Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1934-02-26 · 2 (26.2.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
10 (1934)
Issue
2 (26.2.1934)
Date
1934-02-26
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4891256-5444733-5445024--0904-4892045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch.-Israelitischen Gemeinde Nummer 2 aber auch ihr selbst schadet. Alle Kräfte müssen dem einen Ziel dienen, daß joder deutsche Jude im Vaterlande nicht mir seinen Lebensraum findet, sondern seine jüdische Cl>erzeitgung auch offen und frei bekennen und betätigen kann. l)fe Auseinandersetzung /wischen den verschiedenen weltanschaulichen Strömlingen, die nicht unterbunden werden soll, darf die durch die notwendige Solidarita* gezogenen Grenzen nicht überschreiten. Oer Beirat fordert deshalb die Reichsvetrirctung der deutschen Juden auf, eine Einrichtung zur Schlichtung von Streitfällen zwisdien jüdischen Verbanden. [Gruppen,. Institutionen und Zeitungen /u schaffen. Die Reichscertretung darf aber auch äußersten Falles nicht zögern, der jüdischen Öffentlichkeit den bekannt zu.gehen, der gleichwohl, fernerhin den Frieden und die Fhiheit der deut-chen Judenheit gefärclet. Einer1 würdigen Zukunft des ganzen deutschen Judentums soll unsere Arbeit gewidmet sein! Des Heldengedenktages wurde am vergangenen'Sabbath in den Ansprachen der. Herren Rabbiner in der üblichen "Weise' gedacht: — Am Gedenktage selbst ließ der Volk-- blind Deutsche Kriegsgräberfürsbrgc in dir üblichen Wei.-e auf dem Ehrehfriedliof de- Begräbnisplatzes dei Gemeinde iß Ohlsdorf einen kränz mit einer Schleife in den hamburgischcii Landesfarbe» niederlegen. i_ Sitzungen des Repräsentanten-Kollegiums der Gemeinde " l. Donnerstag, den _'">. Januar, abends JO'i I hr. , Der V h r* i t / e n d e ' Dr. I.oew Anberg eröffnet die Sitzung und feilt mit. dal* Herr Dr. Pinner als Kommissar des Vorstandes die Beratung des Haushaltsplanes lür das Jahrc.1954 einleiten weide. Die- Aufstellung de- HanshaJt.-- [flanes -ei infolge längerer. Abwesenheit des Herrn d)r. Herzfeld von Hamburg und des Hinscheidens de- Hcir.in HeiUrieh l.evy besonders schwierig gewe.sen. und darumlsVi der Votan-chlag auch'jetzt er-t dem Kollegiuiu vorgelegt w onleu. Dr. P;'i n n e r : Die Ereignisse de- Jahre- 1*)'' haben die Aufmerksamkeit der jädischen Üffcntlithkeit stärker als •früher ih n jüdischen Organisationen zugewandt. Der Vorständ der Gemeinde glaubt daher, das Zahlenwerk des I lats durch einige allgemeine Ausführungen ergänzen /'i - 'Heu. welche ihn in "seinen Zusammenhängen mit den lebendigen Vorgängen beleuchten sollen. Die Organisation*-nnsorer Gemeinde und ihrer Institutionen hat sich — wie schon oft in ereignisreicher Zeit, so anch jetzt — bewährt. Während in mancher anderen Großgenuinde das Jahr 1955 zum teilwcisen Neuaufbau, insbesondere auf dein Gebiele des Schulwesens, gezwungen Hat, haben wir in Hamburg zwar "Maßnahmen zu mancher Xot,- hill> getsoffeif, «ijme jedoch an den Grundlagen der Gcmeindcarbeit eine Änderung treffen zn-roüssen. Die -eil je geübte Sparsamkeit in allen Zweigen der \» rwaltung und ih r selbständig arbeitenden Institutionen lallt weder■Raum, noch gibt sie \eranlassung zu Reformen, (Sie über den Rahmen der normalen Entwicklung hinausgehen. Die lusthniiom n erfüllen ihre .Aufgabe unter Leitung und Mnuiikuiierfahrener Männer und Freuen, deren'Gemeinsinn und {Verständnis für die ihnen obliegenden \crantwortfiefakeiten Dankbarkeit und Stolz erzeugen dürfen. Mit einiger Sorge*.seilen wii dagegen der Zukunft entgegen. Du- Ereignisse des vergangenen Jahres haben den zahlenmäßigen Bestand unserer Gemeinschaft wesentlich verringert, ohne dal! statistisches Material darüber bisher \orliegt. Aber jeder -weil! ans eigener Erfahrung, daß gerade in unserer Jugend ein starke- Bedürfnis nach Auswanderung, sowohl nach Palästina als auch nach anderen Ländern, i-ntsranden i-t. durch welche die ohnehin sdion bestehende. (it-fahr einer altersmäßig ungesunden Schichtung und eines schnellen Rückganges der jüdischen Bevölkerung vervielfacht wird." für die Finanzen der Gemeindet bedeutet, dies, daß eine Periode zu erwarten ist. in der die Sorge für die Alten von einer verringerten Zahl von Jüngeren ge- II agen werden muß. - \ Die-e Sorge gibt uns Veranlassung.- zu mahnen und zu bitten,' die gute alte Sitte wieder aufzunehmen, unsere Gemeinde sejbst oder ihre Institutionen in Testamenten und zu anderen Gelegenheiten zu bedenken). Eltern mögen hilfs-; bedürftiger Kinder, Söhne der einer Stütze entbehrenden Alten. Gesunde der Kranken, Zufriedene der Hungernden gedenken. Alle ujnserc Institutionen bedürfen der Sicherung ihrer Arbeit, der Ausweitung ihrer Arbeitsinöglichkeit. Kein Gebiet der Wohlfahrtspflege» auf dem nicht das .soziale Gewissen gebieten wurde, viel mehr zu tun. als ilie finanzielle Kraft der Gemeinde gestattet: keiu Zweig produktiver Hilfe, auf dem nicht größere Mittel segensreiche Wirkungen zeitigen würden. Unsere der sachgemäßen Verwaltung und der Sicherung der Erhaltung unseres Stiftungsvermögens dienende Depositen-Kasse gibt jedj-rmnnn Gewähr i für treueste Erfüllung des Verwendungsw unsehes. Der Vorstand der'Gemeinde i-t gern zur Beratung bereit, sowohl hinsichtlich des Verwendung-zweckealauch hinsichtlich der Form der etwa erforderlichen Verfügungen. Die Opferwilligkeit unserer Mitglieder hat sich im Frühjahr 1955 In schönster Weise erwiesen, als in stürmischer Folge \iele Hunderte von Männern und Fraüen die Möglichkeit der Ausübung ihrer Berufe verloren. Die- Beratung-- -telle für jüdische Wirtschaftshilfe, welche im April 1955 ihre Arbeit begann, hat Außerordentlichegeleistet, sowohl an Hille bis zur/W iedere'inschaltung in eine Berufstätigkeit oder zur Ausw aiiderung, soweit sie aufsichtsreich erscheinen konnte. Iiiauch an aufbauender Tätigkeit, insbesondere durch l.ehruntei nehmungcii zur Berufsuinschichtung. Direkte Beihilfen zu Lasten des Gemeindeetats waren dank ausreichender Spenden für diese Zwecke nur in geringem Maße erforderlich, für l')54 wird uns allerdings die Weilerführung dieser Arbeit noch stark in Anspruch nehmen. Es gehört heute zu den unbestrittenen Aufgaben 'der jüdischen Gemeinschaft, dem Übergang der Jugend in landwirtschaftliche und handwerkliche Berufe die Wege zu bahnen. Die unter dem Zwange der Zeit erfolgte Begründung der Rekhsvertretnng der deutschen Juden macht erstmalig in iiem vorliegenden Etat 'die Absetzung eines Beitrags zu ihren Verwaltungskosten um] Subventionen erforderlich. Zu diesem Beitrage ist unsere Gemeinde als Landesverband Hamburg gehalten. WCitere finanzielle Lasten entstanden für uns seit dein politischen l mschw\nng durch den Förjffd) der Staafehilfc zur. Talmud Tora Schule, zur Gcfangencuseelsorgc, zur rituellen Schulspeisung. Der Religionsunterricht an einer Reihe von Staats-ihulen. zu dem bis dahin ebenfalls Staatszuschüsse gezahlt wurden, mußte ebenfalls ganz, eingestellt werden. I lercorhebung verdient die Opferbereitschaft der Beamten und Angestellten der Gemeinde und ihrer Institutionen sow ie der Lehrer der jüdischen Schulen! Hamburgs . bei der Herabsetzung der Gehälter, die zur Erleichterung der Finanzlage notwendig. war und von den verantwortlichen Verwaltungen nur mit größtem Bedauern beschlossen werden mußte. Den .Eltern der Schüler der jüdischen Schulen .mußten durch Erhöhung des Schulgeldeerhöhte Lasten zugemutet werden. Wir glauben, da ff hier ilie Grenze des Tragbaren erreicht ist. ' . "Auf dem Gebiete de- Kultus glaubt der Vorstand, seinerseits für, die Aufgabe einzelner Andacht-steilen keine Anregungen geben zu sollen. Die finanziellen Anstrengungen der Mitglieder der Riiltuscerhünde rechtfertigen die Subventionen der Gemeinde!. Wiederholte Untersuchungen lassen überdies vermuten, daß die durch eine solche Maßnahme erreichbaren Einsparufagen vielfach überschätzt werden. Die- Leistungen der Gemeinde im Kapitel Wohlfahris- " pflege konnten keine Herabsetzung ertragen. Trotzdem eine größere Anzahl von Familien, die von der Wohlfahrtspflege oder der Mittel-inmlshilfe betreut wurden, Hamburg verlassen hat (wobei Izüm Teil Abwanderungsbeihilfen gezahlt werden mußten), ist die- Zahl der, derzeit Betreuten wesentlich größer als vor einem Jahn'. Es muß darauf hingewiesen werden, daß notleidend gewordene Familien, die anfänglich vom Hilfswerk betreut wurden, der l'ürsorge durch die gemeindlichen Wohlfahrtsstellen überwiesen werden mußten, wenn für sie weder Auswanderung noch schnelle Wiedereingliederung' ins Berufsleben möglich war. -Unsere Finanzen lassen jedoch höhere Aufwendungen als 1955 nicht zu. Die Nothilfe-Mittel, die wir wie im Vorjahre so auch für 1955 54 wiener aufzubringen bemüht waren und sind, werden wie im Vorjahre dem Wohlfahrtswesen und der Mittelstaiidshilft; wieder eine wesentliche Hilfe bringen. Es sei ferner ausdrücklich hervorgehoben, daß das Winterhilfswerk des deutschen Volkes keinen Unterschied zwischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.