Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 6 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Gemein debl a 11 <ler Deutsch-Israelitischen Gemeinde Nummer 6 wo 111.in \\ iderstand mnl Kampf wühiite, ila leudttete aus J)r. Riefe Mi* einem w ii r*l körpe gew r.s Antlitz des Friedens freundlicher Schein. wirklichem Bedauern sieht man so l'aul Rieger aus treu »erkalteten Amte scheiden. Mit bew undci nsgrr Knereief hat er si.cb in den letzten Jahren, als seine Hieben Kräfte iler riesigen AriH'jtslast nicht mehr voll {beeil waren, gegen den Kntschlull gestemmt, den die Notjet/t ans reife« licB. I nil niemand kann besser gen als wir.'was die Arbeit, das unermüdliche Streben im einer Gemeinschaft fiir einen Menschen wie Paul f bedeutete. Hat er doch lange Jahje alsllauptschriftleiter ein blatte seine be-ten geistigen Kräfte, und — dankbar erinnern, w ir nn< heute daran — -eine schönsten und gedankentielstiMi Yorsprüche zu jüdischen Kesltaarn gewidmet. P. iil Rieger ist aus seinen] Vinte geschieden. Ks bleibt aber, \k is^cii wrr. des Mannes unauflösliche Verbundenheit mit [ieiiiciiiile. die ihre wend gkeit iHven Diewji Riege ii n sei ilas de, Wort Gott) Rieg W .1 r erarl scb»| Dr. S i i H i e g ng»gefühl fiir »eine ( •gekehrten .in die i r> geist ige k. raft. die tr it tiefsten Wurzeln in dem Verantf- »< iii< iiis(haft und in der Hingabe des ■liillu hat, I iige-brochen ist l'aul fer Motor seines I diens von jeher infl immer bleiben wird. Nun. da er sieh verdiente Rast ei+et. mag für ihn ans der körpx'tlithen Ruhe eine neue Jerwhe Tätigkeit erblühen. Die Gemeinde aber dankt ^tie^ei f iir seine Treue und \ orbildlithe Pflichterfüllung, bleibt mit i h w V e r b il u d Oll. s o w i e 1' a u 1 e r in i t i Ii r. ' Das Reprä<^atanten-Kolle£~iUni der Gemeinde n K. d: M unter Vorsitz de» Heini f)r. I rias /n einer Da Kollegium ehrte zuerst das Gedächtnis des jüngst verstorbenen zionistischen Führen N'achuin Soj k o I o w und der Todesopfer der jüngsten palästinensischen >t nriihen: ferner sprach der Vorsitzende dem Mitglied«; des Vorstandes Herrn Offen borg anläßlich seines bevorstehenden TO. Geburtstages die Glückwünsche des Kollegiums aus. Das Kollegium übergab sodann die-ihm vom Vorstände zugeleitete Abreehnuug für das Haushaltsjahr l'*"54 einem Ausschuß yur l'iiifung. genehmigte die ihm vorgelegte Haiishaltsordiinng und Kassen«rdnung der Gemeinde; die Anstellung eines Rci i-ors für die Zeit vom I. Juli bis 31. September l'JVi, einen ersten Betrag für die mit der bevorstehenden Räumung des Crindelfriedhofs zusammenhängenden Arbeiten und erteilte dem Vertrage des S\ nagogen-A erbandes mit Herrn Oberrabbiner Dr. Ca r I e b a c Ii. dem die Gemeinde mit Rücksicht auf bestimmte vertragliche Abmachungen beigetreten ist. seine Zustimmung. Das Kollegium nahm Kenntnis von Mitteilungen des Vorstandes betreffend die Aufteilung der Arbeitsgebiete innerhalb der Gemeindeverwaltung auf.die Herren Dr.'N a 1 |i « n. Dr. I'I a ut liu.l Dr. G u <• k e n Ii e im e r. von einer Dienstanweisung für die AngestelHen <ler Gemeinde und von der Kinriehtuug eines ').. Schuljahres iiiuerhalb der Mudefti-nsehule der Gemeinde. Endlich genehmigte «las Kollegium in erster Lesung eine VerfaSSefcÜgsüederilDgi durcm welche neue Berufungen in das R«'- präSentanten-Kollcgiura ermöglicht werden, falls eine der hierfür zugrunde liegenden Kr-atzlislen vor Ablauf der Aiiitsdnuer «les Kollegiums erschöpf! sein Hürth*. Hin eingebender Beruht Folgt in der nächsten Nummer tfcs (>emeiluleblattes. ■ R/oalrefiese; llr II ,i n - r, i * I, e i i I, ü I z ■ Zur Frage des jüdischen Geschichtsbildes von heute ll»i d. r SchrtftUitunC m F lb I* u a.r d. .1 hohe i stall w ir«l nicht ,]nj,.^.ir,in leben, i fühl le unter uns geben. <Ue nicht das G« iß (Sie Veränderungen der letzten Jahre auch die (>e- •rer-Vergangenheit, die iu uns lebendig ist. wesentlich veritfetlert haben! Je«le GeschiclitslM'trathtung schließt in »iili. i» ' als ,deinen wichtigen- Bestandteil «lie, l-cljenserfuhrung des | Vbn-iehen. der die Dokumente der \ ergaägenheit <leutet. Nor allen! der Umstund, dali die Taten lies in der Geschichte 'handelnden Meuchen oft durch den (lang der Dinge eine Be- Ldenrang bekommen, von der ihr I rhehevr nichts gemußt hat. maihlt den spaten Nachfahr idt klüger als seinen griitteren Ahn: er Imi eben durch «lie Zeit «lie inzwischen verfl«»ss«'n ist. ei?» igritmrres Wissen von-Verkettungen, «lie vorher, weil mxh nicht erlafirb.ir. unbekannt sein mußten. [Grdunken, die wir uns in di«-s<>r Richtung -üImt die eigene neuere-.{»eschichte machen, vienlen bei inamhen von uns unger«^{t we-rden ktinaen durth «Ii«- aufs stärkste v«»n der tiegenwart . hei lestimtnten I nteisuchiingen zur jit<lis(hen Geschichte, die Willijelm (i ra ti begonnen hat1). Gran hat kürzlich seine wissenschaftlichen Absichten in einem Heft zusammengefaßt vorge- . tra:_'«n, «las den Titel ..Die Judenfrage als Aüfgalie der neiu-n < ic-se lichtsloi-cfi ung" trägt: er macht darin der deutschen Cieschuiifsw issenschaft von gestern und vorgestern den Vorwurf, ( daß cie die Probleme der jüdischen Geschieht«' den Juden allein Überlassen habe, obwohl diewichtige I rage der Begegnung der Dt .itsdieii und eh r "Jifdi-n im ih'Htschert Raum«'«hirin enthalten sei t'.i.iu i-t deslialb der Meinung, dal! über diesen Gegenstand ^.iri/ neu von don Quellen aus gearbeitet werden müsse: zumal seine r I berzeierung nach hierbet' «ler ^Anteil der jüdisdien (heb rnischen) Quellen L'i-rinsr iiikI ilir<>r Bedeutung nach viel mehr füi die rnui-rjüdis«he Cirschrchte als für die Geschiihte der dent cfi-judischc-n Beziehungen bc -tiiiimt"' sei. Die damit angcslehtett' Stheidiing zwische n iniierjüdis«her Historie und der C.e-cbichie der Be'iehu'iiren der Deutsche n und Juden ist nicht ohne wissenschaftliche Bedenken. Wen« /. B. ein Knglander ein Buch übe r das \erhaltnis s«>jnes Landes zu Krankreich wahren I de- IT. und IV Jahrhunderts schreiben würde, ohne über den ih'-i f iaii/i.Silliums j'n seiner Literatur und im inneren lutitUM seines Staates ein selbstälMligtts Wissen zu besitzen, so w'uide jein s,,!,'!,., Werk nirgt-nilnj«! als umfassend und glumHe-end ungesehen werden. Denn die Wissenschaft, welche «bis Vr r h üT t i i s /Weier Volker «lurch «lie (.c sihichle Verfolgen will, wird nicht darauf xerzichten können, sich ein 'I Wilhi Im G r it u. Tin- .lud« nlraiiL' al*- Aul^ah* dtr mucn Gt-Mhicht«tt>r«chunii. Il»n-c j|i«ch. VerUüsansUll. Hamhuri; 1935. 2<» S — Vkilhilm vun Humb..li;l und da^: Fn.bUm des .luden. Haaseatiftcbc V\-rlaj<sansiUlt Hamburf! 154 S. —' AMitcmiliMmi. im sp.itt-n Mitu-laller. Das Endv der Kefcnsburtt-r JudcnCemeindc MSO—I519. Uunckcr i. Ilumblot 19J4 München und |., IX. 201 S. begaiindetes Bild von clem Wesen ch'.r Iveicleil Völker. zu machen, das den Krscheinungen im Grenzraume zugi undeliegt. I'.s fiheint uns, «iuß.dies uerade soll Graus \ 01 a ussel/u ngen uns tür «lie frage zwischen Deutschen und Juden im bes,o il deren Maße gilt Wir sind zwar überzeugt, daß es viele' und wichtig«? Teilgebiete gibt, die sich allein von den deutschen und lateinischen Quellen aus erschließen lassen. Ks soll aber darüber kein Streit Sein, daB das erstiebte liehe G e - s a in t Ii i I d nicht ohne philologisch gegründetes Verständnis der hebräischen Quellen in ihrem SiM/usammenhaitfl zu erreuhen sein wird, besonders, wenn man — wie Grau — ton der Überzeugung ausgelit. daß auch der aufgeklärte Jude des 1<J. Jahrhunderts durch die Beschäftigung seiner Vorfahren mit dein Talmud bestimmt bleibt. Ohne diese Voraussetzung würde die geplante Torschungsarbeit an einem Maugel leiden, welcher doch wohl ziemlich genan der vollständigen Verstäiuliiislosigkeit «ler jodaistisdl geschulten jüdischen Historie gegenüber ..den geschichtlichen Kräften des W irtsVolks" entspräche, von «ler Grau handelt Kür die Neugestiiltiing «h-s jüdisdien Gesdlichtkbihles in der Gegenwarl noch wesentlich wichtiger als dieses Programmheft ist die» Arbeit, die sein Wrfasser kurz vorher Bber.die Anfänge der A s s i in i I a t i o u s z e. vi vorgelegt hat. Ks ist «lie I mwertung. die <ler Verfasser den Menschen und Gedanken jener Zeit gegenüber vornimmt, die in gewisser Weise iu unsere* Kreisea Widerhall fiode« wird. Wilhelm von H u in - boldt hatte das meiuscwUche. Gemeinsdiaftslebeil gesehen aus «lein (iesichtspunkt der Kntfaltuiig der geistigen Kräfte iU-s Imlividuifms, So war für ihn «lie Judenemanzipation ebenso sehr Loslösung des Juden von «ler überkoinmeiien Bindung i,n «ler eigenen Gemeinschaft wie Einführung in'die Kultur der 1 inweif. Gegen ihn macht Grau das Vorredit «ler iTTsprünglichen Gejoeinschaft mit ihren Ijebensgesetzen dem Kinzelwesen gegenüber als Voraussetzung jeder menschlichen GesMtirng geltend. Dabei handelt es sich für ihn darum, zu zeigen, daß jene- Haltung Humboldts sehr wesentlich durch die geistige Aktivität jüdischer Meeschen bestimmt worden ist. so daß im Sinne (.raus dei Anteil «ler Juden an der KinanziiKitiniisheuegung weitaus stiirker erscheint, als man sich «las bisher vorgestellt hat. ' (•i.iii sucht diesen Nachweis in «'iner biographischen Stmlie zu führen, in «ler alle persönlichen Beziehungen Humboldü mit 1 laue n and Männern jüdischer Abkunft aufs genaueste registriert werden. In die semformalen seiner Fragestellung bleibt er unbewußt einer älteren Art jüdischer Geschichtsbetrachtung, die «lurih ihre Vorliebe für die Honoratioren und ihre' gesellschaftlichen Krfolge charakterisiert war, einiger- ■taflen nahe. Die Motive sind allerdings völlig -verändert. Kür I