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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-01-14 · 1 (14.1.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
1 (14.1.1938)
Date
1938-01-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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*w Seite 2 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 1 Es ist in der Oeffentlichkeit bekannt, daß die Gemeinde im Zusammenhang mit der Uebernahme der Geschäfte der in vorstehendem mehrfach genannten drei Nachbargemeinden sich veranlaß^ gesehen hat, gleichfalls mit Wirkung vom L Januar 1938 an ihren Namen zu ändern. Den Namen Deutsch- Israelitische Gemeinde hat sie seit dem Jahre 1821 auf Grund eines Senatsdekrets vom 19. Februar 1821,. also weit über 100 Jahre, geführt. Mit Recht betonte der Vorsitzende des Reprä-, sentanten-Kollegiums Herr Dr. Urias in, der Sitzung des Kollegiums vom 29. v. M., daß "es schwer falle, von diesem allen Gemeindemitgliedern lieb gewordenen und vertrauten Namen Abschiec zu nehmen. Das Kollegium folgte aber den DarlegbngerJ des Vertreters des Vorstandes der Gemeinde, Herrn Dr. L i p p m a n n , der die Gründe für die Namensänderung darlegte, und stimmte dem Vorschlage des Vorstandes, die Gemeinde fortan Jüdischer Religionsverband Hamburg 'zu nennen, mit der für eine Verfassungsänderung erforderliehen Mehrheit zu. — Die bezügliche Bekanntmachung des Vorstandes veröffentlichen wir an anderer Stelle dieser Nummer. Die Vereinigung der vier Gemeinden wird bereits in dem Haushaltsplan für das Jahr 1938 berücksichtigt, der in der Sitzung pes Repräsentanten-Kollegiums vom 9. v. M. zur Beratung ftand und ' in dieser Sitzung vom Kollegium vollen Umfangs gutgeheißen wurde. Der Haushaltsplan schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 500 850 Ji)t ab, wobei bei einem Gemeindesteuersatz von 24 Prozent mit einem Gemeindesteueraufkommen von 1 082 000 gerechnet wird. Der Haushaltsplan wuk'de von dem Vorstandskommissar, Herrn Dr. Lippmann, in einer längeren Rede eingehend begründet. Herr Dr. Lipp mann legte dar. daß der Vorstand mit Rücksicht auf die derzeitige Notlage sich entschlossen habe, in den neuen Haushallsplan noch nicht zu der an sich dringend gebotenen Drosselung» der Ausgaben überzugehen, da er glaube, im kommenden Jahre den benötigten Geldbedarf aufzubringen, betonte aber'auch, daß man zu dieser Drosselung werde übersehen müssen, wenn das mit Sicherheit in absehbarer Frist zu erwartende Absinken der Steuerkraft der Gemeindemitglieder das gebit'terjsch erfordere. An Hand eines ausführliehen Zahlenmaterials wies der Redner dann im einzelnen nach, wie sich der Finanzbedarf der Gemeinde im Jahre 1938 stellen werde, und behandelte im letzten Teile seiner Darlegungen die einzelnen Aufgabengebiete der Gemeinde und die Finanzierung ihrer Bedürfnisse. Aus der Einzelberatung ist als wesentlich eine Erklärung hervorzuheben, in welcher die liberale Gruppe des Repräsentanten-Kollegiums die Berücksichtigung der liberalen Belange innerhalb des jüdischen Unterrichts an den beiden in der Gemeinde bestehenden Schulen forderte. Die einzelnen Posten des Haushaltsplanes ergeben sich aus der nachstehenden Aufstellung: Einnahmen Aufgaben RM- RM. I. Allgemeine Verwaltung . ... . 8 600 214 100 11. Finanzverwaltung...... . 1 082 000 48 900 - 72 000 254 400 IV. Kultus ......... 11 000 184 900 V. Bildungswesen und Leibesübungen 400 43 750 VI. Fürsorgeverwaltung 307 000 652 400 19 850 27 400 VIII. Krankenhaus der Gemeinde . . . 45 000 30 000 1 500 850 1 500 850 Die in dem vorstehenden Bericht erwähnte Ansprache des Vorsitzenden .'des Vorstandes. Herrn Rechtsanwalt B. David, hatte folgenden Wortlaut: Ich eröffne die gemeinschaftliche Sitzung der Vorstände des Jüdischen Religionsverbandes Hamburg, der Hochdeutschen Israeliten-Gemeinde Altona, der Jüdischen Gemeinde Wandsbek und der Synagogen-Gemeinde Harburg-Wilhelmsburg. Ich heiße Sie alle, Vorstandsmitglieder und Vertreter der Repräsentanz, herzlich willkommen und begrüße mit besonderer Freude unseren verehrten Ehrenvorsitzenden Herrn Alfred Levy. Einige Herren sind zu unserem Bedauern verhindert, an der Sitzung teilzunehmen. Diese Sitzung ist einberufen, um in ihr den . Zusammenschluß der Altonaer, Wandsbeker<' und Harburg- * Wilhelmsburger Gemeinde mit der Hamburger Gemeinde, dem Jüdischen Religionsverband Hamburg, auszusprechen und die Geschäfte der drei ehemals preußischen Gemeinden zu übernehmen. In den mit den Gemeinden Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg wegen des Zusammenschlusses abgeschlossenen Verträgen ist die Festsetzung des Tages, von dem an der Zusammenschluß in Kraft treten, wirksam werden soll, späterer Bestimmung vorbehalten worden. Nachdem die notwendigen Vorarbeiten jetzt erledigt sind und die behördliche Genehmigung erteilt ist, wollen wir heute aussprechen, daß der Zusammenschluß am l. Januar 1938 in Kraft getreten ist. Das ist, glaube ich, ein Vorgang, den man nicht nur rein tagesordnungsmäßig erledigen, sondern bei dem man einen Augenblick verweilen sollte, Rückblick und Ausblick zu halten. Drei Gemeinden schließen sich mit der größeren Schwesterorganisation zusammen, die viele Menschenalter hindurch, zum Teil mehr als 300 Jahre, die in ihren Bezirken wohnenden Juden selbständig betreut haben. In Harburg sind seit 1636 Juden nachgewiesen, die sich später zu einer Gemeinde zusammenfanden, in Wandsbek haben im selben Jahre, 1636 die Juden den ersten Friedhof erworben, und die größte dieser Gemeinden. Altona, blickt auf eine Gemeindegeschicht^ von 325 Jahren zurück. Und innerhalb dieser Zeit, die 114 Jahre von 1697—1811, in denen schon einmal ein festes Band die Gemeinden Altona. Hamburg und Wandsbek umschloß, die ruhmreiche Zeit der „Dreigemeinde in« Hl^np Wbv", die uns neben anderen kulturell bedeutsamen Dingen von dem Wirken großer Rabbiner auf dem Sitz des Oberrabbinats der Dreigemeinde in Altona kündet, der Dreigemeinde, die D u b n o w bezeichnet als „eine freie, kulturelle Ziele verfolgende Vereinigung, der nach und nach eine so weitreichende-Bewegungsfreiheit zuteil werden sollte, wie sie sonst in den deutsehen Landen um jene Zeit kaum zu finden war." Und diese Namen, die Namen der Hochdeutschen Israeliten- Gemeinde Altona, der jüdischen Gemeinde Wandsbek und der Synagogen-Gemeinde Harbufg-Wilhelmsburg sind jetzt Geschichte geworden Vergangenheit -Geschichte geworden ist zu gleicher Zeit der Name „Deutsch-Israelitische Gemeinde", den die Hamburger Gemeinde seit 1821 geführt und zu hohen Ehren gebracht hat. Wenn sie seit dem 1. Januar d. J. den Namen ..Jüdischer Religionsverband Hamburg" führt, so spricht sich darin auch die Tatsache des Zusammenschlusses, der Verbindung mit den drei Nachbargemeinden aus. Geschichte, Vergangenheit: wir Juden wissen, Vergangenheit wirkt fort. - B a e c kspricht einmal von der Vergangenheit, die zur wahren Geschichte wird, zu der. welche nicht nur war, sondern wird. Und das ist der Ausblick, der dem Rückblick folgen sollte: es gibt eine Vergangenheit, die lebendig bleibt und Zukunft wird. Sie wollen wir in treue Hut nehmen, daß sie Geschichte sei. wahre Geschichte, die nicht nur war, sondern wird. Wir wissen, Wort und Sache haben im Hebräischen eine Bezeichnung 121, und *iai bedeutet auch Gebot. Unter diesem Pflichtgebot soll .unsere Arbeit für die drei früher preußischen Gemeinden stehen, deren Geschäfte wir jetzt übernehmen, unsere Arbeit für den jetzt Hamburg, Altona. Wandsbek und Harburg- Wilhelmsburg umfassenden „Jüdischen Religionsverband Hamburg." Gott segne unser Werk. " Ein Wort unserer alten Weisheit sagt: Als das Stiftszelt vollendet war, da weihte Mosche es mit den Worten des Psalms: OPJ -WV es sei die Huld des Herrn, unseres Gottes, überuns, und das Werk unserer Hände fördere er für uns; ja, das Werk unserer Hände, er fördere es. SILBERSTEIN C Co. miiiiiiiiiimiHiiiii.......iimmmmi........iiiiiiiiiiiiiiiihiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiihiiiiihiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiui......iiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiuiiii........iiiimmnnmiii MÖBELTRANSPORT REPRÄSENTANT: Dr. Ewald Kersten illllllllllllllllllllllllllll.....IUIIIIIIIIIII1III1IIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII HAMBURG Mönckebergstraße 9 Tel. 32 35 50 Frei Haus-Lieferungen von Umzugsgut nach allen Plätzen der Welt Gepäcktransporte Lagerung,, Versicherung

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