Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 6 (28.10.1926)
- Date
- 1926-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 emeinbeblrttt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Steuer- und Von Finanzwirtschaft f r i e d Pionkowski Nr. 6 , Tas> Interesse, das sich insbesondere seit der letzten Steneransfchreibung für die Israelitische Religionsgemeinde bei nnsern Geineindemitgliedern lvmerkbar macht, nn) die verschiedenen Kritiken, veranlassen die (^eineindeverivalluna. in aller Leffentlickkeit einmal die Finanzpolitik znr Diskussion zu stellen. Tie Gemeindeverwaltung würde es sogar überaus begrüßen, wenn aus. .Preisen der GemeindemUglieder annehmbare Vorschläge ffeiiiadit ivürden, die dann gern von der Verwaltung berücksichtigt werden sollen. Um die falsctien Vorstellungen, die bei vielen Gennindemitgliedern über die Steuer- und Finanzpolitik dei <öeineindeverwaltuug bernctien, zu zerstreuen, in es erfc rderlich, zunächst aus das Steuerproblein etwas »über einzw gehen. Wenn ganzallgemein in den letzten Jahren die Gemeindefinanzen als sehr ungünstig betrachtet wurden, io lag dafür in der Tat eine ansreidiende Begründuitg vor. Ter Lebensnerv der jüdischen Gemeinde - ist und Iileivt einzig und allein die Steuer. Wie überall in Teutsdland. bestand auch hier völlige Unklarheit über die wirk ichen Steuereinkünste der Steuerpflichtigen. Es fehlte an ligem Maßstab, welctie Steuer für den einzelnen als tragba: angesehen werden konnte. Nach der Stabilisierung war die Rückkehr zu einer geordneten Etatswirtschast für alle.Oc rpersckaften außerordentlich schwierig. Tie Gemeinde l nterschied sich in dieser Beziehung durchaus 'nicht vom Mich oder von der Stadt. Ein großer Mangel bei der Beile.ierung war der Umstand, daß im Gegensatz zu allen fi euer* licken Theorien die Reichseinkommensteuer nicht auf dein Ertrag der Arbeit aufgebaut wurde, sondern bei den Zauslenten und sonstigen (>iewerbtreibenden, auf denen die Steuerlast der (Gemeinde in der .Hauptsadle ruht, von der Umiatzbeneiiernng ausging, 'so daß in sehr vielen j ülleit trotz verlustbringender Betriebsführung ..Ertragssteuer' entrichtet werden mußte. Tie Gemeinde war, wie iminei nuo immer wieder betont werden muß, durch die von der beteiligten Ministerien genehmigte Steuerordnung gezwungen, ditie Reichseinkommensteuer ihrer Besteuerung zugrnn le zu legen. Es spricht f ü r die neue Steuergesetzgebung, daß die Zahl der Reklanwtionen, die sich gegen die Ieslsetznn i der Rcichseinkommensleuer für das Kalenderjahr lifc2-r» r chten, verhältnismäßig gering in. Zu den Schwierigkeiten, die die mangelhafte Reichsssenergefetzgebung mit sich brachte, kam für die Tresdner Gemeinde eine besondere Schwierigkeit Hinz». Ter Etat für das Jahr 1!>20 enthält unter den auf 270 000 Mark inSgefcmt bezifferten Ausgaben allein 110000 Mark fiu In slandsetzungsarbeiten der Gemeindehäuser, für Anschluß der Häuser und des Tempels an die .Kanalisation, fü? den Tel rainerwerb zur Vergrößerung des Friedhofs un> für Zinsenimd Schuldentilgung. Ter .Haushaltplan mußte deshalb eine Steuereinnahme von 242000 Mark vor sehen. Von den vorhin kurz erwähnten Ausgaben fallen dw eiltmaligen Ausgaben von zirka 110 000 Mark im Jahre 1927 weg. so daß die Verwaltung bei t>er Aufstellung des Haushaltplans für das Jahr 1927 von jolckx'ii einmaligen Aue-7 gaben befreit ist. Einzuschalten ist hier, >aß die nicht im Etat vorgesehene, aber als unvermeidlicl notivendig sich zeigende Erneuerung des Synagogen >achs mit einem .Upstenaufwand von 8000 Mark im Sommer 1929 ausgeführt „nd bezahlt ivorden ist. Tem hier und dc erhobeiren Vorivurf, daß die Gemeindeverwältling auf dic dirrch den wirkschaftliclien Niedergang verminderte Stei erkrast der Gemeinde nicht genügend Rücksicht genommei hätte, darf mit allein- Nachdruck auf Grund der vorhe gehenden Ansfühi ungen entgegengetreten n»erden. Ter l! tat ist aufs fparsuniste aufgestellt: auf Wünschenswertes »nd aus Notivendiges ist schwereil Herzens verzichtet werden. Was nach Abzug der Verwaltungskosten und der erwähnten unvermeidlichen und unaufschiebbaren Answendm gen, die sich, wie schon erwähnt, auf insgesamt 110 (XXI Mark stettlen. iibrigbleibt, ist das Mindestmaß an Ausgaben, __ die eine jüdisctie Gemeinde von dem Umfange der unsrlgen nun einmal zu erfüllen hat. Tie Gemeindtwerivaltung darf sich in ^01,10^ auch nicht der Pflicht entziehen, sich ihrer eigcntlickien Aufgaben — Einrichtungen und Anstalten auf religiösem Und kulturellem Gebiet — it? stärkerein Maße: als es bisher leider möglich ivar, anzunehnißn. Um einige Zahlen sprechen zu lassen, ^ei erivähnt, daß die Gemeindesteuer im .Kalenderjahr 192« 19 Prozent der Reichseinkonimensteuer, im .Kalenderjahr 1927» 18 Prozent der Reichseiiikommensteuer betrug: für das .Kalenderjahr 1920 ist eine Gemeindesteuer-Vorauszatilunij von 10 Prozent der Reichseinkommensteuer ausgeschriebeni ivorden. Mit dielen Gemeindesteuerzuschlägen auszukonsmen war nur dadurch inöglich, daß die Genieindeverwaltn-ig sich, wie' schon dargelegt, bei der Aufstellung des Etats chifs äußerste einschränkte und alle Anstrengungen machte,! um eine lieberschreitnng einzelner Etatskapitel zu vermeiden. Es darf! nicht unerwähnt bleiben, daß es leider iiötig war. >ort^ lausend einen Bankkredit in Anspruch zu siehmen, weil die! Stenern nicht so prompt eingingenj wie dit Perpfljchtnngeir der Gemeinde es erforderlich machten. Finanzielle Schwieg rigkeiten haben zweifellos in jeder (^emeiiche bestanden und bestehen noch. j In unsrer Geineinde kam ein besonders unglücklicher! Umstand dadurch hinzu, daß die Verwaltung gezwungen ivar, unaufschiebbare, große einmalig^ Ausgaben, '.nie schon, erwähnt, .Hänserrenovation, .Oan^Iischionsanschluß: Zukauf zum Friedhofsgelände. Shnagogeisrenovatio» »sw., anfzubringen.;! Wenn man nun trotz unseren Ausgaben vergleicht, daß in andern Gemeinden die Steuern »och höher sind als in Tresden, so x. B. in Berlin 19 Prozent, inj Breslau 18.P>oj zent, in Frankfurt am Main 17 Prozent! in .Königsberg 2.9 Prozent und in Leipzig sogar 30 Prozent der Reichseinlommensteuer, so ist .der Vorwurf,' der der Verwaltung der Tresdner Gemeinde wegen ihrer Steper- »nd Fimmz-t Politik hier und da gemacht wird, nicht, berechtigt. Tie meisten Einsprüche gegen die voU der Gemeinde- Fac^rrlännlscl) gepflegte Habanas und Brasils Rebe Zigarr Dresden-A Fernsprecher Hermann n-lmport-Haus , Prager Straße 20 .p.• Spezjalität: RoHera- Fabijlkate Gegründet 1863 .20370 ADLER Straßenbahnlinie TI, Dresden-Weißer Hlrscl-i o Die Glast*, SpeiseuTanzstütte v. W4ltruf Sonntags at> A Uhr« Dar Tana als Sport // Donnerstagsi, R6un I«