Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 10 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 10 Jüdisches Gemeindeblatt Seite 3 gen der Gemeinde für das Jahr 1936, die von dem Revisor der Gemeinde und zwei Verwaltungsmitgliedern der Kasse geprüft und vom Vorstande der Gemeinde bereits genehrriigt sei, mitzugenehmigen; endlich ein Antrag des Vorstandes auf Genehmigung einer Aenderung der Satzung der Depositenkasse, laut welcher der Syndikus der Gemeinde oder ein anderer Sachbearbeiter, zu dessen Geschäftsbereich die Bearbeitung der. Angelegenheiten der Depositen-Kasse gehört, ermächtigt wird, neben einem Mitgliede ihrer Verwaltung Zahlungsanweisungen der Kasse zu zeichnen. Diese sämtlichen Anträge wurden von dem Kollegium ohne Erörterung genehmigt; desgleichen ein Antrag des Vorstandes, auf Grund dessen die männlichen Lehrkräfte der Mädchenschule in Zukunft auch bei kündbaren Verträgen mit Anspruch auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung angestellt werden können. (Die weiblichen Lehrkräfte der Mädchenschule sind Mitglieder eines Pensions-Vereins, der nur Lehrerinnen aufrtimmt; eine entsprechende Einrichtung für männliche Lehrkräfte gibt es nicht.) Ohne eingehende Erörterung verabschiedete das Kollegium endlich den Nachtrags-Etat für das Kalenderjahr 1937, in welchem 172 536,86 RM angefordert werden; ein Betrag, der nur verausgabt werden kann, wenn an Gemeindesteuern für den gleichen Zeitraum 934 500 RM eingehen. Herr Dr, Lippmann gab als Kommissar des Vorstandes der Ueberzeugung Ausdruck, daß dieses Steueraufkommen zwar im .‘laufenden Jahre -noch ereicht werde, wies aber darauf hin, daß bis Ende August 1937 infolge Abwanderung vermögender und steuerkräftiger Ge- , meinaemitglieder bereits ein Ausfall an Gemeindesteuern, von 120 000 RM gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen sei. Die Bewilligung der im Nachtrags-Etat angeforderten Mittel stelle daher eine Belastung künftiger, Reserven der Gemeinde dar; aber im Augenblick sei eine Einschränkung der von den Wohlfahrtsabteilungen der Gemeinde und der Beratungsstelle zu leistenden Arbeiten nicht zulässig, nachdem ihnen aus ver- Hamburger Zionistische Vereinigung Morgen, Sonnabend, 16 Oktober, 20'Uhr, pünktlich, Aula der Talmüd'Tora-Schule, Herr Dr David S c h I o ß b e r.g - Berlinj; Zürich und Genf — Etappen auf dem Wege zum luden- »taat. Zionistenkongreß und Oewish, Agency — Mandatskommission und Völkerbundsrat — Die politische und kolonisatorische Situation in Palästina ■ — Bewährungsprobe des jüdischen Volkes. - > sc-hiedenen anderen Quellen fließende Spenden verlorengegan- ' gen seien. Es werde scn«,.. schwer sein, den nächstjährigen Etat zu gestalten. Noch Verabschiedung des Nlichtrags-Elats beschloß das Kollegium noch, auf den Antrag des Herrn S. H e< kscher, den Vorstand der .Gemeinde zu erstochen, der Kommission für.das Wohlfuhrtswescn und der Mittelstandshilfe ul>er diedjn Nachtrags-Etat vorgesehenen je 4000 RM hinausweitere je 6000 RM zur Verfügung zu stellen.,— Zu Beginn dpr Srtzung gedachte der’ Vorsitzende Hcrr Dr. U r i as , während die Anwesenden sicVi von ihren Sitzen erhoben, in herzlichen Worten des Verlustes, den der Vorsitzende des Vorstandes Herr Rechtsanwalt L a v i d durch den Heimgang seiner Öattin. der verewigten'Frau Grete David, geh. Engel, erlitten hatte, weiter de.«'70. Geb jrtstages des dem Kollegium angehörenden Herrn Bernhard H*e i n e m a n n und der Amtsjubiläen des Syndikus der Gemeinde. Herrn Dr. Nathan, und des Oberlehrers der Talrmd Tora Schule, Herrn H.'Schloß, der dem Kollegium von 1*20 bis 1930 apgehort hat. Dem durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Mitgliedej:jos Kollegiums Herrn Philipp Poi ic sprach er die herzlichsten Wünsche für seine baldige völlige Genesung aus-' i - ,Dr. N. M. Nathan! V 1 /Zu seinem 25jährigen Amtsjubil^um In einer Zeit, die anders als früher Menschen schnell verbraucht und schnell vergißt, bedeutet, 25 Jahre an einer Stelle gewirkt zu haben, soviel, daß ein Besinnen nötig ist. um diesen Zeitraum jtu übersehen. Im Ablauf des Weltgeschehens verschwindet er wie ein Nichts! aber, im Leben des einzelnen scheint er von unendlicher 'Dauer. 1912 — Ruhe des Friedens, stetige Entwicklung, Vorwärtskommen auf allen Gebieten eines starken, selbstbewußten Bürgertums, Nachdrängen romantisch schwärmerischer Jugend, die ihre Ziele in den Sternen sucht und darob die Wirklichkeit übersieht. Wer ahnt, wenn er vom Krieg auf dem Balkan liest, wie bald Krieg grausige Realität in Europa wird. . , 1914 — Krieg mit allem Großen, mit der Treue der Pflichterfüllung, mit der Trauer des Todes, -der seine Herrschaft 4'i Jahre lang über Europa hält. Die Nachkriegszeit mit all ihrer Unrast, da die Versorgung der Menschen auch mit dem Nötigsten gefährdet ist, da die Währung verfällt und das Leben haltlos im Taumel der Inflation zerflattert. Und so kommen Erschütterungen über die Menschen, die sich doch impier wieder aufrichten, weil das Leben sein Recht verlangt. Solches Geschehen formt die Aufgaben jedes einzelnen von Jahr zu Jahr neu, ändert die Aufgaben eines Gemeinwesens, wie es unsere jüdische Gemeinde ist. Aus der kleinen Gemeindestube, die vor 25 Jahren in der Kaiser-Wilhelm-Straße mit wenigen Angestellten arbeitete, ist eine große Organisation geworden. , Der junge Rabbiner Dr. N. M. Nathan, der als Sekretär der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums seine akademische Laufbahn begonnen, der in Berlin als Prediger und Religionslehrer gewirkt hatte, konnte 1912 nicht ahnen, welche Aufgaben hier in Hamburg seiner als Syndikus der Gemeinde harrten. Als der Krieg auch die jüdische Gemeinde vor neue fürsorgerjsche Fragen stellte, wuchs die Be-* deutüng, die Dr. Nathan für die Gemeinde hatte. In den wiederholten Gesuchen, die seine Unabkömmlichkeit darlegten, finden wir die Hinweise auf seinen umfassenden Tätigkeitskreis. Ueberall galt es, neue Wege zu suchen ünd zu finden. Während des Krieges wurde das neue Verwaltungsgebäude in der Rathenbaumchaussee bezogen, immer größer wurde die Zahl der Angestellten, denen Dr. Nathan ein väterlich besorgter Vorgesetzter wjir. der aber auch von jedem Mitarbeiter letzte Hingabe an die Pflicht verlangte. Im Mittelpunkt der Gemeindearbeit stand der Besonderheit des harnburgischen Systems entsprechend die Wohlfahrt. Die Kommission für das Wohlfahrtswesen Wurde 1912 gegründet. Unter Dr. Nathans führender Mitarbeit wurde sie eine Einrichtung, die allen Hilfsbedürftigen ihr Recht werden ließ, soweit nur die vorhandenen Mittel es . zuließen. Aber gerade auf dem Gebiete der Wohlfahrt zeigte sich die Stärke seiner menschlichen Persönlichkeit, denn es gab für Dr. Nathan niemals einen Armen oder einen Bittsteller. Er sah seine Aufgabe darin, dern leidenden Menschen als Freund zu helfen. Niemanden gab es! den er von sich wies, wenr cs galt, mit -Rat und Tat beizustehen. Ungezählte danken ihm. daß er ihnen an schweren Stunden ihres Lebens freundschaftlich nahe war. Keine Akten .berichten von dem. was Dr. Nathan in stiller, aufopfernder Liebestat gtwirkt hat. Immer verstand er es, Mittel für solches .Wohttun zu beschaffen, auch, von Kreisen, die dem jüdischen Leben sonst' fern standen. Wieyielen hat er die Existenz erhalten, eine Existenz beschafft, wie manches jüdische Haus hat er begründen helfen, wie oft hat er Mittel für Studien bereitgehalten. Wer von denen, die in eigener Not Stunden und Stunden in seinem Zimmer waren?- ahnuj*. wiöviel Arbeit auf diesen Mann wartete. ■ ‘ Nach dem Kriege mußte das SleuerWescn neu aufgebaut, das Archivwesen, das Dr. Nathan aüs seiner Tätigkeit im Gesamtarchiv der deutschen -.Juden genau kannte, rteu .eingerichtet werden. Ueberall. nahm Dr. Nathan, der als Syndikus der Gemeinde in Verbindung mit allen Großgemeipden slaod und Hamburg oft in den Sitzungen der Vorstände der Oroßgemeinden vertrat.- führenden Anteil. Lange bevor c forschung aktuell wurde, hat er genealegisi 1 trieben. Als dem Zuge der Zeit folgend, die V jrfassung demokratisiert wurde, wuchs die Zahl der Kommissionen und Sitzungen. In fast allen Besprechungen war wesend. Seine stilistisch durchgefcilten Protokg Nachklang so. manchen erregten Wortstreits. Jahre hindurch war er auch für das Repräseptantenköllegium tätig. Wieviel Freude haben' seine feinsinnigen Glüc-kwunsschreibcn. wieviel Trost seine Beileidsworte in unsere Gemeinde getragen, ln eiijer Reihe von Vereinen, die wohltätigen und wissenschaftlichen Zwecken dienten, war er tätig. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde, die den Grundstock 7.u einem jüdischen Museum legte, verdankt manches,seiner Initiative. Bedeutsame Mitarbeit leistet er im Schleswig-Hdlsteinischen Verband und irrt Nord- ,. westdeutscher) Rabbiner-Vti band. Wenn ihm auch nur .selten! seine Zeit erlaubt, als Rabbiner zu amtieren, so hat er doch freüdig die Vertretung von Amtsbrüdern übernommen und manche gehaltvolle Ansprache gehalten. Esgibt kaum eine Gemeindeinstitution, der er nicht große Hitfe auf dem Wege ihrer Entwicklung geleistet •hat. Besonders am Hogzetj lag ihm die Jugend. Das Jugendamt ist von ihm mit begründet und .ausgebaut worden. Wilholmincnhöhc hat er von.den Anfängen an gefördert-. Im Altenhaus, in dessen Synagoge er regelmäßig betet, ist er. der Verwaltung ein unentbehrlicher - Helfer. dcn Insassen ein -guter Freund'. Die Kranken in den Anstalten hat ■ er mit seinen regelmäßigen Besuchet}, erfreut und gestärkt. Solche Liebestätigkeit, wie ‘Dr. Nathan sie Tag für Tag leistet, begnügt sich nicht mit* den Lebenden. sondern gilt auch den Toten. Die Beerdigungs-Brüderschaft der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hat ihm mit dem Vorsitz ihrer Vertrauenskommission die Familicnhe Studien ge- Dr. Nathan unalle bringen den