Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 5 (28.9.1926)
- Date
- 1926-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 Geiueindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 3 die, die auf das Laub des soll der Aufblick nach ober das Gottvertrauen immer Faches weist: durch dieses hindurch smmer neue Stärkung erfahren neu belebt werden. na er t Nicht anders steht es u den Feststrauß. Es ist ein in der Erntefreude zu Frü um sich oder die Stätteir zu anstaltet wird. Dann Pflanzenarten zum religiös Dankbarkeit für den flöttlldi der Bittgebet« um Gewähr r die neu beginnende Feldai hat das fromme Sinnen lrerzförmige Eßrog dient d« danken des menschlichen £ des menschlichen Körpers sündlichen Bewegungen des Blatt der Myrthe der Vers^ Sünden: und die an die weide zur Versöhnung den vier zu einer Einheit schiedenen Menfchengruppetr Lipp fön >1 das zweite Symbol des Pesics: stur natürlicher Vorgang, daß man lchten und Pflanzenzweigen greift, schmücken, an denen die Feier verwurden die vier bestinnnten en Symbol, zuin Sinnbild der en Spender des Erntesegens und ng des gleichen Segens auch für beit. Und auch diesem Symbole »Mancherlei Deutung entlockt. Ter r Versöhnung der sündhaften Gerzens: der Lulaw, dem Rückgral verglichen, der Versöhnung der Körpers; das dem Auge'ähnelnde hnung mit dem Auge begangenec en erinnernden Blätter der Bächhafter Reden. Oder man sah ln gebundenen Pflanzenarten die der« im jüdischen Volke: im Eßrog das Sinnbild für die volttommen Tugendhaften, im Lulaw das Bild der Wohltätigen, in der Myithe das der Schriftkundigen und „in der geringwertigen Bachweide das Bild der Lasterhaften. Oder: wie im Feststrauße der Lulaw über die Bachweide hinausragt, so auch ragen die Froinmen über die Gottlosen hervor. Oder: wie im Feststrauße verschiedenartige Pflanzen zu einem Ganzen vereinigt sind, so bilden auch alle Menschen nur eine Gemeinschaft: sie hängen voneinander ab. unterstützen einander, lind aller Pflicht ist es, den Weltenschöpfer zu loben »md seinen Ruhm zu verkünden. Auch die Anzahl der zum Feststrauß verbundenen Pflanzen fand ihre Deutung. Ter eine Lulaw und der eine Etzrog sind ein Hinweis darauf, daß Gott einzig und sein Name einzig ist. Tie zwei Bachweidenzwcige weisen auf die beiden Staminütter Rahel und Lea hin. Und die drei Mhrthenzweige auf die drei Stamnwäter Abraham. Isaak und Jakob. So hat frommes Einpfinden iinmer wieder versucht,.die alten Symbole zum Qu^ll religiös-sittlicher Gedanken wekden zu lassen. Sie haben ihre unanslöschliche Bedeutung ceradc diesem Umstande zu danken, daß der schöpferische Drang religiöser Gefühle sich immer wieder an ihnen erproben konnte. Nächstenliebe Von Tr. S. H o ch f e l d, Berlin (Aus ..Tic gegeben von jüdische Veligi Berlin.) lehren. des Judentums", HcrauSvcjr Vereinigung für -chrisl.'n über Verlag Schwetschke u. Lohn, nebenher gefragt. Was ist so lautet das Grundprobl« Philosophen; „Glückseligkeit zu erreichen: Herrschaft der aber ist ausgeschlossen oder zichtet werden kann. Von hier aus verstehen und Liebe in der jüdischer einander ab, wiese greift e Zu den schöpferischen i eistungen des Judentums gehört die Entdeckung des Mitme »schen und damit der Menschheit. Tie Sorge der nichtjüdisch« n antiken Denker konzentriert sich um das Ich, nach dem Wol l ,»nd Wehe des andern wird nur ms Ziel des »ncnschlichen Lebens? qm der Ethik bei den griechischer» antworten sie und geben je nach ihrem Standpunkt derschiel ene Wege an, diese Glückseligkeit Vernunft über die Triebe, Genuß, BedürfnislosiAeit, Gelassenheit. Kein einziger von ihnen aber hat die Antwort gef» irden: Du sollst glücklich werden, indem du deinen Mitmenscken glücklich machst, indein du ihin Gutes erweist, ihm hilfst, ihm die Last des Lebens erleichterst. Die nichtjüdische Ethik des Altertums ist durchaus egoistisch orientiert, sie ist Jndividuolethik, der die großen Fragen der Sozialethik fremd bleiben. Einzig uitd allein die Bibel hat den Mitmenschen als notw«ndig«n Faktor in die-ethische Betrachtung eingeführt und s ine Wohlfahrt zur Norm für die Beurteilung des menschlich« n Handelns erhüben. ■ Denn der Mensch ist naih biblischer Anschauung kein Einzclwesen, das isoliert dastellt. und zur Erreichung,seines pcr- Menschen unterdrücken uird auS- Glied einer Gesamtheit, die aus gleichberechtigten und gleichverpflichteten Individuen besteht. Die Gesamtheit soll erholen werden, sie soll wachsen und Heren Stufen der Kraft und der dieser Arbeit im Dienste der Geteilnehmen und von ihr seinen Je nach Begabung und Anus des Ganzen ein höherer oder gedeihen und zu inrmer hi Leistungen aufsteigen. An samtheit soll jeder einzeln« Menschheitswert empfangen, lagen ist ihm im Organisn niederer Platz zu seiner Betätigung angewiesen, niemand so unbrauchbar, daß auf ihn perwir. welche Rolle Gerechtigkeit Ethik spielen. Gerechtigkeit bekündet sich allgemein in dech Verhalten, welches Eingriffe in den Lebenslreis andrer meidet oder verhütet. Liebe in dem Verlangen, das Leben and:er zu fördern. Eine Gesamtheit von Menschen kann nicht bestehen ohne Gerechtigkeit und Liebe. Jene grenzt die Be ügnisse der einzelnen Glieder von n, wenn sich Härten bei der Abgrenzung he/ausstellen; di eine ist der Unterbau, aus dem die Gemeinschaft sicher ruht, die andre der Kitt, der die Quadern und Mauern z rsammenhält. Gerechtigkeit und Liebe gehören nach jüdischer Auffassung zusammen, »vic Regen und Sonnenschein beim Wachstuin der Pflanzen oder wie das männliche und weibliche Element in der Ehe. Die enge Verbindung mit der Liebe hat die jüdische Gerechtigkeit davor bewahrt, summa injuria, höchstes Unrecht zu werden, zum starren Prinzip, zrnn leblosen Forinalisnius auszriarten; de: dauernde Kontakt mit der Gerechtigkeit aber hat die jüdisihc Liebe davor geschützt, sich in Gcsühlsschwelgerei zu verlieren und die realen Bedingungen des Lebens außer acht zu lassen. Die Nächstenliebe, die demnach die Allsgabc hat, zu lindern und zu »nildern, zu unterstützen und beizustehen, zu trösten und zu helfen, mit einem Wort, dein andern ci,i menschliches Leben, ein Leben, im Rahmen und im Dienst der Gesamtheit zu erinöglichen, »unfaßt die ganze Skala der Beziehungen. in denen Menschen zu Menschen stehen können; sie reicht von dem Vertrauten und Freunde üöer den Mitbürger und Volksgenossen bis zum unbekannten Angehörigen fremder Rasse und fernsten Landes; die Tatsache, daß er ein Mcnschenaritlitz trägt, läßt jeden dieser Liebe würdig erscheinen. Die Nächstenliebe macht auch nicht Halt vor den Unterschieden, die Erfolg und Mißlingen. Reichtum und Armut, Ueberfluß und Not geschaffen haben; äußert sie sich dort als Menschenfreundlichkeit und wohlwollende neidfreie Gcsinnung, so hier als Barmherzigkeit, Mildtätigkeit und Armenpflege: sie steigert sich je iiach dein Gebot der Stunde von der kleinen Gefälligkeit bis zur großzügigen Hilfsaktion, von der gelegentlichen Gabe bis zur aufopfernden Hingebrnrg. In ihrein Bestreben, alle Lebensverhältnisse zr» mirspannen, und mit der Hilfe das Richtige zu treffen, hat die jüdische Nächstenliebe einen Grundsatz aufgestellt, der sich als überaus fruchtbar eriveist und der überall befolgt ivcrden kann: versetze dich in die Lage vrs andern, dann urteile und handle! Stehst du einem Unbekannten gegenüber, der dich TÄslich 745 DIE KOMÖDIE Künstlerische Leitung: Hermine Körner, Arno Großmann, Robert George Lustspiel -i- Komödie -i- GesellschaftsstücUe Pragcr-/Rcitbahnstraße Kasse (Tel. 11739,22444) von loUhr an durchgehend geöffnet