Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 7 (29.8.1932)
- Date
- 1932-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 71 Gemeindeblatt der Deotsch-Isrne litis ehen Gemeinde Seite 3 und die übliche Gedankenlosigkeit sehr nbge doch die Welt ihre Erlösung nach biblischer ■Ihst •genutzt ist. Findet 111 fr nacM DiDiiscncr.AosdiduunK in der J.iehc des Nächsten, und dieses ('.«'bot samt «ejne-n Aus riihrungsbestimmUngeh ist in jüdischen Geistern' ja s< " dört noch lebendig, wo die Assimilation sonst schon alle Bande zwischen ihnen und der Bibel zerschnitten hat. AI» raüth die Nächstenliebe ist weithin in Verruf gekommen. \ i c I z s di e. der "erfülireristhsto ■lief modernen Falschen Propheten] hat Bi; zusamt dem Mitleid veru m Ich : sein Iterrcnmehsch stre >t nach Macht) nach Unterwerfung ehr rlcrde — nicht aber nach ihrer Erlösung. Statt der Nächstenliebe ist heute Gleichgültigkeit, llafi iles Nächsten weitverbreitetes Gebot. Ha(l sollte sogar schon als Inhalt vöifGelieten in Schulen der deutschen Jugend eingeimpft werden: Hall predigen Parteiführer und ihre; Zeitungen gegen jeden, Andersdenkenden. Wassermann schildert im Etzel diese [fnOkrankneit: sie sei „verheerender als die asiatische Pest, weil sie den gesamten sittlichen und geistigen Bestand unserer Welt bedroht ... sie verwandelt die Betroffenen ■ Iiunzurechnungsfähige Maniaken." L - , So steht also der heutige Mensch in offenen, absoluten Widerspruch gegen die drei Grundpfeiler der biblischen Weltanschauung — die'Tatsachen Gott. Welt und Mensdicnseele — lllnd gegen die drei Tragbalken der biblischen Lebensform: Schöpfung. Offenbarung und Erlösung dar.Ii Nächstenliebe. Harum findet er in der Bibel keine- Stütze mehr. Aber seineeigenen Götte-r wanken. und .sc-inc Willkür liefert ihn der Selbstzcrfleisehung aus. Schon reifen einzelnen Stimmen nach der ..Heilung clureb dc-n Geist"'. Alter vfnrtttii sollten wir Juden uns auf moderne Experimente eiidassj-n. etwa auf Spiritismus oder Christian Science? Uns rauscht ja noch unsere eigene Quelle des; Lebens; ulis kann Heilung und Rettung werden durch den Geist der Bibel. Sie bettet uns in eine klare, einfache, geradlinige Anschauung von uns selbst, von Nebenmeliscben. von Welt lind Gott, so da II wir nicht als ein verwaistes, verlorenes Etwas im Leeren und Dunklen dahintauineln. Site macht uns zu Liebenden und Geliebten: sie macht lins /um Teil des Weltganzen und doch zu einer Welt durch Ante il am Ganzem; sie berät uns in unserer Erilgebunde'nhe-it und ' beflügelt mns zur Gottverbunclenlieit. Von ihr erzogen, spricht man: „Wenn auch die Berge versinken ins Meer" ..der Ewigeist mit mir,.ich fürchte mich nicht: was kann ein Mensch mir tun!" Eine solche innere Erfülltheil vermag diese einfache Weltanschauung zu geben, daß «-in itüRerer Zusammenbruch, eine Wirtschaftskrise, Besitzkrise, ja, selbst die I lumanismiis-Krise der Gegenw art gegen sje nur anprallt w icj Wellen njn einem Felsen aus Erz. Und ein zweites könntedie Bibel den voll der Unruhe und den gegt-nsiitzl eben Bestrebungen der Gegenwart Zerrissenen bieten: eine feste Lebensform. Denn das sind die \ ielge'ehttiähten Zeremonien und. (ii-se-tzcs-l'onne-n. in denen sich Alltag und Ec-sttng. Geburt und Lebensverlauf bis zum Tode vollziehen. Ein äußefes S\stein, aber von den innersten Strahlen iles göttlichen Lichtes erleuchtet. Vor HH> Jahren glaubte man in Deutschland, dieser jüelimIii-ii Lebensform l icht mehr zu bedürfen — man hielt die damalige i deutsche Lebensform, den Neuhumanismiis, für einen vollgültigen', ja. vielleicht befriedigenderen, jedenfalls leichteren! Ersatz. Wir.'erleben den Zusammenbruch dieser deutschenl.Lebepsform — werden sieb die deutschen Juden zu ihrer Rettung zur alten, angestammten jüdisdje.n Leljensform zurückfinden? Mail glaubeab r nicht, dall sich, die ungeheure Kluft zwisehenldem heil igen Menschen «ind'der Bibel um ein paar billigen Schlagwörtern verkleistern ließe. Auch genügen jeneeinst selir geschätzten ästhetischen Würdigungen der Poesie oder der Prophetengestalten nicht mehr, um sie zu überbrücken. Nein, es handelt sieh heuteum Leben oder Tod. wen i wir uns zwischen Bibel und heutigem Menschsein entscheiden sollen. Wer sie wählen wilj. den .Baum des Lebens", der mufl ganze Arbeit tun. de-r mnfl nicht mehr und nicht minder als Endziel erstreben, als die „'völlige.' Rück|cehrf'. die grolle, die ganze Tesehuwo! Der erste Schritt dazu wäre die i Ii n e re R C ini g u n g von all eleu heidnischen Lehren; die wir aus der I ruwell in uns aufgenommen haben, völlige Abkehr von allen ihren«. Göttern, mögen, sie noch so strahlen im Schimmer künsUerrscher .Verklärung. Dann gilt es. die Grenzen der W i s s e n s eh a f t zii erkennen und ihr. ohne sie deswcgi n zu verachten, nur das.zuzugestehen, was ihre Aufgabe ist. Einfach Werden im Denken, einfach im Tun und Lassen. Und i ii ii ifenig l.it : . da Um De II Z a nc ■ ■ dann der nächste Schritt: diewi rkliche E ra r b «* Bi beiihrer Sprache, ihrer Inh.ijte. ihres Ii Der schwerste und letzte- Schritt aber ist di< Bibel wieder i h s: Le.b'rfn u*ms ete ü bedeutet die Rettung des Lebens. Der Weg der Rückkehr ist wahrlich schwier, werden sagen: leb kann ihn allein Hiebt finden. ein herrlicher rührer erstanden: Franz R-os Er selbst ist diesen Weg gegangen, er weist ih i seinem ..Stern der Erlösung". E>r begann auf de r Ib. . Kultur der Vorkriegszeit, ohne- Bibel, ohiie jüeli-ehe I form, und endete in der vollen-Rückkehr /ur l!if>el kehr clureb Wort nicht nur. nein, auch durch die Tat. geführt in Jahren schwereil körperlichen Leidei «.. ihn überirdischer Ergebenheit trug. Nicht ein Reaktionär i-1 eler. Webber den We zurückfindet — nein. sondern einer. cl«-r dc-n Uttllcr}.... .Zerstörung vorfindei uml nun die Risse verniaiieri Brand löschen, den .Wiederaufbau eines kosiliaren tums fördern w ill. Leben ist ihm zugesichert,} Segef-h und seinem Hause. Was ist der einzelne Men-eh. wenn er nur 'Mit „h Mensch" ist? Josaja sagt es: ..Gras, das verdorrt, clie vi'rwedkt." WTr abe-r sieb müht, auf dem Wege zu gehen; eler fragt nicht nach modern oder VnBinde taucht ein in das. was ewigen Bestand hat. Denn - Lcsa Ja fort:-Das W o r t u ii s e r e s Gottes be i n E w i g k e i t. b zu hults. Di. c-rst V ic-le •n i-t e ig.' i nin ler bens- Hu,k- II rcher in Bilx I i, die i den Ifceiligihm IItige r Hunte. r.otiV-j |ik der fährt | -e h t ii •lebe Das Delegierten- Kollegium des Synagogen - Verbandes trat am f>. August zu einer. Sitzung zusammen.) m die I [erren O f f e n b u r g , B n tu b e rgje r, K > cb II eck seh er . 11 e rt z . D r. M ö Her. W a r i ü eh . W ei Ii- Ire r g und vom Vorstände nie Herren Dr. Z u n t z . I. e- \ y lind l ink teilnahmen. Das Kollegium nahm einen Bericht der Herren Dr. Zuntz uneTl.evv über eh-u Konflikt iles 1 O b e r r a b b i n e r s mit de in Verbände eiiljgegeii. der.! aachdein-er die Oi-ffeiitliehke-it schon lange genug be-s baftjgl ilnd erre'^t hat. hoffentlich binnen jkurzcjm in einsichtiger Weise hergelegt wird. Der Konflikt i-i übrigen* dei Anlaß Z|fr .Amtsniederlegung eler I [erren Kleve- und JoijIc.ua! gO*-orden. votl denen der ersterc- ^eit (tklober.. l'iLM. ih r le-tztc're seit Januar eh'iu Vörstandcj des 1 Sv nagogen- Verbandes ange-hörl hat. - Im ührigeil beschädigte -ich das Kollegium jnit eler Finanzlage eh-s \ eVbandes. clie alle r-; dings überaus trübeist. Eiiien Betrag \on JlldOtl M)i hat' de-r Svnagoge-n-\erbaiid bereits als Darleihen \<>i<' eler ('•>•- rneinde ernnlten: Uikmi .'/?)/im Februar d. J. und je 4imki :/?)/ am •ersten der Mediale Juni- und Juli (vfcl. < .eini;indeblalt vom 29...Februar und 4"- JuniI*. Jeizt beah-ie|iiigt di-r nrstund, um elie- Mittel für iIh- Auszahlung de-r Setpienibergc-lp'ilter zie beschallen, vorübergehend eine Anleihe auf ein Grundstück aiifzunehineu. Das Kolfegium besehl >l! nach kurzer Erörterung. ülM>rden Gegenstaad weiter in gestand zu einen Riineln. ihre Eiitrjiehhing I la aus heimer Sitzung zu beraii-n und den V schreiben an die \Crbandsniitglieele-v veranlasse l'flicbteji gegeti den \erband durch |iüiiKtliehe ihrer "Beiträge und der Rlafzmieten zii erfüllen diesen bc-ideil Quc-llc-ll dc-r Verband e-im-u recht w i seuj Mehe_ n feil seiner Mittel schöpfe. Personalien Am Sonntag, dem 7. August, fand auf dein Bt-grälinisplnt'/ der Genfeinde die- Wethe des Grabsteins für den iiriij24. Juli, v. Js. hi-imge-gange-neu Herrn Di. Bruno Tannenwald statt. Die- Feier fand im engsten I \ lietik re ise -tji t. doch w aren für den \ eir-tancl eler (Ietnein.de- Herr \ I f r c cl I e-\ y j und für den Verband der Jüdischen <ienic-inden Hehfe-swigllo|steins und der I l,in<esiäelli- Herr Dr.' \ i c 1 o r - iN'ands-, bek erschienen. Der .letzn-nw idmete-dem ^Vijstoybeiie* eil beiil namens unserer (a-tneinde utv'il iles Verllandes. denen_ .eir ihihgebungsypH Iiis zn seinem frühc-n Scheiden (reejienti hatte. Worte innigen Ge-denkenv^ / *- Am 3. August bori-n. dessen tili l^'J wnrelezu i Morit/J ScherbfI gey .In se r Stelle nufäfitich der 100. W ke-li r s e i n e s' (', cb Ii f t s t a g e s gedacht wcjrdc ■oll. r - du