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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1935-11-26 · 12 (26.11.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
11 (1935)
Issue
12 (26.11.1935)
Date
1935-11-26
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Gemeindeblatt der Deutsch- Israelitischen Gemeinde Nummer 12 Einen Bericht über die Finanzlage, insbesondere die Kasscnlagc der Gemeinde, erstattete namens des \orstandes Herr Landauer. Er stellte fest, daß der Eingang an Gemeindesteuern in den letzten Monaten einen bedauerlichen Rückgang aufweise, der noch im Laufe dieses Jahres eine gewisse Anspannung der Kassenlage der Gemeinde zur Folge haben werde. Zu ernster Besorgnis sei zwar noch kein Anlaß vorhanden, wohl aber schon jetzt ersichtlich. dalT die Gemeindebehörde» im Bewußtsein ihrer V erantw ortung im laufende n j.ilire keinerlei Anforderungen, wie sie auch heilten und wie dringend sie auch sein mögen, mehr bewilligen konnten und im kommenden Jahre zu einer angemessenen Drosselung der Ausgaben würden übergehen müssen. Er erachte es als seine Pflicht, hier vor aller Öffentlichkeit an alle diejenigen .Institutionen und Anstalten, die rOS der Gemeinde subventioniert würden, das Ersuchen zu ruhten, bei Kinreidiung ihrer Voranschlage 'diesen Zwang zur Einschränkung der Ausgaben ernstlich zu beachten, ein Appell, der von dem Vorsitzenden Dr. Urias . mit allem Nachdruck wiederholt wurde. . . . In die nichtöffentliche Sitzung verwies das Kollegium einen Antrag der Herren Dr. Pinner, Dr. Unna, Dr. Golodefe und llbrowitz, ilas Iteprüsentanten-Kolleeium müfre beschließen: Auf Grund der Empfehlungen zu einer Überprüfung di r organisatorischen und |>ersonellen Grundlagen der Gemeinschaftsarbeit in den jüdischen Körperschaften, die von der Keich»vertretung der deutschen Judentum! zahlreichen jüdischen Organisationen ausgesprochen worden sind, beschlielit das Kollegium die Einsetzung einer aus je zwei Vertretern aller Fraktionen bestehenden Kommission zwecks Beratung vm Vorschlägen betreffend die Qemeinscbaftsarbeit innerhalb di r Gemeinde. 1 * Dieser Antrag fand in einer Sitzung des Repräsentantet - Kollegiums vom 25.d.M. seine Erledigung. Zunächst wurde in dem nichtöffentlichen Teil der Sitzung Herr Staatsrat a.D. Dr. Leo Lippmann an Stelle des freiwillig aus seinem Amte geschiedenen Herrn Martin Engel zum Mitgliede des Vorstandes' gewählt1). In dem sieh unmittelbar anschließenden öffentlichen Teil der Sitzung gab dann namens des \ ory{ Standes der- Gemeinde desse.n Vorsitzender, Herr R.-A. David die nachstehende Erklärung ab: ',11 Der Vorstand hat der Anregung der Reiehsvertreturtg* folgend die Frage geprüft, welche'Folgerungen für die Zusammensetzung de« Vorstandes sieh aus den in der Hamburger Gemeinde bestehenden \ erhältnissen ergeben und, ohne weiteren Verhandlungen vorzugreifen, beschlossen, beim Rcpräsentautcn-Kollcginm zunächst die Schaffung eines zehnten Vorstandssitzes zu beantragen, der nach Meinung des Vorstandes mit einem zionistischen Vertreter besetzt werden soll. DeT \ or-" -t.ind Ist bereit, in eine Wahlko/nmission zu diesem /wecke die. Herren David und Loewenberg zu entsenden. . Daraufhin erklärte Herr Dr. Pinnen ' •~«vj Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei hat beute ihre Hand da/u geboten, elali der durch den Fortgang rles Herrn Engel freigewordene Vorstandssitz mit dem Kandidaten der liberalen Fraktion Herrn Dr. Lippmann besetzt worden ist. Wir haben dies deshalb getan, weil wir die Mitteilung erhalten hatten, daß der Vorstand in einen ersten Schritte zur Erzielung einer alle Teile bc- ' friedigendeif-Gcmeinschaftsarbeit in unserer Gemeinde für die Wahl eines Zionisten als weiteres Vorstandsmitglied eingetreten ist und die Zustimmung der libc- ' ' ralen Fraktion hierzu erhalten hat. . Die Ergänzung der zionistischen Vertretung im Gemeindevorstand auf zwei, von zehn Mitgliedern kann von uns nicht als Erfüllung der Forderungen betrachtet Werden, die von der Reioisvertretnng hinsichtlich der Zusammensetzung der Gemeindeverwaltungen aufgeV stellt worden sind. End wir erklirren, daß die Grundlage der harmonischen Gemeinschaftsarbeit erst durch die weiteren Verhandlungen geschaffen werden, müssen. Wir begrüßen es. dal' diese durch den Entschluß des Vorstandes jetzt in Gang gekommen sind. Lnd wir haben uns entschlossen, den (eist, in dem w ir sie unserseits führen werden, dadurch /um Ausdrud^zü bringen, dafl wir eder liberalen Fraktion ermöglicht haben, den Kandidaten, auf dessen .Wahl sie. so besonderen Wert legt, in den Vorstand zu entsende n. - ' ') Verstörte Seite 6. Auf Grund der Erklärung des Verstandes stellen wir nunmehr den Antrag auf Einsetzung einer Kommission des Kollegiums, welche gemeinsam mit Vertretern des Vorstandes die weiteren Verhandlungein führen soll. Daraufhin erklärte Herr Dr. Urias: Namen meiner Freunde darf ich erklären, daß auch wir stets bereit gewesen sind, die aus der gegeni wärtigen Lage entstandenen Schwierigkeiten in freundschaftlicher und loyaler "Weise zu bereinigen. Wir hatten uns daher schon seit langem grundsätzlich bereiterklärt, einen Ausschuß zu beschicken, der zweckentsprechende I orschläge hätte ausarbeiten sollen, namentlich in Richtung auf die Schaffung eines zehnten Sitzes im Vorstande. Wir erklären uns daher auch heute gern damit einverstanden, daß grundsätzlich ein zehnter Sitz im \orstandc geschaffen wird. Den vom Vorstande deswegen beantragten Ausschuß werden wir beschicken. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß mit unseren heutigen Beschlüssen der Anfang dazu gemacht wird, die Fragen einer freundschaftlichein und friedlichen Lösung entgegenzuführen, die wir angesichts der schweren Situation der deutschen Judenheit und auch unserer Gemeinde heute zu bewältigen haben. Die Anträge des Vorstandes und der Jüdischen Volkspariei wurden daraufhin vom Repräsentanten-Kollegium ohne wettere Erörterung einstimmig angenommen. Zu Vertrauensmännern für die Vorbereitung der Wahl des zehnten 1 o/standsmitgliedes wurdea die Herren Bachrath, Graetz arid. Pinner und in den von der Volkspartei beantragten Aus-* schul? die Herren Bachrach, Dr. Urias: Dr. Pinner, Dr. Öl.....: Graetz. Heinemänn; Goldschmidt und Peine entsandt. Der Ausschuß soll den Gemeindebehörden von dem Ergebnis seiner Verhandlungen Kenntnis geben. In einer ausgedehnten Erörterung, welche durch einen Antrag der Wirtschaftspartei veranlaßt wurde, sprachen sämtliche Redner sich dafür aus. daß die Gemeinde — indes ohne Härte für die bisher tätigen weiblichen Arbeitskräfte, deren Leistungen voll anerkannt wurden — nach Möglichkeit männliche Arbeitskräfte beschäftige. Die Erörterung fand ihren Niederschlag in dem Beschluß des Kollegiums, dem Vorstande nahezulegen, zu prüfen, inwieweit weibliehe Arbeitskräfte durch männliche ersetzt werden können, und in seinem Ersuchen an den Vorstand, dem Kollegium über das Ergebnis seiner Prüfung zu berichten. Vom Jüdischen Kulturbund Der Kulturbund bot auf seinem zweiten Theaterabend ■einen Mitgliedern eine vortrefflich abgerundete Vorstellung von Shaws Gesellsthaftssatire: Die Häuser des Herrn Sartorius. Shaw betrachtet es als seine Aufgabe. d_ie fehler und Mängel der menschlichen Gesellschaft aufzuweisen, ihre Sdtäelen schonungslos aufzudecken. Den Weg. zur Besserung dieser Schäden, der zugleich der Weg der Heilung schlimmsten menschlichen Elendes wäre, zeigt Shaw nicht — ja die Aufzeigung dieses Weges betrachtet er nicht mehr als seine Aufgabe. Darum fühlt sich der Zuschauer, wenn der Vorhang zum Schlüsse fällt, von dem Erlebnis des Abends nicht befriedigt, und er muß sich erst die Grenzen vergegenwärtigen, die der Dichter sich gesteckt hat. um den Darstellern seines Werkes geredit werden zu können. — Geht man mit diesem Maßstab an die Beurteilung unserer Vorstellung, so kann man nur das eingangs gefällte Urteil wiederholen: in anerkennenswerter Weise überwanden die Darsteller die räumliche .Enge der ihnen zur Verfügung stehenden Bühne. So hatten sie alle an dem Gelingen der drei Alx-nde ihren Anteil. Gleichwohl dürfen die Leistungen zweier Darsteller hervorgehoben Warden: diejenige Julius Köhlers und die Kurt Appels: ejsicrer der Mann.der die Biederkeit selbst'ist. aber dort, wo er sich keine Fesseln aufzuerlegen braucht, die Maske in des Wortes wahrhaftet Bedeutung fallen läßt: letzterer der Wendige Büttel, der in der Not ungeahnte Fähigkeiten in sich entdeckt und in dein elenden Gewerbe seines ehemaligen Brotgebers die höchste Meisterschaft entwickelt. — Wir danken allen Darstellern und wünschen ihnen, daß sie bald an einer würdigeren Stalte ihrer Kunst leben können: denn die I nzulänglicnkeit ehr Räume, in denen der Kulturbund seine Mitglieder empfangt, wird um so offenbarer, je häufigerJfir. sie betreten. " l | ' l \

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