weltgeschehens" zu schreiben, „die tragische Stunde des I rdentums" zu verlebendigen. Werfel hat der angebliche Ausspruch des Gamaliel vor dem Hohen Rat zu geschichte (S. 34 biden Glauben der K Hänger Jesu geweseri durchsetzen, und die Jerusalem, den Lukas -in der Apostel- 40) anfllhrt: „Und nun sage ich euch: Laßt ab von diesen 3 ienschen und laßt sie fahren. Ist der Rat oder das Werk aus!en Menschen, so wird es untergehen; ist könnet ihr es nicht dämpfen" so sehr begeistert, daß er Ganaliel zu „einem furchtlosen und überlegenen Freigeist" nacht (S. 186).. Er verweist allerdings rche, daß Gamaliel ein heimlicher Anin das Reich der Sage. Aber er vermutet — die Apostelbeschichte nennt 22, 3 Gamaliel ohne ein weiteres Wort einqn Lehrer Pauli — zwischen ihm und Lehrer- (Schüler-) Konflikt". Für diese Vermutung liegt nicht der mindeste Grund vor. Die Aeußerung Gamaliels ist aus dem jüdischen Spruchschatz der Vätersprüche als allgemeinjüdisch bekannt, z. B. Aboth 6, 20: „Jede umstrittene Anschauung, die um des Himmels willen, ist (d. h. aus Gott ist), wird sich schließlich licht um des Himmels willen ist, wird sich schließlich nicht dirchsetzen." Dazu kommt, daß der Ausspruch Gamaliels in der vorliegenden Form sicher erdichtet ist. Denn Gamaliel bezieht sich zur Begründung seiner Meinung auf den mißglückten Aufstand des närrischen Theudas (Apostelgeschichte 5, 36), der aber erst unter dem Prokurator Fadus (44 bis 46) stattgefunden'hat. Die'Rede des Gamaliel vor dem Hohen Rat soll jedoch nach der Apostelgeschichte unmittelbar nach der Himmelfahrt Jesu, spätestens 37, also mindestens sieben Jahre vorher, gehalten worden sein. Die Rede des Gamaliel ist also apokryph! Für die durch das ganze Drama von Werfel festgehaltene Meinung, daß Gamaliel ein furchtloser und überlegener Freigeist gewesen ist, läßt sich auch nicht der bescheidenste Erweis erbringen. Sein Wahlspruch in den Vätersprüchen 1^ 16 kennzeichnet ihn als einen ängstlichen Mann, der vorder eigenen Meinung warnt und sich stteng in den Grenzen altgläubiger Frömmigkeit hält: „Mache dir einen Lehrer, halte dich von Zweifelhaftem fern, und verzehnte nicht zu oft nach bloßem Gutdünken!" Die von ihm überlieferten Verordnungen über die Sabbathheiligung (Rosch Haschavah 2, 5), über den Scheidebrief (Gittin 4, 2) und die Hochzeitsverschreibung der Frau (daselbst 4, 3), über , den Sauerteig in der Priesterhebe (Orlah 2, 12), über den Heidenwein (Thos. Aboda Zara 4), über das Braten des Passalammes (Pessachim 7, 2), über die Wiederverheiratung einer Wittfrau auf die Aussage eines Zeugen hin (Jebamoth 16. 7) kennzeichnen Gamaliel als xinen treuen, allerdings milden Anhänger des Gesetzes. Sein Auftreten gegen die Uebersetzung des Hiobbuches in die aramäische Volkssprache (Thos. Sabbath 13, 2) ist sogar ein Zeugnis für seine Gesetzesstrenge. Gamaliel führt allerdings als erster den Ehrentitel Rabban — vollständig ungrammatisch ist die von Werfel andauernd gebrauchte Form Rabbanu statt Rabbenu (unser Meister), ebenso grammatisch falsch ist die Mehrzahlform Rabbunim statt Rabbanim (die Meister). Die Ueberlieferung berichtet auch klagend bei seinem Scheiden: „Mit seinem Tode hörte die Ehrfurcht vor dem Gesetze auf und starben Reinheit und Enthaltsamkeit (Sota 9, 15)." Es ist aber sicher, daß er nicht der Präsident des Hohen Rates gewesen ist, weil bis zum Sturz des Tempels der Hohepriester zugleich der Leiter der Ratsversammlung gewesen ist. Auch die Bezeichnung „der Drada-A f 23923 Am meisten freut an deiner Bude midi der Apparat von RADIO#LUDEWIG Dresdens Radlo-Spezlalgeschfiil Gm. (cKh.WjrauekWa Xc ■ wnäl-iestüsdHfl Drcsdcn^A. 1 VikJoriMfrUc 20 — 23423