Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- 1 (25.5.1925)
- Date
- 1925-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 1 :cite. Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde! Dresden Kommerzienrat Max Elb Es ist nicht Jeicfct, ein Bild des weit über Dresden hinaus bekannten Mannes zu zeichnen, der uns aus einem erfolggekrönten D'aiein am 5. April 1925 entrissen wurde und der durch drti Jahrzehnte ein berufener Führer unserer Gemeinde -7- und auf immerdar einer ihrer bedeutendsten — gewesen ift Einer von - künstlerischem Geiste erfüllten,, altangeseheneil Familie entsiahimend, halte Mar Elb. dessen Vaterhaus in einem der malerischsten Teile Alt-Dresdens, in der Schössergasse. steht, eiye strenge Erziehung genossen, auf die er es selbst nicht zum wenigsten - \ _ ' zurückführte. dag -er ein^frühzeltig gereifter, über seine Jahre hinaus ernster Knabe gewesen ist. 21 jährig konnte er' nach eben beendetem Studium der Ehemie es wagen. fich-einHeim ' und einen selbstkindigen Beruf zu gründen, -sorgen um Geschäft und um die sich vergrößernde Familie bildeten den Inhalt der ersten Jahre seiner Selbständigkeit, und hieraus erklärt es sich, daß Max Elb. der so früh zu arbeiten begonnen hatte, erst verhältnismäßig spät — 1895 — sich dem Dienst an unserer Gemeinde zuwendete. Hierzu regte ihn hauptsächlich der Verkehr mit Emil Lehmann an. den er zeitlebens hoch verehrte, und dessen liberale Ideen, soweit sie sich als lebenskräftig erwiesen. zu den seinigey wurden, wie denn auch die Herausgabe jenes stattlichen Bandes der Schriften Lehmanns hauptsächlich auf ihn.zurückzuführen war. Schon sieben Jahre nach Max Elbs Eintritt in den Gemein d e r a t erfolgte seine Wahl zum Vorsteher und dieses Amt hat er über 20 Jahre bekleidet, worauf er nach Amtsniederlegung als Ehrenvorsteher, einer für ihls neugeschaffenen Würde, weiterhin in Verbindung niit der Gemeindevertretung blieb. Unauslöschlich ist Max Elbs Wirken, dessen Na in« iminer mehr zu einem Programm wurde, mit der Geschichte.und den Geschicken unserer Gemeinde verkitüpft. Tiefe, von sittlichem Ernst Und, wenn es ging, auch von Humor erfüllte R^den kennen wir von ihm, die er. der Vertreter unserer Israelitischen Religionsgemeinde nach außen, bei mancherlei Anlässen hielt, Wir denken an Herrn Rabbiner Prof. Or. Winters 25jähriges Amtsjubiläum, an die Hundertjahrfeier des von Max Elb lange geleiteten Krankenunterstützungs-Jnstituts, an die Eröffnung des Henrietienstifts. an die Enthüllung des wiederum hauptsächlich von 4hm veranlaßten Ehrengedenksteins unserer Gefallenen auf dem Friedhof. Mit welch überzeugender Klarheit wußte er kraft seiner Persönlichkeit und des außerordentlichen Ansehens, das' er beruflich genoß, unsere Angelegenheiten bei den Behörden zu vertreten. Und wie bat er es im Gemeinderat und.innerhalb der Vorstandschaft verstanden, seine Ansicht ohne Schärfe, ohne Verletzung kollegialer Gefühle zu behaupten. Gegensätze, die sich zuzuspitzen drohten, zu mildern und durch sanften Ausgleich zu überbrücken. Wohl seine wichtigste Schöpfung, die stur der Einblicknehmende richtig zu würdigen vermag, ist der Verband der israelitischen Religionsgemeinden in Sachsen, dessen erster Vorsitzender unvergeßlichen Führer Max Elb gemünzt. tung seines Wirkens für unsere Gemeinte beschli/N. mögen — Mahnung aus dem Jenseits an uns unseren Nachkommen „Versäumt nicht zu üben , die Kräfte der Guten! * Hier flechten sich Kronen in ewiger Stille, die sollen mit Fülle die Tätigen lohnen! Wir heißin euch hoffenI" diese fu/ Betrach. Lebendö/wegweiser l . ■ und später Ehrenvorsitzender er gewesen 'ist. Heute, wo die Kämpfe. von denen die ersten Sitzungen dieses Verbandes begleitet waren, ausgefochten sind, erkennt man die unbedingte Notwendigkeit dieses Zusammenschlusses, den man Max Elbs vorwärtsschauendem Blicke, seiner Tatkraft verdankt, Noch einen anderen Zeiterfolg hat er erleben dürfen: die bis dahin wie so vieles andere an der Lauheit unserer Glaubensgenossen gescheiterte Gründung einer Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum auch in Dresden, die er schon lange betriebest hatte und die auch auf änderen! Boden Stehende deshalb mit Achtung begrüßen, weil sie ein positives Judentum — ohneÄesthalten im einzelnen an der Tradition — sich zum Ziele gesetzt hat. Obwohl Max Elb sich als deutscher Jude fühlte, suchte sein alles Jüdische umfassender Sinn auch einer Richtung wie dem Zionismus, der so viele Kräfte .mobil gemacht hat. gerecht zu werden, und bei jeder Gelegenheit hat. er sich daran beteiligt.' landvertriebenen Juden eiitp Heimstätte zu bereiten. Daß-ein Mann von solchen Eigenschaften von fast allen Organisationen in Anspruch genommen wurde, ist nur zu verständlich. So gehörte er dem Ausschüsse -es Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes und dem Vorstand des Central- Vereins an. die nicht nur seineü klugen Rat. seine Sachkenntnis, sein warmes jüdisches Herz schätzten, 1 sondern auch ihm für seine stete Bereitschaft ° neben fast 50jähriger angestrengter Berufsarbeit Dan wußten. Krieg und Nachkriegsz-t haben auch auf Max Lb , schwer gelastet. In demselen Maße, wie er für sich persönlich anspruchslos war.bekümmerte eS ihn. daß er an Arme nicht mehr somit vollen Händen geben konN'e. <me er dies früher gelohnt^ gewesen war. Die Zedokhh mg ihni von jeher, ohne es sozialer Umwälzungen bedurft hätte, im Blute und uns^ Geineinde hat mit den einzelnen, die seiner Fürsorge sthafkig wurden, einen Wohltäter verloren. „Liebe und Re<wahre und auf deinen Gott hoffe stets!" steht als Vorspim über einer kleinen lesenswerten Schrift, die — einen ltsschnitt unserer Gemeindegeschichte bildend — von Max Elb lm obenerwähnten Krankenunterstützungs-Jnstitut gewidm/ wurde. Gern Zitate gebrauchend, in denen er sehr bewmert war, hat er. sie mit Worten Goethes geschlossen, die. wisst unfern i