Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 3 (28.7.1926)
- Date
- 1926-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Leite 2 Gemeindeblatt dtr Israelitischen Religionsgemeinde Dresdest klar, das; c-s ein Tiug der llmiiöglichkeit >var^ die ganze Per« saisiuig an einem Tage durchzuberateii. Man begnügte»ch datier, drei Hauptvuiille beranszuicbäle», die-von primärer Bedeutung sind: den Rainen de'r Organisation, den Ziveck der Tnianiiatioii und die Organe der Organisation. Litton bei Beratung der Raineiisgebmig platzten die verschiedenen Ansichten auseinander. Ter von Lachsen geiviiuicyte Raine .Reickisverband der jdeiitickx'ii Inden" tonnte nicht angenoinnien iverden, da der-Hcilberstädler Berband sich nicht tx'teiligt und ioniit der Berband nicht für sich in Anspruch nebinen Kinn, die gesamte denticlte Iiidenbeit zu umfassen. Es würde zu iveit sichrem, alte bierzn gemachten Borschläge ausznzablen. Man einigte dich schließlichans: „Iüdisckier Reich-r-verband". Tie Ausdrucksiveise „Jüdischer .Reichsverband" wurde ivegen ibrer xtiirze und Allgemeinheit als geeignet erachtet. Auch die Ziveckbestiiiiliiiiiig zu sormiilieren, verursachtes nicht nnweientliche Lchivierigkeiten, die alvr überwunden > werden tonnten. Bei Festlegizug der Ausgaben des Reichs-> Verbandes ivnrde neben der prattiiclx'n Ausgabe, der Förde-! rnng d^ geuieinsainen Interessen, auch die ideelle Leite, die I Btlege d<'s l'v'amtbeivnsztseins der deutschen Juden, betont.! Tabei lau: durchaus zum Ausdruck, daß der Reichsverband1 die deutschen Juden und ibre Organisationen gegenüber- Reich »nd Teisentlichteit nur inioiveit vertritt, als nicht die! un übrigen durchaus souverän bleibende» Landesverbände - zuständig und. Taß zu den Ausgaben des Reichsverbrindes! das iveit ansgedebnw soziale <R'biet und die Unterstützung ' wisseii'chattlicher Bestrebungen geboren, ist eine Lelbstvär-! ständlichkeit. - : Tie ickxirisle Bolemit entspann sich, wie vorauszusehen' ivar, bei der Beratiuig der Organisation des Reichsrvrbandes.! Tie Breiie der Jüdischen Boltspartei hatte schon in tempera»! nientvollen Angrirsen die'Beriasinng als zu nndemotratisch abgelebnt. Borgeiehe» ivar ein R a t, der ans Bertrctcrn der- Beuvallnngen der Landesverbände bestellt, unter Anziehung' von zivei Rabbinern, einem T'ebrer und einem .Kantor. Tieser Rat soll die Eretntive darstellen, während als Repräsentant des R'eickisverbandes neben diesem Rat die R eichsta g u n g ' vorgesehen ivar. Um diese Reichstagung ging der .Kampf. Tie sollte hervorgeben ans,de» aus ällgeineineu Lächleu her-l vorgegainvuen Bertreterversamnilnngen oder gleickstehendenl Trganen der Landesverbände, ivährend seitens der Jüdischen! Bollsvartei allgemeine, direkte, aus dem Berbältnisiyilem! ber übende Wablen gefordert'wurden. Scharf setzte der Kampf! mit einem »Vorstoß de-.- bekannten Zionisten Tr. .Klee, Berlin,! ein. Er beantragte namens seiner Freunde die allgemeine: direkte Berlxiltnisivalit für die Reichstagnng und Beseitigung! der Rotabelnivirtsckxist. Er üversah nur dabei, daß es auch! Rotable des Geistes gibt und daß ein jüdisches Reichsparla-1 ment, ivie es iiuij vorschwebt, von einer grundsätzlichen Ltclliingnabine hierzu abgesehen, bei der verhältnismäßig seltenen Tagung tvorgeseben war für die Reichstagnng! jedes dritte Jahr) nicht die Bedcntnng haben kann, die die! enormen Kosten bei der an sich starken Wahlmüdigkeit und! der 'Ttenerickieii rechtfertigen könnte. .Tabei bleibt es noch fraglich, ob die Landesregierniige» derartige Wahlen zulasten würden. Nr. 3 L0 wundervoll die begeisternden Worte Klees zu dieser .Frage waren, sie konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dgß in der Praris die Turchftihrbarkeit seiner Forderung unmöglich und auch nicht glücklich ist. Aus den verschiedensten lagern erfolgte dann auc) Widerspruch, und als an dieser Klippe das Schiff zu zersi Hellen drohte, ließ der Vorsitzende, .Kammergerichtsrat W o l f, .Präsident des engeren Rates des Preußisäx'n Laudesv wbandes, die Mittagspause eintreten mit dem nicht ungeschickten Hinweis darauf, daß unüberbrückbar scktcinende teigen sähe bei gastlicher Tafel und Münchner Bier unter Uiiständen leichter beseitigt werden töniien. lind wirklich glückte es. zwisckien Luppe und Fisch die erlöseiide Formel zu fii den. 'Ter Vorsitzende der Preußisch» Laiidcsversani.mluiig. Iustizrät Lonnenseld, Berlin, schlug dem Vertreter Lacksens, der sich durck)aus gegen dis allgemeinen Wahlen zur lieichstagung ausgesprockien hatte, vor, diese Reichstagung als überflüssig zu streickien, und die Ausgaben dieser Rcichstagjung ebenfalls dem Rat zu übertragen. Tas deinokratisck« Prinzip wird dadurch gewährleistet, daß die Vertreter chim Rat von den dazu berufenen L'rganen der Landesverbände, soweit unter diesen nicht eine Einigung erfolgt, in gehrimc'r Verhältniswahl zu wählen sind. Tieser Antrag Soi» enfeld wurde fast einstimmig angenommen, nachdem der Antrag Klee gegen einige wenige Stimmen abgelehnt worde l wcir. Taniit waren die Hau Kfragen "erledigt, und es bleiben außer der" wichtigen Finanzierungsfrage nur noch Fragen sekundärer Bedeutung offen. So steht zu envarten, daß der jüdisckze Reichsverband im Jahre l!)27 gegründet werden kan« und daß mit seiuek litründuug ein großer Lchritt vorwärts getan ivorden ist. L ie notwendig die Schaffung dieser Organisation ist, hat blitzlnlztartig der Vorstoß der Völkischen iir Bayern gezeigt. Aus der Tagespreise ist bekannt, daß ein Antrag der Ratioiralso.ziali tisckzeu Arbeiterpartei im Bayerisckien Landtag äugeno»lnicu! wurde, der die bayerisckie Ltaatsregierung. ersuchte, das Schächten nur nach vorheriger Betäubung der. Tiere zu genehmigen. Das-Mäntelchen -des Tierschutzes mußte wieder einmal herhalten, um dem Stoß gegen jüdisckic» .Kultus uns Ritus die nötige Kraft zu verleihen- Tie (Gefahr ist groß, größer als man heute noch iin jüdifckicn Lager nuzunehmen geneigt ist. Ter Bescheid der bayerischen Ltaatsregieruna steht noch aus, aber selbst vom Bayerischen Israelitischen Gerneiiideverband befragte Ltaatsreckitslchrer erklärten, daß ihrer Ansicht nach die Lchächtfrage durchaus der Landes-, nicht jdcr Reichsgesetzgebung unterliege.. Im Lepteniber dieses Jahves tagen die deutschen Tierschutzverbändc in Tarmstadt. Es ist aus zuverlässiger Quelle bekannt geworden, daß auf dieser Tagung der Generalangriff gegen das Lchächtcn erfolgen soll. Die von sämtlichen Landesverbänden einmütig!gefaßte Resolution an die bayerisckic Staatsregierung ivird hoffentlich nicht ungehört verhallen. Bedauerlich bleibt es aber, daß nicht schon heute der Reichsvcrband vorhanden ist, der diesem geplanten Angriff mit gesammelten Kräften entgegenzutreten vermag. Lo bleibt es Aufgabe jedes einzelnen! Landesverbandes, die drohende Gefahr rechtzeitig zu erkennen und abzuniehren. Es bedarf keiner besonderen Feststellung, daß auch der Lächsische Jsraelitisckie Gcnieiiidebuiid alle if»n in dieser Beziehung notwendigen Lchritte in die Wege geleitet hat. zDie Juden in Saufen während des Mittelalters I iilllilf)} Bon Waldemar Lippert >'.errengeschlechtcs, das in, Wappen die znvi gekreuzten solchen, die sie nach freiwilliger Vereinbarung" zahlen. Ge- "< anamamme führte, und von dein ein Zweig als Herren richtsstand am Lrte selbst, wobei nur dem Vogte oder seinem von 'vd'imnit und großen Teilen der Sächsisckx'll Schweiz, Vertreter die . Urteilsverhängnng zusteht: gerechtes Derdann von Muhlberg, lange Zeit iinri) i» der niciRiüjdk'n Wcfahren bei Prozessen, wohlwollendes Zeugenbeweis, Genehlanchle enie Nolle ivrelte. ^n bieiem Statut von 1383 migung freien Grnndbesitzerwerbes, Strafandrohung g^gen iverden c-er privilegierten^^udenfannlie weitgehende Rechte ihre Widersacher, - das sind die wichtigen und wertvollen und Borteile zugcweiidct, schütz an Leib, Ehre »ich Gut gegen Hauptbcsiimmungen. Elegast mit seiner Familie bildet eine jedermann, unbelastrgter Aufenthalt, frere Religionsübung in! ganz sich stehende Gruppe, d,ie keinerlei Zusammenhang