Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1926-01-29 · 9 (29.1.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
1 (1925-1926)
Issue
9 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4892693-5769608-5769670--0115-4892770
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«r.S tmi nfceMatt der tzsraelitischeu Reltgion-gemeinbe Dresden Seile 8 delt hätte, die Polizei alsdo würde, einzuschreiten. Was Juden, unseren Landsleuten nn unbedingt verpslichtet sein aber jenem recht ist, isl >en billig." , " Warum ist all das gerade in Augenblick besonders aktuell? Im Herrenhause hatte seinerzeit der Minister des Innern, non Moltke, auf die Interpellation des Herrn Tr. Struckmann geantwortet: „Ich nehme... keinen Anstmd, dieses ganze Verfahren als eine grobe Ungehörigk it zu bezeichnen, zu der nicht einmal Mut erforderlich ist, und ich habe die mir unterstellten Behörden angewiesen und mich mit den Justizbehörden in Beziehung gesetzt, um zu veranlassen, daß mit allen Mitteln, die möglich sind, dagegen eingeschi itten wird." Mit welchen Mitteln ist nu r eingeschrittcn worden? Noch im Jahre 1919 erteilte der )amälige Regierungspräsident von Heppe dem sozialdemokratischen Wahlverein in Borkum, also Inselbewohnern, di: sich über dieses Treiben beschwert hatten, den Bescheid, :r könne dagegen nichts veranlassen, überdies habe sich bi cher von den Badegästen „nur ein jüdischer Kriegsteilnehmer', Insasse der Militärkriranstalt, über das Dulden des Absinger s des Liedes beklagt." „Nur" ein jüdischer Kriege teilnehmer! Kann die jiidijche ..Rechtsnot" erschütternder zuru Ausdruck gebracht werden? In de« letzten Jahren Haren jedoch unter ausdrücklicher Billigung des preußischen Ir nenministers 2 e v e r i n g die Verwaltungsbehörden endlich l urchgegrisfen. Dem Gemeinde- Vorstand in Borckum wurde verboten, das Lied weiter durch die Badekapelle spielen zu lassen. Die hiergegen eingelegten Beschwerden kamen vor dem Pr nißischenOber vermalt u n g s g e r i ch t als letzte Ir stanz zur Entscheidung. . Und wie läutet diese Entsheidung? „Das Verbot müsse aufgehoben werden, dein wenn auch vielleicht das Singen des Liedes eine G< fährdung der öffentlichen Ordnung darstelle, so könne das Spielen der an sich einw.indfreien Melodie nicht verhindert werden." Ich will auf die praktische Undurchführbarkeit dieser Entscheidung hier nicht eingehen. Schlimmer scheint niir, daß den oben erörterten strafrechtlichen Gesichtspunkten nicht oder jedenfalls nicht in hinreichendem Matze Rechnung getragen worden ist. Tenn die Badekapelle weiß aus der täglichen Erfahrung, daß das Spielen der einwandfreien Melodie für einen Teil des Publikums nur das Signal zuni Singen des keineswegs einwandfreien Textes ist. Ist nun das S r n g e n, wie oben ausgeführt, eine strafbare Handlung, dann.ist auch das Spielen unter dem Gesichtspunkt der Anstiftung und Mittäterschaft gleichfalls strafbar. Tie Organe der Polizeigemalt sind aber dazu da, solche strafbaren Handlungen zu verhindern. Das Ergebnis ist also: Im Jahre 11108 sichert der Minister von Moltke energisches Einschreiten der ihm unterstellten Behörden zu. Als im Jahre 1924 ein preußischer Innenminister dieses Versprechen einlösen will init der ausdrücklichen Begründung, daß andernfalls für deutsche Inden praktisch der Artikel 111 der Reichsverfassung außer Kraft gesetzt sei, daß ihre Freizügigkeit aufs äußerste gefährdet wäre, fällt ihm die oberste preußische Vermaltnngsbehörde in den Arm. „Vom Fels zum Meer!" Es handelt sich um n.cht mehr und nicht weniger als um einen Versuch im kleinen der Einschränkung der Freizügigkeit der deutschen Inden. Tenn was sich heute Borkum, Juist, Zinnowitz und andere Gemeinden leisten, das kann sich morgen ein Tutzend weiterer preußischer Gemeinden gestatten. Und weil es sich hier um die ersten Versuche handelt, darum gilt hier vor allem das Mort „Urineisiiis obets!" ' 'RAUM Mit. .Ulli iiii« ■■ ■■ ui ii ÜKUNSTl!!! DresdnerRaumkunst; Viktoria Straße 5 7 * Fernruf 15214 * wegen Liquidation . Günstigste Einkanfsgefegenhelt » Gedenketdes Vereins Machsike Thora! Hotr: Schatten über sie au«. unsere heilige Sach«. < Mögen Drkane unser Notruf! Die täglich wachsende Wirtschaftskrise, die Sorg« um da« nackt« Dasein der einzelnen haben bereit» die wohlfahrtsvereine in ihr« Strudel hineingezogen und breftrn in erschkeckender weise ihre düsteren Die» dürfte wohl bei allen Vereinen der Fall sein. Unseren Verein Machsike Thora bringt die Lrise in eine besonder« schwierige läge, da unser« Ausgaben ftst und unabweislich sind, wir können daher nicht, wie es andere Vereine in einer ähnlichen Lag« tun würden, die Ausgaben von den Einnahmen abhängig machen. , Unsere Talmud Thor« in der Lranachstraße, die von etwa 150 Schülern besuiht wird, in der drei Lehrer wirken, deren segensreich« Erziehung« »rbeit für die jüdisch« Jugend genügend bekanm ist, hat einen schweren Lampf ju führen. Täglich;ahlung«fähigen Eltern zusammen, täglich kommen Linder solcher Eltern hinzu, die gestern noch ld Thora entbehren zu können. 4 Die pfotten unserer Lehranstalt find dessenungeachtet weit ge» wollen wir zartt Livderseelen der Lehre «Sötte» zuführen. Unsere Tätigkeit muß daher erweitett schrumpft die Zahl der glaubten, unsere Talmis öffnet, und mft Zreude werden. 4 Angesicht« dieser Lage appelltere« wir an die brefte jüdisch« Geffentlichkeit und bitten um rege« Interesse für wir rufen allen jüdisch Gesinnten jus Scheut kein «Opfer, wo e« die Seel« der Jugend gilt! Leben umbrausen: so lange rein« Linderlippen in gläubiger Hingebung zu Gott stehe« und wir in ihre Herzen die Lehr« Gotte», da» einzige, wa« wir au» der ZerstSrung mitnehmen durften, rinoflanzen, so lange werden wir dieser schweren Zeit nicht erliegen, ebenso wie wir viel schlimmere Zeiten in der Diaspora dank unserer Thora überwunden die schlechten Zeften ni> Nutzen r wir fordern v unserer Gesamtheit di> unserer Zukunft durch sein, muß in seinem HI Die vergeltu Spenden Darum bars — wo e» gilt, jüdischen Lindern jüdische» Wissen beiMb ringen — auch aus hingewiesen wrrden, um sich der großen Pflicht zu entziehen. 4 Unser Appell diem nicht unserem tlmrhr, daß di« jüdisch« «veffentlichkeit ihr Augenmerk einer Institution ftiwendet, di« dick Zukunft und daß sie durch ihren Beitritt ihr Interesse dokumentiett. 4 Jeder Jude, dem die Erhaltung Erstehung zu jüdischem wissen am Herzen liegt, muß Mftglied unsere» Herein» Machsike Thora »use unsere Talmud»Thora«Büchse haften, muß durch Sammlungen der Talmud Thora gedenken, ig wird nicht auobleibrn: da« Sechuß der Thora wird uns zu besseren Zeiten verhelfen. Der Vorstand d^s Verein» Machsike Thora. bitten wir auf Postscheck-Lonto 16 911

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.