Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 4 (28.8.1926)
- Date
- 1926-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 4. (5 emeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 3 Dresden geboren. Der ersten Unterricht erteilte ihm sein Vater, der gleichfalls bort als Lehrer tätig war; dann ward er der Schüler Abraham LöwyS, des Nachfolgers seines Großlmters, um zuletzt seine Studie» auf talinndisch-rabbinischcin Gebiete bei einem Rabl iner Böhmens, R. Aron o r » f c l ö in Jenikau, zum Absch uß zu bringen. Erst als neunzehnjähriger junger Mann, in einem Alter, in ivelchem uüsere junge Welt das Gyinrasinm zu verlassen pflegt, bezog er (1830) das Gymnasinm seiner Baterftadt, sechs Jahre später (1836) die Universität Berlin, auf welclier er sich vornehmlich philosophischen Studien widmete; nach deren Abschluß kehrte er in seine Vaterstadt zurück, um sie nicht wieder zu verlassen und seiner Heimutgemeindc in einer an Umfang' und Erfolgen gleich reichen Tätigkeit nahezu fünfzig Jahre zu dienen. Tie Dresdner Geiminde hatte, kurz nachdem Wolf Landau die Universität bepgen chatte. (1837), eine eigene Gemeindeschnle errichtet; c n sie wurde der junge Gelehrte zunächst berufen. Hier w rkte er unter den Augen des dritten in der Reihe der Dresdner Rabbiner, Zacharias Frankels, bis zum Jahre 1854, in welchem Frankel nach Breslau an das dort neugegründete Jüdisch-Theologische Seminar übersicdelte. Frankels Bedeutung als Gelehrter >var damals schon unbestritten; ihr verdankte er seine Berufung an die erste rabbinische Lehranstalt Deutschlands. Um so ehrender für Landau und eine ebenso große Anerkennung für seine bisherige Wirksamkeit war seine einstimmig erfolgte Wahl zum Nachfolger eines solchen Mannes, bie■ am 26. Juli" 1854 erfolgte und am 24. August vom sächsischen Kultusministerium bestätigt wurde. Titel und Amt eines OberrabinerS erhielt er bald darauf, am 27. Dezember des gleichen Jahres. Landau war von Hans ans eine stille Gelehrteiingtnr. Sein Wissen und seine Fihigkeiten berechtigten ihn, sich geben die-' Männer zu stellen, welche im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts die Wissenschaft vom Judentum begründeten und durch ihre grundlegenden Werke ihrem Namen für alle Zeiten Tauer verliehen. Zeugnis dessen sind die weisigen Abhandlungen, die er in Frankels Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums und später in der Monatsschrift fiir Geschichte un) Wissenschaft des Judentums veröffentlichte. Sie behandeln philosophische und talmndische Gebiete und sind auch tälweise heute noch von Interesse, so z. B. die Abhandlung, in ivelcher er die im Indent»», herrschenden Aufsassunge > über den Begriff dev Tiergnalerei darlcgt. Aber sein eigentlicher Beruf ivar die Wissenschaft gleichwohl nicht, viehneh ■ war dies die rabbinische Tätigkeit innerhalb der Gemeinde und innerhalb dieser wieder stand für ihn das Wirken als Lehrer der Religion und als Vater der Bedrückten in vorderster Reihe.! Als Lehrer der Religi m, als Lehrer des Jndentnms stand er Jahrzehnte vor seiner immer mehr sich entivickelnden und anfblühenden Gemeinde auf der Ztanzel, auf dem Uathtder, am Traualtar und an den Gräber». Eine wundersame, milde Beredsamkeit muß ihm eigen gewesen sein. In einem Ehrendiplom, das ihm nach fü ,fundzwanzigjähriger Tätigkeit als Rabbiner überreicht wurde, heißt es beispielsweise unter aiiderem; „In die -Herzen von groß und klein senkte er die Saat des Edlen". Als ivenige Wochen vor feilten, Tode der Gemeiiidevorsteher Joseph Bo nd i lein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum feierte, ein durch seinen Wohltätig- , keitssinn und seine sozialen Bestrebungen verdienter »nd allseits geachteter Mann, rühmte der Berichterstatter der- Israelitischen Wochenschrift „die herrliche, von warmer Begeisterung dnrchglühte Predigt des greisen Oberrabbiners Dr. Lauda u, die in trefflicher Weise die Bedeutung des Sabbats ' es war der Sabbat vor Tifchoh b'Ow - - mit der Jubel-! feicr verflocht." Und in den schriftlichen Auszeichnungen, die dieser Würdigung zizgrundeliegen, heißt cs wörtlich, daß er an den Gräbern, an welche sein heiliger Berns ihn führte, „es verstanden habe, den Zurückbleibendcn die .Kraft zum Tragen zu geben." Unendlich größer aber noch als feine sagen wir geistliche oder seelsorgerische Tätigkeit muß seine soziale Wirksamkeit gewesen sein. Ihren'Umfang zu ermessen und .zu begreifen, ist in unserer Zeit der umfassenden sozialen und fürsorgerischen Arbeit fast nicht mehr möglich. Es will uns Heutigen kaum mehr in. den Sinn, daß ein einzelner bewältigte, wozu, heute ganze Äemter mit Berufsbeamten erforderlich find. Und doch ist Wolf Landau eine dieser seltenen Persönlichkeiten gewesen. Er. war der Pater und Annehmer aller derer, die in Not und'Sorge waren: der Witwen und der Waisen, der Kranken und der Alten. Sei» .Haus stand jedem und jederzeit offen — und in dieser stillen Hilfsbereitschaft wurde er von seiner edlen Gattin Fanni geb. Feilchenfeld — es gibt keine größere Ehre für sie, als ihrer gerade an dieser Stelle zu gedenken allezeit und opferbereit unterstützt. Aus seinem Auge leuchtete die Mite hervor, die Milde seines Wesens, die Güte und Die Frömmigkeit seines Herzens, Und dabei waren die, die sich ihm anvertrauten, dessen sicher, daß das Geheimnis ihrer Sorgen und ihres Unglücks, das sic ihm offenbarte»,, (Geheimnis blieb. ° Ja, mehr als das, er ahnte und einpfänd, wo die Sorge zu Hause war und betrachtete es als feine vornehmste Aufgabe, solche „schweigende Not" aiifzusnchcn, zu finden und die rettende Hand.anznlxgen. So ward er nicht nur der s Wohltäter zahlreicher Einzelpersonen seiner Gemeinde, son- . der» erweckte und erhielt noch in ihr das Bewußtsein der I Verpflichtung aller gegen alle, in dem allein eine Gemcin- ' fchast leben und gedeihen und sich z» einer sittlichen ('5e= I mcinfdjaft entfalten kann. Unnötig zu sagen, daß sein Wollt sätigkcitssinn sich auch über den Kreis seiner Gemeinde hinaus erstreckte und haß er auch dem Andersgläubigen, der ihn rief, seine Hilfe zuteil werde» ließ. | Wo es zu lehren, ivo es zu helfe-, galt; da ivar Landa» am Platze, sonst aber liebte er es nicht, hervorzntreten. Aber auch gegen seine Neigung trat vr dann-in die Oesfentlichkei. wenn die Pflicht, die klar erkannte Pflicht, es erbeischtc. Dt größte Teil seiner amtlichxn Tätigkeit fällt in die Zeit dö Emnnzipationsbestrebiingen der deutschen Inden. Speziell i» Sachsen wurde de» Inden erst 1838 die Ansübnng einiger Gewerbe »nd -Handlverke gestattet, und es dauerte bis zum immji'üiiiüiiui: "RAUM! KUNSTi! DresdnerRaumkunsf V. Reisewlh Billigste Bezugsquelle ' erstklassige Möbel aller Art F'^eneinrichtungen/Innenausbau , öbel / Stoffe / Gardinen / DekoratloneU Kunstgewerbe ' j Allen meinen werten Kunden herzliche Glückwünsche 1 H naits W | Groß-Dampf Wäscherei I 1 ^ifeortshof °. 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