Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1935-04-11 · 4 (11.4.1935) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
11 (1935)
Issue
4 (11.4.1935)
Date
1935-04-11
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/4891256-5444737-5445045--1014-4892144
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Nummer 4 juimnilung: Niede r-äeh-i-ehe Volksmärchen und Schwanke: i-t ix-titelt: ()i<- Kra: dos Hippel un eie(s Hindel ' und nWwar einmal .•int- Frau, die liatle ein Hippel und ein Hindel. und d.i sie- /um Jahrmarkt gehen wellte, sprach sie zu ihrem' Hippel, es sollte daheim bleiben. Das wollte da« Hippel nilfit. und da spraelt sie /um Hund, er solle das Hippel beißen, weil es nichfheimgehen wolle.' damit siezum Jahrmarkt gellen könne. Das Hippel wollte das Hindel aber bicht beißen, und " da verlangte -ie von dem Stecke!, er m,,.hi. das Hindel schlagen, und da auch das Steckel sie« Weigerte, so hat die trau <las Ieuer, das Steckel zu brennen, und da au.h ,1aheuer -ich weigerte, bat sie das W assc\r. dal euer zu losten, und auf dessen Weigerung bat sie ,!,.,, Ochsen ilas W.iwr /u saufen, und da auch der Ochse liib weigerte, bat sie den Fleischer, den C^hsen zu-Schlachten. E n do hol dar I lascher den Ichs schlochta wulla. und do fiot dar I chksat. har wiille's Wosser hsafa. und do hot s Vyösser ksat. 's wulle 's Fe ier h-seha. un's Feier hot ksat, '- Wnlle 's Ste ckel preitna. un's Steckel hot ksat. 's wulle■ s lUndel schlau, uns Hindel hot ksat. 's wulle 's Hippel bal'a. im - Hippel bot ksat. 's wulle hem.kin. doli snne Frn ke-iine ze ( harmarrikt kin."' Dafür, daß dieses Märchen alter als uiise-r I.ied ist. und dal! wir es daher als seine- Quelle betrachten dürfen, sprechen' mehren' Umstünde äußerer und innerer Natur. Unser Märchen i-t kür/er. und allgemein kann man bei Dichtungen dieser uriil ähnlicher Art annehmen, daß die kiirzc're Fassung auch dieälterei-t. Dazu kommt die beiden I jedern gemeinsame dichterische Form: e-be-nso wie im C'had gadjo wiederholt in dem deutschen Märchen ein jeder Vers bVn gesamten Inhalt devvorhergehenden \erses. I nd endlich ein .iiHierer Griinel:! nicht umsonst hanelejt das deutsche Märchen' von der Frau und dem Hippel: de nn die Ziege ist n,»h heute in unserer Vor'stellilngswelt die- Personifikation der Neugier, und das Märchen erzählt, wie es der Frau gelang., denh endlich diese- Neugier! zu überwinden- I-t abe r erw iesen, dal? ciie-ses deutsche Märchen die Quelle ,!,- ( had gadjo ist. so i-t gleichzeitig erwiesen, daß das ( h.nl-L'ad jo-l ied auf deutschem Boden, besser noch: im deutschen Kulturkreis entstanden ist. Wir sind sogar in der liege. -« ine f.ntstehungs'zeit mit einiger .Sicherheit zu be- -limnien. Die- Prager Hagada veun Jahre 1526. dievor wenigen Jahren von der Soneino-( iesi-llschaft in einem schönen Neudruck beraiisgegebon wurde, enthält das Lied noch nicht, wohl dagegen dieim Jahre 139« gleichfalls in Prag herausgekommene Hagada. Wir dürfeui daher seine Entstehungs- /c-it e twa in de- Mitte des I». Jahrhunderts -e-tzen. Wer sein Verfasser ist. ist un-. wie bereiterwähnt, heute noch unbekannt. Und wir wissen daher, auch nicht, weswegen dieser fin -eine Dichtung diearamäische und nicht diehebräische Spraehjgew-ählt "bat »..Die Fragenach eh r Bedeutung des inhail-gad'jo-l.ieeles rinde t ,durch unsere un-«teilenden Darlegungen jedenfalls aber eine-. ung«-zwangine Antwort: es;ist in doppeltem Sinne " ine ('leertragnng. einmal eine- ( ber- Itagiing iius der deutschen Sprache in e inedem. Juden verknallte andere, sodann e ine Cbertragjing auder deutschen in di'- iüdischi \ orstelbingswelt. in Welcher - will man dem ben I ha - alles irdische X •ermpnischen Abschluß l.iejle überhaupt eine Deutung -•hellen in| niiil einrch .(•otl «eine findet1». ' -* 1 ' tt irumUibiT i-t da- ("had-g.ieljo-l.ied zusainnieii mii dem Fjthod mi jtiiide-u in öi. Peßachrl liigada aufgenommen-worden, wenn |-s.doch, wie gleichfalls auden vorgehenden Darlegungen sjih ergibt, mit de in IVtf.ichfeste- und ele-ni Sede-r- ,,|>e inj ill keinem iuueren ZusÄiiiieuhang steht? Bei der Beantwortung dieser I i i-, i-i .man auf Vermutungen unbewiesen: i<h möchte;inne time-(li. daß rler Drucker. dc-T die Leiden Lieder zum ersten 'Male' in die'- llagada aufnahm., ein »ßc-r .Kincle rfreiind ge wesen ist. Der Sederabend ist. so gn> kann in il man füglich in -oll cle-r V -aui-n. de r Abend' des jiidi-eh ute-r seinem Kinde vofi dem en Kinde-, uszuirealis i-i,»-ii auch in einer f-le /iim fieeVhrjinch-der : <»■ ihm da« den'ts,-hc Mar f'ii--nn-_' hewciii'i "»,! ,-r dadur ^n?i-ri'Ki wiihti-n ist; 'i Bei ilen Juden in K|iirus heiili dal.ivl, «'-Ii iieuen-ni Aussahen der aira.la schel - l'esah awmym lies ipders vciu den orientalischen .Inden mit irreiUer [•Tslen UTid zweiten Nacht ihn— Ta-ihafesti— ge-sunire Tn-iu,,.' der tiottesstrafe". s. XikcK A. B c-e s . fliersiciil Lehichle'des iludentnms von Janina iKnirusi in ilen ^eucricrliisehen .Fahrbüchern It. S. 1SH 1T7. dee- 4eiu< Ithehische Zeitschrift Hestia, .lg. 1M»4, S. W -3»«. rerj n und \n I art liehen I raii>:!l-,-|ll'!l .an irkumiiil Idbt in wird: iilier die yzaiilinisch tut dt den und der Die. Iiin.ei|s ii. aii ihm hat. noch bevor der Vater zu erdas Kind mit seinen Frage-u ehjs erste Wort, treibt sogar vor. den Kindein Mandeln und Ägypten erzähl .zählen beginnt, ü und der Diu sein Nüsse-beim Seder zu gebe n, um sieau zu halten'!. I nd um die Kinde r, die an. Kreise de-r Ihren teilnehmen, bis zum merKsain und wach ile-in Sej-derabeiid im letzte« Augenbliek i nichts verlier Erinne- (,ott seinem' \\ ie in der zum Better iind Be; Kiiidc-rfrcilliM diebc-iele-ij frisch und munter zu erhalten, damit ihnen ja loren gehe von der Weihe de-r Seder «acht, voi rung an 'jene von Wundern erfüllte Zeit, da \olke zum ersten Male in dessen de-schichte Folgezeil immer und immer Wie«! freier ward, deswetfen hat jeher Lieder in die- Peßach-Hagada aufgenommen, uhil aus dieser ersten Hagaela sind sie dann in alle späteren Hakada-Drucke mit hinüber genommen worden. Die portugilesiseheii und ebenso die jemenitischen Juden singen die Lieder allerdings auch beute noch nicht"), und es wäreintercfkanti festzustellen, ob sich nicht airch noch bei manchen asehkc-jiasische-n Juden die Erinnerung "daran. daß sie eigentlich nicht '/in Liturgiedes Sedcrabends gc-hören. ebenso wie in meinem' Klteriihaiiseerhalten hat. in welchem der Abend mit dein Gesang des sin tTX bewendet wurde. l ud nun /mii Schluß: Dieses Gedicht, /u dem se-in Ver* fasse-r off ersieht liebt durch die Bekanntschaft mit einem de-msche-n Märehen angeregt worden ist. ist auf /wei von einander völlig unabhängigen Wegen wieder in diedeutsche Literatur eingegangen.'Ludwig Achim von A r n i in und Klemens Brentano haben eine t bertragung in die deutsche-Sprache in ihnerste große Sammlung deutscher Volkslieder: De- Knaben Wnndcrbo^n7) aufgenpnunen, und Heinrich II eine bringt c-s gleichfalls in einer anderen I berse-t/ung in seltner unvollendeten Novelle: Der Rabbi w>n Bacharach, jener Novelle-, «reiche dte, Eindrückje auffing und der Nachwelt erhielt, die der Seelerabe-ijd in cle-r Se-e-le eines kommenden Dichtc-rs erweckt bat. Doch davon ein andermal. Zur Erinnerung an die Gi-meindcsynagoge Kohlhöfen hat der Vorstand dc-- Synagogenverbandes,.wie in der letzten Nummer des Gemeindelilatts bereits erwähnt, eine Schrift herausgegeben. Sie liegt jetzt mit einer lünbundzeichnung, wedche die Front cler inzwiseher niedergelegten Synagoge wiedergibt, und mehreren Tafeln vor.1) Wohl so ziemlich alles, was über den Bau der Synagoge-, ihre; Linwciliung, die Zeit ihrer ' Benhtzuag, über die Feiern, die in ihr stattfanden, und die Männer, die ak Obierrabbiner!und Kantoren in ihr wirkten, gesagt werden kanrt. ist in dieser Schrift zusammengetragen. Besonders ergreifend ist die Schilderung der Abschieclsfeier vom Ii: Oktober v. J„ die niati |>ei[ Lehmanns Schilderung aufs neue erlebt, und diedankenswerterweise die Sthlußanspruche von Rabbiner Dr. I,e w i n wörtlich ■ wiedergibt: bei ihrer' Lektüre' empfindet man e-rst. wie- -ihr sie. eje.r Bedeutung <ler Stunde um! der Zeit, in welche su^ fällt, angeinessen, sich zu geschichtlicher Höheerhebt. Mit Recht1 bezeichnet der \erlag die- Schrift in seinem Begleitschreiben ab, einen beachtenswerten Beitrag zur Geschichte des deutschen! Judentums.'die daher auch über .Hamburg hinaus allgern^ines i ateresse \ erdienei Aufgabeeiner ehrlichen Besprechung4st, nicht nur da zu ImIm-ii. wo zu loben ist. sondern auch für notwendig erachtete Beanstandungen offen auszusprechen. Darum stellen wir mii Bedauern fest, daß die Schrift auf etwas besserein Papier hätte gedruckt und mit etwas größerer Sorgfalt hätte korrigiert werden müssen.'Störend w irkt auch, daß der Text ,ni mehreren Stellen von geschäftlichen \ii/eigen durchbrochen wird. W ir sind elei Ansicht daß die Mittel für die HeraUAgabeder Schrift auch in diesen schweren Zeiten hätten beschafft werden können, wenn man die Anzeigen gar nicht aufgenommen, jedenfalls abe-r sämtlich an den Schluß des Werks verwiegen hätte. Die-Wissenschaftlich interessierten » t"ü 2"irn rrx j*p «> Jiiil. Em-. VI. 13». :» l'nter dem Titel: Kin Zicklein, ein Zicklein. Kür ■der von unsern Lent, die- .liinm-1t i| Gemeindc-Svr. , . ■ h'tihlhofcn. Verlaßt im Auftrage des Dculsch-IsraeBCisdk*a SynatjoKenvi-rbandt-s Hamburc> von Julian Lehmann. HamburC 1954. 63 S. | /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.