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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1937-12-10 · 12 (10.12.1937) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
13 (1937)
Issue
12 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nummer 12 Jüdisches Oemeindeblatt Seite 3 Dt. Hugo Hermann - Jerusalem: Vor einer Schicksalsfrage ,Pic Palüstinarbeit des; kommenden' Winters ist von einer großen Gefahr bedroht: daß die Judenheit der Welt über dem fernen Ziel die nahen Aufgaben, über den ewigen Forderungen die Gebote des Augenblicks vergißt. Heute denken, so scheint es. viele an die Ewigkeit, ohne sich dem Augenblicke zu widmen — und das ist schlimm, ist kaum andefs als jener Streit der Fraktionen in .Jerusalem angesichts der römischen Vernichter vör den Mauern, der).Jerusalem schon einmal in den Abgrund gestürzt hat. j - Muß man inne so offenbare : Wahrheit erst .-beweisen? Das jüdische Palästina ist heldenhaft durch zwei schwere, hundertfach gefährdete Sommer gegangen. Mitten in dieser Welt der Unruhen, die jedem Augenblick unsere Zukunft in Frage stellten, lebte der jüdische Jischuw sein'lieben der Arbeit, ln der Zeit, der schlimmsten Bedrohungen sdhuf er fast täglich neue Werke-, die seine Existenz immer fester begründen sollten: den Hafen von Tel Aviv, das neue großartige Straßennetz, neue Hauser, neue Schulen, ein Orchester voni Weltrang, vor allem neunzehn neue landwirtschaftliche Siedlungen an den exponiertesten Orten Es ist ein zutiefst, erregendes Schauspiel, gerade weil es in diesem nervösen, der Panik zugänglichen, überkritischen Volke vor sich geht, das hier und jetzt dem Anschein nach alle Nervosität, alle Aengstlichkeit. alle Kritiksucht abgelegt hat. Diese Haltung des Jischuw in Palästina und diese seine Leistung sind das Argument gegen alle.Ein\van,de und Bedenken, sind' der Beweis für das unzerstörbare urid unerschütterliche Lebensrecht des Jüdischen Nationalen Heimes in Palästina. . Kern des jüdischen Nationalen Heims in Erez Jisrael. lebt, hat .sein eigenes Gesetz und Lcbensrorht. es. muß leben und weiterwachsen, geschehe, was da' wolle. Für od|.-r gegen' Teilung'. Jasagen oder Neinsagen — aber: arbeiten! Kundgebung der Jewish Agency und des Keren hajessod ..Von der Balfoui-Deklaration' zum Juch'fistaa*' war cJö - Thcm.i dor Kundgebung. die Jewish Agency und Keren haj'-'od anläßlich de* *0. Jahrestages der Balfour-Defclat atioh am 20. v. \t. im Gum - Saale vei anstaltcten. Herr Or; p. .Zadik begrüßte die Verrammlung namens der Hamhuigor Zionistischen Vereinigung und ot> daJJ alle Juden von der Entscheidung der •Pahe-tinafruge br»uhrt: wurden, die nicht allein in London'oder Genf falle. /um motfJen Teile von uns. unseicr Arbeit und St.mke abhange. Fm. du- Ortskohutoe der Agency sprach Herr Obcrlandesgenctitsrat i. R. M a y . der auf die .historische Gioße dei Stunde hinwios. die auch von den .V ‘;/imß--.ter» anerkannt. Werde. — Namen^ dei Gemeinde nahm de:; Vitzdnoe ihn- Vorstandes. Herr Rechtsanwalt David, das Wort, um ihie uiedeiholt ausgesprochene Verbundenheit1 mit dem F’a'.ustm.-jweik 711 tnvnncn und das Andenken Felix Wa/butgs| des «rollen Führers dei^J.evvish A«cnvv. zu foiern. den die Gemeinde mit Sudz zu ihren besten Söhnen zahle Dann sprach Herr Dr. M. Trau b (Berlin) über da. eingangs «enannte Thtuna. Kr um« aus. von den Anfängen der zionistischen He* wcKunu. von den unendlichen-Schwierigkeiten, d.o in den seither vergangenen 40 Jahren zu uher\v:inden waren.* Zwan/.u.; "Jahre njich ihrer Begründung habe die BaJfour-Dekläration dem ‘jüdischen Volke die Aber wir dürfen uns über zweierlei keiner Täuschung hingeben: die neuen Werke in Erez Jisrael sind noch keineswegs in unerschütterlicher Sicherheit fundiert, und bedeuten, so wichtig sie als eine entscheidende Etappe sind, doch nur eine Etappe, die unermeßlich wertvoll ist. wenn weitere Etappen folgen, aber nichts, wenn sie die Summe und das Ende unserer Leistung darstellen sollte. Wir-haben in diesem Sommer neunzehn neue Siedlungen errichtet; aber das sind nicht Wirtschaften,- die von irgendwem übernommen und nun weitergeführt werden, sondern neue Punkte, neu im vollen Sinne des Wortes Sie brauchen fünf, sieben, zehn Jahre, ehe sie festgewurzelte Bauerndörfer sind, wie heute Dagania oder Bet Alpha, und das heißt, daß sie viel Arbeit in den neu aufgeschlossenen Boden stecken müssen, ehe er entsprechende Frucht trägt, daß sie bedeutende Kredite brauchen, viel Hilfe, Belehrung und Unterweisung, starke Stützen für ihre kulturelle, soziale, sanitäre Arbeit. Ganz analpg ist es mit jeder der neuen Arbeiten. Jahrelang hatten wir die Beschwerde: es geschieht nichts, es w’ird nichts Neues geschaffen, die bloße Konsolidierung dös früher Gebauten regt das Volk, regt seine Gebefreudigkeit nicht an; jetzt wurde und wird täglich Neues geschaffen, es ist, als ob der schöpferische Sturm der Tage des Anfangs wieder über Palästina wehte, aber nun haben wir auch' die Verantwortung, das Entstehende zu entwickeln, das Gewordene nicht untergehen zu lassen. Wenn man das mit genügender Klarheit erkennt, wird man auch verstehen, warum für dieses Jahr der Keren hajessod, .das , eigentliche Instrument der Palästina-Arbeit, von ganz besonderer Wichtigkeit ist.. In Zeiten der Prosperity — das wissen wir nun schon aus mehrfacher Erfahrung — strömen die Juden, ■ strömt .das jüdische Kapital nach Palästina. Aber in Krisenzeiten flaut der Einwandererstrom ah, versiegt der Quell des privaten Kapitals; die nationalen Fonds sind mit einem Schlage wieder die zentralen Träger des Aufbaus. Vielleicht muß es so sein; jedenfalls so i s t es. Heute leben wir in einer Uebergangszeit, in einer „Krisen“-Zeit Der Einwandererström ist — hoffentlich für eine kurze Periode — zum Bächlein geworden, das Privatkapital, das kühne und unternehmende, ist eingeschürhtert.; Pionierarbeit leistet der Chaluz und leistet das nationale Kapital, leisten Keren hajessodund Keren Kajemet. Ich wiederhole: 'hoffentlich ist die Ucherganes;- zeit kurz; aber wissen kann das heute noch niemand.' Nachher wird wieder der große „Sprung vorwärts“.kommen, dessen sind wir sicher; um so sicherer, wenn1 jetzt, in der bangen Wartezeit, , das Volk zeigt, daß es seine Vorhut in Erez Jisrael nicht im Stich läßt. Dafür ist es völlig gleichgültig, ob die'- Zionistische Orguni- sation und die Jewish Agency von Ja- oder Neinsagern beherrscht werden, ob Palästina einen Teilungsplan hinnehmen oder leidenschaftlich ablehnen will. Man sali die Frage erörtern, um die Lösung kämpfen und meinetwegen streiten; wie Palästina den schöpferische^ Sturm der Tage des Anfangs wieder erfährt, so erlebt ch» jüdische Volk wieder den Augenblick, wo sein Schicksal in der Schwebe hängt, wo eine Entscheidung fallen und, was mehr bedeutet, durch seine eigene Haltung so oder so beeinflußt werden kann. Aber eins muß dem Streite entrückt bleiben: Palästina. Dieses Palästina, dieser kleine, aber unendlich bedeutungsvolle 3EDER. KOPF vf24out ..EINTOPF. f-ur- $Le^ri$4s<.:£ie)t^x.<14eWi'/fe 7 Chance und Hoffnung auf den Aufbau seines nationalen Heims gegeben. Von den Leistungen und“ der Aktivität der Juden beim Aufbau Palastina$ sollte es abhangen, das nationale Heim sa groß zu. machen, daß es einmal auch ein Staat werden könnte. Der Aufbau-F*nds des Keren hajessod wurde gegründet; utn in fünf Jahren 23 Millionen Pfund für das Aufbauwerk aufzubringen. 1 Dieses Ziel sei zwar nicht erreicht worden; dennoch lebten heute. 20 Jahre nach der Verkündung der Balfoui-Deklaration, ubei 40(T0O0 Juden in Palästina. 100 000 auf dem Lande. 30 000 als Arbeiter in den Städten. 150 0O0 Menschen zahlt Tel Aviv. Das jüdische Palästina sei zu einem .kulturellen, wirtschaftlichen und politischen. Faktor erster Ordnung im Kräftespiel des vorderen Orients geworden. Freilich habe mit dem Wachsen, des jüdische^ Werkes auch das'arabische Problem an Kompliziertheit zugenommen. Der Peej-Bencht stelle uns vor einen Wendepunkt der Kntwicklung. Die bevorstehende Entscheidung über Palästina werde auch über die Zukunft des jüdischen Volkes m der Welt entscheiden. Wir-konnten nicht anei kennen, daß das .viandat. wie. die Pcel-Kommission annimmt, unduichtührbar sei. Die Verwaltung des Landes haha versagt. Aber! wir -müßtenden politischen Realitäten Rechnung tragen: che Fiagej laute daher mehl; Teilung oder nicht, sondern: Wie können wir dit* mit dor Teilung veibundenen Nachteil« möglichst'altwenden?! . Wir müssen einen Juden?jtaat fordern mit Jeruscholajim und ‘dem Süden mit Dncania und1 den 1 Kolonien im Jordantal. mit dem Rothenberg-Werk und den Kaliwerken am Tuten Meere.. E> sei S**rge. um unseren Lebertsraum und unier Lobe.nstocht. die wir mit einer Politik klarer Zielsetzung und mutiger Erkenntnis der Realitäten verfolgen müßten. Dazu gehöre. daf\ wW alles tun. was in unseren Kräften liegt, um die Pioniere, die heute durch die Gründung der Nekudot chadoschot die Grenzen der juchtenen Siedlung' trotz Ulmthon und Tenor ausgeweitet haben, zu stutzen, daß wir alles tun. um du-Krh' eigene Leistung die Zukunft und das Schicksal des Landes nuf/wlx'.stimmen.. Def Jischuw tue seine Pflicht. die Judenheit der Welt müsse ebenfalls ihre Pflicht tun; .sic habe die 600 000 Pfund nufzubnngen. die ‘der Keren hajessod benötige, um den heute gestellten Anforderungen gerecht werden zu können. Die leidenschaftlichen Ausführungen Di. Traubs fanden stürmischen Beifall. Mit dem Gesang der Hatikwa schloß che eindrucksvolle Kundgebung.

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