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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1932-09-29 · 8 (29.9.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
8 (1932)
Issue
8 (29.9.1932)
Date
1932-09-29
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt der DeuTsch-Israelitischeo Gemeinde Nummer 8 \V icdcruui sdKMikt ihm seine Frau ein Kind, eine Toditer, aber nach einigen Jahren welkt audi diese dahin ui d stirbt. Da greift Kcmbrandt zur Bibel. Er liest den Ritf Gottes an Abraliam: Nimm deinen Sühn,"deinen einzigen, den du lieb hast, den lsakj, und bringe ihn mir zum Opfer dar... Und Abraham gchcjrdit. Da malt Kcmbrandt sein Bild „Die Opferung Isaks". Drei Personen: in der Mitte Abraliam, das Antlitz umrulijmt von weißem Haar, die Stirn leuchtend in edlem Glau/., das Schönste— die Augen, in gläubigem \ ertrauen zu der zweiten Gestalt, dem Engel« emporgeridktet, der in unnachahmlicher Schönheit lidit und leidit herniedersdlwcbt, mit der einen Hand /nr Höhe hinan weisend, [mit der anderen leiditden ■ Arm des berührend, Hand das AI raham dessen Sehladitmesser entfallt. Dudritte Gestalt ist die' «Iiis Isak:. auf einem 1 udi, fastvölli; nackt, liegt er da, auf dem Kucken, die Hände gebunden. \\ ir suchen sein Antlitz. Es ist Dicht zu sehen. Es ist Verhüllt von cur anderen Hand'de: Abraham. Aber niiht auf den Augen, ai Munde liegt si groll liand. glcidis ob der \ ater letzter Stunde Aufbäumen di fers, lurdltele f dein .', eine breite Mwiincrm als ijodi in ein Opihm den. Mund veisdtlicliend, mit Lei > und Seele es niederzwingend iruter (Villen, der nur ein Ziel kennt, Gott zu dienen „um ganzem Herzen, mit;aüzer Seele und mit ganzer Malt". (3. Mo Es braudit nicht gesagt /.i de«, elati in dem selbst gemalt hat. Die Augen, die in { laubigen) \ ertraut dem Himmel emporgerichtet sind, sind Kembraiul ts Augen, das \ Lieh :, das auf Abrahams. Entlitz ruht — selbst das Dunkel dieser J tunde _t*nellertd — das ist Jus Lidit, das Reni- Ijrandl sein l.cbtaj im 1 lerzeh -tru; Aber in c hus aus der Opfe r, Idas gebunden, tausendmal getötet, tausendmal errettet. Im Mittelpunkt des Bildes steht Abraham, airer nur scheinbar. Alle Anteilnahme kehrt dodi immer wieder zu Isak zurück. Auf ihm ruht der Blick des Engels, auf ihm ruht die ganze- .Kürperschwere des Abraham, auf ihm ruht das Lidit: Es ist die jüdische Jugend, um ihretwillen lebt der Vater, durdi sie lebt das Judentum. Aber es ist gebundene Jugend, gebunden durdi, den Willen des \aters, gebunden durdi die Autorität, durdi die Tradition des Judentums. Diese Jugend fragt nidit, sie folgt in stummem Gehorsam. Der ater will es, Gott will es. Da« hat .Kcmbrandt festgehalten. Die wörtliche Darstellung der mpy- „Brndurft 0.5.J wohl Rem jraudi . Bilde sidi nn Ueiniiraii'lt. Nach Faksimile-I{epruiluktion der Kelchsdruckerel Berlin. Mit freundlicher (ienehmifrunir des Esc-hkol-Verlages uu dein '4. Itandq der Eacyklopacdia Judaica. Bihf iter, lic •il noch mehr, liegt nidit nidit nur Mcnschcusdiicksuil, lit nir . :. 1.....I sein sontlal! i grollten Teil .-eines Lebens im JudciJviertcl i Juden zu seinen nächstes Freunden geilte die Erzählungen, die in den Jlidenpasjscii denen man in stillen Sabbathstuiiden txäijeiileuditendcn Auges lauschte: von ele-ij Miirill in der Welt j— in Spanien, in Frankreich, — den T33B"K''T'Dn' den Frommen von len Vätern, den Müttern, die ihre Söhne, t eigener Hand töteten, um sie vor der Lüge, ■ zu retten, den Kindern, die sich töten ließen, des Einzig-Einigen nidit zu entweihen. Das tnnd Kcmliraidt vor] der Se£le| als er sein Bild malte. Abraliam. eler l ater. das. ist der jüdische; Vater. Das) Auge, I lijhe siile Kraft sdiöpft. das ist das Judetiajugc, it Im I Schicksal als \ dei n Mir allen Judcnsdiicksul. \ ergessen wir nidijt, Itembrandt de verbrachte, d hörten. Er(kan umgingen nnd ih n und doch rtfrern — über in Deutschlan I Deutschland — ikrc*löchter m wrr iler^Schand um den Nanuej ein Bild der Vergangenheit, ein Bild des mittelalterlichen Judentums. Und doch — soviel Grüße dieses BilcjTaudi enthält, die letzte liefe der biblisdien Erzählung erschöpft es nidit, die letzte £rsdiiittcruug in uns bleibt aus. Vor allem der Engel befriedigt nicht; der Engel hm h in feingeschnittenen Antlitz, der in edler Haltung aus den Wolken herniedersdiwebt, ist wohl ein Sinnbild himmlischer Schönheit, aber er trägt nichts an sidi von jener anderen Seite -des Göttlichen, jenem Liihcimlichcii. jenem sdiauervollcn Geheimnis, mit dem Kcnibruudt in anderen Werken, beispjelswejise dem „Opler des Manoah", den Gottesboten zu umkleiden wußte. Darum war es -nur natürlich, dal! der Meister — selbst nidit recht befriedigt ' — weiter mit dem Stoffe rang. Zwanzig Jahnspäter ein neuer Versuch. Welch ein Wandel in Kcmbrandt* Leben! Das erste Bild hatte ein junger Mensch ' jgesdiaffen, der reich war und glücklich — trotz uiigcnblicklidicn Leides,— beglückt durdi die Liebe seinerFrau, durdi die Anerkennung der Welt. Jetzt nach zwunzig Jahren \om Lebenl-gehetzter, nd denkt an entgebiinden liegt, das ist der Jude, tausendmal führt ein anderer Mensch, ein armer, still in sidi gekehrt die Radiernadel schwundeneg Glück — die Jugendgefahrtin, die ihn verlassen, all die Menschen, die ihn quälen. So ersteht „Die Opferung Isaks". \\'icderum drei Gestalten. In der Mitte Abruhjani, in der Linken das Messe r. \or dein Vulcr kniet Isak, die Augen verhüllt von der4 Rechten des Abraham, auf dal! das Kind die Schale nicht .se he-, diebere it ist, sein junge? Blut aufzunehmen. Abe r unse r Klick bleibt nicht bei den beiden. Mit schier magischer Gewalt wird er angezogen von jener Erscheinung hinter dein Abraham. Steht sie, schwebt sie? Wir wissen cs.nidit; wir wissen nur, sie ist da und umklammert mit ehernem Griff beide Arme des Abraham, def in jähem i'.ntsetzen emporschuiit.- Und seltsam, je länger \vi!r jetzt den Abraham betrachten, um so unheimlicher wird er uns, um so unheimlicher die (,estalt hinter ihm, die- Erscheinung des Engels. Das Antlitz des Abraham — diese Kunze In auf der

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