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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1925-08-25 · 4 (25.8.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
1 (1925-1926)
Issue
4 (25.8.1925)
Date
1925-08-25
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 Gemeinde blatti der Israelitischen ReligionSgemeindr Dresden Nr. 4 konnte, daß der Arm^ eine gröbere Wohltat an dem Reichen jibt als der Reiche an dem Armen. Durch die Zedokoh ehren wir Gott und dienen wir unsrer Leele^ fSo kommt es, daß;^edokoh gleichsam der Ausdruck wird für! Frömmigkeit, und der Zaddik, derjenige, der Zedokoh iibtj als der Fromme Klechthin gilt. Freilich wollen wir dabei nicht vergessen, ß auch die Zedokoh, als Gerechtigkeit empfunden, noch einer Ergänzung bedarf. Ter Talmud stellt den Grundsatz auf, die Zedokoh erhält erst ihre Vollendung durch die Liebe, "ton ' lCbessed), die in ihr enthalten ist. Daraus entwickelt sich ein neuer Begriff, der Begriff -Gemilluth Chassodim, tätige ' Menschenliebe, und es wird der Grundsatz, aufgestellt: „Auf; drei Dingen ruht der Bestand der Welt: auf der Gotteslehre, dem Gottesdienst und auf tätiger Menschenliebe. Ten Unter- ' schied zwischen Zedokoh, der gebotenen Pflicht, dem Armen zu helfen, und Gemilluth Chassodim, der Betätigung der dem Herz«i entströmenden Liebe, erläutert der Talmud' in folgendem Satze: -In drei Dingen ist Gemilluth Chassodim größer als Zedokvh. Zedokoh übt man mit seinem Vermögen, Gemilluth Chassodim mit dem Vermögen und mit Einsetzen der eigenen Person' Zedokoh übt man am Armen, Gemilluth Cbaüodim am Armen und Reichen; Zedokoh ist für die . Lebenden, Gemilluth Chassodim für Lebende und Tote. Tote bestatten, Kranke besuchen, Witwen und Waise» helfen, den Menschen mit Rat und Tat beistehen, all das den Menschen erweisen, wozu ein liebendes Herz einen drängt, das in Gemilluth Chasfodjm, und das ist nach, jüdifcher Auffaisung eine der'-Grundstützen der Welt, ohne die sie zirsamnr^nbricht. , Es naht der Tag des Gerichtes, der Tag der Versöhnung, es mahnt der Ruf des Schosars uns an unsre Pflichten. Schwer lastet die Not der Zeit auf den Menschen. Wie vielleicht noch nie, ist es nötig, Hilfe zu spende«. Der Mahnruf der ernsten und heiligen Tage sojll und darf nicht ungehört verhallen. Viele Institutionen unsrer jüdischen Gemeinde ' sind geschaffen, um der Not zu steuern und furchtbarem Elend -abzuhelfen. Die Geldmittel sind erschöpft. Täglich werden in der Mittelstandsküche der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden gegen 100 Mensche«, mit Nahrung versorgt. Viele, die in den letzten Jahren ihre Ersparnisse eingebüßt haben,'.die früher selber zju den Gebenden gehörten, brauchen dringend Hilfe, um sich und die Ihren kleiden.und ernähren zu können. Heimatlos! wandern viele Glaubensgenossen durch die Welt, suchen einen Ort, wo sie Ruhe, Arbeit und Brot finden. Es sist Menschenpflicht, diesen Äermsten zu Helsen. Zedokoh, lautet die Mahnung dieser' Tage! Nur wenn jeder seine jüdische 'und seine moralische Pflicht erfüllt, aber auch nur dann, kann die dringendste Not behoben werden. Wer könnte ruhigen Gewissens an den komj wenden heiligen Tage» vor Gott hintreten, ohne zuvor diese Pflicht erfüllt zu habend Teschuvoh, Tefiloh, Zddokoh, zur Umkehr, zu Gebet und Liebe, mahnt uns der Ruf des Schosars. Möge er vernommen werden in allen Kreisen und in.allen Häusern. Möge er Widerhall finden in den Seelen der Menschen und sie bestimmen zu helseiider und beglückender Tat. Sittlichkeit als Grunbforderung des Judentums Von Rabbiner Tr. B a e ck, Berlin. .Im Judentum ist die sittliche Forderung ein Grundsätzliches, ein Tragendes der Religion. Die Ethik ist hier zur Religion nickt h.inzngefügt, sondern ein Wesentliches in ihr. Ohne sie gibt es hier keinen Glauben an die Bedeutung des Lebens noch an das, was über das Leben, hinausgeht. Ta^ Nene, das der Glaube Israels der Welt gebracht hat, wurzelt in diesem bestimmten ethischen Charakter, der ihm eigen ist. - Der Monotheismus Israels ist der ethiscke Monotheis- , inus.- Die Einheit Gottes ist erkannt worden, weil die gött- ' licke Heiligkeit erkannt worden ist. Der eine Gott, den die Propheten verkündet haben, ist der eine, nicht etnxr, weil er allein das ist. was die Götter der -Heiden zusammen sind, sondern er ist der eine, weil er anders als sie ist, weil das eine Gute in ihm seine Wirklichkeit und Gewißheit hat. '.lieben dein einen sittlichen Gott können keine andern Götter fein, weil die eine Sittlichkeit nichts anderes neben sich duldet. Der einig-einzsge Gott und der heilige Gott, das bedeutet hier das gleiche. Ter eine Gott verkündet dem Menschen, was das eine Gute ist: Gerechtigkeit und Liebe zu üben. Darin liegt der Unterschied.zwischen .ihm und den vielen (foltern. Der Glaube an den einen (flott ist so ans der Unteilbarkeit der Gewissensforderung hervorgewachsen. Ter Satz: ...Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig" und der andre' Satz: „Tu sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen -Herzen, mit deiner ganzen Seele nnd mit deiner ganzen Kraft" gehören unlösbar zusammen. Mit all dem, was in uns ist und was uns gegeben, können wir nur dem einen Gott dienen, und nur der eine Gott kann es gebieten, daß das ganze .Herz, die ganze Seele und die ganze lkraft des Menschen sich' ihm hingeben. In der sittlichen Einheit seiner Seele wurde dem israelitischen Menschen die Einheit Gottes bewußt. Gott erkennen bedeutet hier nicht, sein Wesen verstehen, sondern sein Walten begreifen, den Weg des Rechten sehen und gehen, den Gott gewiesen hat, den einen Weg, der für alle die verschiedenen, mannigfaltigen Menschen der gleiche * ist. Tie Wege Gottes sind die Wege,, die der Mensch suchen soll. Auf ihnen kann er sich Gott zuwenden, Gott anhangen. Erst durch die Treue gegen Gottes Gebot, gegen die sittliche Forderung, die von ihm dem Menschen gestellt ist, tritt 'er vor den einen Gott hin, um ihm zu dienen. Je mehr wir wahre sittliche Menschen sein wollen, desto näher sind wir Gott, desto näher ist er uns. Wir> können ihn immer finden, wenn unser ganzes Herz sich seinem Gebote zukehrt. Hierdurch gewinnt das Leben des Menschen seinen Sinn; In «ihm ist ein Wirkliches: das Gute. Und dieses Gute, dieses Sittliche vermag der Mensch-zu sck>affen, er vermag es zu verwirklichen. Darin bildet er sein Leben, er wird ein Schöpfer des Guten, das Ebenbild des einen Gottes. So viel des Guten gibt es auf Erden, wje Menschen Gutes tun, Gutes ins Dasein rufe». Das Leben ist von Gott dem Menschen gegeben, und er selbst soll es gestalten und bereiten. Dadurch, daß er das Rechte übt, „erwählt er das Leben", wird er der' Schöpfer seines Daseins. In der sittlichen Tat wird damit der Mensch des Könnens, das in ihm ist, bewußt, in ihr kann und soll er sich entscheiden, in ihr erfährt er um seine Freiheit. Das Gute und das Böse ist vor ihn hingestellt, damit er wähle. Auch die Freiheit ist eine sittliche Aufgabe, die Gott in das Menschenleben hineingelegt hat, damit sie erfüllt werde. Ter Wille zum sÄuten ist der Wille zur Freiheit und dev Wille zum Leben. Das Leben zu wählen und zu gestalten, das ist die Forderung, die das Judentum an den Menschen richtet. Das Leben des Menschen steht so nicht unter der Schicksalsbestimmung, die über ihn verhängt ist, sondern unter der Entscheidung, die er selbst trifft. Sein Ziel ist ihm gegeben, zu dem seine Freiheit ahn hinfülrt. Er vermag, »Venn er von ihm sich abgewendet hatte, umjukehren, um jetzt den Weg - zu gehen, auf dem er Gott finden Er kann sich versöhnen, sich reinigen. Seine Tat, die sittliche Tat ist es, die die Veridbnung schclft. Nicht das Wundes und nicht ein Sakrament bringt sie sondern die Freiheit, die in ihn gelegt ist. Und in der Versöhnung schafft sich der Mensch dann die neue Freiheit und. damit d:e neue Verantwortung; sie wird zum Wege, zur neuen Ausgabe t- W>e den: einzelstln ist dieses Ziel der Menschheit gesetzt. Ihr Zre' ist die (»rsüknng des Griten ans Erden, die Ver- Hottpigesdiäft, Dresden - Ni, Afaunstr. IS Fernruf 11164 Offenbacher Lederwaren / J. Minikes t

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