Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 12 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 12 geben oder ihn auch ablehnen können. — Ueber bestimmte Einzelheiten des gesamten Antrages könne .man verschiedener Meinung sein; niemand aber,könne dem Ausschuß die Anerkennung versagen, daß er bei der Vorbereitung des Antrages gründliche Arbeit geleistet und über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg das bestmögliche Ergebnis erzielt habe. Das Kollegium nahm den Antrag des Vorstandes an und ergänzte ihn nur dahin, daß, falls die Neuwahl nicht bis zum 3h, d. M. vollzogen sein sollte, die Amtsdauer des gegenwärtigen Vorstandes erst mit dem-Tage der Neuwahl, spätestens aber am 15. Februar 1938 enden soll. * Vor Eintritt in die Tagesordnung der Sitzung vom 13/ v. M. widmete der Vorsitzende des Kollegiums Herr Dr.'TJrias dem jüngst verstorbenen Herrn Felix War bürg Worte dankbaren Gedenkens für seine umfassende" Tätigkeit zum Wohle und zur Ehre des Judentums und der Judenheit und erinnerte besonders an seine Verdienste um den Aufbau des Heiligen Landes und' sein mannhaftes Auftreten bei der letzten Tagung des Council der Jewish Agency in Zürich. Die Trauer um ihn sei innerhalb der Gemeinde deswegen besonders groß, weil mit ihm einer ihrer besten Söhne dahingegangen sei. Die Anwesenden ehrten das Andenken des Heimgegangenen durch Erheben von den Sitzen. —' Der Vorsitzende Ijrachte sodann ein Schreiben des Mitgliedes des Vorstandes der'Gemeinde Herrn Max Haag zur Kenntnis, in welchem dieser seinen Dank für die Glückwünsche des Kollegiums zu seinem 25jährigen Geschäftsjubiläum ausspricht. — Weiter gab der -> Vorsitzende bekannt, daß das Mitglied des Kollegiums, Herr Philipp Peine , der zur Zeit erkrankt sei, sein Amt niedergelegt habe, um, wie er in seinem Schreiben sage, die Interessen der konservativen Gruppe nicht unter seiner Behinderung leiden zu lassen. Unter anerkennenden Worten für die menschliche und persönliche Art, mit der Herr Peine stets seines Amtes gewaltet habe, dankte er ihm namens des Kollegiums für seine Tätigkeit im Kollegium und innerhalb der Gemeinde und sprach ihm die besten Wünsche des Kollegiums für seine baldige Wiederherstellung aus. Im Anschluß hieran begrüßte Herr Dr. Urias den Nachfolger des Herrn Peine, Herrn Dr. Hugo Meyer, der im Kollegium kein Neuling sei und dessen Arbeit die Gemeinde während seiner siebenjährigen Zugehörigkeit zum Kollegium schätzen gelernt habe In seiner Sitzung vom 25. v. M. genehmigte das Kollegium weiter einen Antrag des Vorstandes auf Ergänzung des § 15 der Bestimmungen für den Begräbnisplatz der Gemeinde in Ohlsdorf, die an anderer Stelle des Gemeindeblattes veröffentlicht wird, und genehmigte die Abrechnung der Gemeinde für das Kalenderjahr 1936, die von dem Haushaltsausschuß insgesamt und außerdem von den Herren A. Heckscher unji Stern namens des Kollegiums geprüft worden war. Der I ausschuß hatte den Bericht, den der Revisor der Gern« die Abrechnung erstattet hatte, seinerseits durch ein« ergänzt, dem die genannten Herren vollinhaltlich zi halten, ★ laushaltsinde über n Bericht igestimmt Eine weitere Sitzung des Kollegiums hat am 9. d. M. stattgefunden; auf der Tagesordnung standen der Haushaltsplan und die Gemeindesteuerordnung für das Jahr 1938. Ueber diese Sitzung berichten wir in der Januar-Nummer des Cgemeindeblattes. 1 Schlußstein und Markstein Zur Eröffnung des Gemeinschaftshauses In Her ersten Hälfte des Januars soll die Eröffnung des Gemeinschaftshauses vor sich gehen, und im gleichen Monat werden fünf Jahre vergangen sein, seitdem die Juden .in Deutschland' auf den Weg gewiesen wufden, auf dem der Schlußstein am Gemeinschaftshaus einen Markstein bedeutet. Für viele, vielleicht sogar für die meisten war es nicht leicht, iun zu gehen Denn er führte unerbittlich weg aus den Bezirken \ihrer Alltage und Festtage, in denen sie sich für alle Zeiten beheimatet glaubten. Neue Ziele waren plötzlich gesteckt, die alten in unerreichbare Ferne gerückt, die Vergangenheit versank und die Zukunft gehörte der Jugend, die das Gebot der Stunde erkannte -und freudig auf sich nahm. Sie stellte sich mit starker' Hand a'n die Spitze des Zuges und beschritt von neuem den ..Weg ohne Ende“, den unsere Urväter durch-viele Jahrhunderte gegangen waren und auf dem sie immer nur rasten und niemals dauernd verweilen durften. Und doch können wir nach diesen fünf Jahren sagen, daß c;s c-,n guter Weg ist. Er hat uns zur Gemeinschaft zurückgeführt. Wir haben wieder gelernt, zueinander zu stehen, wir haben Scheidewände niedergerissen und Brücken gebaut, den Kampf mit der Not aufgenommen, die unversehens hereingebrochen ist, und haben sie auch aufgesucht, wo sie sich schamhaft verbarg. Die erste und drängendste Arbeit mußte der Kampf gegen Hunger und Kälte sein. Hier hat die Jüdische Winterhilfe eingegriffen. Fast über Nacht entstand sie: eine großzügige Organisation von freiwilligen Helfern und Werbern, die ihre Freizeit nicht besser gestalten konnten und wollten, als indem sie sich in den Dienst eines wahrhaft jüdischen Werkes stellten. Und die Opferwilligkeit aller Schichten der jüdischen Bevölkerung erbrachte erneut den Beweis, wie stark das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit geworden ist, die das Glück zwar lockern, das Unglück aber nur steigern konnte. Aber es gilt nicht nur, leiblichen Hunger zu stillen. Auch der geistige tut weh. Der jüdische Mittelstand, der überall zu finden war, wo Geister und Herzeni bereichert werden, sah sich plötzlich isoliert :und der Quellen beraubt, an denen er bisher seinen Durst nach Bildung und Belehrung stillte. Der Jüdische Kulturbund entstand, dessen nächstliegende Aufgabe das Theater 'war. Aber hier stießen sich eng im Raum die Sachen. Wie sollte der Spielplan sein, um der beispiellosen, Besonderheit des Falles zu genügen? Nathan der Weise meint in seinem Monolog vor der Szene mit dem Sultan, daß es nicht rngehe, nur Jude zu sein, und ebenso wenig, g a r n i c h t Jude. Das Theater des Jüdischen Kulturbundes sollte j ü Theater und W el t theater sein, das jüdische Eigenleben zeigen und ebenso die Kenntnis der großen Erscheinungen d i s c h e s der Weltliteratur vermitteln; Kultur- und daneben auch Unterhaltungstheater werden, es sollte mit einigem Anstand neben den Theatern bestehen, zu deren Stammgästen sein keineswegs nachsichtiges Publikum gehört hatte, und hatte doch hur Mittel zur Verfügung, die seine Schwungkraft von vornherein lähmten; es sollte nicht zuletzj das Dach über den Häuptern der brotlos gewordenen jüdischen Schauspieler sein {ind mußte aus sozialen Gründen davon absehen, eine Auslese |der Tüch- tigsten und Berufensten vorzunehmen, die gefade ajn Theater notwendig und selbstverständlich ist. So viele einander widerstrebende Gesichtspunkte waren nicht im Handumdrehen auf einengemeinsamen Nenner zu bringen. So gab es Hocli- und Fehlleistungen, Zustimmung und Ablehnung; vielfach lief der Becher über, und die Köpfe schlugen wild aneinander. Aber im großen Ganzen hat der Kulturbund die Kinderkrankheiten überwunden und kann mit Zuversicht seiner Entwicklung entgegensehen. Der Einzug ins Gemeinschaftshaus ist zugleich der Abschluß seiner Bewährungsfrist. Sein Theatersaal wird einen würdigen und ständigen Rahmen für seine Darbietungen .abgeben. Sein Zuschauerraum trägt den Anforderungen Rechnung, die der Theaterbesucher zu stellen gewöhnt ist, seine Bühne besitzt die Vorrichtungen, die zum Rüstzeug unserer heutigen Theatertechnik gehören. Dem Aufenthalt des Publikum.^ in den Pausen. dient das festlich stimmende Vestibül, und die Zugänge und Garderobenräume sind so angelegt, daß sich der Verkehr rasch und reibungslos abwickeln wird. Der VortragssaaL_wird den Kulturbund in die Lage setzen, seinem zweiten Pfnchtenkreis, der Belehrung, größere Beachtung zu schenken, und die Gesellschaftsräume werden Gelegenheit geben zu einem Beisammensein, das nicht Abschluß nach außen, sondern Amschluß nach innen heißen soll. Das Gemeinschaftshaus soll nicht Ausdruck eines neuen Ghettos werden, wie es Unbelehrbare wissen wollen, sondern Sinnbild eines Judentums, das seine Kraft aus der Pflege des eigenen Volkstums schöpft Die Hamburger Judenschaft nimmt es dankbar entgegen als das kostbare Geschenk hochgesinnter Juden, die es am 9. Januar seiner Bestimmung übergeben werden: das Haus der Gemeinschaft zur Pflege der Gemeinschaft. A. M. E. G AERTNER & Co. IVl i„,em .Spedition HAMBURG1 Altstädter Straße 17 e Ruf 331608 Gepäckbeförderung / Sammelverkehr' nach Palästina LAGERUNG UMZWfll m.AwNawd/tftoewa y.Hchkim Hous OtttartroMport VERSICHERUNG