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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-02-11 · 2 (11.2.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
2 (11.2.1938)
Date
1938-02-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 2 Die Jüdische Winterhilfe benötigt dringend gut erhaltene Anzüge, Mäntel, Kleider, Kopfkissen und Bettdecken. ■ Die Jüdische Winterhilfe sucht noch Sammler für die Eintopfsammlungen in allen Bezirken. Meldungen erbeten nach Rothenbaumchaussee 38, 44 38 41. iiiiiiiiiiiiiiuiuiimimiiiiiiiiiiiiH.....iiiiiiiiiimiiiiiiimiiHiiiiiiiiiiiiiiiimiiuHfliiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiHiiiiHuiiiuiiiiMiiimiiiiiiiiimiin Aus dem Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender fu Groß-Hamburg von 1906 E. V. Der Verein ehrte, in seiner Sitzung .vom 19. v. M. das Andenken des verstorbenen Herrn Raphael Bachrach, der dem Vfiein als Förderer angehört hat. Der Vorsitzende Herr Bernhard Heinemann würdigte die Verdienste des Verstorbenen, die er sich sowohl um die jüdische Allgemeinheit wie insbesondere als Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums um den gewerblichen Mittelstand erworben hatte. Aus dem Tätigkeitsbericht ist hervorzuheben, daß sich jetzt auch in den Sprec hstunden die Fälle mehren, in denen der Verein um seinen Rat von Personen angegangen wird, die sich mit Auswanderunssabsichten tragen. — Ferner weist der Bericht <j>netlt auf die* für Mai in dem Gemeinschaftshaus geplante Ausstellung hin. deren Zustandekommen in Frage gestellt ist, wenn sich keine weit größere Teilnehmerschaft meldet. Herr Heinemann hat sein Amt als Vorsitzender des Vereins aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt, wird aber nach wie vor seine Sprechstunde ieden Montag abhalten; an seiner Stelle wurde Herr Herjnann Korngold zum Vorsitzenden des Vereins erwählt.') während das Amt eines Vereins-Syndikus Herrn R.-A. Albert Holländer übertragen worden ist. Von einer Wiedergabe des Jahresberichtes, der in der Mitgliederversammlung erstattet wurde, dürfen wir absehen, weil das Gemeindeblatt laufend über dis Tätigkeit des Vereins berichtet: der Jahresbericht liegt aber in der Bibliothek des Religionsverbandes zur Einsichtnahme aus. * Der jüdische Schachkongreß in Hamburg Vom 7. bis 14. n. M. wird die Schach-Abteilung ..Blau-Weiß" 'm JT. u. SV. Bar Kochba. E. V. Hamburg den dritten jüdischen Schachkongreß in Hamburg durchführen. Seit Monaten schon ist eine arbeitsfreudige Kommission bemüht, alle Vorarbeiten aufs beste zu leisten, so daß mit dem Gelingen dieses sportlichen Ereignisses gerechnet werden darf. Nach den Meldungen aus bllen Gegenden Deutschlands werden hochinteressante Kampfe zu erwarten sein. Der Kongreß findet im Gemeinschaftshause statt, gespielt wird täglich vor- und nachmittags. Außerdem ist für Montag. 7. März, 21 Uhr. ein Begrüßungsabend, für Dc>nnerstpg, 10. März, ein gemütliches Beisammensein, und für Sonntag,; 13. März, eine Stadt-, und Hafenrundfahrt vorgesehen. Montag, 14. März. 21 Uhr, erreicht der Kongreß mit der Preisverteilunjg sein Ende. . ' Es ist zu wünschen, daß das Hamburger jüdische Publikum durch regen Besuch lebhaften Anteil an dem Kongreß nehmen wird. Interessenten erhalten auf Wunsch das Programm zugesandt; Zuschriften erbeten an Herrn H. Perlmann, Brahmsallee 25 * H. P. Aus xlcu Vactcatyssälei* Rabbiner Dr. M. Grünewald-Mannheim auf dem ersten Kulturabend des Jüdischen Religionsverbandes Al< vor einigen Jahrzehnten die zionistische Bewegung einsetzte, begann ein leidenschaftlicher Meinungsstreit im jüdischen .Lager über die Frage, was denn überhaupt unter Judentum zu verstehen sei. Sind wir Juden eine Religionsgemeinschaft, die Gemeinschaft dei Bekenner des jüdischen Glaubens, oder sind W»r ein.jüdisches Volk? Und falls wir beides sind, d. h. ein judisches Volk, dessen Angehörige sich in ihrer Gesamtheit zur jüdischen Religion bekennen,rdann die weitere Frage: Was sind wir in erster Reihe? Haben wir eine jüdisch-religiöse Aufgabe, zu deren Erfüllung wir einer volkhaften Zusammenfassung benötigen, oder steht im Vordergrund der Begriff des jüdischen Volkes, zu dessen Merkmalen u. a. auch das jüdisch-religiöse Bekenntnis gehört? Keiner von uns wird leugnen, daß wir noch zu keiner restlos befriedigenden Klärung dieser Frage gelangt sind. <■ Gab es aber , bisher nur eine Auseinandersetzung über die Begriffe Religion und Volk, so ist seit einigen Monaten noch ein neues Problem dadurch hinzugekommen, daß seitens der englischen Regierung die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina ins Auge gefaßt wurde; denn der Staatsbegriff ist ja nicht gleichbedeutend mit dem VolksbegrifT. Ueber dieses neue Problem, den jüdischen Staat in seinem Verhältnis zur judischen Religion, sprach Rabbiner Dr. Grünewald am ') Siehe auch Anzeige. 24. v. M. im Theatersaale des Gemeinschaftshauses. Wenn manche erwartet hatten, der Redner werde ihnen Aufklärung geben über eine Zahl einzelner Fragen, die mit der eventuellen Gründung eines jüdischen Staates verknüpft sind, so wurden sie freilich enttäuscht. Die Enttäuschung ist dann aber nicht Schuld des Vortragenden. Denn, worüber er sprechen wollte, war mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit in seinem Thema angegeben: Die Idee des Judentums und der jüdische Staat. Es lag mithin nicht in seiner Absicht, Einzelfragen anzuschneiden. Mit Recht daher kein Wort über die äußere Zweckmäßigkeit eines jüdischen Staates, seine Unab- ■ hängigkeit, seine Sicherheit, seine Staatsform u. s. w. u.s. w. Der Abend war vielmehr ausschließlich der grundsätzlichen Behandlung der einzigen Frage gewidmet: Wie verhält sich ein Judenstaat zu der religiösen Forderung? Bei diesjr Fragestellung handelt es sich, wie der Redner betonte, nicht darum, ob und wie der jüdische Staat dieser oder jener jüdisch-religiösen Richtung gerecht werden kann oder soll, sondern ganz allgemein darum, ob er überhaupt imstande und gewillt sein wird, eine Autorität der Religion anzuerkennen Die Entwicklung hat in der neueren Zeit dahin geführt, daß das Religiöse mehr und mehr in den Hintergrund getreten ist gegenüber den Ansprüchen des Staates; der Staat erhebt Anspruch auf Totalität. Das gilt nicht nur von den Staaten des Okzidents, sondern ebensosehr von denen des Orients. Sollte es zu einem jüdischen Staate in Palästina kommen, dann wird auch er auf seine Machtansprüche nicht verzichten wollen. Anderseits wird auch die Religion ihre Forderungen anmelden;, und so wirdeine Auseinandersetzung zwischen Staat und Religion sich nicht vermeiden lassen, eine Auseinandersetzung, ^wie sie schon in der Frühzeit unserer Geschichte stattgefunden - hat zwischen SauL, dem ersten König, und Samuel, dem in seinen religiösen Forderungen unbeirrbaren Propheten. Wird ein Ausgleich zwischen der Staatsgewalt -und der religiösen Macht möglich sein, und wie kann er zustande kommen? Diese Frage beantwortete der Redner folgendermaßen: Soll der in Aussicht genommene Staat den Namen eines jüdischen Staates verdienen, dann wird er niemals mit dem Anspruch auf absolute Autorität unter Ausschaltung der Idee des Judentums auftreten dürfen. Grünewald verwies dabei auf die klassischen Ausführungen des Maimonides. am Ende seines großen religionsgesetzlichen Werkes Mischne Tora mit seiner Schilderung der Pflichten des Königs der Zukunft, des melech hamoschiach. Danach wird jeder jüdische Staat etwas nur Vorläufiges sein, seine dauernde Verabso 1 u t i erung darf nicht angestrebt werden, der messianische Gedanke muß ihm z u g r u n d e 1 i e g e n und ihn durchdringen. Dem Veranstalter des Abends, dem Jüdischen Religionsverband, gebührt Dank dafür, daß er Gelegenheit gab, Ausführungen über ein Thema zu lauschen, das sich, abseits von den drückenden Nöten und Sorgen der Gegenwart, auf der hohen Ebene der sittlich-religiösen Ideale unseres Judentums bewegte.1) no. Der Bericht über den äußerst 'anregenden Vortrag: Die Naturanschauung des Judentums, den Herr Professor Kisch-Köln am , 7. d. M. im Gemeinschaftshause hielt, muß bedauerlicherweise aus Raummangel zurückbleiben. * Dr. Ludwig Feuchtwanger-München im Tempel Am 16. v. M. fand die dritte der vier religiösen Feierstunden statt, die der Tempelverband in diesem Winterhalbjahr im Zyklus Das jüdische Kulturproblem veranstaltet. Herr Dr. Ludwig Feuchtwanger-München behandelte das Thema: Jüdische Eigenkultur in Mittel- und Osteuropa In Vergangenheit und Gegenwart. Er begann mit der Frage: Gibt es eine eigenständige jüdische Kultur?, vor deren' Beantwortung zunächst eine Vorfrage zu beantworten sei, die Frage nämlich, was denn Kultur überhaupt bedeute. Gegenüber dem Kulturbegriff, wie ihn der hervorragende Kulturhistoriker des vorigen Jahrhunderts Jakob Burckhardt unter Einbeziehung von Kunst, Wissenschaft, Philosophie formuliert hat, engte Feuchtwanger den Begriff bedeutend ein: Kultur müsse sich spontan aus einem Volke entfalten; Dieser Einengung des allgemeinen Kulturbegriffs entsprach dann die Antwort des Redners auf die Frage, was als ein jüdisches Kulturzentrum bezeichnet werden könne. Er stellte die Behauptung auf, in der jüdischen Geschichte habe es nur zwei große Epochen gegeben: die babylonische mit ihren talmudischen Hochschulen und die ostjüdische Welt in Polen und Litauen wahrend der Blütezeit im 16. und 17. Jahrhundert mit Cheder und Jeschiwa. Nicht das alte Palästina, nicht das mittelalter- M Zu dem gleichen Thema nimmt der bekannte jüdische Schriltsteller Fabius Schach, der am 1Ü. v. M. «cm 70. Lebensjahr vollendete, in dem Jüdischen Gcmcindcblatt lür den Verband der bayrischen Kultusgcmcindcn Stellung in seinem Aolsatz: Wie muB der ideale jüdische Staat der Zukunlt aussehen? Die betreffende Nummer hanut in der Uibliulhck. Bcncckcslraße 2, aus.

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