Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 1 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 1 Jüdisches Gemeinde blatt Seite 3 Dr. Leo Baeck 25 Jahre Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Seitdem in den letzten Tagen des Jahres 1912 Dr Leo Baeck sein Amt als Rabbiner der Judischen Gemeinde Berlin angetreten hat,'haben 25 lange und ereignisschwere Jahre die" Berechtigung seiner Wahl erwiesen. Sie hat einen Mann von seltener Prägung an die maßgebende geistliche Stelle des Judentums in Deutschland gebracht Umfassende, in der Weite ihres Bereichs wie in der Tiefe der Durchdringung immer wieder staunenerregende Bildung vereinigt sich in ihm mit Schärfe des Verstandes und Gute des Herzens .und mit einem praktischen Blick, den geschulte Verwaltungsbeamte an ihm bewundern So vertraut er mit allen theologischen Problemen ist, so hat er doch nie Theologie um ihrer selbst willen getrieben. Die philosophische und die historische Betrachtungsweise sind bei ihm eins geworden Sie hat ihn aber nie dem tätigen Leben entfremdet Der. Mann, der das klassische Buch: pas Wesen do's Judentums geschrieben hat, verkörpert in sich Selbst das.Beste dieses Wesens: die Verbindung von Lehre und Leben De; Inhaber eines zentralen Lehramts an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ist fast während des ganzen Krieges Feldrabbiner an vorderster Stelle gewesen Der Vorsitzende des- Allgemeinen Rabbinerverbandes wurde alsbald nach der Gründung der Jewish Agency Mitglied ihrer leitenden Gremien und Präsident des Palästina-Aufbauwerks in Deutsch land. Unter seiner Leitung erstarkte die Zentralwohlfahrtsstel'e, und als es 1933 nach dem Umbruch galt, in Deutschland alle Kräfte im judischen Leben zusammenzufassen, war die Gründung des Zentralausschusses für.Hilfe und Aufbau mit sein Werk. So war kein anderer zur Fuhrung der großen zentralen Organisation der Judenhert in Deutschland, der Reichsvertretung, berufen als Leo Baeck. Die Oeffentlichkeit vermag nicht zu ermessen, was er an ihrer Spitze in täglicher unermüdlicher Arbeit, die keine Schonung der eigenen Person kennt, geleistet hat und leistet. Das weiß nur, wer mit ihm zusammenwirken durfte; er weiß aber auch von seiner Demut gegenüber dem göttlichen Walten, von seinem Willen* ein schweres Schicksal zu meistern, und weiß von dem Zauber, der seiner Persönlichkeit eigeri ist. Der Rabbiner der Gemeinden O ppeln, Dusseldorf und Berlin ist zum Seelsorger, zum Lehrer, zum Fuhrer der ganzen Judenheit in Deutschland geworden. Möge er es noch lange, lange bleiben' Der Vorstand des Religionsverbandes hat ' Herrn Rabbiner Dr Baeck, der auch in, Hamburg yJele Freunde und Verehrer zahlt und der eines aufmerksamen Horerkrerses sicher ist, so oft er nach Hamburg kommt, seine herzlichsten Gluck wunsche anläßlich seines Amtsjubiläums ausgesprochen Die Herren Rabb..Dr, Altmann, Benno Cohn, -Konrad Kaiser, Dr. Georg L u b i n s k i , Dr FTanz Meyer, Rabb. Dr. Maybaurti, Dr Michael Traub, Rabb Dr. W i e n e r, Rabbi Dr. Warschauer und Dr Sigmund Wassermann sow^e Lola Hahn-Warburg fordern in einem Aufruf zu Spenden für die Pflanzung eines L e o - B a eck -Haines' auf, die an das Postscheckkonto des Kereh Kajemei Lejisrael t,Jud Nationalfonds e.V.) Berlin 28 2 4 7 mit dem Vermerk „Leo- Baeck-Ehrung" zu uberweisen sind Der Wald, den wir so errichten — heißt es in dem Aufruf —. wird das Antlitz des Landes unserer Väter verschönern und, der auf den Feldern von Erez Jisrael arbeitenden Jugand Schatten wnd Ruhe geben Das i-st eine Ehrung, von der'wir glauben,' daß sie der Persönlichkeit Leo Baecks in besonderer Weise gerecht wird und seinen Namen noch enger mit dem Werk jüdischer Zukunft verbindet l>r. Baeck über ..liinl Jahre Hille und AiiIImii Fünf Jahre Hilfe-und 'Aufbau "erzählen von allem." wa> d' Taue gegeben, und Von dem. w.-s lür eine Gcneration.u.esifhäfl w orden Ist* Innerhalb dos -gcruHigen- Daseins darf .de: B stand im .Nahen der-Gegenwart bleiben. Iii'cinCi Zeit w ie d durch welche wir hindurchgehen, tr itt <l:o Zukunl'j>mii ih. Weite vor den Blick dessen, der um die VerafilworUntg wo ein deutliches Bild von dem. was st in Soll, muß cot ihm sieh Zuallem Helfen gehört eine gewisse. Phantasie, eine Fähtgfci in das Empfinden dos anderen hineinzukommen Der Aull: eines neuen Geschlechts; der. von uns gefordert ist. ti langt von dem. welcher'den Weis bahnen will. W.o ja auch t denen dann.- die ihngehen, noch mehr: die schöpleri.s^ho.l'h; tas;e. Sie gibt unserem Zentralausscriul' >oin Eigenes >| Vül (J.-nt. ind. M..tf t»J7 12JS 6 und dilti Vilm! Die 120-Jahr-Feier des Tempelverbandes Der Tempelverband feierte sein 120jähnges Bestehen in bester und würdigster Weise: durch Gottesdienst. Schon am Vorabend des Festtages. Freitag, dem 10. Dezember, hatte der Gottesdienst, geleitet" durch Oberkantor- Kornitzer, festlichen Charakter. Die festliche Stimmung wurde besonders deutlich durch die Predigt des Herrn Rabbiners Dr. S e 1 i g m a n n - Frankfurt a. M.. der ernst am Tempel wirkte und ihm mit unverminderter Liebe auch heute noch verbunden ist. Der Predigt la | das Wort der Sidra ">n 'an "nffn ..Lebt mein Vater noc h .' ' zu-1 gründe. Lebt noch die väterliche Stammgemeinde des liberalen Judentums, der Hamburger Tempel? Freudig kann man diese Frage bejahen, mit Stolz kann der Tempel heute auf die vergangenen 120 Jahre blicken. Er hat der ganzen jüdischen Welt Wesen und Form des liberalen Gottesdienstes und darüber hinaus des liberalen Judentums erschlossen. Vier Generatjonen haben durch das Werk des Tempels den Weg zum Judentum gefunden. In der ganzen jüdischen Welt fühlt man sich an diesem Tage dem Hamburger Tempel, dem Wegbereiter des liberalen Judentums, in Liebe verbunden. Den vielen Kindern der Tempcl-i gemeinde, die heute in der Ferne weilen und dort in anderen Gotteshäusern' beten, wird heute die Erinnerung an die Muttergemeinde Trost und Aufrichtung geben. Mit innigsten Wünschen für die Zukunft und mit dem Priestersegen schloß der ehrwürdige Redner seine «in jugendlicher Begeisterung und warmem Empfinden erfüllte Predigt, Sie übte auf die Gemeinde, in deren Mitte sich auch die auswärtigen Giiste befanden, liefe Wirkung aus Verschont wurde der Gottesdienst.> der durch seine einfache und echt' jüdische Gestaltung dio betende (Sei meinde tief beeindruckte, durch die Gesänge dos verstärkten Tempelchors unter der Leitung von Ge6rg d e H a a st . " Der eigentliche Fest-Gottesdienst fand am Sonnabend Morgen statt. Zu ihm waren als Gäste erschienen die'Rabbiner Dr. Baeck, Dr. S e l. i g m a n n , Dr. W i e n e r , Dr. J a c o b . Dr. Norden, Rechtsanwalt H. Stern-Berlin als Vorsitzender der Religiös-liberalen Vereinigung und Herr George G o e t z - Berlin. Den Vorstand der Gemeinde "vertraten die Herren Dr. L o e w e n b e r g . Dr. Warbu'rg und J. Hausmann, das Repräsentantenkollegium dessen Vorsitzender Herr Dr. U r i a s. Auch andere jüdischen Institutionen und Vereinigungen hatten ihre Vertreter entsandt. Der Gottesdienst war durch Gesänge von Moritz Henle s. A. festlich ausgestaltet und empfing seine besondere Weihe durch die Einholung dreier Sifre Tora, die von der Gemeinde Darmstadt, der früheren Wirkungsstätte von Herrn Öbcrrabbiner Dr. Italic n e i >. dein Tempel überlassen worden waren und von den Rabbinern Dr. Baeck, Dr. Jacob und Dr. Seligmann feierlich in den Tompol ein-* gebracht wurden. Hierzu erklang das B'IPT 'Kr in Kö'jvni Vaters Vertonung für die Einweihung.-te:er dos neuen Tempels Dieser Gesang scheint ebenso ein musikalisches Merkmal des, neuen Tempels zu worden, wie es das B"H5?7 ^Kt? von Moritz H o n 1 odur den alten Tempel war. Es folgte ein-feierlicher Umzug ali.r IM Torarollen und die Totayorlesung durch Kantor-C y .- n e i . Vor der Predigt sartg Agnes-I/o i m d o r fe r ein von Qhorkantor Kornitzer komponiertos Und dem Andenken ihres Vaters gewidmetes Lied. Die Fest predigt von Obei rabbmer yicmeccKc^fcto Ji\A7Zp{\>j:r;(Vcu S))Cit^e>^ A'<•"?< tyllkscf^ H^uiJc^ftiCf^ /