Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 10 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 10 I ~—■—- i :ne ityrer höchsten Ehren verliehen. Es ist bezeichnend für die Frömmigkeit seines Herzens, daß er gerade bei Beerdigungen von Fremden und Unbekannten tätig ist. Wo nimmt dieser Mann die Zeit her. um neben dem so ausgebreiteten Kreis von übertragenen und übernommen Pflichten, che ftUhe zu finden. Aufsätze und Abhandlungen zu schreiben, die sich mit der Geschichte der Gemeinde befassen oder allgemeihen jüdischen Fragen gelten? Aber mehr als das — wer ahrit, wieviel Arbeit) wieviel Sorgfalt in jeder Nummer unseres Gemqjfuieblattes steckt, das Dr. Nathan nun schon bald 13. Jahre herausgibt. Dr. Nathan weiß wohl, daß mancher an diesem Blatt svhn«Jl und leichtfertig kritisiert", aber wor einmalbeobachtet hat. .wie' sein scharfes Auge bis fn den Satzspiegel hinein Zeile für Zeile ordnet, wird erstaunen, wie jede Nummer zu einer eigenen Form gestaltet wird. Hier hat die starke künstlerische Ader Dr. Nathans, die im malerischen Schaffen des Sohnes erneut durchbricht, in der Oede der Alltagsarbeit ihr Feld gefunden. Wo dieser Mann die Zeit hernahm? Er dachte nie an sich, und seine Gesundheit und hat manches Jahrauf einen Urlaub verzichtet, wenn die Gemeindearbeit es erforderte. Und wir dürfen es an einem solchen Tage auch sagen, er hat oft auf seine Frau und seine Kinder nicht Rücksicht ge-' nommen. wenn andere ihn verlangten. Er selbst' hat es gespürt, u'nd es machte ihn traurig, seine Fämilie. um deren Gesundheit er oft bangte, allein zu wissen. . Aber er konnte nicht anders, wo es zu helfen gilt, ist er da. mit der Selbstverständlichkeit, mit der er Tag für Tag seine Pflicht, tut. Die Kraft hierzu quillt ihm aus der Frömmigkeit seines Herzens. Daß diese' Kraft Dr. Nathan erhalten blei-be. daß ihm darüber hinaus Zeit werde, auch' seine wissenschaftlichen Pläne auszuführerr. ist der aufrichtige Wunsch-aller derer, die ihm-und seinem Hause in dankbarer Verehrung an seinem Ehrentage eine glückliche Zukunft wünschen Dr. Ernst Locvpenberg. ♦ i Der .tu!ir far an seinem Ehrentage der Gegenstand;c. il uixien:iii h zahlreicher Ehrungen. Zunächst beglück- ’v.in-chtc ihn in den Büroriiumcn das Personal der Gemeinde in . iner kleinen Feier unter Ueberreichung von Geschenken. Am Sonnabend wurde er während des Gottesdienstes in der S’-ii.i-_oi.e des AUenhauses durch eine feierliche Ausgestaltung - Gottesdienstes geehrt, wobei Herr Walter W o 1 f f im Namen c> i Leitung der Synagoge eine Ansprache hielt. Am Sonntag (■■■ den 'ich der gesamte Vorstand -der Gemeinde, der- Vorstand - noi-rä-cntantenkollegiums und die leitenden Beamten der Gemeinde in seiner Wohnung ein. R.-A. David feierte ihn mit wavjnon Worten und würdigte, seine Verdienste um die Gemeinde unter. Ueberreichung einer kunstvoll geschriebenen Adresse und der Denkmünze der Gemeinde. Im Namen des Ri präsop.tantenkcfllegiums sprach Dr. Urias, für den Syniicorenverband (Jberrabbiner Dr. Carlebach unter UeberrcicHung einer in klassischem Hebräisch gehaltenen Adresse, f n die BeerdiaungfibrüdOrschaft der Gemeinde Herr Ludwig .1 nshu a . für das. Deutsch-Israelitische Waiseninstitut Herr Oskar' Friedländer, -ferner zahlreiche Leiter anderer Institutionen. Dr. Nathan dankte in bewegten Worten. Glückwunschschreiben und Adressen waren in großer Zahl eingt-laufen. so von den Kultusverbänden, den Schulen, den Fürsorgcnnstalten der Gemeinde, den Nachbargemeinden und Verbänden. der Reichsvertretung, der Gesellschaft zur .Förderung der Wissenschaft des Judentums, der Berliner Jüdischen Gemeinde unter . Verleihung der Abravanelplakette. dem Zentralvcrein der jüdischen Handwerker, Verlag und Redaktion des Israelitischen Familienblattes, fast allen Hamburger Vereinen Und unzähligen Einzelpersonen, vor allem dem Ehrenvorsitzenden des Vorstandes der Gemeinde Herrn Alfred Lc-vy. mit dem der Jubilar so lange Jahre zusarpmen- ,gearbeitet hatte. Zwei Briefe i. Dr. Julius Adam zum 75. Geburtstage ' 22. August 1937 Lieber Dr. Adam! ■ Wenn ich versuchen würde, Sie in diesen Tagen Ihrer 75 Lenze" in den üblichen Rahmen der Jubilare zu spannen, wenn ich Ihnen Lorbeerblätter -zum' Kranze winden würde, mit denen man vor allem diejenigen schmückt, die aus der Kampfarena des Lebens herausgetreten sind — ich glaube, Sie wüidcn _wie das Bildnis des Dorian Gray aus dem Rahmen heraustreten und mit Ihrem überlegenen Lächeln alle Lobeshymnen erstarren lassen. Sie würden mir sagen, daß Sie während Ihres ganzen Lebens den Dank der Menschen nicht begehrt haben, daß Sie eigenwillig durch das. Leben gegangen sind und unabhängig von Lob und Tadel nur das getan haben, was Sie als recht empfunden haben. Und Sie würden mir weiter sagen, .daß Sie sich zum „Jubelgreis" hoch viel zu jung fühlen und es vorziehen, weiter im Verborgenen zu leuchten. Alles das ist richtig, aber eines ist vor allem wahr, daß von Ihnen in guten und in bösen Tagen ein Leuchten ausgegangen ist, das viele Menschen erhellt hat. Wenigstens einmal in Ihrem Leben anläßlich Ihres 75. Geburtstages soll auch unsere Gemeinschaft etwas davon erfahren. I Denn’ Sie sind den Menschen Ihre« Umkreises ein Segen gewesen, und Sie haben dem Namen unsrer Gemeinschaft-viel Ehre gegeben. Sie sind ein wackerer ärztlicher Helfer gewesen! Ihr ärztliches Tun hörte mit der Behandl ing der Krankheit nicht auf. Sie waren auch ein stiller Helfer in seelischer und materieller Not.. Mit der großen Güte eine: in' sich geschlossenen Persönlichkeit verband sich aber in Ihnen zugleich ein selbstloser. ausgeprägter Kümpferwillen. Sie haben ihn gezeigt im Eintreten für viele Standesinteressen der Aerzteschaft, Sie haben ihn aber vor allem in höchster Bewährung auf dem Schlachtfelde bewiesen. Ich wüßte Sie mit keinem schöneren Worte zu ehren als mit dem Glückwünsche, den einer Ihrer Regimentskameraden Ihnen zum Geburtstage übermittelt hat: ..Noch als 52jähriger eine Dr. Adam mit Unserem Regiment ins F^ld — er hatte in einem Heimatlazarett ein bequemeres Leben fuhren können — und leistete im Kriege mehr, als idie Pflicht gebot; denn er war als persönlich tapfer und unerschioeken in Feldschlacht und Graben bekannt. Am Truppenverbandsplatz ist, während die Truppe ruht, der Oberstabsarzt noch spät in der Nijch-t am Werke; er kämpft mit dem Tode um entfliehendes Leben seiner: 265er. Und nach Marschen im Stabsquartier oder in Oi tsunterkunft si^ht man noch länge Licht beim Arzt, de! einen Niedergebrochenen wie einen Vater aufrichtet und seinen gioßen Einfluß geltend macht für einen kurzen Heimaturlaub. Sein Wirken blieb in die Seelen der 265er eingegraben, tief und unbeeinflußbar. Ein tapferer Krieger, den das E. K. I schmückt, ein feinfühlender Arzt, der auch in seinem Berufe alles Geschehen im großen Zusammenhänge sieht, ein Mann, dem tiefes Kunstverständnis über manches im Leben hinweghalf, ünd vor allem ein gütiger und furchtloser Mensch!" [ Mit solchem vorbildlichen Wirken;haben Sie nicht allein sich, sondern auch unsere Gemeinschaft geehrt, und für solches Leben haben wir Ihnen tief zu danken. Mir aber,'der sich mit manchen Freunden Ihnen verbunden fühlt, kommt der Traum Josephs in die Erinnerung: Es waren" viele Garben auf dem Felde. Eine Garbe ragte empor, und dit aniern neigten sich vor |lir. , Mit herzlichen Glückwünschen Ihr Felix Rosenthat. Merkblatt der Jüdischen Winterhilfe Hamburg für den Winter 1937-38 » Unter Hinweis auf den Aufruf des Vorstandes-der Gemeinde bittet die Leitung der Jüdischen Winterhilfe Hamburg dringend: 1. die dem Aufruf des Vorstandes beigelegte Spendenkarte ' möglichst bald ausgefullt zurückzusenden. In den Richtlinien für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes sind als angemessene Beiträge für das Winterhilfswerk die gleichen Sätze wie im vergangenen Jahre vorgesehen. ■ 2. den Beitrag für den Monat Oktober möglichst' umgehend zu uberweisen. Zahlungen erbeten an: Jüdische Winterhilfe Hamburg, M. M. Warburg & Co. — Simon Hirschland — Hamburger Sparcasse von 1827, Konto 80144t — Postscheckamt Hamburg 150 54 — Kasse der Gemeinde, Rothenbaumchaussee 38. 3. an den gleichen Sonntagen, an denen die Eintopfspenden des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes gesammelt werden, auch die Eintopfspende für die Jüdische Winterhilfe bereit zu hatten. Der nächste Eintopfsonntag ist der 14. November Diejenigen, bei denen an einem Sonntage nicht gesammelt werden sollte, bitten wir, ihre Spende unj mittelbar zu überweisen. 4. Schränke und Aufbewahrungsräume zu prüfen, um brauchbare Kleidungsstücke und Wäsche für die Aermsten der Armen j der Jüdischen Winterhilfe zur Verfügung stellen zu können. Benötigt werden vor allem: Herrenanzüge, Hosen, Joppen — Mäntel für Männer, Frauen und Kinder — Bettwäsche, Bettzeug, Betten — Leibwäsche, Wolljacken, Wolldecken. j Wir bitten, die für den' Abholdienst bestimmten Karten j möglichst bald ausgefüllt uns wieder zugehen zu lassen. Jüdische Winterhilfe Hamburg! i