Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 3 (12.3.1931)
- Date
- 1931-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 G e m e i n d e b 1 a 11 der Deutsch -Israelitischen Gemeinde Nummer 3 und verschiedenster Konfessionen sich zusammengefunden hinten. Dies solle ein Symbol sein für die gemeinschaftliche j^rheit an dem Wiederaufbau des Vaterlandes. So wie bei dorn Bau Hol/, Eisen und Stein, das Gerippe des Werkes, sich vereinigen zum großen Ganzen, so sollten auch im deutschen Judentum und deutschen Vaterlande alle zum Ganzen streben und jeder an seinem Platze, mitarbeiten, tili glückliches Vorzeichen erblicke er darin, daß auch) dieses Richtfest wieder am IS. eines Monats gefeiert werde, einem in der Geschüjhte des Tempelverbandes l>odeutuiigsvollen Datum. Die Zähl IS bedeute Leb^n. iH.id so möge denn dieser, Bau neues leben ausstrahlen, damit die jüdische Gemeinschaft und das deutsche Vaterluncl emporwachse. — Herr J. Valk widmete dem Vorstande des Verbandes jherzliche [Worte der Anerkennung und1 Herr Rechtsanwalt Dr. Trias sprach als Vorsitzender des., Bauau-^chusses den besonderen Dank allen Handwerkern und Bauarbeitern aus "und würdigte} das Verständnis der L'nternehnier und Parliere für die Behebung auch der jüd sehen Arbeitslosigkeit durch E i n s tje J I Ii n g jüdischer A-rheiter und H i n zu z i e h n h 3. jüdischer Handwerker. Den Dank der Arbeiter brachte Zimmerpjarlier Hcitriann zum Ausdruck. Herr Heligionslehr^r Dr. V e i s sprach im Namen der Jugend und der Jüngeren, die eine1 besondere Genugtuung darüber empfänden, daß heute auch das Richtfest für die Schjilränme stattgefunden habe,, die der Tempeherband als erster in Hamburgfeigcns för die jüdische Jugend errichtet habe. Als Sprecher-der Jagend u üns<he er den Senioren der Gemeinde und des Tehipel- \ erbau des. den Herren Alfr^d/Levy und Heinrich I.evy daß esjihnen vergönnt! sei. in Gesundheit die \oll- .eudungj des Werkes mit zu erlel>eii. Her- Siegffied Freundlich dankte dem tatkräftigen Verwalter der I Finanzen. Herrn Max Marx, der dann selbst das Wort ergriff und die verständnisvolle llnterstiit/ting Wtonje. die er auf allen Seiten gefunden hal>e. Herr Alfred I. isser sprach, von dem Geist, der sich den Körper erbaue. Dioer-GeUt werde beim Tempel verbände vertreten durch seine Füllrer, die Herren Rabbiner Dr. Italiener. Dr. \ eis. den Lehrer der Jugend, und Oberkantor K o r n i t z e t . der durch seine Kunst den Gottesdienst $tets so erhebend gestalte. Erwünschte, daß der Geist der Frömmigkeit und ' der Gleist", der Verbundenheit mit Heimat) und Kultur auch weiterhin hier wirksam bleiben und Wertvolles für unsere Zukunft schaffen. Dunkit hatte die Feier selbst ihr Ende erreicht: ihre (Teilnehmer blieben aber lioch längere Zeit im vertrauliche« Gespräch 'beisammen. * >• i * l (.-• •■;I.:'• I , Nachdem die Richtfeier<iiiwr«s Neubaues in der Ober- Mraße am IS. Februar stattgefunden ist sofort mit den fnnen- .irbeiten begonnen worden, die .ohne Behinderung durch W fcterilngseinfliisse die Fertigstellung des Tempels zu den hohen Feiertagen ermöglichen, j r | Inte'resser.te», die bisher nicht, zu unserem Verbände gehören, wollen ihre Wünsche nogen Mietling von Plätzen schriftlich an unser Büro, Poolstr. 12 |3, ( + Dammtor 74%. richten. Es ist täglich, außer Sonnabend. \mi 10 —I Flu geöffnet und erteilt jede- Auskunft — telephonisch. Vorstand,des Israelitischen Tempelverbandes. Personalien und Kleine Mitteilungen Des Volkstrauertages zur Ehrung des Andenkens der im Weltkriege gefallenen-Soldaten w inde in den Gotteshäusern unserer Gemeinde beim Sabbathgot esdienst am 2S. v. M. in der üblichen Weise durch Ansprache l und Gebete der Herren Rabbiner gedacht. i Am IQ. v. M. starb nach kurzem, schwerem Leiden die Gattin des Mitgliedes des Vorstands der Gemeinde. Herrn K.by S. War barg, Frau Ell)' Warburg. geb. Simon. Die Heimgegangene hat sidi während der Kriegszeit in der K r i e g s h i I f ej a r b p i t der Gemeinde und in jüngster Zeit als Mitglied der Verwaltung des Mlickhenwaisenhauses der Gemeinde P a u I i n e n s t i f t in hingebender Weise betätigt u.nd sich dadurch ein Anrecht auf deji Dank aller derjenigen erworben, denen ihre Arbeit gegoltm hat. Dem Vorstände des Verbandes jüdischer Frauen für P a I ä s t i n a - A r b e i t '■ i ' .; 1 .gehörte sie seit 20 Jahren an und sie hat, wie es in einem Nachruf des Verbandes heißt, in hingebender Weise seine Bestrebungen gefördert. Ihr Wirken spielte sich ab in der Stille, in der Zurückgezogenheit. Nur ein einziges Mal ist die Heimgegangene öffentlidi hervorgetreten, und an jene Stunde, sei an dieser Stelle erinnert. Am 9. November l"l> tagte in Hamburg der Verband der deutschen Juden — es war die letzte und wohl die glänzendste Hauptversammlung, die der jetzt audi schon der Geschichte angehörende Verband abhielt. Die vielen Danen, die damals ihre Männer nach Hamburg begleiterten, waren am Abend der Tagung zu einer kleinen Feier im Logeuheim vereint und wurden dort von der Heimgegangenen mit 'einer kurzen Ansprache begrüßt, deren weseutlichsteri feil wir hier wiedergeben. Nach den einleitenden Worten führte Frau W a r b u r g aus: Wir sind ein wenig ängstlich gewesen, ob sich dieser Abend auch harmonisch gestalten ließe, denn wir sind uns doch eigentlich alle ziemlich fremd. Die Männer kennen sich zum größten Teil aus dem Berufsleben, aus dem gemeinsamen Leben der Jirdefiheit. Iiis führt nicht gemeinsame Arbeit zusammen, wir sind hier nur die Frauen, Unserer Männer. Die Männer eint heute ein großer iGcdankc: Wir deutschen Juden, wir kämpfen für unser Redit. Ad)er was eint uns':' Ich glaube, w ir haben auch etwas Gemeinsames, uns eint auch ein großer Gedanke: Wie erziehen wir unsere Kinder zu deutschen Juden? Daß dieses unsere Aufgabe, die Aufgabe der Mütter ist. das glaube idi. denken!Sie alle. Wenn der Vater auch die Richtlinien für die Erziehung angibt, so kann er sich doch nur in den seltensten Fällen um die Führung der kleinen Seelen kümmern. Zur Mutter kommt das Kind, wenn es zum ersten Male' gehört hat: „Gitt, Du bist'n Jude" — oder „ich darf nicht mit Dir umgehen, weil Du ein Jude bist." Die Mutter muß dem Kinde helfen, jenen Kampf gegen das Vorurteil der Welt zu führen, indem sie ilwi immer wieder Vertrauen gibt zu seinem eigenen Glauben, \crtraucn gibt zu sich selbst und seiner Gleichberechtigung mit den anderen Kindel n. — Die Zeiten sind vorüber, da jüdische Kinder in Abgeschlossenheit gedankenlos glücklich aufwadisen konnten. Schon früh drängen sich ihnen jetzt die Fragen auf: Was sind wir? Sindwir Juden, oder sind wir Deutsche, und was kommt zuerst? Muß man eigentlich, um deutsch zu (sein, audi diristlich sein? Viele Eltern haben gemeint, sie konnten ihre Kinder nur zu Deutschen erziehen, wenn sie das Judentum in ihnen gänzlich unterdrückten. Die Parole war: Von jüdischer Religion nichts wissen. Feiertage nicht halten, diristlichen Religionsunterricht mitnehmen, möglidist mit Christen verkehren: ja. manche gingen soweit, ihren Kindern die Haare zu färben, um sie deutsch aussehen zu machen. Ich glaube nicht, daß die Resultate sehr glücklich waren und daß das deutsche Vaterland sehr stolz auf diese neuen Deutschen zu sein braucht. W ir wollen ja alle unsere Kinder zu Deufsdien erziehen, aber sie sollen 'sich kein Kostüm anziehen und spielen, sie.wären deutsch, sie sollen wirklich deutsch seih, indem sie wahr sind. Sie sollen das. Beste,was deutsche Kultur ihnen geben kann, aufnehmen, und sie sollen sich selbst dabei nicht aufgeben, d. h. sie sollen alles Gate, was jüdische Abstammung und jüdische Religion ihnen gegeben hat. beibehalten und weiterentwickeln. Uch glaube, «renn wh sie so erziehen, dann kann ihnen der Antisemitis-* nnis nichts anhaben. Dann werden sie einmal dankbarerkennen, weldic Vorarbeit der Verband der deutschen Juden für sie getan hat. und werden Mcnsdien werdeik, auf die Deutschland stolz ist und die Judenheit. * Am 2. d. M. entschlief unerwartet nach einer Erkrankung, deren Emst keiner vermutet hatte. Frau Jeanette Buttenwieser, geb. Levi. Die Heimgegangene gehörte der K r a n k e n h a u s f ü r s o r g e der Gemeinde an ind hat in diesem Amt sich manches Verdienst erworben, vor! allem um junge Mütter, die ihrer Niederkunft mit Sorge entgegensahen, ihrer und ihrer Neugeborenen, die mit einem schweren Schicksal in die Welt traten, hat sie sich mit müterlichem Herzen angenommen, sie aufgerichtet und den Mut zu neuem leben in ihnen erweckt. Auch um mandien Judön, der mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen war, hat sie sich als Helferin ihres Gatten, dem die jüdische Gefangenenseelsorge in unserer Gemeinde Obliegt, gemüht und verdient gemadit. Dem Dank der Gemeinde gab bei ihrer Beisetzifhg auf dem Begräbnisplatz der Gemeinde vor einem überakis großen