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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1931-03-12 · 3 (12.3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
7 (1931)
Issue
3 (12.3.1931)
Date
1931-03-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite « G e m e i ndeblatt der D e n t s c h -1 s r a e i i t i s c h e n Gemeinde Nummer 3 gie zuwandte, d. h. stets, wo die innere Medizin dem Kranken nicht mehr helfen konnte, sich an die operierende Hand des Kollegen ..wandte, meines Freundes und Kollegen K o r a ch . der s*J lange Jahre hier gewirkt hat: ich möchte ihn also auch als Chirurgen begrüßen. Nu4J -steht der Bau vollendet da, ein Etagenbau, so hoch, w ie w ir ihr ' nur in Amerika gewohnt sind, den Anforderungen entsprechend, welche der heutige Stand der Wissenschaft stellt!; 1 Es ist nicht nur' der Geist, der dem Kranken seine; Gesundheit wiedergeben -oll. sondern auch die Räumlichkeiten müssen ihrem Dienste entsprechen, und gerade wegen der Antisepsis ist es notwendig, derartige Verhältnisse zu schaffen, die allen Frfordernissen entsprechen. Daß dieses Haus schön l-t. werden wir nachher sehen, schon der äußere Anblick zeigt, welch stolzer Bau es ist. und so wünsche ich von ganzeril Herzen, daß diese Stätte nicht nur dem Wohle der Kranken diene und ihnen das höchste; Gut. das der Mensch hat, die Gesundheit, wiedergewinne, sondern auch der Wissenschaft. Ich schließe mit den Worten, die ich an anderer Stelle schon brauchte: Es muß und soll eine Lust und Freude sein, hier operiert zu werden! Herr Pastor Drechsler: Gestatten Sie auch mir einige wenige Worte. Ich möchte der Verwaltung Dank sagen, daß sie mich zu dieser Feierstunde einlud. Ich bin der Einladung sehr gern gefolgt und ich möchte als Pastor von St. Pauji der Verwaltung herzliche Glück- und Segenswünsche sagen zu dem wunderschönen imponierenden Neubau, mich öffentlich bedanken dafür, daß sehr viele meiner Gemeindemitglieder in diesem Krankenhause stets freundliche Aufnahme gefunden haben und finden. Alle Patienten, die ich gesprochen habe, berichten einstimmig und cinmijtig — und das will etwas heißen — vom Schönen und Guten ,in diesem'Krankenhause. Ich möchte ferner der Aerzteschaft und der Schwesternschaft in diesem Hause danken, die jederzeit meinem Wirken und meiner Person Freundlichkeit und Entgegenkommen bewiesen haben in vorbildlicher, hervorragender Weise, ganz besonders Herrn Professor Levy, der mir bereitwilligst Tag und Nacht Räume für die 'Seelsorge zur Verfügung gestellt hat. Es ist mir auch nicht verboten worden, und ich hätte es mir auch nicht verbieten lassen, ein Wort zu sprechen über Friß! Oberin. Schon als junger K*andidat habe ich ihre Größe, ihre Ruhe, ihre Reife, die Harmonie, die sie beseelt, immer bewundert und hoch anerkannt. Schon mein Vorgänger. Pastor C 1 e m e n s S di u 11 z , hat Frau Oberin hoch geschätzt und verehrt. Ich danke ihr ganz besonders herzlich, daß Sie meinem bescheidenen Wirken stets größtes Entgegenkommen gezeigt hat. Ich möchte, daß es so bleibt auch-im erneuerten krankerihause. und möchte hoffen, daß Aerzte und Schwe- 'stern mit Gottes gnädiger Hilfe auch im neuen Bau viel I'.lend bannen, viele Krankheiten in Gesundheit wandeln und damit Armut in> Reichtum und Traurigkeit in Freude. Und ich bitte, auch hier weiterwirken zu können an den mir anvertrauten Seelen, denn wir wissen alle, daß es nicht nur auf die 'körperlichen, die natürlichen Kräfte ankommt, sondern vor allen Dingen auch auf die geistigen und seelischen. In unserem armen Vaterlande herrschen viele Irrungen und Wirrungen, Gott sei es geklagt: aber dieses Haus wird dazu beitragen, daß unser armes, leidendes Volk wieder emporsteigt und daß.aus den Ruinen ein neuer Frühling aufblüht. Herr Oberarzt Professor Eh". Levy: Die wesentlichen Teile dieses Neubaues werden mein zukünftiges ärztlidies Arbeitsfeld darstellen. So sei es mir gestattet, denen die mir das, ermöglicht haben, meinen Dank abzustatten, lu erster Reihe den Herren unseres Kuratoriums. Sie haben mir bei der Ausführung dieses Hauses so unendlich viel Vertrauen geschenkt, daß ich schwerer darunter gelitten habe, als untejr der Arbeit, weil ich mir immer sagte, es wird schwer sein, solches Vertrauen auf die Dauer nicht zu ent- 'täuschenj. Aber ich möchte in der Oeffentlichkeit das Versprechen geben, immer bemüht zu sein.'dieses' Vertrauen zu rechtfertigen. Auch, ich möchte den Behörden danken, die uns bei' der Durchführung des Baues ihre Unterstützung gewährt! haben. besonders danken Herrn Präsident Pfeiffer, der von Anfang an unseren Bau mit Interesse verfolgt .hat und uns — wie auch sonst immer — eine wohl-, wollender Freund gewesen ist. , Wann immer ein Krankenhaus erweitert und umgebaut wird, wie das bisherige vordere Hauptgebäude, so ist das keine ganz einfache Sache für diejenigen, die ihre Arbeit füglich darin zu verrichten haben, und ich darf daher allen unseren Schwestern den herzlichen Dank aussprechen, daß sie in den schweren Monaten nicht verzagten!, sondern sich mit gleicher Liebe und Aufopferung der Pfleg* der Kranken hingegeben haben. Das prächtige Beispiel, dad sie in diesem Hause haben, ist heute schon so oft erwähnt forden. Aber i dt stehe unter dem gleichen Barine w ie unsej- Vorsitzender und muß mich dem Verbote beugen. Vor allen Dingen bin ich sehr erfreut, daß bei der Durchführung dieses technisch nicht ganz leichten l Baues meine chirurgische Hilfe DKM nötig gewesen ist. Es ist kein Todesfall vorgekommen, und die Verletzungen, die vorkamen, waren nur unbedeutender Art. Nun mödite ich Ihnen sagen, was sich bei uns geändert hat, und damit dies einfacher ist, habendi es auf die Tafel aufgezeichnet, damit Sie bei der .Besichtigung diejenigen Stätten aufsuchen können, denen sie ein besonderes Interesse entgegenbringen. Das vordere Gebäude, das von Salomon H e i n e erbaut wurde, enthielt früher die innere Station im Erdgeschoß und im ersten Stock die dürurgische Abteilung. Das Gebäude gehört heute als Ganzes der inneren Abteilung, erweitert durch zwei' keine Anbauten nach dem Garten zu. Die Wirtschaftsräume sind entsprechend erweitert worden, Fahrstühle wurden eingebaut, neue Teeküchen, Laboratorium, Liegehallen, ein großer Raum für elektro-meclizinisdie ■Behandlung, zahlreiche kleine Räume zur Isolierung für Schwerkranke.. Im l'ntergesdiofi des alten Hauses befinden sich wie früher die Wirtschaftsräume, und ich mödite sie besonders aufmerksam machen auf die neue elektrische Küche, die sidi in den Monaten, seit sie in Betrieb ist, voll bewährt hat. Der Neubau ist als Hochbau erriditet mit sieben Etagen, und für die Unterbringung der Kranken ist der erste, zw eite und dritte Stock vorgesehen. Ich mödite zuerst erwähnen, was wir nicht gemacht haben. Zunächst ' haben w ir verziditet auf die Verwendung von Fensterglas, das ultra-violette Strahlen durchläßt, weil sich herausgestellt hat, daß solche in einem Krankenhause, das vornehmlich für Erwachsene bestimmt ist, nicht notwendig sind. Verzichtet wurde auf einen Dachgarten. Statt dessen wurden Balkons nach Süden eingerichtet und im zweiten und dritten Stock ausgedehnte Liegehallen. Da w ir von unserem Garten durch die Umgestaltung noch manches haben retten können, sind Möglichkeiten genug vorhanden, um die Kranken in freier Luft unterzubringen, <während-der Dachgarten gerade in St. Pauli, wo wir die Dünste des Hafens aus erster Hand bekommen, nicht gerade sehr zweckmäßig gewesen wäre. Ferner haben wir verziditet auf eine dunkle Gestaltung des Operationsraumes, sondern mit Rücksidit auf die Hamburger Vt itterung helle Kachelung verwandt, allerdings reflexlose Kacheln. Es wurdeji in keinem Saal mehr als neun Betten untergebracht. Außerdem haben wir mehrere kleinere Säle und auf jeder Etage mehrere Zimmer, die dazu bestimmt sind, Patienten aufzunehmen, die in der Nacht eingeliefert werden, da wir keine Aufnahmestation haben. Außerdem werden in diese Zimmer v*erbradit Sdiwerkranke und Operierte, so daß in den allgemeinen Sälen nur Kranke vor der Operation zum Zwecke der Beobachtung oder nadiher zur Genesung untergebracht werden. Durch diese Einteilung wird verhindert, daß die Schwerkranken durch die Unterhaltung der Genesenden gestört werden, die ihrerseits keine Rücksicht auf Sdiwerkranke mehr zu nehmen brauchen. Es wäre ^eine Erleichterung, wenn diese Trennung überall durchgeführt würde. — Was wir sonst hier an Errichtungen haben, wird die Besiditigung zeigen. Wir wollten bei der Einrichtung des Hauses eine Vermeidung von Leerlauf und eine möglichst gute Bewirtschaftung auf die Dauer erzielen. Alles, was auf den ersten Blick den Eindruck einer Ueppigkeit machen könnte, was wie Luxus aussieht ist auf, die Dauer wesentliche Ersparnis. Nun. mit modernen chirurgisdien Apparaten und Instrumenten und den übrigen neuzeitlichen Hilfsmitteln-gelingt es . ja nicht allein, einem kranken Menschen auf die Beine zu helfen, und hierbei wollen wir beim Alten bleiben und die seelische Behandlung der Kranken, wie sie seit Jahren 111 diesem Hause 11 pflegen, weit sie für die Herstellung der Heilung Suchenden von ganz besonderer Bedeutung ist, und ich schließe mit Goethe:

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