Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-06-17 · 6 (17.6.1938) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
6 (17.6.1938)
Date
1938-06-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492321-5444759-5445119--174-4892655
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nummer 6 Jüdisches Gemeindeblatt Seite S bedroht seinen Schwiegervater, Simsons Blendung), die Zeit der Könige (David spielt vor Saul auf der Harfe, die Aussöhnung, zwischen David und Absalom), die spät-biblische Zeit (der Jiumph des Mordechai) und schließlich die Zeit des Künstlers bst (das Bildnis des Amsterdamer Arztes Efraim Bonus und s des Manasse ben Israel): Der Redner begnügte sich aber nicht damit, die Bilder einfach vorzuführen. Mit bewundernswertem Geschick und in fesselnder Darstellung zeigte er vielmehr, mit welch inniger Liebe der Künstler sich in die Erzählungen der Heiligen Schrift und in die Gefühle der handelnden Personen versenkt hat, zeigte, daß diese herrlichen Werke nur von einem solchen Künstler geschaffen werden konnten, dessen Seele von echter Herzensfrömmigkeit erfüllt war. Und wenn Rembrandt, so führte Herr Dr. Italiener weiter aus, sich immer von neuem zu Darstellungen jüdischer Menschen, Begebenheiten und Probleme hingezogen fühlte, so läßt sich das nicht schon allein dadurch erklären, daß er Jahre lang mitten unterden Amsterdamer Juden in der Joodenbreestraat wohnte, auch nicht durch seine Freundschaft mit hervorragenden Juden wie Efraim Bonus und Manasse ben Israel. Es kommt hinzu, daß er sieh uns Juden durch ähnliche Schicksale (Vereinsamung, Lcjd) innerlich verwandt fühlte. * ,. . Wie der Vortragende die Bilder deutete unter mehrfachem Hinweis auf den Kunsthistoriker Wilhelm Hausenstein, war äußerst lehrreich. In diesem kurzen Bericht ist es nicht möglich, auf .Einzelheiten einzugehen. Nur die Deutung eines einzelnen Bildes sei hervorgehoben, weil sich an diesem Beispiel besonders deutlich erweisen läßt, wie verschieden ein Kunstwerk auf verschiedene Betrachter wirken kann. Es handelt sich um das berühmte Bild in der Kasseler Gemäldegalerie: Jakob segnet seine Enkel Manasse und Efraim. Während die Bibel nur erzählt, daß Josef den kranken Vater in Begleitung seiner beiden Söhne besucht, erscheint auf dem Bilde Rembrandts auch Josefs Frau Asenat. Sie steht dort ein wenig abseits von den anderen Personen, woraus der Redner schloß, der Künstler habe damit indeuten wollen, daß die Ehe zwischen dem jüdischen Josef und der ägyptischen Priesterstochter Asenat eine ungleiche Verbindung gewesen sei. Auch aus den Gesichtszügen der Asenat glaubt er eine gewisse Uninteressiertheit herauslesen zu können, als nähme sie keinen inneren Anteil an - der. ergreifenden Szene. Eine gänzlich abweichende Deutung gibt H. Knackfuß in seiner Rembrandt-Monographie. Daß Josef und seine Söhne in unmittelbarer Nähe Jakobs stehen, ergibt sich aus der ganzen Situation: Jakob legt seine Hände segnend aut die Häupter der beiden Enkel, und „Josef steht dicht bei dem Vater, so daß er ihm (der auf dem Bette sitzt) durch seine Schulter eine Stütze bietet... Josefs Gattin Asenat... steht regungslos da; sie läßt ihre Augen zärtlich auf den Kindern ruhen; aber ihr innerer Blick geht weiter, sie schaut, den Verheißungsworten Jakobs folgend, in eine ferne Zukunft hinein." Es sei hierzu bemerkt, daß 'die jüdische Legende in Asenat nicht die wirkliche Tochter des ägyptischen Priesters sieht. Sie ist dort vielme.hr eine Nichte Josefs, nämlich die Tochter von Josefs Schwester Dina aus deren Verbindung mit Sichern, und von der Frau des Priesters Poti Fera großgezogen (s. Targum Jonatan zu 1. Mos. 41, 45). Mit gespanntester Aufmersamkeit folgten die zahlreichen Zuhörer den begeisternden Ausführungen, die weitesten jüdischen Kreisen durch den Druck zugängig gemacht werden' sfcllten. no. * 20-Jahr-Feier des Hechaluz Unter dem Ruf: Juden, worauf wartet ihr? hatte der Galil Nord-West des Hechaluz anläßlich seines zwanzigjährigen Bestehens auf den 2. d. M. zu einer Kundgabung im Gemeinschaftshause eingeladen. Sie wurde eröffnet durch eine Begrüßungsansprache von Jehuda Marcus, der zunächst der jungen Chawerim gedachte, die im Dienste für. den Aufbau von Erez Jisrael ihr Leben ließen. Er würdigte die Leistung des Hechaluz in Hamburg und dankte den jüdischen Institutionen für ihre Unterstützung, wobei cf* betonte, daß c/ie Hamburger Gemeinde als erste den Chaluzim eigene Heime zur Verfügung stellte. Herr Dr. A. Unna übermittelte die Grüße des Vorstandes des Rcligionsverbbndes; die Verwaltung der Hamburger Gemeinde habe sich stets nach Kräften um die Chaluzim bemuht: aber die Gemeinden Deutschlands blieben stets dem Hechaluz zu Da ih verpflichtet, da gerade er in den letzten fünf Jjahren Menschen in sein schweres Erzichungswerk aufnehmen mußt«-, die Seine- Leistung allzu stark belasteten. Anderseits'wäre die gewalt'.ge Umstellung und Umschichtung der Juden Deutschlands gar nicht möglich gewesen, wenn ihnen nicht der Chaluz seit zwanzig Jahren ein Leben der Arbeit, der Einfachheit und Anspruchs-* losigkeit vorgelebt hätte. Herr Arthur Le v y. beglück wünschte den Hechalu? namens des Hamburger Zionistischen Ortsverbandes, der weiteren zionistischen Organisationen sowie der Beratungsstelle; er erinnerte an die Gestalt Trumpeldors. dessen Einsatzbereitschaft und Hingabe nie vergessen \verden dürfe. Den Festvortrag hielt als führende Persönlichkeit des Hechaluz Herr Dr. Georg Josephthal - Berlin, Mitglied des Prasidialausschusses der Reichsvertretung. Der jugendliche Redner/ dessen wertvolle Mitarbeit in weitestem Krci*e geschützt wird, verstand es sehr schnell, durch seinen klugen, temperamentvollen und formvollendeten Vortrag zu fesseln. Unsere jüdische Jugend, so führte der Rodner aus.' wächst in einer trostlosen Atmosphäre auf. die angefüllt fe) mit den drückenden Sorgen um! das tägliche Leben, mit den technischen Dingen der Auswanderung und des Transfers. cMe keinen Raum läßt für .eine gesunde Entwicklung der heranwachsenden Generation. So pendety der unreife Mensch hilflos hin und hqr zwischen Elternhaus, Arbeitsstätte, Jugendtyund, Sportplatz; nirgends findet er Halt in einer Haltung, die ihn. ganz erfüllen könnte. Die Eltern und somit die. Kinder können.sich trotz al 'er Erfahrungen., immer noch nicht yon überlebten -Begriffen trennen. Die Berufswahl erfolgt immer noch nach falsch verstandenen, sogenannten gesellschaftlichen Rücksichten. Es ist erschütternd, zu hören, daß z. B. 12 Prozent der junuen Madehen sich im Kunstgewerbe ausbilden lassen, das sie doch " nur in Einzelfällen wird ernähren können. Um diese Halbheiten und Zwiespältigkeiten zu beseitigen, nimmt der Hechaluz den jungen Menschen in seine Heime, in-denen er durch ein einfaches, entbehrungsreiches Leben in kameradschaftlicher Gemeinschaft und Yweckmäßiger Ausbildung das Gefühl empfängt..-daß er — wie die Jugend, aller Völker .— eine große "und lohnende Aufgabe zu erfüllen hat? Die. Leistung unserer jungen :»ionicre in Erez Jisruel ist für Entwicklung und Zukuhft unseres Landes gar nicht _ ab schätzen. Uns fehlen alle diplomatischen und militärischen Machtmittel; einzig und allein si ldvwir durch den Ausbau un i die Vermehrung unserer Siedli ngwrt imstande. d:e späteren Grenzen Palastinas zu erweitern Und daß die Chaluzim unter < Terror und Entbehrung diese Leistung vollbringen, spricht ebenso für den Wert chatuzische Erziehung, wie die- Tatsache, daß drüben noch keine Chaluzim in nennenswerter Zahl ihren Platz verlassen haben. ..Wir machW aus Emigranten Koloni*1satoren" — so• charakterisiert B : eck in •treffender Weise, was der Hechaluz will. , Diese Gedanken fanden eine aufnahmebereite Hörei Umrahmt von zahlreichen Jungen und Mädeln, die flieh.Nachwuchs des Hechaluz bilden, sah nän den Vortragssaal voll von ernsten Vätern und .Müttern. Ater mit aufrichtigem Bedauern stelle ich fest: man sah[noch vi?I mehr, die nichj anwesend waren; ich frage mich: warum? Man sah keinen Lehrer und keine Lehrerin; man sah niemand von den Erziehern unserer Waisenhäuser, unserer Horte, unserer Sport- und Jugendvereinigungen; man sah niemand von der Beratungsstelle, niemand vom Frauenverein, sehr;wenig vom großen VerwaUungsapparat unserer Gemeinde und unserer Kultusverbände; man sah viel zu wenig von all den Vätern urd Müttern, deren brennendste^ Frage hier zur Erörterung stand und die von oinem Manne behandelt wurde, der dife Dinge meistert, von denen er spricht. Da kann man wirklich nur. fragen; Juden, worauf wartet ihr? 1' Alfred V n ti n. SILBERSTEIN 6 Co. ■i i im 111 >im i lim 11 im Ii i it Ii I Mint miiti im I mtiii iimii i Min.....111 > n >i i n 11 u 111111 Ii 11 n 111111......1111111111 Ii i Ii 1111111 ri 111 m m 111 Ii 11111 it 111 1111 r 111111111 ii i Iii Mi 111111111111111111 ■ 11111111111 m 111 Ii Ii 111 ti m 1111 e 111 MÖBELTRANSPORT REPRÄSENTANT: Dr. Ewald Kersten iiiiiniraiiiiMiiiiitiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiitiiiiiiiiiiiMiimMiiiiMniiiiimiiiiiii HAMBURG Mönckebergstraße 9 Tel. 32 35 50 Frei Haus-Lieferungen von Umzugsgut nach , allen Plätzen der Welt Gepäcktransporte Lagerung, Versicherung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.