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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-05-13 · 5 (13.5.1938) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
5 (13.5.1938)
Date
1938-05-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nummer 5 Jüdisches Gemtindeblatt Reite 3 beleidigenden Frage des Kindes entzündet sich die seelische Besinnung der Alten, und sie! tauchen wieder in die Tiefe; sie müssen sich erneut des Gehalts und der Bedeutung der religiösen Sitte gemahnen; sie kommen zu neuem Verstehen und neuer Erweckung des Tiefengehalts unserer Symbole. War es doch auch z. B., bei Beging der Emanzipationszeit durch die schweren Ghettojahre so gekommen, daß der religiösen Uebung der Schwung philosophischer Durchgeistigung gefehlt, daß die Kritik der neuen Generation": was soll euch dieser Dienst? den religiösen Genius wieder zur Erfassung und Beleuchtung unseres Geistesgutes geführt hat. — So werden die Kinder mit ihrer Frage zü Garanten des echten, gedankenerfüllten Judentums. Unsere Weisen haben auch sonst ausgesprochen, wie gerade die Kinder zu Entdeckern des großen jüdischen 'Lebenssinnes werden. So erzählt der Talmud ') folgende ergreifende Agada Als Pharao in Aegypten die Kinder zum Tode in den Fluten des Nils bestimmt hatte, da flüchteten sich die Männer fort von ihren-Flauen. Sie wollten keine Kinder zeugen, die dem Tode geweiht waren. Aber die frommen Frauen in Israel wollten die Hoffnung auf die Zukunft ihres Stammes nicht aufgeben. Sie gingen.an eben den Nil, der ihren Kindern den Tod drohte, und schöpften zwei Gefäße voll, das eine mit Fischen, das ander mit Wasser, kochten sie und gingen hinaus zu ihren Männern, die verbittert und erniedrigt von der harten Frohn der Arbe't waren. Mit dem warmen Wasser wuschen sie den Männern den Schmutz von den schwieligen Händen und sprachen zu ihnen: wir lieben eucli, wir halten zu euch und glauben an euch, und gaben ihnen von der mitgebrachten, bereiteten Fischspeise. So richteten sie die Männer auf, daß sie wieder die Gefühle der Innigkeit für ihre Frauen empfanden. Da draußen unter den Bäumen des Waldes, zwischen Anhöhen, auf dem Felde, da fanden sie einander, wie das Hohelied singt: „unter dem ,,Licbesapfelbaum. da hab ich dich wiedererweckt!" Wenn dann die Stunde der Niederkunft kam. dann versteckten die Frauen sich vor! den Häschern Pharaos, um die teure Frucht des Herzens hicht preiszugeben. "Aber schließlich vermochten sie den Nachstellungen nicht zu entgehen. ' Wieder flüchteten sie sich ins fpunkel der Wälder in die Weite der Wiesen: verfolgt von der Gefahr warfen sie ihre Kinder von sich zu Boden und eilten davon, um nicht selbst Hand an die geliebten Wesen legen zu müssen. Wie. durch ein Wunder blieben diese Kinder verschont, als wären feie in der Erde verborgen gewesen. Ein Engel Gottes kam zu ihnen, wusch sie. pflegte sie, bekleidete sie und gab ihnen das Notwendige des Lebens. ..Wie das Gras des Feldes", so wuchsen sie auf. ohne Lehre.* ohne Betreuung durch die Alten, unter der Wartung des.Höchsten. Als nun das Volk Israel heraus aus dem Hause der Knechtschaft zog. als die \frunderhand Gottes das getreten^ und unglückliehe Volk durch die Wüste zum Meer herausführte und die Fluten sich vor ihnen spalteten, da wußten die Alten nicht, wie ihnen geschah, als wäre alles ein Traum, was sie umgab. Die Kinder aber, du fühlten die Nähe Gottes. Sie erkannten die Wunderhand, die sie selbst erhalten hatte, erhoben die Finger und sprachen: „se eli w'anwehu"' „Das ist ja mein Gott, -der sich mir schon offenbart hat; da ist Er wieder, den ich schon in der Not erlebt hatte!-" Und aus diesem Frcudenvuf der Kinder erkennen die Alten den großen Sinn dieses Erlebnisses am Meer. Soweit der Midrasch in der^Sprache der Agada. Ist T?s nicht in unserer Zeit ebenso? Hatten nicht auch wir unsere Kinder dem Ungefähr der Assimilation preisgegeben, daß sie aufwuchsen ohne Kenntnis Gottes und des Judentums? Und waren es jetzt, wo wieder das Schicksal den Finger der Vorsehung uns weist, nicht unsere .lugend, nicht unsere Kinder, die zuerst mit Begeisterung das Judentum wieder erwählten, voll Freude die jüdische Schule, das Studium der hebräischen Spitiche. die Uebung der heiligen Bräuche im jüdischen Hause ergriffen,"die den Aclteren zuriefen: .;Das ist mein Gott. Ihm will ich dienen und gehorchen"? Ja, die Frage, selbst die' Frage dtfr Unzufriedenheit, des Hochmuts ist unser Glück. Es heißt nicht: „wenn eure Kinder fragen", sondern: „wenn" eure Kinder sagen". Eine rethorische Frage ist's. eine Frage, die gar keine Antwort will. Es ist auch nicht -e i n Kind, sondern die ganze Generatio.i. ■ eure Kinder, die sich wider euch auflehnen und zu euch spöttisch sagen: „was soll euch das alles?'" Diese Frage hat einen doppelten Sinn. Es ist zunächst die Frage des Materalismus, der keine zweckfreie, uninteressierte Handlung verstehen kann, der nur . begreift, \vas~~Gewinn und Genuß bringt, aber jeden Dienst am Höheren ablehnt. Dann aber wird es langsam die philosophische Frage des Rationalismus, der nur begreif- ') Sota 11 und Midrasch Rabba Sch'mot 25. 9. Fünf Jahre Hilfe und Aufbau Es ist vielleicht'das Größte, was in der Geschichte der Duden je geleistet wurde: In dem Augenblick, in dem ein jüdischer Lebensabschnitt zu Ende ging, wurde ohne Zögern durch Hilfe' und Aufbau ein neuer vorbereitet. Aber noch ist das Werk nicht gesichert, es würde zusammenbrechen, wenn wir es verlassen wurden Deshalb ist Hilfe und Aufbau die Leistung, die allen voranzugehen hat. RedltsanwaIt l)r. hurt Alvxanüvf-hn-fclä .Mil>J/lfti JV\ PlfllhmflMIMfclllH'l dvr . l^-tth.si'frti t-tunti. ttcttin'rtri'tfnilcr Vonit zvmdrr di-s /liJi'.stTic-ri ( i'ntruhvr c-|fM liehe Elemente der Religion aberkennt, aber die Weihung des1 Lebens durch Symbole als unriutz und unwesentlich Verkennt. Das war die Frage jener . Epoehe. aus der die neuen Zeit entstanden..aus der letztlieh die Ereignisse geflös-en sind, zu deren Erinnerungsrcjicr wir -uns hier gefunden haben. Welche Antwort sull'nuii Welches Heilmittel gibt Mose he wenn uns der Geist des Zweite „Dann sollt, ihr bekenn cn : Ewigen." Wa'amartem— nicht Fragenden, nein, ihr sollt bek tu! diese Krane eil eilt worden.' unser Lehrer, uns in die Hand, und der Ablehnung begegnet? ein Pcßachopfcr ist es dehl hnen sollt ihr antworten, den ennen. laut -und freudig und opferbereit es aussprechen: ..dieser Die/ist ist Gott geweiht."- Und dieses Bekenntnis wird schon von selbst in di; Herzen dCr Frager und Zweifler dringen. bekennen, „bis der letzte aus Israel sich anschickt, zu gleichem Opfer sieh bereit zu stellen." Solange schwebt .über eilen noch immer die Gefahr des Unterg* nges. bis der Ferfcste mit euch in Reih und Glied geht. G.cb auch das Religionsgespräch fru htlos bleiben sollt sollt ihr weiter bekennen, kommen, um die ' Urgewalt defs spuren und zu begreifen. H;Jt Galiläer sagt, damals in Aegyi ten der Gedanke opfers sich erst langsam die damals waren die Häuser der dei Verhcidnischung bedroht. sehen Hauses als gottueweih „Peßach". die Ucberschrciuin jüdischen Hauses gegenüber i erlösend sieh allen .offenbarte Das war der Sinn der Mosche unserem Volke 'damals dieser Stunde leiten und fuhren gäbe deutlich machen. An 190 Kampfe der zusammen- Ihr dürft nicht aufhören ' zu die Hoffnung nie it auf. wenn c|enn sie werden religiösen Syml. doch auch, wie Herzen erobern i lüssonil•aüeh Kinder Israels von der Befahl; halb Isolierung und Trennung. i. Un<i doch endhelji alle eis zu ver.- R. Josie'. der des P>ßai hi eigener Brauch und eigene Sitte. Kennzeichnüns es, j geboten fvurden upd dann das, die Senkung und/Stellung des „anderen Welt bei: Inckenrl'im I III 'ngliu-ks-GUicks-Hut.M-ri.il t. .•»hebrachte, Sie kannl auch uns in Uns unsere Pll'cht unc Jahre dauert jetzt wohl dieser Kampf des modernen, rationale i".Judentums mit dem .lud'nlum des „Dienstes", der Zeremonie, der geweihten und Weih Mi/wo-Handlung. die alles Ivdis he verklärt, den Alllau n Ewigkeit verbindet, stets unverstanden, viel bespöftei belächelt War. Die hinter uns liegende Kaue hu geradezu die Zeit des Rationalismus göliann't Heute isti hätte man an längst verklunffene Ideen, an aridere T schichten des Mensohengemuts des Unbewußten, des Irrationalen beschworen! Aut Zusammenbruch der Ratio, der schichte, der Gcsamtkultul tau.h-t vor dem .betranten .unserer Brüder als ein letzter I tums. die Deutung unseres Dateinsgeheimbisses empor Seder in dieser Gegenwart brii soll euch dieser Dienst? Auf ,1er Zunge der Spötter i rethorische Frage erstorben, au: geworden, die echte Frage;, w;s bedeutet euch und un Judentum wie linden wir den Weg zu ihm zurfiicK' Das Wort Mosches ist eben e n prophetisches Wort, ein der Tiefenschau m die Mensche tseele, die kein Rechenex rmpel ist die in ewigen, unergründli -hen. übersinnlichen Schiehlen verankert ist. Daher konnte Mosche sich begnügen. nu|r das ..wa'amartem". die Bekenners«}! Bekennerschaf t solange, bis gewonnen ist. Das war auch der Sinn der des Synagogen-Verbandes gefüllt hat. Sie wa enden it der und . urdet* al.i etenuieder ängeknerpA. die Dir; Ratio der Wirtschaft, der Ge ichtpunkt der.Sinn des, Juden.- gt kaum mehr die Frage ihr ist der Ruf dfcr Sehr haft zu fordern!' aber dei' letzte in Israel w eder- Verfassung. der ztir Gruitdun das Aul* dem' Auge IK-r 1. die such! . da , Wort laute E. GAERTNER & Co. KB mtem.Spedition HAMBURG 1 Altstädter Straße 17 e Ruf 3316 08 Gepäckbeförderung Sammelverkehr nach Palästina Vom Hi-i flalurriiiploh en r s~ 9 . LAGERUNG UMZUGE n. Ausland Ubersee v. Haus zu Haus Gütertransport VERSICHERUNG PASSAGEVERMITTLUNG

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