Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 1 (28.5.1926)
- Date
- 1926-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 1 fern Amt niebcrlcocu. 'Nach Iudenordnung § 18 soll der llüicrncbenc der Indenäliesten, der Iudenbestcller, ein rechlliwcr, gentleter, imeigcunütziger Mann sein. Um wie viel nicht der Aelteste? Nur . us bester Familie, mit gehörigen .Kenntnissen, voni moralischem Charakter soll er sein. Schlefii-i'ter hat vor langer Zeit 150 Taler ans der Gemcindekasse erborgt. 17 Gemeindemitglieder verbürgten sich für ihn und bezahlten es' bis auf eine kleine Suiyme. Er hat üi.ch i:u Mai und Tksober INtG 25 Taler. und 30 Taler aus der ,Gemeinde!asfe entliehen, er ist cnwnnützig gegenüber een fleischern,' steht bei der (Gemeinde in Mißkredit. Hierüber befragt, erklärten Moses Lehmann und Mendel' Sckie an Ratsstelle <10. Mär; 1817): Bor länger als zwanzig vvOluen habe Schlesinger an r» Der 'Wcmcinöcfaffc Geld erborgt, es fei zurückgezahlt.- T.ie (N'ineindekasse gen zur Unterstützung bedürftiger Olcineindemitglieüer oestimiut. Es l>abe niemand ZuivaHI von Aeltesten verlangt. Die fünf flei'ch.cr. die damals koscheres fleisch vorkauslen. 'prechensich eui Befragen des Rats fit. 'I'itir; 181<) da ln n aus: Sck^esinger habe sie aus (Gewinnsucht vielfach tnrbiert. Er -verlangte als Geschenk unentgeltlich fleisch, nimmt fleiich ans .Kredit. und bemängelt das Gewicht, wenn sie nicht borgen wollen. Tagegen erttärt Schlesinger *dbit: Tie alte Schuld von vor 20 fahren ist bezahlt, seine Bürgen sind größtenteils de-, friedigt, die peitcrlichen zivei Tarlchne sind richtig, die Gemeindetasie schulde ihm mehr. Tie fleischcr drücken die 'GemeindemitKlitider. sie geben den Armen Knochen, benach^ teiligen sie iy, Gewicht. Tie beiden Bondi Halten erklärt, si.- ivollen ihre Ajvvcll. tion fallen lassen, wenn M-arkus Bondi Aeliesicr.'Abradam Bondi .Kassierer würde. Markus Bondi >o!l ge'aat badest. er gebe lOO Louisdor, wenn er Schlesinger rem Aeltestenamt wegbringen könne. Tie beiden Bondi, . von dem 'in' deren familien von jeher geltend gemachten .'xir^ckvrgci'k in hohem 0>rade beseelt." seien seine Gegner. Et habe aus natürlicher Abneigung die gewöhnlichen Erwcibs zweige d/r gemeinen Handelsjuden nie betrieben, bei Tarlehnsgeichütten wiederholt große Verluste erlitten. Er habe seine Zeit vorzüglich den Aeltesrengeichästen gewidmet und sei dadurch unver'chuldct in Vermögensabfell geraten. Er framme ans einer -er bcsien, geachtxtsten und kontribuabelsien fmnilien der hiesigen fudetijchaft. Sein Betragen sei untadelbaft, sein Ruf unbescholten. Sein Vater Nathan fcel ans Eoirl habe in Prag Theologie studiert, hier einen großen fuwclcnbandel betrieben und hebe beim Bombardement Dresdens sein Vermögen größtenteils verloren. Seine Anhänglichkeit für die Gemeinde bekundete er durch Stiftung der Krankenanstalt. Ankauf des Bcgräbnisplatzcs 1751. Errichtung der Betgräbnisgcsell'chaft. deren Vorsteher er ward. „Ich -- der Tosin — trat in seine fußsrapsen. Nach seinem Tode ging ich im 11.- fahre auf die Schule nach Prag, dann nach Berlin tinh heiratete dann Woli fakobs Tochter hier. 179-1 wurde ich Vorsteher der Krankenanstalt, dann Tolinctscher und Aesltester. Auch im Meßzsiatz Naumburg bin ich Tolnietscher. s fch habe mit Abralxnn Herz Meyer die Statuten für die! Krankenanstalt entworfen, fch hebe Kranken Beistand geleistet, 1813.1-1 750 Taler zur Unterstützung der Notleidenden' gesammelt (nur der verstorbene Abraham Bondi schloß sich aus), fch war der einzige Aelteste, der damals irsich AusiorderuNg des Polizeipräsidenten die Stuben der indischen Kleiderhändlcr besuchte und mit Schwefelsäure durchräuchern ließ. Tie Prager fudenältesten haben 3000 fl. Einkommen. Mir angebotene Gratifikationen habe ich stets ebgelelmt. Seit meinem Eintritt ins Aeltestenamt - - 1797 — sind die Geburts- und Sterbelisten besser geordnet. Die. Gemcindekasse betrug damals 400 Taler, jetzt so hoch, weil ich? Ungebührnisse beseitigte. So war (laut der Ten.»Sache Sols Lazarus contra Solomon Bondi) nach dem Tode des verstotbenen Bondi kein jtassenbuch und keine Rechnung da. Ter. ältere Bondi Hat in Sterbeföllen Geld erpreßt. Ta:-' schasste ich ab. Ich wollte meine Kinder nicht zu. Trödeljudeu erziehen. Deshalb war ich auf Schulen bedacht. Die familie Bondi verhinderte meine Bemühungen, Simon Bondi zerstörte meinen Organisationsplan. Zuletzt wurden mir aus Gcmcindemitteln 200 Taler bewilligt, um Schritte vir politischen Verbesserung der Juden zu tun. Ich unterließ deshalb eine Geschäftsreise nach Berlin, das Geld erhielt i.h über nicht. Bondi vereitelte die Sache. Ter größte Teil der Aeltestcn und die Mehrzahl der.Hausväter wollten einen Rabbiner, die familie Bondi juor dagegen, sie wollte bloß einen Religicnslehrer. Die Feindschaft derselben zog ich mir d. durch zu. daß ich mich weigerte, für die Steuerbehörde zu bezeugen, daß die Gebr. Saloman und Isaac Bondi große Geldverluste gehabt, der dritte Bruder David, der Vater von Markus Bondi, von einem Hiesigen um sein Geld und an den Bettelstab gebracht worden ist, so daß sie nicht mehr den bisherigen Steuersatz zahlen können." Dieser Verteidigungsschrift hat Schlesinger beigefiigt: ein Zeugnis des Lberrabbiners Hirfchcl Löbel in Berlin vom 25. Februar 1795, daß er ein kcnntnisvoller und lvohltätiger Mann sei, eine Vollmacht von 10 Mitgliedern der jüdischen „Kranken-, Armen- und Verpslegungsgesellschaft": „dieweil der Vorsteher Heymann Salomon wegen Reifen niedergelegt und Joel Nathan Schlesinger seitdem und vorher die Geichäfle auf treulichste verwaltet hcch ans Isaac Simons Nachlaß 100 Taler zu erheben." Ein weiteres Zeugnis der Gemcinde. unterzeichnet Kaslele Töplitz, vom 11. Februar 1780, bescheinigt: „Demnach unsere Altväter mit der lvahrhaften Gnade und Hilfe Gottes es dahin gebracht haben, dm', wir den vor dem schuiarzcn Tore befindlichen Begräbnisplab mit dazu erforderlichem Haus für uns und unsre Nt-chkommen.mit gnädigster Erlaubnis ankaufen durften", daß I. N. Schlesinger für sich, Frau und Kinder gegen Zahlung Von 25 Taler 10 Gr. das Mitbenutzungsrecht erworben hat. Schlesinger fügte ferner in Uebersetzung aus dem Hebräischen die Protokolle Mehrerer Sitzungen in der Gemeindestube auf Anlaß der Verordnung vom 29. August 1808 die Lrganisation betr., bei. Hiernach hat'die Gemeinde rm Beisein der Aeltestcn eine Deputation gewählt, bestehend aii 5 Michael Kaskel, Sein Lippmann, Jakob Löbel Schie, Abraham Pollack, Aaron Joel Emanuel, Kaim Samuel, Abraham Hertz Meyer. Diese Deputation beschloß am 9. November 1808 unter Vorsitz der Aeltestcn eine Vorstellung zu machen wegen der moralischen und politischen Verbesserung der Lage, daß die Juden als Untertanen anerkannt werden, ihnen Nahrungszweige verstattet werdest, die entehrende Beaeguung vor Gericht beseitigt, auf religiöse und moralische fvgcndbilüung hingewirkt werde. 'Schlesinger sollte die erforderlichen Schritte tun und hierfür 200 Taler erhalten (18. November 1808). Eine fernere, aus dem Hebräischem übersetzte Anlage ist eche Umfrage an die .Hastsväter vom 17. November 1801: „Nachdem verschiedene Hausväter sich geäußert haben, daß der Oberrabbiner wegen Alters seine Funktion vielleicht nicht gehörig verrichten könne", wird äuge tragt, ob ein neuer Rabbiner anzustellen sei. 35. Hausräter erklären sich für einen neuen Rabbiner (darunter einzelne für einen „weltberühmten", „wohlbekannten" mit ,?gntem Dialog begabten", nur der Aelteste Salomon Bondi und der Kassierer Isreal Bondi für einen Religionslehrer, Wolf Lazarus für keinen, „so lange unser Rabbiner lebt." Die beiden Bondi bezogen sich noch auf die vielen gegen Schlesinger anhängigen Schuldklagen. Ihre Appellation wurde verworfen (Verordnung vom 21. Mai 1817), nachträglich aber angeordnet, daß die Zahl der Aeltesten auf sieben zu erhöhen sei, zu jeder neuen Stelle sollen die Aeltesten vier oder fünf Personen Vorschlägen, auch sollen sie gemäß der Verordnung von 1779 Rechnung dem Rat oblegen, endlich sollen von dem Elelde 372 Taler 2 Gr. Hauptgeschäft: Dresden-N., Alaunstr. Fernruf 11164 13 Offenbacher Lederwaren J. Minikes 8W Zweiggesch.: Dresden-A. Amalienstr. 24 (Amallenhof). Fernruf 15084, 18631