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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1937-12-10 · 12 (10.12.1937) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
13 (1937)
Issue
12 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nummer 12 Jüdisches Gemeindeblatt Seite' 7 JÜDISCHER KULTURBUND HAMBURG -•. t Dezember Dezember Dezember Dezember Dezember Conventgarten Theatersaal 11 20.15 Uhr pünktlich 27 28 c 29 30 Sonnabend Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Letzte Wiederholung als SONDERVERA WS TA LT U N G JEAN Komödie in 4 Akten von Ladislaus Bus-Fekete Regie: HANS BUXBAUM Karten zu 2, 1.50,1 RM, Jugendliche, Erwerbslose u?w. 0.50 RM Conventgarten, Theatersoal, 20.15 Uhr/pün*tlich Das blaue Magazin Herausgeber: Leo Raphaeli (WILLY HAGEN) Aus dem Inhalt: Dichter-Trairiing — Selbst-Gespräche — Modisches, allzu Modisches — Humor vor Gericht — Hamburgensie — Stimmen aus dem Publikum — Kalte Platten — Fasching und Karneval — Erlebnis mit Pallenberg — Aus der Schminkschatulle u. a. m. Conventgarten Theatersaal Dezember 14 Dienstag 20.15 Uhr pünktlich Dr. Jakob Sakom, Cello / Maria Syllm, Klavier / Selma Hurwitz, Alt IM JÄNUAR Eröffnung des Gemeinschaftshauses Zwei Theater-Veranstaltungen r SHAKESPEARE, ROMEO UND JULIA AUSVERKAUFT! MOLNAR, DALILA (Uraufführung) Mendelssohn-Trio und Paula Salomon. — Willy-Hagen-Atn-nd Das Konzert, das der Kulturbund am lt. v. M. bot, war einet der erquicklichsten upd befriedigendsten Abende der Saison. Das Mendelssohn-Trio aus Leipzigs bei den anderen Kulturbünden schonbekannt und geradezu heimisch, hier merkwürdigerweise aber noch nicht gehört, erweckte das Gefühl, dal) wir auch in unseiem eigenen, engen Kreise zu Kunstdarbielungen fähig sind, die ohne jedes Gefühl der Resignation empfangen werden können. — Der Abend begann mit Mozarts G-dur- Klaviertrio. Das Klaviertrio (Klavier. Violine. Cello) ist eine Besetzung, die in Mozarts reichem kammermusikahschcn Schaffen nur einen verhältnismäßig kleinen Raum erhalten hat. Was wir an'diesem Abend davon hörten, ist eine wahrhaft beglückende Musik, die in ihrer Beschwingtheit und . göttlichen Leichtigkeit (dennoch — wie immer bei Mozart — voll tiefer'Hintergründe) für eine, kurze Weile alles Krdenleul vergessen läßt. Ganz anders wirkte das den Abend beschließende berühmte Kläviertrio in A-Moll von Tschaikowsky, ein Werk tiefer Leidenschaftlichkeit, schaumenden Temperamente, Ausdruck bewegter und erregter Gefühle. Und welch ein Ausdruck! Der erste Satz Pezzo elegiaco (elegisches Stück) mit seinem schweren. . vom Cello sofort angeschlagenen Hauptth^ma, der zweite Satz Tema con Variaziom,. dessen letzte Variazione finale zur Coda und damit zum Thema des ersten Satzes übergeht, um mit diesem zum Trauermflrsch geformten Thema zu enden. Denn das Werk ist ..dem Andenken eines großen Künstlers" gewidmet nämlich dem Andenken Nikolnus Rubinsu>ins, der, ein Bruder Anton Rubinsteins, als Konservatoriumsdirektor in Moskau den jungen Tschaikowsky wahrhaft väterlich gefordert hatte. (Daß Rubinstein geborener Jude war, ist wohl bekannt.) Die Interpretation beider Werke war ausgezeichnet. Der Geiger Leo Schwarz mit seinem schönen Ton, seinem feinen, durchdachten und beseelten Spiel, der Cellist Paul Blumenfeld, ebenfalls mit blühendem Ton, doch'etwas unselbständig musizierend, unterordneten -sich willig der geistigen Führung der vortrefflichen Pianistin Margcrethe Sultan, deren Spiel geradezu eine Sensation war. Ohne den kammermusikalischen Stil zu verletzen, bestimmte sie durch ihren vielfältig abgestuften Anschlag (der besonders durch seine Kraft auffiel) und durch die Farbigkeit ihres Musizierens den Charakter der Interpretation. Es wäre lohnend, die junge Künstlerin in einem eigenen Klavierabend zu hören. Der große Erfolg, den sie und mit ihr das ganze Trio, ari diesem Abend errangen, würde die Teilnahme der Hörerschaft sichern. Zwischen den beiden Kammermusiken ließ sich die bestbekanntd Berliner Altistin Paula Salomon (Lindberg) hören. Besonders gut gelang ihr das herrliche, düstere Wiegenlied‘von Mussorgsky (das freilich mehr Fundus an Stimme und Temperament vertragen hatte) und das entzückende Schoschana' des Jungen * jüdischen Komponisten B. Großmann. Bemerkenswert war auch -das Predigtlied, es stammt aus der Freitagabend-Liturgie des amerikanisch-jüdischen Komponisten Jacob Weinberg, der sein Werk Felix War bürg s. A. gewidmet hat. zu dessen Gedächtnis es kürzlich in einer Berliner Trauerfeicr nu.fgeführt wurde. Aus dem Zusammenhang gerissen, wirkte das Stück hier mcht überzeugend. ★ Pflichtgemäß sei noch der Bericht über eine Sonderveranstaltung von Leo Raphaeli (Willy Hagen) nachgetragen. Aus der großen Reihe der mehr oder minder gelungenen Darbietungen seien nur zwei genannt, die man wirklich als vorzüglich beurteilen darf: die geistreiche, feine und amüsante Conference des Veranstalters selbst und die entzückenden Tänze der entzückenden Tänzerinnen Nelly Hirsch und Ruth Condell. Leon Kormtzer. Abend int Dreivierteltakt, V o i t r a g A n n o I i e •- « Land; Dl-r Jüdische -Kulturbund Hamburg hatte einen wunschU^ ' liehen Abend. Es sollte im Voi ti ag.-abond sein, abei er hatte kaum begonnen, da Vollzog sich m dem so wenig wandliuig.sfahigen The«0‘*rsaal des Convcntgai ten:- ein wundfij-amer Weclisel der Szenerie. I-t lliusioniaubende Abstand von Kulme und Zuschauet lauri) war mit einem Schlage verschwunden, man saß im Salon; in de» blauen Stunde den Dämmerung, und eine Chaimante Flau m chlichtem Schwarz» mit blaßloten Hosen an Saum und /VermcJn, plauderte allerliebst, pnd riiuml- 'gescheit über ..Ungetanzte Tan/.e". über den tnumphalgn Sieg, des Dreivierteltaktes rm 19. ‘ Jahi hundert, der im Tanz<äal begann und den Kon/.ertsnal mit sich riß Musik in der stimme und der piaerafnclitischen Geste, enttührte sic un.% an den Rand des "Wiener Walde*, in die von ewiger Frühlingsluft erfüllten Garten von Hietzing und Grinzing, wo die ersten Walzer von Lanner und- Strauß auf rauschten. ver---t schelmisch die kleinen Handgriffe, womit die profanen Heiirigon\veu**n für den Gebrauch im Konzert zurechtgemacht wurden, zeigte uns Carl . Maria vdn Weber am Klavier, der die ..Aufforderung zum Tanz" -chn*b, - ohne einen Tanzschritt versuchen zu können, deutete zart die dunklen, wehmütigen Akkoidc im Leben von Brahms und Clara Schumann an. denen wir das unsterbliche ..Opus 39" verdanken, und geleitete ubi-r Liszt pnd Chopin zu Maurice Ravels ..Wiener. Walzer", wo dor -f»nn> beschwingte Dreivierteltakt im Ansturm einer wildbewegten Zeit sterbensmüde verhaucht. Als musikahscher^lllustintor war tfoifeang Rose mitgekommen, ein Neffe.des Wiener Alt- und Großmeister-- AinoUi Rose und Pianist von hohen Graden, derbei aljer rhythmischen Akkuratesse den Zauber der Intimität nie zerriß und mit feinstem künstlerischen Takt der Versuchung widerstand, solrstlsch zu .glanzen. Enthusiastischer Beifall lohnte das ideale Zusammenspiel dei beulen, du? man bald" wiederzusehen hofft. A/om M » n a ★ Am'rha oder Das große Los im Kulturbund ..Nicht nur Kinder speist man mit Märchen ab." Der Ukrainer Jude S. Rnbinowit/. bekannt unter dein .selbstgewahlten Namen Schülern AJejchem. erzählt uns ein solches, das der ach so gebildete \W*tju<|e schon durch aruleie. wie Shakespeare oder Ncstroy. kennen gelernt haben will. Wenn auch das Menschenkind rm Märchen Immer v«*n neuen Gcwändeifi träumt, das Märchen selber ist niemals neu: es hat schon in der Vorzeit seine Faden gesponnen und bis ms Zeitalter der Technik seinen Platz behauptet, obwohl* der Riehenmeilonstiefel langst dutcli die Limousine und der fliegende Tepjiich durch das Flugzeug ersetzt ist. ' So hoch wollen aber che Märchen Scholcm Alejchems gar nicht, hinaus. Sie bleiben hübsch in der ..Gaß'" des östlichen Ghettos und . kreisen.um den Traum der Armen aller Welt, um das große Los. das Schneider Schimeie gewonnen zu haben glaubt. Obwohl ei leiblichen Genüssen durchaus nicht abhold ist, drängt es ihn. von dem Gelde einen viel merkwürdigeren Gebrauch zu machen. F.r mochte Mitbesitzer V«m Hausern werden, damit ihre armen Bewohner, die mit der. Miete im Rückstände .sind, nicht auf die Straße gesetzt werden. *Er bleibt aber auch im Glück ein Sohn des arbeitenden Volkes, er gehört zu ihm und . weiß, wo es der Schuh drückt. , Und weil auch unter dem 'seidener? Hnusrock sein gutes jüdisches Herz zu schlagen'nicht aufhört, hätten wir ihm gegönnt, daß sein Wohlleben von Dauer sei. Aber der Märchenerzähler wü-1 es anders. Die Bank hat sich geurt. das große Los ist nichts m die Gaß* gefallen: Schimefe muß zurück in serne Werkstatt und, so Gott will , und der .Messias nicht, kommt, wird der Verwalter ihm weiter die T*üi einrenhen, wenn die Miete fällig ist. Aber em

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