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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-02-11 · 2 (11.2.1938) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
2 (11.2.1938)
Date
1938-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nummer 2 Jüdisches G e m e i n d e b 1 a 11 Seite 5 Bildungsausschuß des Jüdischen Religionsverbandes Hamburg Kulturabende des Jüdischen Religionsverbandes im Theatersaale des Gemeinschaftshauses, Hartungstraße 11 Montag, den 21. Februar 1938, 20.30 Uhr pünktlich: Herr Dr Fritz Bamberger-Berlin Die jüdische Welt um Spinoza Montag, den 7. März! 1938, 20.30 Uhr pünktlich: Herr Dr. H. Mandelbaum. Die Landschaft Palästinas (mit Lichtbildern) Zutritt nur für Mitglieder des Religionsverbandes und nur gegen Eintrittskarten, die kostenlos im Verwaltungsgebäude Rothenbaumchaussee 38 abgegeben werden. Schriftlichen Bestellungen sind 0,15 RM für Porto und Schreibgebühren beizufügen. liehe Spanien und nicht das sefardische Judentum in Amsterdam zu Beginn der Neuzeit seien als echte jüdische Kulturzentren zu bewerten; denn dort habe man mehr oder weniger sehnsüchtige Ausschau nach der Außenwelt gehalten. Anders in Babylonien und in Osteuropa: dort war die jüdische Kultur vollständig auf sich selbst gestellt, dort erblicken wir die autonome Kehilla mit ihrem eigenständigen Kulturleben, die Kehilla, die den einzelnen nicht losläßt, sondern einspannt in den Rahmen ihrer Angelegenheiten. Auf die Gegenwart übergehend, zeigte der Vortragende, daß die Zeit der Emanzipation insofern eine 'grundlegende Aenderung herbeigeführt habe, als es fortan dem einzelnen überlassen blieb, wie er sich religiös verhalten wolle. Das wird auch in Palästina nicht anders werden, wo ein neues Kulturzentrum zu entstehen sich anschickt Mag aber auch das Kehillaleben in seiner alten Form der Vergangenheit angehören, so wird doch die Religion stets ein unentbehrlicher Faktor der jüdischen Kultur bleiben. Denn, so betonte der Redner mit Nachdruck, „die Kultur des jüdischen Volkes war von Anfang an religiöse Kultur, und nur als solche hat sie Legitimation und Zukunf t." Zu den beiden Elementen Religion und Volkstum muß jedoch als drUtes für die Erhaltung einer jüdischen Eigenkultur die hebräische Sprache hinzukommen. Sie ist zwar niemals eigentlich tot gewesen, als Sprache der Gebete und der gottesdienstlichen Vorlesungen blieb sie z i allen Zeiten lebendig. Aber im wahren Sinne des Wortes ist sie, wie Feuchtwanger sich an Qrt und Stelle überzeugt hat, doch noch nicht lebendig zu nennen. Kein Wunder; denn die Eingewanderten brachten und bringen aus ihren Heimatländern ihre Muttersprachen in die neue Heimat mit, in diesen Sprachen denken und fühlen sie. Erst dann wird von einer wirklich lebendigen Sprache die Rede sein können, wenn die Juden Palästinas nicht nur gelernt haben, hebräisch zu sprechen, sondern auch hebräisch zu denken und zu fühlen. Es ist hier nicht der Ort, auf Einzelheiten des höchst geistvollen Vortrags einzugehen. Nur das e ne sei in Kürze zu bemerken gestattet: die gar zu enge Begrenzung des jüdischen Kulturbegriffs bewirkt, daß Feuchtwang« r ausschließlich die babylonische und die osteuropäische Epoche als echte jüdische Kulturzentren gelten lassen will und damit einer jüdischkulturellen Autarkie das Wort redet. Andere Epochen, die, ohne die jüdische Eigenart preiszugeben, den Kulturen der Umwelt gegenüber aufgeschlossener waren, dürfen den gleichen Anspruch auf den Ehrentitel eines jüdischen Kulturzentrums erheben, so die prophetische Epoche im alten Palästina, die Epoche des jüdischen Alexandria, die Epoche der jüdischen Kultur im mittelalterlichen Spanien. Auch diese Feierstunde wurde mit Gesang eingeleitet und beendet. Die ausgezeichneten Leistungen des Tempelchors sind in der jüdischen Oeffentlichkeit so allgemein bekannt, daß es sich erübrigt, in jedem einzelnen Falle darauf hinzuweisen. no. Rabbiner Dr. Wiener-Berlin im Gabriel-Riesscr-Saale des Tempels Am 6. d. M. sprach als vierter und Ijetzter Redner in dem gleichen Zyklus Rabbiner Dr. Wiener-Berlin über das, Thema: Von der Eigenständigkeit des jüdischen Geistes. Was diesen Redner vor aUem auszeichnet, ist die Friiche und Lebendigkeit seines Vortrags, sowie seine bewundernswerte Fähigkeit, schwierige Fragen in gemeinverständlicher Weise seinen Zuhörern nahezubringen. Wiener ging von der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Kultur aus: Bebauung des Bodens, also Pflege der Natur. Nur wo diese Tätigkeit ausgeübt wird, kann eine gesunde Geisteskultur sich entwickeln. Nunmehr stellte |- der Redner die Fragen: Habet die Juden in der Vergangenheit Kultur besessen? Besitzen si<; sie jetzt? Werden sie sie jn Zukunft besitzen? Als die Juden noch ein Volk waren und den Boden ihres Landes bearbeiteten, konnten sie zu einer eigenständigen Kultur gelangen. Ihre besondere Begabung .erwies sich auf dem Gebiete der Religion. Aus ihrer Mitte erhoben sich die Propheten, aus deren Munde das Volk die göttliche Forderung vernahm, das ganze Leben zu heiligen, j Die nachbiblischen Führer unternahmen dann „den .energischen Versuch, die Lehre der Propheten in die Wirklichkeit umzusetzen, -und zwar für' jede Stunde des Lebens". Hier sehen wir eine aus naturverbundenem Volke gewachsehe jüdische Kultur. So war z. B. der Lulow am Hüttenfest einst der unmittelbare jüdisch-religiöse Ausdruck der Naturfreude, während später, als der Mutterboderi der Natur nicht mehr vorhandei) war, die strenge Befolgung cU?f Einzelvorschriften über die Beschaffenheit des Lulow gefordert wurde. Etwas Abstraktes trat an die Stelle der breiten Unterlage der Natur, eine Feststellung, die unserer Hochachtung vor der Gewissenhaftigkeit, mit der die zahlreichen Gesetzesbestimmungen befolgt wurden, gewiß keinen Abbruch tut. Ein Gleiche.-, gilt von der Periode der Emanzipation: die Leistungen der Juden auf allen Gebieten verpienen uneingeschränkte'Anerkennung; und doch kann auch hier von einer jüdischen Kultur im wahrsten Sinne des. Wortes keine Rede sein. Auch in.Zukunft wird es eine jüdische Kultufnicht anders geben können, als bei einer bodenständigen Gemeinschaft. Noch ist sie nicht.vorhanden; aber unsere Jugendjichep sind „die Kandidaten einer jüdischen Kultur'-, deren Kommen wir in Geduld abwarten müssen. Auch diejenigen untfer ihnen, Sie nicht auf palästinensischem Boden wohnen werdqn. können an ihr teilhaben, indem sie ihr Augenmerk auf eins der wesentlichsten Kulturelcmente richten, auf die Sprache. Die Liebe zur hebräischen Sprache müssen wir unserer Jugend einflößen, wohin auch immer s:e wandert. Ja, wir alle solllen an der Wiederbelebung des Hebräischen mitarbeiten, um auf diese Weise mit dem künftigen jüdischen Kulturzentrum verbunden zu sein - „Eine Phantasie", schloß der Redner, Namens der zahlreichen „über eine schöne Phantasie." Zuhörerschaft sei dem Vorstand des Tempelverbandes für die Einrichtung diescr „religiösen Feierstunden" an ihrem Schluß aufrichtiger Dank gesagt. np. Oberrabbiner Dr. Th. Weiss-AHona im Kreis im Jüdischen C.-V. „Religion und Jugend" behandelte Herr Obörrabbiner Dr. Th. Weiss am 2. d. M. in fesselnder Weise im Kreis im Jüdischen C.-V. Bild der Jugend stellte er dar. Des Moments, da Jugend zum Leben erwacht: des Geniemoments, wie Wassermann ihn in seinem Andergast nennt. Des Augenblicks, da die Forderung in ihr aufsteigt, die Sehnsucht nach dem Ideal, nach dem Vollkommenen; nach dem rückhaltlosen Einsatz des Lebens, des Denkens, des Fühlens für dieses Ideal. Jüdische Jugend stellt eine hohe Forderung, strebt nach dem Höchstmaß, dem starken, dem großen, dem strengen Ideal. Schönheitssinn, gepaart mit Gerechtigkeitswollen, führt jüdische Jugend zum Erkennen ihres [Ideals im Erbe der Väter, das sie prüft, dessen Sinngehalt sie zu erforschen versucht, das zum Besitz wird — der lernenden Jugend — der Jügend der Vei - gangenheit. Und heute? Sorge um materielles und geistiges Schicksal bestimmt das Gesicht jüdischer Jugend, schwere Aufgaben der Gegenwart. Denndch vergißt sie nicht, darf sie nicht vergessen, daß Ziel des Menschen doch letztens der Mensch ist. die Erkenntnis vom Leben, seinem wahren Sinn und Wollen. Sehnsucht nach immer Vollkommneren, Offenheit und Aufge- E. GAERTNER & Co. KI. mtem. Spedition HAMBURG 1 Altstadter Straße 17 e Ruf 331608 Gepäckbeförderung / Sammelverkehr nach Palästina LAGERUNG UMZUGE n. Ausland / Ubersee v. Haus zu Haus Gütertransport VERSICHERUNG PASSAGEVERMITTLUNG

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