Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 5 (28.9.1926)
- Date
- 1926-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Leite 2 ienreindeb'latt der Israelitischen Neligi onsgemeinde Dresden Beschäftigung mit den Lehren unsrer Religion crschlysscii lmt. Rnt Freuden denken stets die Schüler und SchüleriHncndcr höheren Schulen an die Stunden zurück, da Winter mit ihnen über das Wesen der Religiön, über die Geschichte! des Iudentiuns in freier Aussprache diskutierte. Seine bekastnic, oft verkannte Strenge als Pädagoge ist nur ein Beweis nicht, wie ernst es Winter um die Beschäftigung mit der Religion zu um ist: sich ihr zu widmen .mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer ttraft" ist für ihn selbstvcrständlicku, iinerlätzliche, strengste Forderung. »kein Wunder bei dem ersten Lehrer der Gemeinde, veij zugleich erster Schüler ist. Ter täglich sich mit dem Studium des siidischen Schrifttums beschäftigt. Rur laienhafter Unverstand mag glauben, datz ein Rabbiner sich lediglich mit Unterricht und Abfassen von Predigten begnügt. Thora und Talmud. Kommentare und Superkcmmentare müssen täglich erforscht, wiederholt werden, und kein Menschenleben kann auSreicheii, diese ungeheure Materie zu bewältigen. Lernen ui» des Lernens willen, das ist Judentum, das ist Rabbiner sein. Tas ist Berzichten ans die Lektüre modischer Schöngeisterei, mag sic an sich noch so gut sein. Ihr Wert ist nur relativ. Ter Manu, der am Versöhuungstagc seine Gemeinde zu Butze und Kasteiung. zur Bcrsöhnung mit dem Höchsten führen soll, hat seinen Sinn auf andre Texte zu richten. Wie konsequent Winter auch hier zu allen Zeiten gewesen iss wissen nicht nur die. .die im Umgang mit ihm Belehrung empfingen, das weitz man erst recht in jenen Früchte seiner Studien zu nützen'wissen. Ir well schätzt man seine Arbeiten zur Erläute Bücher, und weit über Fachkreise hinaus sein: irdischen Literatur", die er im Verein mit Dresdner evangelischen Theologen Wünsche Unermüdlich wirkt Winter, der das sie si incs Lebens nahezu vollendet hat, unter un y du Lehrer.' ein Forscher, ein Kops, ein Ten Persönlichkeit. Verehrt und geachtet, resptsl bin Mitbürgern fremden Bekenntnisses, alleren kann, weil er zu lernen verstanden, wsiter lehrt und lernt. Wer aber lernt, ist Titrnm -keine Rückschau heute, nichts, was äl nlich sähe. An Jakob Winter hat sich tu dc s; die Lehre ein Baum des Lebens ist, je lhalten. Möge ihm ein gütiges Geschick G mieinde in ungebrochener Kraft den Weg sichren. Tatz der Pfad seines Lebens wie di ibim-l, iiaiiiim, ein anmutiger Pfad sei, is innige Wunsch der ganzen Gemk^indc und all sein. Jakob Winter kennen und verehren. I> der i Es. wird gebeten, etwa geplante Besiiche des- Jubilars auf Sonntag ddu 2«>. Septeinbe Nr. 5 Kreisen, die die der Gelehrtenrung biblischer .Geschichte der dem bekannten icrausgab. 4 yentc Jahrzehnt .. Ein Prediger, npcroinent, eine notiert auch von einer, der be» Und der immer ind bleibt jung. einem Epilog s Wort erfüllt, »en, die an ihr tiergönnen, seine )ahin weiter zu der Lehre ein der herzliche, r, die, nah und Leo Fant I. tu der Wohnung r zu verschieben. Von den Symbolen des Sukkos-Festes Von Gemeinderabbiner Jüdisch-religiöses Leben ist, wie religiöses Leben überhaupt. von' Shmbolcn begleitet, die religiöse Gedanken anzu regcn und dadurch religiöse Empfindungen zil wecken geeignet und bestimmt sind. Tiefe Ausgabe können sie allerdings nlir erfüllen, wenn sie berstanden werden, weil sie um* dann Tenken und Fühlen in bestimmte Richtung weisen könwen. So ist es verständlich, datz uns häufig die Frage nach der Bedeutung unsrer jüdischen Symbole begegnet. — Wenn wix im folgenden von den Symbolen des Sukkos-Festes sprechen, so mutz Zuvor einem möglichen Einwande begegnet werben: Symbole sind nämlich kaum je eindeutig, sic-werden in mannigfaltiger Weise verstanden, lind <s ist kein Mangel, sondern eher ein Vorzug, wenn mau aus ihnen recht Verschiedenes herauslescn kann. Tas liegt im Wesen der Symbole. Tenn sie sind nie als Symbole entstanden: sie wurden aus einer ursprünglich andern Zweckbestimmung oder, weil sie eben da waren, aus irgendwelchen, bielleicht gar nicht in ihnen selbst bedingten Uebungen zu Symbolen. Tie Rose war da, und würbe dann erst daS Sinnbild der Liebe'. Tie Fahne diente ursprünglich als weithin sichtbares Zeichen eines Heeres oder seiner Teile und wurde dann erst nationales Symbol. Nicht selten werden auch allegorische Darstellungen zu Symbolen. Ihre erste Bestimmung war zunächst die, etwas, was nur'in der Vorstellung lebt, nicht aber greifbar ist, durch eine sinnlich wahrnehmbare Verbildlichung näherzubringen. Gerechtigkeit ist nichts Greifbares, aber wenn wir eine Gestalt mit berbsindcnen' Augen, eine Wagschalc in d<w einen Hand und ein Schwert iy der andern sehen, so wird dnrch diese Gestalt der Gedanke an die Gerechtigkeit verlebendigt. Aber wenn wir dann diese Tarstellung an der Pforte eines Gerichtsgcbäuder erblicken, dann gewinnt sie symbolische Bedeutung: wer dieses Haus betritt, soll daran denken, datz dort die Gerechtigkeit eine Stätte haben soll. ES liegt keine Veranlassung vor. die Entstehung der Symbole des Sukkos-Festes anders zu sehen. Eine Wissenschaft« rymbol Gustav Cohn, Leipzig! liche Erklärung geht soweit, anzunehmen, dätz das der Laubhütte seinen Ursprung in der Rotwe rdigkeit der Er lickuung solcher Hütten für die Wallfahrer ha te, da die Fülle der frommen Pilgerer in den Häusern nickt untcrgebracht worden konnte. Aber man braucht dieser Annahme nicht bei- .jubflichten, denn die Hütte war ja in der Firm des Zeltes Ichvn während der Wüstentvanderung vorhanden, an die ja dab Fest erinnern soll, und wurde dann eist Symbol des testes. So lautet auch die Teutung, die die kchora selbst der ailbhütte gibt: sie soll darauf Hinweisen, datz Gott die Ahnen vierzig Jahre lang in Hütten wohnen lieh, als sie nach der Befreiung aus dem Knechtesjoche auf dem Wege in das verheißene .Land ^waren. Tamit wird die Hüt e zum Symbol siii den göttlichen Schutz, rmter dem Israel gestanden hat, alq cs in die Freiheit zog, und auf den Jfrpel auch hoffen datf aus allen seinen Wegen durch die Geschichte. Tieferes Si tnen begnügte sich aber nicht mit dieser sinen Teutung; es fand noch so manche > Erweiterung de sinnbildlichen Sprache, die die Laubhütte sprechen kann.- Eine der tiefsten We ttlingen ist wohl die, daß die Laubhütt^ Sinnbild für die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens sei: wie« sie nur für die kurze Spanne des Festes Verwendung findet, t m dann wieder ein jeriffen zu werden, so auch verfliegt u iser Leben gar schnell. Eine aus der Ethik hergenommene Erklärung stützt sich aus die für hie Aufrichtung und Ausgestoljtung der Laubhütte geltenden religionsgesetzlichen Bestimmungen: sie soll ein festgesetztes Maß in der Höhe nicht überschreiten, um den Me rschen bor dem Hochmut zu warnen; sie dqrf ebensowenig unter ejne Mindestgrenze nach unten hinabckehen, weil der Mc isch sich auch nicht gar zu weit demütigen^ einen gewissen S>r lz bewahren soll. Ter Mensch erlebt Freute in der Laubhüt :e, obwohl in ihr mehr Schatten als Helligkeit herrscht: so soll auch der Mensch am Leben Freude finden, auch dann, wer n das äußere Erleben vielfach bedrückt. fUnd wie diese, so werden noch mannigfaltige Deutungen des Symbols gc« geb^n. Dem Charakter des Festes entspricht aber am ehesten Straßenbahnlinie TI, Dresden-Weißer Hi rite ho Sonntags ab 4 Uhr: Der Tarn ADLER Gast-, Speiseu.TanzstHtte v. Weltruf ort // Donnerstags: RAuniojn L