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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1931-03-12 · 3 (12.3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
7 (1931)
Issue
3 (12.3.1931)
Date
1931-03-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4' Gemeiideblatt der Deutsch-Israeliti s*f*h en" Gemeinde Nummer 3 nif. wert Aus dem geistigen Leben der Gemeinde Im Rahmen des diesjährigen.Virtragszyklus des Israelitische« Tempelverbandes sprach am I. v. M. der Dozent der Hocbjsdiülc für die Wissenschaft lies Judentums in Berlin. Herr Prof. Dr. J. Elbogen über das Thema: Gottesdienst und Gemeinde. Der ReHneijJging von <ler Feststellung aus. <|a|? ini Judentum Gottesdienst und Gemeinde unlöslich zusammengehören: der "jüdische Gottesdienst, der als erster in der Geschichte der Religionen, von allem äußeren "Beiwerk abgesehen und »ich dadurch zur Ubertragbarkeit in die ganze Welt fähig gemacht habe, setze] eins voraus, die Teilnahmeder Gemeinde. Der jjüdische Gottesdienst ist Gottesdienst der Gemeinde.- Alle] seine Funktionen können .von (Mitgliedern der Gemeinde ausgeführt werden, und er : dient den Bedürfnissen der Gemeinde, ihrer Belehrung, ihrer i Erhdhung. ihrer Hinführung zum! göttlichen und /u den sitt- (ichen Gedanken der Religion. Dem ..betenden Ich"', das der Vortrag des Herrn Rabbiners Q\-Italiener behandelt habe, steht die sich bekennende Gemeinde gegenüber. Die .Gemeinde betet nicht wie das Individuum, ihr fehlt die I.eid Mischaftlichkeit und das Pathos des Individuums, im Mittelpunkt ihres Gottesdienstes iteht Vorlesung und Ausegupe der Heiligen Schrift, steht das gemeinsame Bekennt- Gebet der Gemeinde ist Aus lrurk dessen, was alle bedie üliereinstimmende Glhnbensmeinung und 'Zuktintt-shoffnuns. die in hvmnisc+er r/rrm zuml Ausdruck kommen. Selbst Bitten der Gemeinde^ieruhen auf gerr.ein- Mmen Überzeugungen, betreffe i geistige und nationale "Güter, materielle nur. soweit sie wie Gesundheit uml tägliche* Brot niemand entbehrlich s^nd. Der Gottesdienst der Gemeinde hat sein eigenes Pathos", das' aus dem Zusammenströmen Gleichgesinnter an der- ,i\\r dem Gottesdienst ge-! weiMen Stätte hervorgeht; sn^gesj;iy wirkt und Funken von einem zum anderen w irft fmanjdef ke nur an die gemeinsame I Keduscha oder das Scb'ma Jisfjoel zu Neila des Jaum i hakipmirim). Er hat auch sein ei jehes Ethos, hebt einzelne über Isolierung, über den Widerspruch mit-dem Nachbarn, über eigene Leidenschaft hinaus tur Anerkennung de.r sittlichen Forderungen der Rclisicin. zum Bewußtsein der i messinnischeti Menschheit. Die •mehrtansendjährise Finricblüng des Gemeindegottesdierijstes i«t eine Quelle rcli- giöser Kraft und idealistischer Begeisterung. Allein Gemeindegottesdienst [hat auch seine schwache Seite, er muß an gesehenem Ort und ausgegebener Zeit festhalten eine Liturgie ausbilden erliest daher der Gefahr der \ erä-ußerlichung. der bloßen Erfüllung einer vnrresch riebenen Pflid't. Der jüdische Gottesdienst besitzt Vorschriften bis ins einzelnste, genaue Bestimmungen .über jedes Wort, über jede Bewegung und ist vielen -schon darum als bloße 1 eistuug. als' Erfüllung eines geseitzlidien Gebots verdächtig. Gewiß i~t eine reidie Literatur [innerhalb des Indentums über die Ordnung des Gottesdienstes vorhanden, viele Lehrer haben auf strenge Korrektheit geachtet, aber darum ist nie versreoien worden. dn,ß 'der jüdisrhe Gottesdienst ans Ifi prophetismen Religiosität hervorgegangen ist. der Ge- -inmkit? und n'dit Leistung das Höchste war. Im Tudentum kämpfen allerdings diese .zwei Richtungen., die ITalachisten. die alles legal gestalten, und! d'ejijFindern. welch'- das T ebenili"e. fcich ewig Erneuernde Begebende des GottesrHenstcs nidtt nSissen wollen — die Geschichte des jüdischen Oottesdien<f#s ist Kampf dieser beideri RichtunTen. Selbst die Halachisten mtissen ihren Ge<Micrn Rechnung tragen und ihre Gedanken über die InnerlidjVeii de« Gottesdicnstesiin ihre W erÜej aufneh|men. Auf der Gerenseite stehen Dichter uml Mv^fikjer. stehit der religiöse Gesang. Der Redner schildert dann am einzelnen Beispielen, wie die Dichter der Svnagrige bemüht w irefi. zu den ülverliefjerten Gebeten, oft auch an ihrer Stelle'npue zu schaffet», wie sie dadurch einen reichen Sdratt [ göttesdienstlicher Poesiei j geschaffen, der den Gemeinden Erneuerung des Gottej=dien«tc«^ermöglicbte. wie freilich snäter Gemeinde und Biirhdruck eine cnsc Auswähl trafen." s'ch auf Buchstaben, festlegten und dadurch die nr-. sprüiieliche Absicht vereitelten. Neben Dichtun" wirkt relisiösef Gesang, w'e'am Beisniel ner Kol Nidre-Melodie und einem Zitat aus H S t e i n t n a 1 gezeist wird. Die Mv«tjker -stehen von vorneherein in Oppostion zum überlieferten Gottesdienst und arbeiten ' meist! auf seine Verinnerlichung und Vertiefung bin. Ihr Gebet i-sfj vorzugsweise der Hymnus, sie streben nach Vereinigung mht dem l'berweltlichen. sehen die V\ clt tnit Engeln und Dämgiien bevölkert, die sie sich geneigt machen: die Huldigung der Engel, w ie die Keduscha sie dramatisch darstellt, ist eines ihrer Lieblingsthemen. Sie haben lause auf den Gottesdienst belebend gewirkt, aber dann kam eine Zeit, da mit einer gewissen Gewjalt, mit einer Ma'^se von Gebeten, mit besonderen Versenkungen und Zielsetzungen Wirkungen erzielt werden sollten, Fdie z\i einer gewissen Akrobatik führten und dem Gottesdienst mehr schadeten als nützten. .Der Cbassidisrous versuchte im Osten eine Erneuerung, löste aber durch seine Forderung der» Ekstase den Gprneiiidcgottesdienst geradezu au:'. Im Westen war es die Reformbewegung, welcher die Erneuerung unternahm, und der Hamburger Tempel hat die geschichtliche Rolle erwählt, als erster mit Kühnheit üinen solchen Versuch durchzuführen. Wenn er auch scharf kr tisiert wurde, hat er doch erreicht, daß auch-die Hamburger Gemeinde mit Chacham B e r n a y s eine neue Richtung für den traditionellen Gotttesdienst > wählte. In dem Jahrhundert seitdem sind sicher auf Seiten des reformierten wie des traditionellen Gottesdienstes genügend neue Mängel festgestellt. Der Redner riditet an die Versammlung die Mahnung, bei der Eröffnung des neuen Tempclgcbäüdes des alten Gebetes eingedenk zu sein nOS3 "P"3^ 113^ "IHD: reinige unser Herz, dir aufrichtig z" dienen. » Am 19. v. M. fand im Gemeindehause ein vom Vorstande der Gemeinde verunstalteter Aussprache - Abend statt, welcher durch zwei Referate der Herren Rabbiner D r. Grunewald- Mannheim über die B i 1 d u n.g s - aufgaben der Gemeinden und Dr. PJr i n z - Berlin über die S di u I e der j ü'd i s eh e n Jn g e n el eingeleitet wurde. Der Abend sedlte der Klärung der Aufgaben dienen, welche vornehmlich zwecks Gewinnung und Erhaltung der jüdischen Jugend für eins Judentum von den Gemeinelen zu erfüllen sind, sowie der Klärung der Methoden, welche der Erfüllung dieser Aufsahen elienen. Demgemäß berichteten die Referenten, die sich im deutschen Judentum bereits einen gewissen Namen als Juscndführcr erworben haben, über Art und Weise sowie Absicht und Ziel ihrer besonderen Arbeit, die naturgemäß den Stempel ihrer Persönlichkeil ebenso trägt wie des Ortes, an welchem sie wirken, und der Umstände, welche Grundlage lind Voraussetzung ihrer Arbeit sind. An die Referate schloß sich eine ausgedehnte Erörterung, an welcher sieh die Herren Dr. F. Marx, Dr. A. Blau. Dr. E. I. o e w e n b e.r g , B. S. Jacobson. Rabbiner Dr. Italiener. Alexander Levy., He.rmnnn Philipp und Fräulein R e eh a El lern beteiligten. Da ein r\loßes Referat über die Vorträge und elie Ausführungen der Diskussionsreelner doch keinen erschöpfenden Aufschluß . über die zur Behandlung siehenden Probleme geben würde.* insbesondere aber, weil elieser ersten Aussprache weitere" folgen sollen, beschränken wir uns vorerst aufldiesen kurzen Bericht, um in einem besonderen Aufsatz auf unseren Gegenstand selbst und die Ausspradicn zurückzukommer?, Das soeben erschienene erste Doppelheft des Jahrgangs 19""! der Monatsschrift für. Geschichte und Wissenschaft des Judentums enthält eine Darstellung über die höheren jüelischen Schulen Deutschlands von Dr. A. F ti rst.- Budapest, innerhalb welcher auch die drei höheren Hamburger jüdischen. Schulen behandelt werden. Die Darstellung ist deswegen von besonderem Interesse, weil sie einen Vergleich mit den übrigen höheren jüdischen Lehranstalten unseres Vaterlandes — in Eürth Frankfurt a M.. Köln. Berlin. I.eip-' zig. Breslau — ermöglicht. Das auch durch mnnchen andern gediegenen wissenschaftlichen Beitrag auch den nicht wissenschaftlich geschulten Leser fesselnde Heft liegt im Lesesaale der G e m e i n d e b i b I i o t h e k im Gemeindehause, Johnsallee 54, für jedermann aus. Lebensbild eines deutschen Juden ist die Schilderung de* hierorts unvergessenen Dichters und Schulmannes Dr. Jakob Loewenberg betitelt, welche sein Sohn Dr. E r n s t L o e we nbe rg soeben im 2>). Bande des Jahrbuches für jüdische Gesdiichte und Literatur') veröffentlicht. Wif widerstehen der \ersuehuns. einen Teil des Aufsalzes an dieser, Stelle zum Ahdruck zu bringen, und empfehlen den vielen, welche die Erinnerung an den heimgegansenen Lehrer und Freund als etwas Heiliges hochhalten, die Lektüre de* schönen Auf- M. Pöppelnuer. 6 Jt)l gebunden. Bei satzes. ') Berlin!*>">I direkter Bestellung an Her/n Spandauei Straße 41. 4^?>". Bonns Levy, Berlin C 2.

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