Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 9 (16.9.1938)
- Date
- 1938-09-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 9 als Alfred Lisser Hamburg verfieß, die Erinnerung an ■■- ihn in seinem Bilde habe festhalten wollen, daß er in seiner Bescheidenheit .diese Ehrung aber abgelehnt habe. Ferner gedacfite dei Vorsitzende des Verlustes, den das Mitglied des Kollegiums Herr B. .Heinemann durch den plötzlichen Tod der Gattin seines Sohnes, Frau Erika Heinemann, erlitten habe, und weiterhin des am 21. Juli d. J. verstorbenen Herrn Hermann Gumpen z. Ihn rühmte der Redner als den Repräsentanten des .klassischen Judentums, den Mann, der in der Tradition des Judentums gelebt habe und zu dem als einem wahren Weisen ein jeder in der Gemeinde mit höchster Verehrung emporgeblickt habe. — In der Sitzung vom 25. v. M. hingegen galten die Abschiedsworte des Vorsitzenden denen, die angesichts der gegenwärtigen Lage sich zur Auswanderung entschlossen haben, um im Lande der Väter sich eine neue Zukunft zu begründen und gleichzeitig am Aufbau der alt-neuen Heimat des jüdischen Volkes teilzunehmen. Dieser Abschiedsgruß galt vornehmlich den bisherigen Mitgliedern des Kollegiums Arthur Levy. Michaelis, Walter W o 1 f f und Frau Tilly Z u n t z sowie den beiden aus dem Vorstande scheidenden Herren Dr. H. Zuntz und Dr. A. U n n a.- Von dem letzteren lag in der Sitzung des Kollegiums vom 25. v. M. ein Abschiedsschreiben vor, das der Vorsitzende zur Verlesung brachte, während Herr Dr. Zuntz in der gleichen Sitzung sich persönlich von dem Kollegium mit herzlichen Worten für den Religionsverband und seine Mitarbeiter verabschiedete. In das Kollegium sind infolge des Ausscheidens der vorgenannten Herren neu eingetreten die Herren Ludwig Loewenthal, Dr. Hermann S t r a u s und Frau Ella Blau, ferner anstelle des Herrn Arje Stahl, der neben Herrn Max Lehmann die Mitglieder der ehemaligen Hochdeutschen Israeliten-Gemeinde in Altona im Kollegium vertrat, Herr Albert Alexander. Aufruf der Notstandshilfe des Religionsverbandes zu Rausch haschono Anläßlich des Jahreswechsels veröffentlichen Vorstand und Repräsentanten-Kollegium den nachstehenden Aufruf, der den Mitgliedern des Religionsverbandes in der kommenden Woche zugehen wird: Die Auswanderung nimmt zu, die Gemeinschaft schmilzt zusammen, die Zeit ist drückender, die Not ist größer, die Hilfe dringender! J u d ischer Geistj, unverbrüchliche Treue und größter OpferwiHe müssen uns das Durchhalten ermöglichen im Vertrauen auf eins bessere jüdische Zukunft. Darum wieder und immer wieder: rfelfpt! Gebet! Opfert! Der Aufruf ist Von dem Ehrenvorsitzenden des Vorstandes, sowie sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes und des Repräsentanten-Kollegiuihs des Religionsverbandes unterzeichnet. Rabbiner Dt. Norden: Oberkantor Leon Kornitzer zu seinem 25 jährigen Jubiläum am Hamburger Tempel Wer ist der. eigentliche Träger des jüdischen Gottesdienstes? Nicht der Rabbiner, denn manchmal tritt er nur wenig od?r überhaupt nicht in Funktion. Es ist der Vorbeter, denn ohne ihn ist der Gottesdienst nicht denkbar. Deshalb liegt auf ihm aber auch eine 'besonders große Verantwortung. Ja. wenn er nur „Kantor", nur Sänger zu sein brauchte! Aber viel Größeres ist ihm auferlegt, er :söll Scheliach zibbur, „der Gesandte der Gemeinde" sein, Welch hoher Ehrentitel! Wenn es Kantoren gibt, die dieser Aufgabe nicht vollauf gewachsen sind, denen die Last der Verantwortung allzu schwer ist, so ist dies menschlich wohl zu verstehen und sollte ihnen nicht immer zum Vorwurf genpacht Werden. Um so rühmender muß es hervorgehoben werden, wenn ein Kantor in jeder Beziehung den Ehrentitel eines Scheliach zibbur verdient. Dies ist bei Oberkantor Kornitzer {ler Fall, den der Hamburger Tempel seit nunmehr 25 Jahren das Glück hat, sein eigen zu nennen. „Wisse, vor wen), du stehst: vor dem König aller Könige, dem Heiligen, gelobt se»; Hr." Ein Kantor, der diese Mahnung nicht beherzigt, kann eih hervorragender Sänger, ein bedeutender Künstler sein, ein Scheliach zibbur ist er nicht. Ueber Kornitzers Gesang und sein; musikalisches Können braucht kein Wort verloren zu werden. Was betont werden muß, ist, daß er seine großen Fähigkeiten; bescheiden und demütig in den Dienst der jüdischen Sache stallt. In seinen Gesang legt er seine andachtsvollen Gefühle hinein und reißt so die Gemeinde zur Andacht mUr sich fort. Bei Kornitzers hoher Auffassung von seinem heiligen Beruf nimmt es auch nicht wunder, daß er keinen Unterschied kennt zwischen den Gottesdiensten an Werktagen, an Sabbaten und an Festen, ebensowenig, ob die Gottesdienste im „großen" oder im „kleinen" Tempel stattfinden. Oft wird es bemängelt, daß Kantoren nicht genügend mit der Kunst des Toravorlesens vertraut sind; das sollte nicht sein. Schlimmer ist es, wenn Kantoren das Lainen nicht übernehmen wollen, wenn sie sich für zu gut dafür halten. Ein Kantor, der aus Hochmut das Lainen ablehnt, setzt die Tora in den Augen seiner Gemeinde herab. Kornitzer zeigt sich auch hier als rühmliches Vorbild; seine Vorlesung bietet einen nicht geringeren Genuß als sein Gesang. Jedes Wort, jede Silbe, jede Feinheit, jede Negina kommt zu ihrem Recht Ein solches Lainen ist der Ausfluß von Kornitzers demütiger Liebe zu dem Text unserer heiligen Urkunde. Und zu dieser demütigen Liebe erzieht er auch die Jungen, die als Bene mizwa aus der Tora lesen. < Eine Sprache ist ah sich nicht heilig. Auch die hebräische Sprache ist es nicht; gerade in den letzten Jahren ist sie ja in Palästina wieder zur Umgangssprache geworden. Dennoch ruht auf ihr der Glanz der Heiligkeit, weil in ihr verkündet wurde, was uns das Höchste und Heiligste ist. Von solcher Erkenntnis ist Kornitzer tief durchdrungen, ihr entspringt die liebevolle Behandlung des Hebräischen, die mustergültige Auss prache und die grammatikalisch einwandfreie Betonung, gegen cie leider so häufig gesündigt wird. \ Daß emem Kantor mit allen diesen Vorzügen die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde gilt, bedarf keiner Hervorhebung. Unser Glückwunsch an den Jubilar geht dahin, daß er sich der allseitigen Liebe und Verehrung noch lange erfreuen möge. Wir beglückwünschen aber auch die Leitung des Tempelverbandes dazu, daß sie ihn vor einem Vierteljahrhundert gewonnen hat. Und wir beglückwünschen die Tempelgemeinde, als deren „Gesandter" ein Mann wie Kornitzer vor den Thron des Allmächtigen treten darf. Jk&sGualUu uud llleiuc Mtiüeilüufytu Dem Gedächtnis zweier jüdischer Lehrer Zwei Veteranen des jüdischen Lehrerstandes haben vor wenigen Tagen das Zeitliche gesegnet. Im Alter von 85 Jahren starb am 24. August in Brüssel Herr Joseph Italiener, der Vater von Herrn Oberrabbiner Dr. Italiener, der in Hoya, Burgdorf und zuletzt 40 Jahre lang in Peine amtiert hat und vor seiner Uebersiedlung nach Brüssel eine Zeitlang in Hamburg ansässig war. — Am 26. August starb in Bad Schwalbach, der Stätte seines^ 37jährigen Wirkens,, im 69. Lebensjahre Herr Levi S p i e r, der Vater des Direktors der Talmud Tora Schule Herrn A. Spier. — Ehre dem Gedächtnis dieser beiden Männer! * ' . . I 4 Grabsteinsetzung für Dr. Nathan Birnbaum Auf d<;m Jüdischen Begräbnisplatz zu Wassenaar fand, wie wir der Zeitung Nieuwe Rotterdamsche Courant vom 22. v. M. entnehmen, am 21. v. M» die Setzung des Grabsteins für den am 21. April v. J. in Schevenmgen verstorbenen Herrn Dr: Nathan Birnbaum statt, wobei die Rabbiner van Gelder, Hirsch- Zwolle und Dr. A 11 m a n n in längeren Ansprachen die Persönlichkeit des Verstorbenen, sein Streben, das religiöse .Leben zu beseelen, und den starken Eindruck, den er hinterlassen habe, rühmten. Namens der Kinder dankte der Sohn des Verstorbehen, Herr M. Birnbaum, den Rednern für die dem Gedächtnis ihres Heimgegangenen Vaters bereitete Ehrung und gelobte in ihrem Namen, in seinem Geiste allezeit für die Ehre des jüdischen Namens einzutreten. ' " . * Herr Rabb. Dr. B. Cohen, Maggid der Beerdigungsbrüderschaft Der Vorstand und die Vertrauenskommission der Beerdigungsbrüderschaft des Jüdischen Religionsverbandes Hamburg haben in ihrer Sitzung am 15. v. M. Herrn Rabbiner Dr. Benno Cohen an Stelle des im Vorjahre verstorbenen Herrn Rabbiners Dr. L. Lichtig zum Maggid der Beerdigungsbrüderschaft erwählt. Herr Dr. Cohen, ein Sohn des Altonaer Klausrabbiners' Jakob Cohen, ist seit vielen Jahren als Rabbiner innerhalb des Verbandes der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte tätig und genießt wegen seines rabbinischen Wissens und seiner großen rednerischen Begabungallseitiges Ansehen. . ».' ' I '! Aus dem Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V. Vor kurzem hat die argentinische Regierung ein- Dekret erlassen, nach dem vom L n. M. an Geschwister, Schwäger, Neffen und Nichten nicht mehr angefordert werden können. Vielmehr ist die Ausstellung von Llamaden nur noch für Eltern, Kinder und Enkel zulässig. Auch Spezialarbeiter-Llamaden, die praktisch nur eine geringe Rolle spielten, werden abgeschafft. — Visen werden gegenwärtig auf Llamaden nicht erteilt. Inhaber bereits visierter Pässe dürfen landen, auch wenn sie nach dem 1. n. M. in einem argentinischen Hafen eintreffen.