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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1926-08-28 · 4 (28.8.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
4 (28.8.1926)
Date
1926-08-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 4 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeiude Dresden > I | I I I I I f 'nbre Ni1', ehe de» sächsisckzen Juden nach einem langen und beharrlich geiührteu »iampfe das volle Staatsbürgerrecht eingeräuint wurde. In diesen Ztampf bat mich ili'olf Landau eingegriffen, indem er 1810, also bald nach Abschluß seiner akadeniischeii Studien und lange vor seiner Wahl zum Rabbiner seiner Ratersladt, eine Petition des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde zu Dresden und ibr^ Schicksal in der Fiveiten >rainnier in einer Schrift vor der Oeffentlichkeit behandelte. Rach Proklamiernng der Freizügigkeit wirkte er überall da. ivo sich Inden in wachsen »iederließen, aufs erfpriefzlickiste für die .xonslituiernng jüdischer (Gemeinden; er ivnf.le die sächfijckic Regierung für diese jungen Gemeinwesen io zu interessieren, das; ne ibnen Subventionen bewilligte — inan bedenke, wie schwer beiite iioch die jüdischen Geineinden in vielen deutschen Ländern rnn die erforderlichen Staatsbeibilien ringen, miissen! — lind indem er sich noch persönlich bei den Juden allerorten bemühte. gelang es il)in, unter ibnen den Gemeinsinn zu wecken, jo daf^sie die. oft zu drückenden Lasten zur Erhaltung des ztnltns auf sich nabmen. Ter spätere Chemnitzer Rabbiner Tr. Mühlfelder sprach es an seinem Sarge ans, lvieviel Landau für das Aufblühen der dortigen (Gemeinde getail stabe; er batte das gleiche für eine Reibe anderer Geineinden. wie Plauen, Fittan usw., mir Fug und Recht sagen können. Landaus religiöser Standpunkt ist gegeben, wenn man seine Feit, feine Herkunft und die Männer kennt, die Hm beeinflussen und die ibm Vorbild feilt konnten. Dem Eindruck. den der Einrritt der Inden in die Ztultur ihrer Umgebring auf sie machte, bat er sich nicht entzogen. Durch seinen Rater und mebr noch durch seinen Großvater der Erbe rabbinisckier Tradition, fühlte und dachte er koitservativ, etwa in dem Sinne der Breslauer historischen Richtung, llnd hier lag ancki der einzige >tonfliktsfioff für ihn mit den Männern, die in Dresden die Rerwaltnng der Gemeinde führten, vornebmlich mit Emil L e b in a n n , jenem ideal gesinnten, aber üiiniiiuheii RTrormer. Landau stellte sich hier jviederholt und mit Erfolg dem Drängen Lehmaüns 'entgegen nitd hielt ibn. der von Ehrfurcht vor der Gelehrsamkeit und der Charakterstärke seines greisen LehrerS erfüllt war, davon zurück, die lehten Scstranken'zu durchbrechen und die Eintracht der Gemeinde zu gefährden. So ward Oberrabbiner Tr. Wolf Landau immer mehr und mebr der geistige Führer, der anerkannte Mittelpunkt seiner Gemeinde, der Repräsentant der sächsischen Judenheit vor der Oefientlicbkeit bis yt den höchsten Stellen des Staates. Die ganze Bürgerschaft Dresdens verehrte ihn. „wegen feiner gründlickien Ztenntnifse sowohl wie wegen seines über die Schnürten des Bekenntnisses hinansiveifenden bnmaneu Wirkens", wie es in einein Rachruf auf ihn beißt. Mit den Geistlichen der christlickien Bekenntnisse stand er in bestem Einvernehmen: bei der Trauerfeier für ihn erschien, waS damals, viel beachtet wurde, einer der christlichen (tzeistlicheu im Ornat in der Synagoge. Ruch bei Hofe erfreute^Laudau sich verdienter Wertschätzung: Ztönig Jolmnn von Lachsen (1854 bis 1870) empiing ihn wiederholt i» Audienz und vererbte die Achtung, die er dem selbstlosen, verdienten Manne entgegenbrachte, auf feinen Sohn und Nachfolger Albertj(l873- 1002). Am meisten aber achtete, liebte und verehyte ibn — ein nicht alltägliches Bild - seine Gemeinde, arm ifitö reich, jung »yd alt. Diese Rerehrung für ibn kam znnf ersten Male zum übenvältigenden Ansdruck im August 1879, als die Ge- , meinde an dem „dreifachen Jnbeltage" fein vierzigjähriges Jubiläum als Lebrer und fein fünfnndzwanzigjähriges Jubiläum als' Rabbiner mit der Hundertnndfünfzigjahrfeier der Geburt Moses M e n d e l s s o h n s (geb. «i. September 1720) verband. Damals überreichte ihm der Mendelssohnverein, dem Landau seit 1851 wertvolle Dienste geleistet hatte, - die bereits erivälmte Adresse, und der sächsische .Cönig ehrte den Jubilar durch Verleihung des Albrechtskreuzes I. Ztlasse, eine Auszeichnung, wie sie bis dahin noch nicht vielen Rabbinern in Deutschland zuteil geworden war Sein fünfzigjähriges Tienstjubiläum zu feiern, ivar ihn nicht vergönnt, ein sanfter Tod erlöste ihn am 24. August >880 nach einem kurzen Ztrankenlager in einem Alter von 15, Jahren. Tie Trauer um ihn war allgemein; noch beute spürt man eine leise Bewegung. wenn man die Nachrufe lief, welche jüdische und nichtjiidische Blätter ihm widmeten: selbst die antiseinitisckfen Blätter TreSdens weihten dem Toten Worte der Anerkennung. Am 20. August fand in dcr Synagoge die ^ranerfeier statt, an Ivelcher zahlreiche we, tliche und geist- - liebe Wip:denträger, vor allem aber die ganze Gemeinde sowie Depnlationen der auswärtigen sächsischen Gemeinden teilnahnien. Als erster der Trauernden nahm di r Vorsitzende der Gemeinde. Emil Lehmann, das Wort: <r charakterisierte den Heimgegangenen in kurzen, aber tresf nden und trefflichen Worten und pries ihn als den Interpreten und den'. Verkünder des wahren Judentums. Tann sprachen die Rabbiner Tr. Golds ch m i d t, Leipzig, und Tr. F e i I d) e n * seid, Schwerin, worauf der Tranerkondukt ich in Bewegung setzte, durch eine Nach Tausenden zählende Renge hindurch, die den Toten in stiller und schweigender Ehrerbietung' grüßte. Ans dem Friedhofe selbst sprachen noch die Rabbiner Tr. M ü h l f e l b c r, Chemnitz, und Tr. B a e r iv a l d, Saaz. Tie Dresdner Gemeinde ehrte den Heimgegangenen noch besonders dadurch, daß sic ihm (und f-iner Gattin, die ibm 1801 folgte) ein würdiges Grabmal setzte. Tie Inschrift, welche Tr. Landau gilt, .besagt, daß den Grabstein ibrein unvergeßlichen Cberrabbiitei) die dankbare Gemeinde errichtete und daß er. seit 1830^ls Lehnr. seit 1854 als Rabbiner, allzeit in Liebe und^egen gewirkt habe. Tie seiner Gattin gewidmete Inschrift nennt sie eine „dem edlen (Ritten würdige Gefährtin"; sie sagt in wenigen Worten alles und gibt von dieser' gütigen, wohltät gen Frau, einer echte» Rabbinerin, daS echte Bild. n« ren» Eine Tr.-Wolf-L a n d a n - S t i f t n n g , die zu Ehren de^ Heimgegangenen ans freiw Uigen Beiträgen mit einem Ziapital von 2000 M. errichtet imb deren Finfeu zugunsten armer .stinder am Ehanukafeste verwendet wurden, ist ivobl der Inflation zum Opfer gefallen. Hingegen dürfte die-- von Laiioau verfaßte Legende für Beerdigungen in der Tresdner Gemeinde noch in vielen .Händen, wenn nicht gar heute doch noch in Gebrauch sein. Sie legt durch die Auswahl der Sprüche aus unserem religiösen Schriftsatz, die Landau getroffen hat, noch heute Fengnis ab von dem > gütigen Hvrzen jenes Mannes und dem warmen Empfinden, das ihn beseelte. Zwei Töchter Tr. Wolf Landaus leben .noch heute in Dresden; es und dies Frau Rosalie Glück und Fra» Emilie! B a d t. ^piono/or/e/-Q6 \)iC » d e r»v4 2g,/( Viauer lltbcto Klasslvsrkaal: HIKttlln-Wtldinlililrile ♦ Straßenbahnlinie SO — Autobushaltestelle Kroeprinzeepletz A r— BEI PREISABBAU TAGESPREISEIbbs ADLER. stre»ß®nfc>ahrillnl» TI, Drssdsn-WslOsr Hirsch« o Dis Qast-, ■■••Issu.Tanzetatte v. Wsltruf Sonntags ab 4 Uhr: Dar Tan* als Spor« // Donnerstags: flAunlon

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