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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1937-09-17 · 9 (17.9.1937) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
13 (1937)
Issue
9 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 9 Ernst S imon : 4 Zu Sukkot bol dor Jugend-Alija Im Kibbuz Rodges Vier zweistöckige Steinhäuser, zwei große Eßsäle, zahlreiche Baracken und Wirtschaftsgebäude, ein sich, weit hinlehnendes ^Zeltlager — damit stellt sich der Kibbuz Rodges an allen Tagen des Jahres als der zentrale Siedlungspunkt der religiösen palästinensischen Arbeiterschaft dar. Zu Sukkot aber waren noch drei, wenn auch durchaus provisorische ..Gebäudp** hinzugekotnmen: drei Laubhütten. Die größte von ihnen, mehr als 150 Menschen fassend, war für den Kibbuz selbst bestimmt, die zweite für die etwa 75 Jungen und Mädchen der Jugend-AUja, die hier ihre landwirtschaftliche und jüdische Ausbildung genießen, und die kleinste für die Kinder der Mitglieder dos Kibbuz. Alle Sukkot waren mit den Früchten der eigenen Wirtschaft geschmückt, mit den Zweigen des nahen Waldes bedeckt und tiugen außerdem in schöner hebräischer Buchstabenschrift Rundbänder mit biblischen Versen und midraschischen Erklärungen, die sich auf das Fest beziehen. Aber -neben uncl zugleich mit dieser Naturbedeutung kommt der ausgesprochen jüdisch - religiöse Charakter des Festes in seiner traditionellen Ausgestaltung zum Ausdruck. Sieben Gäste sind mit den Juden in der Laubhütte; ihre Namen leuchten auf schön bemalten Schildern von den Warfden aller drei Sukkot des Kibbuz; Abraham, Jizchak und Jakob. Joseph. Mosche. Aron, David. Abraham, Jizchak und Jakob, die Stammvater, Joseph der Herr der ägyptischen Diaspor^, Mosche und Aron die Künder des Gesetzes und Führer des Wüstenzuges. David der König der Erfüllung. Was alte Volkslegende und kabbalistischer Brauch, umsponnen hat. wird so in palästinensischer Eidverbundenheit und Jugendlichkeit wieder lebendig. _ Es dürfte wenig Synagogen in der Welt geben, in denen-der Gottesdienst von solcher Jugendkraft getragen wird, in dem die alten Worte in solchem Maße ihre Unsterblichkeit erweisen können, wie in dem schlichten Eßsaal des Kibbuz Rodges. Gesang, der Gebet ist; Gebet, das nach den Minuten der vorpeschnebenen schweigsamen Konzentration jedes einzelnen immer wieder in den hellen, frohen, trotzigen Jungmänner-Gesang des jungen Palästina ausbricht — das ist das Kennzeichen dieses Gottesdienstes, der ein einziges Lred der jüdischen Jugend zum Lobe ihres Schöpfers ist. Wer nicht die Fröhlichkeit der Tischlieder, der Smirot an einem Freitag- oder einem. Festabend im Kibbuz Rodges gesehen hat der hat keine Fröhlichkeit gesehen. Aber Judentum ist nicht nur Lied und Anada. es ist vor allem Lebensgestaltüng, Gesetz, Halacha. — So ist ein Teil des Festtages ernstem talmudischen Lernen gewidmet, das sich .heute naturgemäß mit den Fragen gerade dieses Festes befaßt und eine Partie aus dem vorher sorgfältig vorbereiteten Traktat Sukko in den Mittelpunkt stellt. So etwa ist das Milieu, in dem die Jugend-Alija-Gruppen, die sich dort nun schon teilweise zum zweiten Male erneuern, leben und erzogen werden. Daß es sich bei dieser Erziehung nicht um ein in einem überlebten Sinne intellektuelles Milieu handelt, geht aus der Tatsache hervor, daß der Garten des Kibbuz -Rpdges. an dem die Jungen und Mädchen der Jugend-Alija lernend und arbeitend entscheidenden Anteil haben, auf der letzten Messe in Tel Aviv eine große Reihe erster Preise erhalten hat. Auch sonst ist man in den erzieherischen Fragen von jeder Einseitigkeit frei. So stark naturgemäß die hebräische Sprache und jüdische Lebensfragen im Mittelpunkte stehen, so wenig wird doch verkannt, daß zumindest für eine gewisse Uebergangszeit manche Lebensprobleme aufch noch m deutscher Sprache geklärt werden müssen, sollen sie wirklich zur inneren Reife gelangen. Auch die großen Kulturwerte, die unsere jungen Menschen aus ihren deutschsprachigen Elternhäusern vielfach mitbringen, werden nicht etwa als unnützer Ballast abgewörfen, sondern, gehen als ein wertvolles Element in den neuen Kulturaufbau ein zu dem die aus ostjüdischem Milieu stammen- •den Gefährten ihrerseits wiederum die Uebcrlieferung des talmudischen Lernens und des Jeschiwa-Lebens mitbringen. Solche Unterschiede der Herkunft führen aber kaum je zu Spannungen, sondern dienen nur der echten geistigen Spannung, ohne die es kein fruchtbares Gemeinschaftsleben gibt. Das kam auch an jenem Sukkottage zum Ausdruck, als sich am Nachmittag zwischen Mincho und Maariw alle Gruppen der Jugend-AIija, welcher Herkunft und Einstellung auch immer,, um das große deutsche Gedicht aus jüdischem Geist versammelten, das uns Ludwig Strauß in seinem ..Ruf aus der Zeit"1)- gegeben hat. Wir fühlten wohl alle, daß hier — ebenso wie bei der Aussprache des Vormittags! über die Beziehungen der jüdischen GTäubenswelt zu den verschiedene^! Gesellschaftsidealen — der eigentliche Kern unseres Lebens und unserer Entscheidung angerührt wurde. Wer dann von Rodges schied, tat es mit einer Mischung von Stolz und ein wenig Neid auf jene jungen Menschen, die in schwerster Arbeit die großen Fragen nicht nur irt Wort und Schrift, sondern mit dem Einsatz ihres ganzen Lebens klären helfen dürfen. i) Ludwig. Strauß. Nachtwache. Gedichte 1919—1923. Erschienen im Verlag Der Deutsche Buch-Club, Hamburg 1933, jeUt im Scbockco Verlag; Berlin. /?abbmer E. D u c k e s z und Dr. N, M. N athan:? Hebräische Autogramme aus Hamburg-Altona') Die bisher in dieser Aufsatzreihe veröffentlichten Schrift- ' stucke waren Autogramme der Oberjabbiner der drei Gemeinden, zuletzt solche der Oberrabbiner Isaak Hurwitz 1765 bis 1767 und David Berlin 1767 bis 1771. Nachfolger des letzteren oder richtiger. Rabbinatsverwesef nach David Berlins Tode war Je.-aiä .1 a f f e, der Sohn des Nechemja Jalfe und Bruder des in Berlin ansässigen Elieser Lazarus Jaffe, des Vaters-des Schweriner Landesrabbiners Mordechai Marcus Jaffe, geboren in Breslau.-gestorben in Altona am ersten Tage Rausch haschono M* (18. September 1773) und begraben Altona Königstraße 2983; s. über rhn E. D u c k e s z 277Vsb JVN hebräischer Teil S. 63 und IViX ’33H hebräischer Teil S. 48. deutscher Teil S. 17; M. Grunu ald. Hamburgs deutsche" Juden. S. 265,2099, wo als sein Todestag irrigerweise der 2. Tischri 534 angegeben ist. In Jew. Enc. VII 53 ff. s. v. Jaffe wird er nicht genannt; auch nicht in den dort veröffentlichten Stammtafeln. Leider besitzen wir von Jesaia Jaffe kein Autogramm; um wenigstens seinen Namenszug in diesem Zusammenhänge bringen zu können, veröffentlichen wir hier ein Schriftstück, das unter acht Unterschriften an sechster Stelle auch die seinige .bringt und nicht nur wegen der andern Unterschriften, sondern auch wogender Persönlichkeit, die es betrifft, und wegen ihres sachlichen Inhaüs des allgemeinen Interesses sicher ist. ^>xir' pax-t s'3 '’Bi^xn imon «pn^c’i p ptyat? t:rp •m-irn nypo1? '3 S?’31”T D't trj? C’337 ,'XI7 a*iB e"s o"3pn nan 3*’ '3 'r •tb xVcjns ‘rio rvn -os 'pn ^>JT3 E”n pnx 'pn BTB1B t^XTl 'pn TBS3 f'3 3pX' 'pn ix’-ü f-vn 'pn na’ 'pn D’a^wa ^>D’a 'pn Tatzrfjxj |ruv> 'pn M. 36,— M. 36,— *| Vgl. Gememdeblatt 1929, Nr. 4 und io, 1935 Nr. v Diese Persönlichkeit ist Simon von Geldern, der Großonkel Heinrich Heines, der den größten Teil seines Lebens auf Wanderungen zugebracht und in einem Reisetagebuch über sie .berichtet, hat, aus dem David Kaufmann in seinem Werke: ^us Heinrich Heines Ahnensaal eine Reihe von Einzelheiten mhgeteilt hat. Auf diesen Wanderungen ist Simon von Geldern zweimal nach Hamburg gekommen, das erste Mal 1756’). das zweite Mal 1769. Bei diesem zweiten Aufenthalt wandte sich der-stets gerdbedürftige von Geldern an die Vorsteher der Gemeinde, die ihm die hier veröffentlichte Anweisung auf 12 Reichstaler an die jnxi npTt ’X3J aüshändigten. VmT f~iX3 npts ’X31 das waren die Verwalter der Gelder, die aus den verschiedensten Quellen, vor allem aus. Sammlungen bei festlichen Anlässen und aus Legatszinsen flössen und die für die Unterstützung der im Heiligen Lande lebenden Juden, für die Förderung des Torastudiums im Heiligen Lande und, wie wir hier sehen, nicht zuletzt auch für Palästinawanderer oder solche, die Vorgaben es zu sein, Verwendung fanden. Und der Zufall, daß diese Anweisung in ein Erez-Israel-Spenden-Buch gelegt wurde, ist es zu danken, daß sie sich bis auf unsere Tage erhalten hat Verweilen wir noch einen Augenblick bei den Männern, die das hier behandelte Schriftstück unterzeichnet haben. Zwi Hirsch ben Elieser Breslau und Chajim Bergei bildeten zusammen mit Jechiel Wallich, dem Gründer der seinen. Namen tragenden Klaus, die Deputation der Hamburg-Altonaer Judenschaft, die am 4. Tamus 5527 (1. Juli 1767) in Altona von König Christian VII. in Audienz empfangen wurde’3), nachdem er die Glückwünsche der Gemeinde zu seinem Regierungsantritt am 18. Ijar 5526 (27. April 1766) auf Schloß Friedrichsberg — nebst einem Geschenk von 1000 holländischen Species Dukaten — bereits aus den Händen des ebengenannten Chajim Bergei und des an vierter Stelle in unserem Schriftstück genannten Jakob Cohen, auch Jakob Moses Schlesinger genannt’15), entgegengenommen hatte._ Isachar Wolf Popert, mit vollem Namen Isathar ben Levi Popert, auch Wolf Lewin Popert genannt, ist der bekannte jüdische Finanzmann, der den Inhaber des hamburgischen Handelshauses Parish durch seine großzügige Kreditgewährung vor dem -sichern Ruin bewahrte *). — Herz Scheier war der Schwiegervater eines Verwandter! des Simon von Geldern, des gleichfalls in Hamburg lebenden Leib Düsseldorf ■) s. D. K a u f m a n n a. a. O., S. 142. ’) S. hierzu B. Brt lling, Die frühesten Beziehungen der Juden Hamburgs zu Palästina im Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft 1930. >a) s. E. Duckesi, rn« -«Ml s. 84—95; M. Grunwald, Hamburgs deutsche Juden, S. 53—54. *b) über ihn und über die Gleichsetzung des Jakob Cohen mit Jakob Moses-Schlesinger s. M. Grunwald a. a. O. S. 296 Fußnote, und S. 296/3905: Moses ben Jacob hakohen Schlesinger. *1 M. Grunwald a. a. O. ,-S. 57 und S. 288 Fußnote. Vebersetzung Die Herren Vorsteher der Erez-lsrael-Armenkasse in Hamburg belieben zu zahlen Herrn Simon aus Düsseldorf als- Beihilfe (zu den Kosten) seiner Rückreise nach Erez Israel 12 Reiehstaler dänisch Bank auf Anordnung der < Unterzeichneten) Vorsteher. Montag, den 12. Tamus 5520 (17. Juli 1769). Zwi Hirsch halevi, Breslau, Monatsvorsteher Aron Chajim Bergei, Wolf Popert, Jakob Hohen aus Frankfurt a. d. Oder, Herz Scheier halevi, Jesaja Jaffe, Michel halevi Delbanco, Jonathan Goldschmidt.

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