Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 8 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 8 Gemeinde b.latt der Deutsch-Israelitisch-en Gemeinde Seite T Stirn, diese Furchen lim Nase und Wange, und vor allem diese Augen, die tief in ihren Höhlen liegend, die Erscheinung anstarren — die von Lixht und Dunkel seltsam umwnben. als der Bote einer anderen \Vclt. plötzlich da ist — das sind die Augen eines MnnSchcn. der das Ungeheuere cr- ' schaut, das. was hinter den Dingen ist. das Unheimliche, das Mvstcrium. das ganz andere, das Göttliche, aber ni<ht in «einer satiften. liebevollen Gestalt, sondern als das Schauervolle, als]das KT1V das Fhrfurchtbare. als der Gott, dessen «ehrcrklichc Erhabenheit wir armen Sterblichen nunmehr hesrreifen, vor dem wir aber immer wieder in .namenloser Stilen anbetend in die Knie sinken. — :— Nun 7iir Darstellung des TsaSc. Man kann «ich nicht leicht etwas Rührenderes denken als diese Gestalt: halb, .Rinding, halb Knabe, der iugondlirho Körper leicht über das Knie des Vaters gebendden Kopf in kindlichem Vertrauen an die Brust, an das Herz des Vaters gelehnt, ennz Hingabe, ganz OrVTor. Vater und Kind verbunden durch die gleiche Liebe zueinander, durch 'die gleiche iLiebe 711 Gott — eine erschütternde Darstellung des Bibelworte« nn1 On'JJ? ,3V,1- «ie gingen beide zusammen. Besondere Beachtung verdient. daß Rombrandt, der sonst dem biblischen Bericht getreulich folgt, an dieser Stelle bewußt abweicht. Die gebundenen Hände des T«n.k. auf defn ersteh Bilde deutlich sichtbar, hier nicht man «!e vergebens. Ganz frei, die Arme völlig frelöst. so liefen sie an der Seite des Jünglings. Woher dieser Wandel? Die Frage ist rinr zu beantworten durch die seelische Entwicklung des Meisters. Tn dem Bilde seiner Tugend war es die Macht der Autorität, die Rembrandt zur Darstellung brachte. Das Alter befiehlt, die-. Tugend gehorcht. Vater und Sohn, .beide umschlungen, beide, unentrinnbar festgehalten durch das ehrwürdige Band einer .heiligen Tradition. Das Mittelalter, das indische wie dj»i nichtiüdiseho. mit «einer Bindung ist es. das in jener Dn.rsfr-'llung Gestalt gewann. Und darin liegt das Charakteristische des Bildes: Rembrandt gibt wieder, was jeder empfand. Anders zwanzig] Fahre später, da das Leben ihn in die Schuhgenommen, hat. Da spricht der durch tausend Bitternisse geläuterte Mann der, Künstler spricht, der seiner Zeit voraus Ist. der Seher, der die Zukunft bereiten hilft. Abraham mit dem «ehmerzelurehwühlten Antlitz, das ist Rembrandt selbst, die Narben und Runzeln, das sind die Wunden, die da« Schicksal ihm Beschlagen, die Augen, da« «ind «eine lugen, din dal Ungeheuere erschaut, das Ungeheuere, clas ihn parkt und «chülteh und festhält, wie es clereinsf-den Abraham packte. Und I«.ik. clas Opfer, das ist ebenfall« Rembrandt. sejne Seele i«t osv die «ich durch das erfahrene Leid frei gemacht hat von allem Druck und aller Fessel, die — in gläubigem' Gehorsam ,dcmiifisr sich «ehmfi-gf-nd an die Bru«t des himmli«<hen Vater« — in freiwilliger Rindung ehrfurchtsvoll sich niederwirft vor Gott. Sind wir noch bei Rembrandt, «ind'wir noch in der V-.r gnngenhoit? Ist .es uns nicht, al« ob cler Meister alle Schleier von unseren Augen genommen hätte' .Stehen wir nicht plötzlich inmitten des* Kämpfen«, inmitten de« Suchen« nn[ SOrer Zeit? Wif fühlen, die alten Riirdiingendnd celockerr die alten AutcVitäten sind geschwunden: eine neue Zeit steig! herauf, ein neues Geschlecht, eine neue Jugend. Neue Menschen wollen, .neue Menschen mü««en kommen. Menschen, cfie frei sind von den Fesseln der Vergangenheit und sich dennoch gebunden fühlen durch''die Ehrfurcht vor, jenem großen geheimnisvollen Gott.dcm «ie.' wie. k, nun 'eine andere Generation, erhebend ifr« Antlitz geschaut, bereit, ihm ZU dienen in opferwilligem freien Gehorsam ..mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit-Ganzer Kraft". Als Rembrandt /um zweiten Malt' die Opferung Isaks darstellte, da hat er das Schnui-rvollo der ganzen Szene gemildert durch-daS Ficht, das aus geheimnisvollen Höben hervorbrechend in dichten Strahlen, herniederfluti t. Abraham. Tsnk. den Engel liebevoll einhüllend, alle drei geborgen' im l ichte himmlischer Gnade. Eiii,W-iderschc'in von diesem l icht fällt auch in unsere Seele. Wir scheiden von der Betrachtung diesVs Kapitels sestilllcf! Herzens. Wir zweifeln nicht mehr. Wir glauben. Wir beten. Der Verband der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte Vach dem von Herrn Alexander T. e v y in der Sitzung ' des Repräsentanten-Kollegiums vom 12. September erstatteten Bericht. Der Verband umfaRte in den ersten Jahren seines Bestehens ni|r die jiielisldhen Gemeinden* Schlcswig-llolstcj'ns. und unsere Ge'mcintfc bewies ihr Interesse, am seiner Tätigkeit durch Zahlung ei ics Zuschusses und Entsendung eines Vertreters) in die Verwaltung des Verbandes, ohne förmlich sein Mitglied zu werddii. Erst seitdem er im März sich zu einem 'Verbände d|er jüdischen Gemeinden Schleswig- Holsteins und cler Hansestädte erweiterte, gehört unsere Gemeinde ihm als Mitglied an. Zweck de« Verbandes i«t die Zusammenfassung der Mitgliedsgemeihden zur Schaffung gemeinsamer Einrichtungen auf kullureilcm-unil fürsorgerischem Gebiet sowie die Wahrung der gemeinsamen Interessen in Fragen des Reichsverbandes jüdischer Gemeinden und der jiddischen Landesverbände. Dieser Zweck des Verbandes wiijd in dem §5 seiner Satzungen in den Einzelheiten' noch näher umsehriclicn. Die Gemeinde bekundet ihr Interesse an der Tätigkeit!eit in mehrfacher Weise. Zunächst des. Verbandes zur durch' Zahlung eines I großen Jahre '400Cj ffül beträjgt und Haushaltsplanes darstellt, der -eine Erhöhung erfahren hat. Beitrages, der im laufenden den einzigen Posten unseres keine Kürzung, sondern sogar Außerdem hat die Gemeinde vor einigen Jahren der Verlegung des Ycrbnnds-Büros in die Räume der Gemeinde zugestimmt und läRtdie YerbnndsbüroJArbeitrn durch ihre Angestellten miterledigen. ¥ 1 '■ f - 1 ■ DieTerdenz des Verbandes entspricht der Tendenz der Gemeinde, im weitest <-n Sinne alle diejenigen, die 111 i<| dem Judentum noch verbunden sind, gemeinsam zu erfassen. Der Verband kennt kc Richtungen inen Unterschied gegenüber religyisen wie er a'nch der einzige jüdische Verband in Deutschland ist, der si h nicht an die politischen Grenzpfähle gebunden trachtet, lienerding» ist ihm auch die Land««- gemeinde Oldenburg beigetreten. Vorsitzender de« großen Ausschüsse« i«t der Vorsitzende , des Vorstandes unserer Gemeinde. Herr Alfred Levv.'den gesdiäftsfiihrenden Vorsitz hat Herr Rechtsanwalt Dr. Manasse (Altona), inne. l'n«er KolTegium i*t in diesem \ussdiuR vertreten durch die Jlerren Dr. K 1 m 11 s . Koretz und mich. In den Satzungen ist die Mitarbeit von Frauen vorgesehen, und Damen aus Altona \1t1d Hamburg, «ind auch in dem Vcrbaiplo mit tätifr.' Dieser I instand h.if. als es sich bei uns um c ie Verleihung de«- pü««ivcn Wahlrechtes an die Frauen handelte, entsprechende Beachtung gefunden. An Rabbinern gehörendem Ausschuß an die Herren Dr. A Ii e r (Bremi ni. Dr. C a r I e b a ch und C <> h e n (Altona). 'B n m b e r gk> r ' (\\'tfjjdsbe kly I )r...II o 1 z e; r und Dr. I.t a 1 i e n e r Klaml) irgi. Dr.., Ppsner (Kiel) Und Dr Winter (Lübeck). . ' Zur Frage cler Revision des Preußischen Judeiigi'«et/e«' von IR47 hat der Verband Stellung Stammen. Herr Ohcrrabbiner Dr. Oarlobaeh und 4n seiner Vertretung Herr / Rechtsanwalt:',D». V-icSto;-*, (\Van<l«bekt wurden um der preußischen Regierung zu ihren Boratungcn ülx-r die Materie? als Snchverstädaige hinzugezogen: Seinen Satzungen entsprechend beteiligte sich der Yt-rbanc! an cler Förddrilng allgemein jüdischer Interessen, wie z. B. an den Bestrebungen des Welt verbände». Schorn re Schabbos. bei dessen Weltkonferenz ich den Ve rband vertrat, uncl an cler \bwehr. einet den Interessen de« Judentums ziiwiderlat|ftjn!den Kalcndcrreform. Erfjfcw"Aer*ei;se*ist <•« ja auch dank der Einigkeit des Judentums gelungen, die Angriffe auf. die Heiligkeit des Schabbos abzuwehren. - Vielfach ist der Verband für.die geistigen biteresse'u seiner kleinen Mit-, gliedsgemeinden eingetreten. Si>' in Elmshorn, Scgeberff und Neumünster. wo Ziisänimenknnfte der* Gemvindcmitgliedcr und WcihWtunden sLattfanden, bej denen die ^l1■r^,'ll Oberrabbiner Dr. ('ri,r ie h'a eh. OberkanhT Ziege I. Avr, Altonaer Synagogenchor sowie andere- 'mitgi-wirkt und die viel Anklang gefunden haben ujul weite-r ausgebaut werden sollen. ' , , i Der' Verband gibt all jährlich ein. Jahrbuch herhus. •welche« neben dein kalenelai-ischen Te'il und dem Verzeichnis iler eleu Gemeindeve-rw allunge n angehSrcnden Pe rsonen j»i fc %'ressante und literarisch wertvesllc Beiträgeenthält. Die-, . I ■'..•'