Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 9 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdisches G e m e i n d e b 1 a 11 Nummer 9 I mission vertueilt mit Recht, “daß auch aut jüdischer Seite bei den letzten U iruhcn Ausschreitungen vorgekommen sind. Man wird aber diesen Ausführungen gegenüber betonen dürfen, daß die Ausscfyrei jungen von Juden sehr selten waren und zu erklären sind durch alles, was die Juden von den Arabern sich haben gefall n lassen müssen. In der -Vorrede des Berichts (S. 2) sagt ja auch die Kommission, daß „die eine Seite“ (d. h. die Araber) , sich, nicht zum-ersten Male, ins Unrecht setzte, indem sie ihr: Zuflucht zur Gewalt nahm, während die andere Seite (d. h. die Juden) sich geduldig ans Gesetz hielt.“ Diese Feststellung bedeutet um so mehr, als die Regierung, wie der Bericht S. 29? und S. 415 anerkennt, „die elementare Pflicht der Schaffung üflentlicher Sicherheit nicht erfüllt” hat. - Leider wi d die Beschwerde der Juden über die wahrend der letzten-Unruhen hervorgetretenen Mängel der Strafjustiz (übergroße M ilde gegen arabische Mörder) in wenig erschöpfender Weise behandelt. In dem ..I'ie gegenwärtige Lage” übcrschriebenen Kapitel V wird die Arb?it der Juden in Palästina auf allen Gebieten mit folgendem Lc be anerkannt: ..Es ist nach unserer Meinung unmöglich, da0 ein unvori eingenomm;ner Beobachter das Nationalheim sieht und nicht den Wunsch ha Den soll, es möge gedeihen. Es hat so viel bedeutet lur rhe Linder' mg unverdienter Not. Es zeigt so viel Tatkraft. Unternehmunt'g tist und Hingabe an eine gemeinsame Sache" ,S. 143). , Die Beziehungen der Juden zur Regierung sind nach Ansicht der Kommis ion besser . als die der Araber. Das bedeutet, wie der pericht nit Recht auf S. 134 bemerkt, nicht viel. An einer anderen Stel ie des Berichts wird aber anerkannt, daß die maßgebende Instanz, die Jewish Agency, sich nach besten Kräften bemüht hat. die Regierung bei der Ausübung der sich aus dem Mandat ergebenden Pflichten zu unterstützen. „Tatsächlich gibt es keinen Z\ -eig der Verwaltung, mit dem sich die Agency nicht befaßt" (S. 99). was der Bericht unter Hinweis auf Artikel 4 des Mandats billigt'. I . Anerkemung im höchsten Maße wird ferner gezoHt dem jüdischen £ ziehungswesen: ruhmend wird hierbei der in den Höheren Schulen erteilte Unterricht im Arabischen hervor--- gehoben <S. 135. 579). Die Hebräische Universität hat zur „Kenntnis d?s Vorderen Orients und besonders des Lebens und der Kultur der Araber Wertvolles beigetragen" <S. 382). Im Gesundheitswesen haben die Juden ebenfalls viel geleistet. Ar erkannt wird insbesondere die uneigennützige Philantropic der Hadassa. die Angehörigen aller Religionen Palästinas^ugute kommt (S. 3.54). Daß die Tätigkeit der jüdischen Gemeinschaft auch in der Landwirtschaft.den Arabern nützlich gewesen ist. wird bei der eingehenden Erörterung der' Bodenfrage im Anschluß an die Aussage Dr Ruppins, sicher des besten Sachverständigen, feste estellt. I ..Wir Sind auch der Me/nung. daß bis jetzt.-im •günzefi gesehen? der arabische Bauer sowohl, von der Arbeit der britischen Verwaltung als auch von der Anwesenheit der Juden iih Lande "»utzen gezogen hat". Die Kommission berichtet Uii'ai von Km Memorandum der Agency, jn welchem es als im Interesse der Juden für erforderlich erklärt wird, die FhUnchen auf, pinen höheren Lebensstandard zu bringen. Die Kommission verwirft den arabischen Einwand, daß die Juden t-jnen zu er >ßen Teil guten Bodens erworben hätten. Die in Angriff genrmmene Erschließung des Hule-Gebiets wird als für die Gisundheit und die Wirtschaft der Araber nützlich hervor- . gehoben (S.!92 bis S. 295). „ Bei der Untersuchung der arabischen, Fortschritte sagt der Bericht (S. 14!)). daß die-Araber in einem-beträchtlichen Maße flfi'den mate -teilen, durch die jüdische Einwanderung bewirkten Vorteilen te lgenommen haben. „Die Mandatsverpflichtung ist in dieser Hir sicht eingehalten worden. Die wirtschaftliche Lage der Araber st. als Ganzes betrachtet, durch die Errichtung des Niationalheirns nicht geschädigt worden.”. * Die Entwicklung des Nationalheims zeigt der Kommission dägleiche, .vas bereits die nach den Unruhen des Jahr/es 1929 vjin der Britischen Regierung eingesetzte Untersuchungskommission unter Sir Walter Shaw in ihrem Bericht betont hat. ..«in Gefühl ier Hast". Diese Hast hat die Gegensätze zwischen Juden und Arabern verschärft (S. 79. 80). Die Bt-'i 1 'Werden der Araber lassen sich nach der Ueberzougung der Kommission ..dahin zusammenfassen,.daß das Mandat samt al em. was daraus folgt, abgelehnt wird" (S. 416). In dem das Problem zusammenfassenden Kapitel XX „Der Zwang der I mstände’ begründet die Kommission ihren Standpunkt. daß das Mandat sich als unausführbar erwiesen habe. Djis Mandat Habe vorausgesetzt, daß die Verpflichtungen der Mandatsmacf t gegenüber Arabern und Juden mit einander zu vereinigen .seien dank der versöhnlichen Wirkung der wirtschaftlichen Prosperität auf die palästinensischen Araber. In dieser Erwartung habe man sich getäuscht. Araber und Juden seien verschieden in Religion und Sprache, im kulturellen und sozialen Leben. Ihre Denkweise und Lebensführung seien ebenso unvereinbar wie ihre nationalen Bestrebungen. Eine nationale Angleichung zwischen Juden und Arabern sei ausgeschlossen. Der Konflikt sei in erster Linie politisch, obgleich die Araber auch die'wirtschaftliche Unterwerfung unter die Juden befürchten. Auswärtige Faktoren — bei den Arabern die Entwicklung der Nachbarländer zur Selbständigkeit, bei den Juden der voraussichtlich stärker werdende Drang zur Einwanderung nach Palästina, würden die Lage vermutlich noch verschlechtern. Die Mandatsmacht habe nicht die Möglichkeit, wie in den Kronkolonien eine Selbstregierung zu entwickeln. Durch die verschiedenen Unruhen sei die Hoffnung auf Versöhnung zwischen Arabern und Juden widerlegt worden.. Es nütze nichts, das kostspielige System beständiger Unterdrückung anzuwenden. „Um es in einem Satze zu sagen, wir können in Palästina, wie es jetzt ist; nicht den arabischen Anspruch auf Selbstregierung gewähren und zugleich die Errichtung des Jüdischen Nationalheims sichern.“ (S. 426.) Daher wird, außer verschiedenen Maßr nahmen für die Zeit des noch bestehenden Mandats, als Lösung des Problems die Teilung in einen jüdischen, einen arabischen und einen unter Mandatsherrschaft verbleibenden Bezirk empfohlen. Der arabische und der jüdische Teil sollen Staatsform erhalten. _ Es liegt außerhalb des Rahmens dieses Aufsatzes, zu untersuchen, ob nicht weniger radikale Mittel, wie beispielsweise stärkere Einsetzung der Machtmittel bei Unruhen. Reformen der Strafjustiz und erneute Bemühungen um Anbahnung einer Verständigung zwischen Arabern und Juden zum Ziele führen. Auch derjenige, der mit den Vorschlägen der Kommission oder einzelnen Darlegungen nicht einverstanden ist, wird anerkennen, daß der 453 Seiten füllende Bericht das Palästinaproblem vorurteilsfrei und gründlich behandelt. Personalien u. Kleine Mitteilungen Lehrer i. R. Solomon Buttenwieser 70 Jahre alt Herr Salomon Buttenwieser, der in Spa im Ruhestande ldbt, vollendete, wie wir erst jüngst erfuhren, am 29. Jüli d. J. sein 70. Lebensjahr. Herr Buttenwieser war von 1899 bis 1931 als Lehrer an der Talmud Tora Schule tätig; außerdem hat er mehrere Jahrzehnte das Amt eines Seelsorgers für die jüdischen Untersuchungs- und Strafgefangenen bekleidet. Der Vorstand der Gemeinde hat Herrn Buttenwieser anläßlich seines 70. Geburtstages ein herzliches Glückwunschschreiben übersandt und ihm erneut seinen Dank für sein verdienstliches Wirken in den beiden von ihm bekleideten Aemtern ausgesprochen. Wir schließen uns diesem Glückwünsche von Herzen an. * ■ Aus dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland Laut Erlaß des Herrn Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Sonderreferat Rkw. Hinkel, haben alle Mitglieder des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde, die in Drucksachen, Inseraten. Ankündigungen, auf Hausschildern, Visitenkarten usw. durch eine Berufsbezeichnung auf ihre künstlerische Tätigkeit Hinweisen, neben die Berufsbtezeichnung die Worte „Mitglied des Reichsvprbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschlandin Klammern zu setzen. Der Zusatz muß in gleicher Größe und in gleicher Weise sichtbar wie die bc-i, treffende Berufsbezeichnung angebracht sein. — Verstöße gegen» diese Anordnung werden schürfstens verfolgt. ★ Unterstützungszahlungen und Spenden aus dem Auslande Unter Bezugnahme auf das Rundschreiben der Palästina- Treuhand-Stelle, welches der letzten Nummer des Gemeindeblattes beigelegen hat. und auf den bezüglichen in der gleichen Nummer des Gemeindeblattes erschienenen Aufsatz „Unterstützungszahlungen an Juden in Deutschland" bitten wir alle diejenigen im Auslande lebenden ehemaligen Gemeindeangehörigen. Spenden, die sie der Gemeinde beziehentlich einer ihrer Wohlfahrtseinrichtungen zuweisen wollen, tunlichst stets in Form von Haavara-Mark beziehentlich durch Erwerb von Sperrmarkbeträgen zu überweisen. 1 Nähere Auskunft erteilen die Palästina-Treuhand-«Stelle sowie auch die meisten in- und ausländischen Banken. Ruf 3316 03 'LAGERUNG E. GAERTNER & Co. Internat. Spedition HAMBURG 1 Altstädte i* Straße 17 e »Altstädter Hof« Ruf 3316O8 Gepäckbeförderung Sammelverkehr nach Palästina Gütertransport VERSICHERUNG PASSAGEVERMITTLUNG UMZUGE n. Ausland Ubersee v. Haus zu Haus