Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 10 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Sit. I G »■ m c i n «1 c 1> 1 a t1 «1 c r Deutsch-Israelitischen Gemeinde Nummer 10 diese "unter den Gesichtspunkten einer neiien, vertieften Begegnung mit dem biblischen Wort licrifcht igten Methoden können iiiilit vereinbar-"sein mit einer faltung 4er ilentschen. Sprache Man/tut lio-enzweig unrecht, wenn man i Stilisierung vorwirft:» nicht >■ 11^ri* n Eigen-Entgewifl Ii u Iht ii ml r<T Ihcr-eMzung eine bewußte um ihren | e i gen c D Stil, senilem um den elcr Ii e b r n i s c Ii e n ßibej geht es ihnen: aber «'s mag doch solchem Vorwurf'la< richtige Empfinden zugrundeliegend daß die. natürliche Fülle und Beweglichkeit einer Sprache nicht völlig erhalten werden kann, wenn ihr — auch MÜ feinstem raktjde'r n>ersetzei — (lesetze einer am leren Sprach« auferlegt •*fer«le«(. Es _üiI>t viele Stellen in. dieser Bibclüber- .sct/ung. in denen —- ich wage den AiiMirucM — das Wunder der Vermählung zweier Sprachgeister SVirkliinkeit^geworden ist. Ls gibt .uulen'. in denen gerade die üuhVjrste Hingabe dieser Uhcrset/er an «lax Bibelwurt es unmöglich gemacht hat. dieses (hiithten Innigkeit /um Leser spreche.n zu Wort in _M-iihm la--en. ..In eh r Tal", sagt Heinrich Heine. .weder eine Vision, in >< Ii eine -craphiii-die \ crzüekunir. noch eine Stimme muh lliinnifl. auch kein mei kw iirdiger Traum oder' son-t ein W undcr-prudi brachte-mich aul den Weg des Heils, und id| verdnnke Bleine Erlcudttung ganz einfach der Lektüre eines Boches — eines Buches? Ja. und es i-t ein altes, schlichtes Bmh, hc-diridcn wie die Natur, auch natürlich wie diese: ein Buch dav<*erkcllagig und anspruchslos aussieht wie die Sonne, die iin~ wärmt, wie das Brot, das uns nährt -r — — —" Heinrich Heine gilt als der erste'Künstler. «1er die innere'Zerrissenheit de- Modernen Menschen in seinem Leben und Werke \erköAperl hat — vielleicht vci mochte er um +<> tiefcr-tlie Schlicht- Jnd/debiblisthen Stils zu empfin<len. Von der Schöpfungsgeschichte bis zum Bericht iilier die llejnikedir aus der baby- Inhisdii.ii Gefangeitschaft Bleibt sidi die Bibel glerich in dieser Eigcillümlidikeit. die ihre Wirkung auf Menschen der \erlensten Zeiten erst iranz \crstiindlidj macht. Jesaja war ein Mann, von iimfa— ender W eife de- Geistes' — aber i)IiiI groll im Denken — ..W ie einen Mann ii" sagt der Prophet. sdiiei gew n| er wur ein ganz schlichter Mensch, schlicht und Kühlen und darum aiith in der Spracht seine Mutter tröstet, so vi ill idi euch tröste ,\hin könntesich versucht fühlen, die-e- Wort auf die Bibel selh-t anzuwenden, /war sind die Psalmen nicht mehr wie einstmals das große I rostbiich der aliendljindischen Menschheit — siiherlidi richten sich doch noch heute1 nicht wenige Menschen .in diesen ans der I iefe mne-ch lieber Niit und au- <|er krafl menschlichen Vertrauens geformten Liedern auf: ..Wie einen Mann seine Mutter tröstet?*,d. h. ganz menschlich schlicht spridit die l'-almdiditting zu dem, der ihren Klang noch zu vernehmen vermag. Schlicht aber kann -ein W ort nur se in. Wenn in ihm das. was ein Men-di erlebt, seinen unmittelbaren Ausdruck findet, wenn das Wort als kluiiggcwordene Seele zu und redet, wenn es die form i-t. die der nach Erkenntnis ringende-Geist mit ii.....rcr Notwendigkeit sieh erschafft" Daß sobhe kindlich« Schlichtheit dieser Sehriltvcrdetitsehiing stellenweise fehlt, wird den nicht Wundern, der in das unendliche mühevolle Bingen der I bersetzer Einblick genommen hat. Ls bleibt de_r. Leistung (fieser Männer das grolle Verdienst, durcfi ihre neiigeTundenen Erkenntnisse' und durdi ihr eigenes Vorbild unser Geschlecht, zu einem neuen' von letztem Lrilst getragenen Büm Uesen aufgerufen zu haben.! Weil sich diese t'bcrset/iing an die Gemeinde wendet, darum muH s i e sich mit so kl n g e b e n «I e r T reue a u d e n m a so r e t i sc h e n Text bi nd e n Ls gilt die Bibel z.uriitkzuge-w innen als innerlich lebendige Einheit, SO wie sie einstmals den tragenden Grund des jüdischen Lebens bildete. Der Piut-), der in unseren Gottesdienst hineinragt aus-lerner Zeit, ist der Ausdruck, den die mit der hebräischen Bibel, und zwar mit der ganzen hebräischen Bibel vertraute Gemeinde ihrem , religiösen Gefühl geschaffen hat. Die innere; Geschlossenheit der mittelalterlichjpa jüdischen Dichtung läßt uns ahnen, w ienajie der Gesamtgeist der biblischen Welt unseren Vorfahren; damals gewesen ist. Eine rüduwärtsgewnndtc Sehnsucht aber könnte uns das Verlorene.niemals zurückgeben: neu errungene wissenschaftliche Methoden dürfen der Heimkehr zur Bibel nicht'lern bleiben, wenn" sfe. mehr sein -oll als flüchtige Roj -mantik. wenn sie schlichtes und strenges Lernen sein soll. Aber die philologische Bemühung darf nicht das Letzte sein, wo es sjdi um den Weg der Gemeinde zur Bibel hin handelt. Die Psalmen' müssen zunächst Analysiert werden, aber dann muH Sbre innere Form erfühlt werden und mit und in der form das in dieser einmaligen Gestalt verkörperte Menschentum, das nicht iit sich ruht, sondern unter .dem Schatten Deiner Fittiche". Die brbelverbundene, die psalmen-lesendc und •singende, von der Bibel her lebende Gemeinde i-t heute noc h ein bloßes W iin-ddiild. Doch der. liuf erschallt klar und uns allen vernehmlich. ..and unaussprechlich wir und uulH in seinem Dunkel umsonst, de/ doch der Zeichen genug, und Wctlcrflammen und Fluten in seiher Nacht wie Gedanken hat. der heilige Vater, und' nirgend fand er wahr sich unter dm Lebenden wieder, wenn zum Gesänge ein Herz nicht h..tt die Gemeinde:" HülJerlin. ■ *) Gottesdienstliche Dichtung, die sich in Inhalt und Stil stark an die Bibel anlehnt. Bernhard f» «• / b n r I Stimme der Jugend Jugendheim und betrachtet das sdvwarze lei* Birk Ihr kommt in Brett. Uli staunt über die Vielfalt Kationen: Brit Ji.moir. Habonim, Misracfti, /ist; Iwria, Haiidwerker-Ju eine Auslese. Auch denjenigen, der um I nle-r-diiede zwi-cheu den Bünden weilt, .laugen Liste grauen Nor ihm c-nl-tehi Bände und t>rganir. Ilc-dialuz. /eire geiMIt nippe — das is| nur Ee w oh Ibegründeten ij packt angesichts der ein Bild des Partei- •Jei-le- und der \ c i e i ii - Iii.....rei. Worte vs ie Abgrenzung und rVusciuaudersetxuiig Innen ihm unliebsam in den Ohren. I ii i>i Ii-die Jugend llamburgs i-t -idi aber einiger, als es den Anschein hart. We nn man auch nur'dann und wann, b -i genieinsiime.il lagern und I agiiiigen. von Ziisumniena rbeit -im iien k ,i ii ii. so stehen die Jugemlbilnde doch in gutem Einvernehmen-, . Organisatorisch sm,l alle nationaljüclisdieu Bunde im Nation il jüdischen Jiigendring zusaminengefalit. alle Bunde und Jivgen Im'j.i ni-al ioiien gehör--ij <lc-ni l.allde-ail--cfillf! dei lüdi-chi n Jng •iidorgani-alioneii an. Hin Bund wc-il! um die i\jisihailung des anderen und achtet ~iv, .|uch Wc-iiii er -ie nicht Ii Vleisteiis stehen solche Bellaiip(uii"j-u nur in Broschüren m l >l ii n, ii. während der Mit.ig das jC.cjgenleil bc-wei.-t. \b--r gciuldr im alltäglichen Leben der judi-ibc a Jugend Hamburgs trreli/en uin! I njeischicdc zwi-cheu de h u ischeii -üb die 'I m ii li'uuden. In -ler Schule und .'aul dem Sportpfatz gibt ekl-rne Treunilti-4 zw i-ih<-ii den Bünden, jedenfalls i-t -ie heute längst, ordit mehr -o -läik zu spüren wiie vor drei oder vier Jahren. .Die schweren gemeinsamen Aufgaben der letztc-n J.i Ii i i- Ii ■ Ii, die jüdische Jugend in starkem Malle geeinigt. Das SchreckhiM der ze hn- und zwauz-igfuldl gespaltenen, ach' so uneinigin Jugend entspricht heute nicht mehr de r Wirklichkeit. Der Führerwaneel > ~ Ulen Bünden gemein-ain i-l auch dc-r Führermangel Tag Im l-ng gehen junge Menschen fort und lassen ihre Fre unde, jttre Gruppen zmuek. De-r Gruppc-nleiter. den der Bund alsl .Yichfolgcr einsetzt, i-t -elteu gleich' fähig und erfahren. meistens schon deshalb, weil er jünger]als sein Vorgänger ist. Die I-ührerfrag-; ist eineständige Sorge aller Jiigcnclhnnde. .\idit immer kann sie zur Zufriedenheit aller, d. h. des Bundes, der Geführten und der Eltern gelöst werden. Aller die Lllern sollten den Bünden aus die-ern Mißstand keinen Vorwurf machen. Er ist eine- Erscheinung der Zeit, elie wir nicht Iveinflussen können. Hier möchte mau einen Bund mit einer Familie vergleichen^ dc*r e-- doch Mich mal gut und mal schlecht ergehen mag. Eltern, «licglauben, ihre Kinder nicht den jungen 'und oft unerfahrenen Gruppenführern iiberlass<>ni/il können, haben die Zeit noch nicht liegriffen./Das Gleichnis von den dünnen, zerbrechlichen Stubchen, elie einzeln zwar schnell «erbrochen, zusamme'n. gebiüidelt »her 'unzerbrechlich sind, hat doch heute Mehr Wahrheit" d. nn je. Wir . leben in einer Schweren Zeit Wir -e-tzeii da- Wörtchen ..-diwer" in Gänsefüßchen wir ein Zitat. Wirklich liectentet heule von iIct schweren Zeit reden, all die Ke-dncr zitieren, dieheule zu jüdisch-.r Jugend sprechen. „Ihr le-l>i in einer schweren Zettl lr<iiz dieser schweren Zeit, tlie-be Kinder.. ." so hören wir oft. zu uns'sprechen. Die «tuugeii und Mädel, sie sitzen mit grollen Augen dabei und 'hören auf eleu Erwachsenen, der zu ih:i.-n spricht. Lud sie vergessen-nicht, was e r gesägt hat. Da- Wort von eh r schweren Zeit bleib! hallen. Eis findet seinen Niederschlag in den'Gedichten und Infsätzen der Elf- und Dreize hnjährigen, und bei dem" \ lerzehnjali* i-en wird es zur Pinn— bei seiner Antrittsrede 'als \ertiaui\n—chiiler seiner Klasse... Wer jüdi-die JVgend'im Bunde führt, ist' nicht der Ansidit, dal man ihr die Lauedes Judentums, ihre Lage, schön verrärlten solle. Man soll Kinele.r nicht neben der Wirklichkeit erziehen. Aber auch dagellü-elte Wort von iler schweren Zeit hat s-inci Gefahren. Es Besteht die Gefahr, daß das Jüdische Kind zu wenig lebensfroh erzogen wird.; Sein Lebensrcrum ist eng. Es gibt