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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-09-16 · 9 (16.9.1938) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
9 (16.9.1938)
Date
1938-09-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nummer 9 Jüdisches G e me i n d e b 1 a 11 Seite 3 Im Vorstand unserer Gemeinde wurde Rudolf Samson unentbehrlicher Mitarbeiter und Berater. Man hatte ihn als Vorsitzenden der Beratungsstelle gerufen. Wo man eine Tat von ihm wollte, war er da. Als im' ersten Winter die Gemeindearbeit n ausgerichtet werden mußte, leistete er im Organisationsr jsschuß mit wenigen Mitarbeitern die entscheidende Arbeit. Die Juden: in Hamburg wissen, an wievielen - wichtigen Stellen er den Vorsitz führte. Er fühlte die Last der Verantwortung, die man ihm aufbürdete. Nie ging es ihm um äußere Ehren. Jedesmal haben wir ihn bitten müssen. Aber er entzog sich der Aufgabe nicht, wenn er fühlte, daß die Stunde ihn verlangte. „Wäs aber ist Deine. Pflicht? Die Forderung des Tages." Tn seinem tiefsten Sinne hat er dies Wort erfüllt. Immer-galt ihm die sachliche Leistung, die der Tag forderte. Wohl empfand er eine tiefe Freude, wenn sein kluger Rat und sein schlichtes Wort sich durchsetzten, wenn seine Tatkraft eine neue Einrichtung geschaffen hatte. Aber immer blieb er im Sachlichen. Nichts war ihm peinlicher, als wenn eine Debatte ins Persönliche abglitt. Die persönliche Ehre des Mitmenschen war ihm .heilig wie die eigene. Qualvoll wurde es ihm, wenn es um seine Person ging. Niemals sprach er von sich und seinen Sorgen, nur selten von seinen Kindern, deren Bild auf seinem Schreibtisch ihn an langen Arbeitstagen grüßte. Was der Jüdische Kulturbund und das Gemeinschaftsheim unserer Gemeinschaft geworden sind, danken wir seiner Tatkraft. Noch sehen wir Rudolf Samson vor uns, wie er am ersten Theaterabend im neuen Hause in der Hartungstraße glücklich, fast jungenhaft verlegen lächelnd vor dem Vorhang des Gemeinschaftshauses stand, um eine festlich wartende Menge zu begrüßen. Das Rampenlicht war nicht angegangen. Fühlten die Dinge besser als die Menschen, daß dieser tatkräftige Mann, dessen Wort bei den Alten und Jungen galt, das grelle Licht der Oeffentlichkeit nicht wollte? Sorgen, schwere Sorgen und manchen bitteren Kampf hat ihm der Kulturbund gebracht, aber auch Freude und glückliche Stunden, wenn er aus dem Erleben der Generalprobe auf einen Erfolg seines Kulturbundes rechnen konnte; Dieser Mann, der so nüchtern wirkte und die Wirklichkeit in ihrer ganzen Härte sah, trug in sich eine tiefe Liebe zur Kunst. Nicht zufällig war er seit langen Jahren mit dem Theaterbetrieb äuch beruflich vertraut gewesen. Die Arbeit wuchs. Jede Berufsgruppe, die von der Betätigung ausgeschlossen wurde, fand in Rudolf Samson den Berater in der Stunde der Not. Auch die wenigen Stunden, die er sonst für Frau und Kinder sich frei gehalten hatte, gab er in den letzten Wochen denen, die seine Hilfe wollten. Seine Arbeit/rn ■jüdischen Kreis hatte er im Krankenhause begonnen. DSM Krankenhaus ,und die ärztliche Versorgung der Juden zu sichei n, war die letzte'Aufgabe, um die er sich mühte. Vieles im Jüdischen Leben war ihm fern, aber er war gerecht und gut — und wie er Rücksicht für seine Ansicht forderte, gab er jedem sein Recht. So konnten alle zu ihm kommen, weil sie spürten, daß hier ein Mann war. der wahrhaft treu der gemeinsamen Sache'diehte. Er folgte hierin der Linie, die ihm der Vater in langer Tätigkeit für unsere Gcmeliischaft vorgezeichnet hat. Der Jüdische Ccntralverein hatte ihn zum Laridesvcrbandsvorsitzenden berufen, der jüdische Schulverein fand in ihm eine wichtige Stütze — aber Zionisten und Orthodoxe fühlten sich ihm freundschaftlich-verbunden, denn sie spürten, daß die Gerechtigkeit dieses Mannes für jeden Menschen sich einsetzte. So wurde weit über sein Amt als stellvertretendes Ratsrrtitglied der Reichsvertretung auch in Berlin seine Stimme gehört. In mancher schwierigen Situation, die im jüdischen Lager Berlins entstand, rief man Rudolf Samson zur Vermittlung. Er war damit der würdige Vertreter der Tradition unserer Gemeinde, der von jeher das Verbindende über dem Trennenden, der Frieden über:denvKampfe stand. Auch Rudolf Samson spürte, daß er um seiner Kinder willen in die Fremde gehen müsse. Noch konnte er sich nicht entschließen, denn er sah die Aufgabe, die von ihm noch hier verlangt wurde., Nun hat das Meer, das er so liebte, ihn , an einem sonnigen Herbsttag aus der Freude, mit seinen Kindern zusammen zu sein, von uns genommen. In dem Lande, dessen herber Schönheit er sich zutiefst verbunden fühlte, ruht er — ahnen wir des Schicksals Sinn? Uns aber ist das Gedenken an Rudolf Samson Mahnung und Forderung, in seinem Sinne zu wirken. Ueber Trennung und Abschied hinaus nehmen wir mit uns das, Bild ein^s , Manne, s, der ein guter Mensch war. " E. Lg. .! .! i In einer Schlichten Trauerfeier, die am'7. d. M. stattfand, r ahmen Rudolf Samsons Familie, seine Mitarbeiter und seine?rzichtcn auf eine ionen, deren Verir erwähnen nur Freunde von ihm den letzten Abschied. „Wir V'. Aufzählung der Körperschaften und Organisatii treter zu dieser Veier erschienen waren: wi Herrn Dr. Franz Meyer vom Prüsidialaus.tchuß der Reichs-' Vertretung der Juden In Deutschland und die rlerrcn S. F u c.h s und Dr. Reich mann vom Jüdischen Centraiverein in Berlin. Als einziger Redner sprach Herr Oberrabbiher Dr. Italiener. In knappen Worten schilderte er das Leben dts Toten, der siebzehnjährig freiwillig ins Feld zog. in Ehren heimgekehrt, sich dem Berufe des Anwalts widmete und. als die Not über uns Juden kam. sich der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung stellle. immer neue Aufgaben auf sich nehmend, um. früh und spät, zu dienen und zu helfen. Der Redrver dankte dem Toten namens der Organisationen, in denen er'tätlig war. wobei er seine Arbeit, in ihnen mit einem kurzen Wortje charakterisierte, um dann zusammenzufassen: ..unersetzlich — | das ist das Empfinden eines jeden, der Rudolf Samson in seinem Wirken beob-' achten konnte." M't einem Worte innigen Dankes an alle, die - dem Toten je. nahestanden und lieb waren —r lind einer Mahnung' an d,ie Zurückbleibenden. Rudolf Samson zü ehren durch ein Leben der Tat, wie er es gelebt, schloß der Redner . . Sitzungen des Repräsentanten -Kollegiums Das Repräsentanten-Kollegium des Religronsverbandes nahm, wie in der letzten Nummer des Gemeindeblattes bereits kurz berichtet wurde, in einer Sitzung.-die am 10. v.'M stattfand, in erster Lesung .«inen verfassungändernden Antrag des Vorstandes an. der diel Ergänzung bzw. Neuaufstellung der 'Ersatzlisten für das Reprasentantcn-Kolle'f tum betraf. Das Kollegium hat'nämlich, seitdem es auf, den 1, April v. 2. neu gebildet wurde, durch die Wahl der Herren Max Stern in den Vorstand des Religionsverbandcs. den' Tod der Herren Raphael Bachrach und Alexander Levy. die Amtsniederlegung der Herren': Peine. Pohoryles: Horowitz. Arthur. Levy. . Michaelis. Waller« Wolff und der Frau Till« Zuntz so viele Veränderungen erlitten, daß die zur Ergänzung des Kollegiums bei seiner Bildung gleichzeitig aufgestellten Ersatzlisten zu einem Teile vöjlig; zu einem anderen Teile wesentlich ei schöpft waich. So*-erschien ei geboten, um den Bestand des Kollegiums und damit den ungestörten Ablauf der Geschäfte des Rel glönSverbändes: 711 gewährleisten für die Neuaufstellung der Ersat/Iisten-Sui;e . zu tragen und zwar sah der Antrag, den "der Vorstand zu diesem) Zwecke dem Repräsentanten-Kollegium unterbreitete, vor. daß die Ersatzlistcn von den einze'nen Fraktionen des' Kollegiums aufgestellt werden, wobei jede Ersatzliste doppelt sovfele Xamen enthalten sollte, als es der Stärke der einzelnen Fraktionen' im Repräsentanten-Kollegium entspricht. Dieser Antrag wurde' von dem. Repräsentanten-Kollenrum. wie ciw ihnt. in so- Sitzung vom 10. v M. erstmalig zum Beschluß c-hobon:. nach den Vorschriften der Verfassung wiederhcMe das Kollegium diesen Baschluß in seiner Sitzung vom 25 v. M... der da'-vt. Rechtskraft erlangt hat. In dieser letzten- Sitzung stimmte da.- Kollegium ejr.erri ferneren Antrage des. Vorstandes zu dem (rankonhaiisö des Religionsverbandes einen Betrag von 18 750■ zur Verfügung zu stellen: der Antrag des Vorstanc es wurde von dem inzwischen so jäh aus dem Leben geschie Jenen Herrn R.-A. R. Samson überzeugend begründet. — Endlich entsandte das Kollegium in der gleichen Sitzung in eine Kommission, wel Neuwahlen in den VoistanA de^ Talmud Tna Schule anstelle der wegen ihrer Auswanderung ausgeschiedenen Herren S e ■- fried Levy. Walter Wolff und Dr. Hugo Zuntz vorbereiten soll,' die Herren Dr. Freundlich, Dr. K l.e i m e n h a g e n und L. L o e w e n t h a L Im übrigen standen beide Sitzungen wie fast jeder Tag. den wir heute durchleben, im Zeichen des Abschiedes. In der S'f/ung vom 20. v. M. galter/ die Abschiedsworte des Vorsitzenden Herrn Dr. "Urias vor allem dem am 18. Juli d J in Amsterdam erstorbenen langjährigen Vorsitzenden Ais' Repräsentanten- Kollegiums Herrn Alfred Lisser.' Herr Di Urias gedachte des Heimgegangenen als eines Mannes, der lant e Jahre das Repräsentanten-Kollegium geführt und ihm seil Georäge gegeben habe. In den letzten Monaten hätten die Ju len Hambergs viele betrauert, die der Tod ihnen entriß., aber ir Alfred Lisser naiv? sich alles vereinigt, was Gutes von den Meischen zu sagen isC Er sei Repräsentant der Gemeinde im best({n_ Sinne des Wortes gewesen, der jüdische Patrizier, der in allem Guten. Schönen und Edlen für die Allgemeinheit gewirkt habe. Der Redner erinnerte daran, daß das Repräsentanten-Kollegium seinerzeit. E. GAERTNER & Co. IV,1 mtem. Spedition HAMBURG 1 Altstadter Straße 17 e Ruf 3316 08 Gepäckbeförderung / Sammelverkehr nach Palästina LAGERUNG UMZUGE n. Autland Ubersee v. Haus zu Haus Gütertransport VERSICHERUNG PASSAGE VERMITTLUNG

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