Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 6 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seit.- eS Gemein d e b I a 11 der Deutsrh-hraclithrhrn Gemeinde Nummer 6 Wir -uul .inmehrmals \-iiieni Grunde ül>er/eugt, daU bei solcher l msxhart -ich «Ii«- ursächlich* Bedeutung des Jüdischen liir «I ic Aul k l.i nitiy>l«-w eg u ng. die nach «le-n erregenden Kämpfen des /.«'itiillei■«. der RejigionskrieigC' miii hiigläud «buch WestuTul M ilteleu nip.i ging, als g e r i n g erweisen wird. I mgekehrt freilich i-t <lu- W. i «• h t i :r k e H «l e i Aufklärung für - Jude iiliitn ii ii<I Jlljlcidieil ganz unge-he-ucr }r r •» II. Man hat oft Ufld an »Kh nicht unrichtig die I iiianzi|>al ioiishew egung mil der VeräHderuii:;-Kubipas durch die liieltistriali-icruug in \crhni hing gebracht! aber eine \iilhg ausreichende Krkläriing bietet diese sozjal-geschiiht liehe \n-ieht «ler Dingenicht. Die gn-i-V I mgestaltttng eler ökonomischen Welt dnr<b die K.nt- >ti Illingde-- Bürgertums zwischen UfU) und IJ>t! hat das Judcn- Ium nicht e-tuporgj-trage-n. Mindern in- Ghetto (»"führt. Damals, im I linhinilti hiliri .■ wurde die ( a-i-II-ch.ifts'bildu ng weitgehend I»•>(iminl durch den Glauben der MiHstbeij an «lie eine Kirche al- In- Hclferm.M«"s Menschen in -einen wesentlichsten Notwendigkeiten. Du- Viifklürungslrcweguug hat in ganz hurcipa «he-eii Glnulieu an die »uss«bliclfcMiele.Krlöfcuiigswahrheit einer bestimmten I.eine und Kirchen Verfassung, der die elementarste Ki.dt im petstigt'n le-lu-n Kuropajs gewesen Wjir, ans der Herrsch dl gedrängt und damit «hfl Cm nd la g'e n in den' Hezichurigen dci \i>lkvi /.n den Juden geändert. Darin liegt die hleiheiide Bedeutung liir unsere Geschichte,'ganz gleich, wie in.in die-e Änderung wertet und wie »ich nn-er Schicksal ferner gc-laltet. Die ehri-tliehc Kirche <le- Mittelalter-, für welche die BihcH der Juden keine, geringe Bedeutung hat. -ah in den ■eilenden Nachkommen des alten l-rael das durch die Kolge' eiiici religiösen i.iit-cheidung enterbte \ulk dieses-Buches:-es Kalle diircii -i-iiu: wie versteinert empfundene hxisten/ die KreigliisM' .inder Griimfiingszeit de- Christentums al- Symbol zu Itczeuscti. Dipsc \uffa«sung vom Judentum hatte sich zuerst ausgebi-ldel innerhalb der antiken Kirche in der Mittelmeehr- Wclt, in weichet die Juden als Bas-e sich nicht miii der übrigen- Betötkerung abhöben. Auch <lie Aufnahme uiid Weiterentwicklung dii'-e- Muti\k rei-cs in die. Verkünduug der mittelalterlichen Kirche.' die nach ijtm zur-völligen D a m o n i s i-e r u n g der Genital) <le- Juden führte, Millzog -ich im Zusammenhange mil religiösen Bewegungen, durch welche das Christentum die Lebensform der Massen Tlurchdrung und sich mit der Geist igki ii der eutstebeuclen Krwerhsstände an-einander-et/te. Neben Krank reich spielte daliei das nördliche Mittelmecrgebict die fuhren,le Rolle. Damit i-t nicht gesagt, dar! die Kragen des 'Volkstums fiir d..s Jii<leuprol>leni des Mittelalters gar nichts Im-leutet hatten. Thomas \on Aquino hat mit einer bei-; r _ - _k _' _ läufigen Bemerkung überfdie Verscfciedenheil der l>erufKdicn Stellung der Juden in Italien und Nordl rank reich einen Hinweis auf Tatbestände gegeben, dem insere hor-chung in einem .sv-lcmati-chcn \erglc-ich von Nord und Süd nachgehen mülite. Alic-r an der grundlegenden Bedeutung des Bcligiciscn I iir die Stellung des Jiuh-n in der damaligen euro|>aisdieu Gesell' -chaft i-t gajr nicht zu zweifeln. Man darf sich aller die formende K lall der mittel.dtei liehen Religion in der Gesellschaft nicht nachdem \orlnlde der ali-traktc-r gewordenen Konfe-sionen des und 20. Jahrhunderts vorstellen. Das Judentum, demgegenidier die Viifklarung aus ihrem Denken heraus zu einer neuen l'.in- «tellung kam. war als Gemeinschaft iijkI .in -einen I inzelmensxhen nicht nur durch (lie eigene Überlieferung geprägt und frehärtet. sondern ebenso -ehr durch die ungeheuren und in Institutionen verfestigten Kräfte, die von der Dümoiiengcstnlt, ausgelost waren, in der es ju dem Glauben des spätmittelullerlichen Menschen gelebt hatte'). W ir sehen heutedeutlicher als frühere Generationen der jüdischen Historiker, daf! die daranerwachsene Problematik in der l'.ingliederiing der Juden in die eurupaische CreselIschaft nidit nur eine Sacfie des guten Willens hier und dort gewesen i-t und so auch nicht ausschließlich miii den humanitären Begriffen der Aufklärung her verstanden werden kann. Dazu kommt noch ein zweites. Ks ist nicht gleichgültig fiir das Judentum gewesen, dalf die Bewegung, welche ihm die Pforten des Ghetto« öffnet»-, für die ^Schöpferischen Krä_fte der Keligion eine Kblie einleitete, obwohl die meisten Traget der Aulklarungsliewegung vom Gegenteil überzeugt waren. Das Bedeutete alter, dal! die Männer aller Richtungen für das Werk, die jüdische Gemeinsdiaft in West- und Mitteleuropa in der gänzlich veränderten Lage neu zu formieren, keine unverbrauchten Kräfte in ihrem Dascinsjiereich vorfanden: depn es stand gar nicht in ihrer Macht, sich dein Geist ihrer Zeit völlig zu entziehen. — Das 19. Jahrhundert ist für uns wirklich Vergangenheit geworden, alier es erscheint uns nidit so, als ob wir für das jüdische Geschichtsbild damit die- Meiglidikeit bekommen haben, unsere Vergangenheit durdi e-infuchc Formeln und l rteile durchsichtig zu machen, die wir aus der Lage des Tages» sdiöpfen können. Ks ist stet* die Probe auf die lebe ndige Wahrheit und Tie'fe <ler lli-turie gewesen, daß ihr Gegenständ dem. Korscher als Antwort auf seine ernsthaften BemUhnngeu einen wesentlichen Gehalt zu bieten hatte-, der eine wahrhafte Bereicherung seiner Krfahrungeu darstellte. xl Graus Erstlintfs&chrift: Über den Aotiicmttitmus im Spitmittclaltcr, bietet dem sorgsamen Le^cr manche Anregung für diete Fragestellung. Sc hmtfin R *> i c h : Der Galil Nord-West des deutschen Hechaluz) Wenn wir an dieser Stelle von der Arbeit iiii-eres Galil lieritht.Mi, -n deshilb. weil die jüdi-ehe iHfentlichkeit Hamburgs .um Wenig u'lie-r eleu hiesigen Hechulnz und -ein IJachsdiaru- Welk lll l-llt ie| t |-t. Der deiii-ehe- I .aiHlesverbaiad des Hechaluz Ii infam insgesamt II Giiite. I ii-i r (i.iu Nord-W e--t grenzt im Osten an den (Jan l'i.iumvTii und limfaRt einen Teil Meddenburgs. einen Te-il (Mcli'nburgs und ganz Schle-w iu'1 lul-lein. Die sudliche Grenze rieht -iih iiber Bremen. Kothenburg und Lüneburg hin. Sitz di i Gitlilleitiing i-t Hamburg. )' » I )e-r (..tlil urnfal't heute: * .'» Sn'ifim mit....... . J4> ( hawerim "> kilni/im mit . .-. . , . ,- . IJ> „ I Be-l (Mhaluz mit .r 42 '„ nif f.inzelluidischara -iml .... .-IV ziis,immi-u 4J> ( hawerim Da";- J.ihi Ii/"-" Krachte dem Hechaluz unzählige N'eu- »jiini"ldu.iige-n. I). i Hechaluz. <b-r bis dahin nur bot) C'hawerim zählte:, vergrößerte- -irh ungeheuer und'piuehs auf IlcKM) Mitpl'e ler an MI dies«- jnngen Menschen ,^alt es vor ihre-r Hncliseh ira zu erfasse n und mit unserem Gedankengut vertraut zu machen. Sei -ehiif der Hechaluz in Deutschland in allen greilk-re-rt und kleineren Plätzen -eine Ortsgruppen, die Suifim. We lch.- \,b-eii hat der Snif zu leisten, we lche- Bedeutung hat er für das llachscharawerk? — Diewe-. iitlich-te Aufgabe des. tlcchaloz i-l die geistige 'und keirpc-rliclu- Vorbereitiing se-in.-r AI,l^liede-i f ni P.dä-tina. Dabedeutet. daB er seine- Meunhen für -I i e W i r k I i eh k e i tvd es La n des e r z i . heu Di.- iie-ii zi'i uns Kommenden -tinel meist jung«- Mciisdieu, kaum irgendwe bhe Kc-nntni—cvon jüdischen Dingen gekchuetge denn von Palästina und (»alästininsi>dier Wirklidtke-it haften. . Hier lie gt nun «las Aufgaliengebiet der Snifim. I. Krfassun" <U-i Menschen in gesellsdialtlicher llin-icfit (l.rziehung zur Gc:- w i die meinschojt); 2. Bekanuim.icfiung mit zionistisdn?nt Gedankengut iiii41 3./Vermittlung der hlc-mentäikennlnis in der hebrais«h«-n Sprache. .Nur ernste Erzw<b*i)igsarbeil \«-rmag eli<"MT schwierig«-!! Aufgabe geretnt zu werden. Ks bedurl bei \i«-len dieser jungen Menschen ziemlicher UIk-i w indnng,. sieh mit Dingen zu beschäftigt, «lenen -i«- bisher Ireuul oder gar ab-, lehnend geegenüberstandea iiikI zu tleoen -i«- bisher keinerlei Beziefbung hatten. - Haben nun die ( hawerim durch niin-le-ieneibhaUljährige intensive Snifarbc-it die reistigen Grundlagcgn bekommen, so beginnt lür sie in v«-rsch|e«U'iister Korm ihre körperliche und beruflichellachscbara. I ur dies«- Hachscbara hat nn-er Galil die MgeUdeifa seebs I l ichsiluiiaplal/e gesdiaffen- I. Kibuz Brüelerlinf, Ochsenzoll. J. Kibuz Rissen. Altona-Rissen, Af. kibuz ( he-riit-t harnt-). Alt«ina-Bl.iiikenese. ' 4. -Ret Chalnz Handwg, 5. Kibuz Jägerslust Mensburg, 6. Kiliuz Westerfeld. Aurith. Di<- ländlichen Kibuzim. deren Korm si«h schon eng au 'die Kibiizim-in Palästina anlehnt, biMen durch Primitivität, Abgeschlossenheit und durch ihre Ausbildung eine ansg«-zeithnete Voriiereituiig fiir die AnforcleHingern eles Luneües. Während die Cliawerim .im Bet Chälnz hauntsächlich in handwerklichen Berufen aihciten. konzentriert -ich die Arbeit in den I andkibn/im im «\e--entliehen auf cbe Landwirtschaft. Indem Kibuz Brüderliof in Och-eiizoll wohnen in einem 1 lause etwa 30—^52 ( hawerim und Chaweroi Sie werden in allen Zweigen der l.andw iit-chaft ausgebildet: .'fm Hühner-, J'lc-rde- und kuli-üitl (mit iin-c-rähr 14 Kühen), in «ler Hauxwirt- M bei H a ei s . He-in; . I, Pionier: hi-chalu2 der Pionier. V.rband dtr PlMini chawer. Mehrzahl ehawerim Genosse. Kamerad; chawera, AlehriaM dustnt Genossin. Kameradin; galil C » ■; hachschara " T *"'">' u " i ■■ hibu/ Schar. Siedlung-; meschek V e r l s c h a t l; snil O r t s g r n p p e . larhut Rildunj!. Kullo- ) Die Bezeichnung deutet auf die streng religiöse Haltung dieses Kibui bin.