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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1925-08-25 · 4 (25.8.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
1 (1925-1926)
Issue
4 (25.8.1925)
Date
1925-08-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ft c mein der Israelitischen Religio m> Amtliche- Organ DreSde Bnanttvortl. Schckstleltuooc Bürotlrettor L.Plormackrr. Dre^dra - Verlag: Zstaelitist«Rrliaioasgemrinbr Dres-cu - Druck: Kais» D üomp.. 1925 Dresden, den 25. August Nummer Schofarklänge! -Von R ibbiner Dr. Albert Wolf Am Reumönd de» . Ellul pflegt man den Schall des Schofars vernehmen zu lassen. Des SchosarS Ruf soll die -Herzen wecken, die Gemüter aufrütteln, die Seelen vorbereiten für die koinmenden heiligen Tage. In früher Morgenstunde, ehe noch die Tonne sich über den Horizont erhebt, pflegt man zu n (Äebete sich zusammenzufinden, um Gottes Verzeihung und Vergebung zu erflehen. Wie wenige . kennen noch dön fron »men Brauch! Im spärlich erleuchtete» Gotteshaus versammelt sich die Gemeinde, um Lelichorh zu sagen. Eine stille R omantik liegt über den Menschen, ein leises Singen geht d »rch den Raum, heilige Andacht erfiillt die Beter. > Die Ueberlseferun j hat einen mystischen Schleier um diese Tage gewoben» ' Am Reumond des Ellul stieg Mos? nach der Versündigung des Volkes beim goldenen Kalb auf den Berg Sinai, um zusn zweiten Male die steinernen Tafel» zu erhalten, und er blieb!>ort 40 Tage. Am 10. Tischri, als Gott sich seines Volkes eroarmt lind die Schuld verziehen hatte, stieg er wieder vom Berge herab. Seit damals sind diese Tage geheiligt und gelten als Tage der Gnade, und der 10. Tischri wurde zum Tage der Versöhnung bestimmt. Der Monat Ellul gilt auch uns als eine 3eit der Vor- ' bereit»ng. In den Begriffen , naitrn r6en npis sind nach der Meinung unsrer Weisen die Forderungen enthalten. die wir Menschen erfüllen müssen, um an den heiligen Tagen vor Gott hintreten zu dürfen. Das Wort Teschu ooh pflegen wir in Anlehnung an nichtjüdische Anschauungen mit.Buße zu übersetzen. Die wortgetreue Uebersragun j ist aber Umkehr oder Rückkehr Wie oft, ist auch hier die wörtliche Uebersetzungdie sinngemäße. Wenn du abgöirrt bi t vom rechten Wege, dann kehre zu Gott zurück! - In der. Lehre -von der Teschuvoh findet die Anschauung des Judentums übe» die Seele des Menschen und über das Verhalten des Menschen zu Gott ihren reinsten und schönsten Ausdruck. Mein Gltt, so beten wir an-jedem Morgen, die . Seele, die du mir gegeben hast, ist-rein. Das Judentum kennt keine Schuld, ein Böses, das der Seele anhaftet; das Böse ist keine Macht, die gleichsam als Schuld des ganzen Menschengeschlechtes ruch den einzelnen belastet. Vicht sollen die Väter um der Ki ider willen und nicht die Binder um der Väter willen sterben. Jeder ist für seine eigenen Sünden verantwortlich. Wall lebt in uns der Trieb, den sinnlichen Begierden nachjfugeb m. Indem wir dem Trieb zum Bösen die Herrschaft über u nsern Körper und Geist geben, verfallen wir der Sünde. Allnn in des Menschen Brust lebt auch der Trieb zum Guten, Frei ist unser Wille, dem Trieb zum Guten zu folgen oder dem. Verlangen.des Bösen nachzugeben. Gut und Böe, Leben und Tod, Segen und Auch hat Gott in des-Mensche r Hand gegeben. Tu aber, so lautet die Mahnung Moses an sein Volk, erwähle das Leben: die Würde des Menscher beruht darauf, daß er die Freiheit -hat. zu wählen zwischen Gut und Böse. Freilich kein Mensch vermag den bösen Trieb so zu zügeln, daß er niem rls der Sünde verfällt. Steht nun die Sünde wie eine trennende Schranke zwischen Gott und Mensch, so daß es dem Menschen nicht mehr möglich ist, die Reinheit seiner See e wiederzufinden, ist das Böse, einmal begangen, eiy. Fluch, der den Menschen verfolgt und ihn incht . f* mehr nur Ruhe kommen läßt, so wie nach der alten hei! »rischen Sage die Erinnyen den schuldbelasteten Menschen nersolgen und ruhelos machen? Auf diese Arage antwortet »ns die Le ire von der Teschuvoh: wohl laftet | bic Schuld auf i ns, und fi c soll unser Gewissen bedrücken. -Doch dem sündigen Mensc>en ist der. Weg zur Reinheit nicht versperrt. Kehrt zurück abtrünnige Söhne, mahnt uns der Prophet. In der llinfel r zu Gott, in der Rückkehr zum Güten ist uns der Weg gewie en, auf dem wir die Ruhe unsrer Seele wiederfiiiden könne >. So groß gilt unfern Weisen die Teschuvoh. das sie sagen Ein Sünder, der umkehrt aus seinem bösen Wege sei vor ttott geachteter als ein vollkommen Gerechter. Rur ein wertviller Mensch bringt die Kraft auf, der Sünde, in di! er verstr ckt war, zu entsa'gen und den Weg des (»inten wisder zu ge >en. T, r Ruf des Schofars will unser -Herz »necken, unser Gewisse» aufrütteln. Haben'wir noch die Kreist zur. Teschuvoh? Z> r rechten Umkehr wird nur fähig >ein, »l>er die Beziehung zu Gott nicht ganz verloren hat. Rur »ver aiiMott glaub, vermag zwischen Gut und Böse zu uiiterscheidein Der Ausd »ick unsres Berbundenseins mit Gätt ist das Gebet. Wie « der sollen »vir beten? Ein Beispiel auS dein Talmud mag »ns lehren, wie wir beten sollen: es lalltet: „Tie Bedürfnisse der Menschenkinder sind viele, aber ihre Einsicht ist beschrinkt.! Möge es Dein Wille sein, Elviger, unser Gott, einen jede») zu geben, watz er für seine Ernährung und seine Erha tung braucht." Wir beten aus der Rot des Lebens zu Gott. W»rl bitten um die. Erfüllung unsrer Wünsche. Allein »vir »lissen nicht, ob unsre Wünsche in Wahrheit zu uiijserin Beste» sind, dqrum sei unser Gebet eine llnteriversung »inter den göttlichen Willen. j - 11 »sre Zeit ist dem Beten abhold. Tie Menschen haben es verlei nt, zu beten. Man meint. fromn» und gut. seist zu könne n, auch ohne sich direkt an Gott zus wenden, aber-es ist eine Säuschung. Wer nicht betet, nicht zü beten vermag, verliert den Weg zu Gott. Im Gebet erheben »vir unSuiber das!s kiedrige zum Heiligen. Darum bedeutet das (liebst die Loste sung von der Alltäglichkeit und »vird zum Ausdruck des Bewußtseins unsrer Menschenwürde.- B llet, ruft der Monat. Ellul uns zu, aus daß ihr n«chset in einem Menschentum, daß ihr den rechten Weg findet,- den Weg zu Gott. I B er durch Teschuvoh und durch Tesiloh, durch die Ninkehr auf len Weg deS Guten und durch erhebendes Gebet feine Seele geläutert hat, wird als selbstverständliche Pflicht die dritte Forderung erfüllen, die Forderung der Zcdokoh. A»w der E rkenntnis Gottes als des Schöpfers der Welt und des Vaters aller Menschen ergibt sich die Pflicht der Mer scheuliebe, der Zedokoh. Auch dieser Begriff pflegt infalscher Weist mit dem Worte Wohltätigkeit übersetzt zu w?rden. Vielsticht ist es nicht möglich, den ganzen Gehalt des Anspruchs Zedokoh in einer andern Sprache »viederzugeben. Tie wirk! che Uebersetzung lautet Gerechtigkeit. Wir erfülle» eine Ford, rung des Rechtes, »venn wir den Arinen geben, Nx s den Armen gehört. Aber nicht allein darauf kommt es a», daß »vir <i»»em Armen, der uns begegnet, eine Gabe geben, es gilt, eine Menschenlvürde nicht zu verletzen und ihn durch die liabe nicht zu beschämen. Darüber hinaus is aber Zedol oh ein Mittel zur Erziehung des Menschen. der Zedoioh übt. Es ist einer der edelsten Gedanken des Judentums. daß Wohltun nicht allein eine' Hilfe bedeutet für den Empfangenden, sondern die edle Tat .dem Helfenden - selber zugut! kommt, so daß der scheinbar paradoxe Satz entstehen

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