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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-12-18 · 12 (18.12.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
12 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Nummer 12 Seite 4 Gemeindeblatt der Deutsch»Israelitischen Gemeinde. und der Trauer eines jeden Mitgliedes dieses Gotteshauses und üch dadurch allseitig Freundschaft und Anhänglichkeit erworben. tUoit der Kraft Heines Willens habe er noch einmal am letzten Jaum Kippur seine Gemeinde zur Gottesnähe geführt, trotzdem der Tod ihn schon an sein Kommen gemahnt hatte. Ein dankbares und ehrendes Gedächtnis iei ihm Uber. Tann sprach Tberrabbiner Dr. Larlcb a ch. Er leitete «eine Rede ein mit dem an der Spitze dieser Zeilen stehenden Tatze aus dem Propheten-Abschnitt des vergangei cn Tabbalbs und schilderte, wie ein jedes Wort dieses Satzes auf den Heimgegangenen als Menschen und als Rabliner zutrar. Er schilderte seinen Entwicklungsgang und nan tte die Grotzen. von denen er seine bestimmenden Eindrücke einmaligen hatte: R. Anschel T.tern, R. TeligMifn Bär Bamberger: R. Esriel Hildesheimer. >. A. Mordechai Amram Hirsch, R. W 0 I r. F e i l ch e n s c I d und R, .T a l 0 m 0 n Pleszner. sowie den Eintlutz seines längeren Aufenthaltes auf der Fe'chiwain Pretzdurg. Weiter entwarf dann der Trauer redner ein B'Id von reinem Wirken in Tchrimm. wo der junge Rabbiner -ich die Achtung seiner talmudkundigen Gemeindemitglieder erwarb, seiner langjährigen Tätigkeit in der Gemeindet der der' grötzte Teil seiner Lebensarbeit galt, in Gnei-en. sowie endlich von'seinem Wirken in seiner Baternadt. in!die ihn der unglückliche Ausgang des Krieges an der Schwelle des Grci-enalters zurückführte. Neue Kräfte seien da in ihrri rege geworden, und als -Lehrer und Prediger und Nabbiner habe er Leitungen vollbracht, wie sie sonst nur von einem jungen Men'chen erwartet würden. Eingehend beschäftigte sich Tberrabbincr Tr. Earlebach mit der Wesensart-des Toten. Tr. Tacob>'on sei einer von denen gewesen, die ibr Ich aingegtben und nur die eine Aufgabe gekannt hätten, die Ebre der Tbora zu verbreiten und die Würde des Tudentums zu erhöben. Tazu gehörte auch die eigene Art seiner Rede^ und seiner Predigt, dienur aus dem Streben nach der Verbindung der ' Tchonbeit mif der Wahrheit der Lcbrc zu veritel en sei. To sei er das Vorbild eines deutschen Nabbiners gew irden, 'dessen Gedächtnis mit dazu beitragen möge, das deutsche Judentum über, die gegenwärtige Kriie binioeg zu brinc en. Nach Tberrabbiirer. Tr. Earlebach brachte Herr Hermann Gnmpertz als Rlitalied des Kuratoriums des Nabbinerle ninars in Berlin, dessen - Tchüler der Per-, blichene war. die Emmindunaen zum Ansdruck, die das Kuratorium un 1 das Lehrerkollegium des Rabbiner'em'nars bewegten. Er 1 ergli-ch den He'ma--aangenen mit zwei Weiten der Vorzeit, u öcrem 'Lehrer Hillel und Tamuel Hakoton. und wandte ans ibn den Nachruf an. den man die'en gehalten bähe. >eiie Bescheidenheit und le'ne Frömmigkeit rühmend. Tamit Ilatte die Trauerkeier ihr Ende erreicht. Tu der 5 aoelle des Begräbnisplatzes der Gemeinde in Tmsdorr 'vcachen dann noch ,die Herren Rabbiner Tr. Licbtig rür die Ebewra Kadvcha, den Verein Mekor Ebajim und d e Te'chiwa. deren gemeinschaftlicher Lehrer Tr '-Tarob'on vor. Tn warmen, allgemein in ihrer Herzlichkeit Widerba I weckenden Worten entbot Rabbiner Bombe r g e r-Wan! sbek demroten Amtsbruder den Abschieds grutz. mit dem ibn ein be-onders einigendes Band nerknüo'te.^die aemem-ame Erinnerung an d^n Grohvater Rablnner Tel'aman Bär Bamberger in Würzburg, der keines Tck-ükers Plo-ee Tacob'on immer besonders ehrend gedacht habe, T inn korachen noch Rabbiner Tr. M. Lewin als Kollege des eima-'gangenen während - der Vorkriegszeit und Rabbiner Tr. P osner- Kiel als kein vertrauter Tchüler weil^im Reden mutzt» wegen der ppi-gerö-rren .feit?lbnand aeinommen werden. Verwandte. Freunde. Tchüler und V."-ehr^r trugen die Bobre des Heimgegangenen zu der G-mb-iätte. «die un'ere «ücmeindck ihm zur letzten Ehrung 'bereitet batte Herr Rabbiner Tr. A. Posncr.-Kitl widmet, der Tchüler dem Lehrer, biet noch dem Heimgegangenen das nachstehende kurze Gedenkworl. Unter groiwr Anteilnahme wurde am 1^. v. M. Rabbiner Tr. Rl. Taccb-on auf dem Begräbnisplatze der Gemeinde in Hamburg zu Grabe getragen. Geboren in Hamburg am ,-nvi jirrjr, dem 24. Oktober 1S5:?, wurde Mwes Ttcob'on früh in das jüdische Leben und in die jüdische Wisirn-ckiasr eingeführt. Er koitnle zu seinen Lehrern noch Tberrabdintr A. T r e r n zählen. Nach Erlangung des Reifezeugnisses heiuchte er die Universität Würzburg und war zugleich Schüler des Würzburger Raw Seligmann Bär Bamberger, dem er zeitlebens Verehrung und Dankbarkeit bewahrte.' Er promovierte in Halle 1878 mit einem „Versuch einer Psychologie des Talmuds", der sehr interessante Abhandlungen überdie Tdeenagoziation im Talmud enthält. Zur Vervollkommnung seiner jüdischen Ausbildung bezog.er die Jeschiwa in P r efz b u r g und das Rabbinerjeminar in B e r l i n und erhielt von R. E s r i c l Hildesheimer >. A. die Rabbinatsautorisation. Er wirkte dann von 1882—J8!II in T ch r i m m, einer religiösen Gemeinde, die noch reich an Talmudgelehrten w.tr, und seitdem, nahezu drei Jahrzehnte, in Gncsen. Er war hier gleichzeitig Ortsschulinspektor und versah die Seelsorge in der Provinzial-Jrrcnanstalt Dzienkanka bei Gneicn. Es war seine reifste und reichste Zeit, in der er sich allen Bestrebungen, allen Vereinen, der Synagoge und der Schule mit allem Eifer widmete. Rasch gewann er sich die Herzen der lnemeindcmitglieder, mit denen er verbunden sein wollte. Er erteilte den Religionsunterricht im Gymnasium und in der Höheren Mädchenschule und gehörte dem Lehrkörper beider Anstalten an. Tie Kanzel wurde ihm zur Stätte der Mahnung und Belehrung, das Lehrzimmcr zum Platze der Erbauung und Vcrtiesung. lieber den Kreis der Gemeinde hinaus betätigte er sich eifrig im Polksbildungsoerein .zu Gncscn und gab an den bedeutenden Tagen des geschichtlichen Jahres seine Dichtungen und Aufsätze auch in die Tagesblätter. Es war ihm ein Bedürfnis. seine Verbundenheit mit der Geschichte Deutschlands zu bekunden. Darin gipselten seine.Reden bei der Vereidigung der Soldaten, icine Predigten bei den öffentlichen Gedenktagen, bei Regierungsjubiläcn^ Kriegsausbruch, Dankgottesdienst, ja auch bei den Wahlen zum Stadtocrordnctcnkollegium, bei denen er es verstand, eine Parallele zwischen den groszen l<>estalten der jüdischen Geschichte und den Männern, deren die Gegenwart bedarf, zu ziehen. Seine begeisterte Anteilnahme an Deutschlands Geschick im Weltkriege und sein Eifer für die deutsche Sache erlahmten auch nicht, als er seinen ältesten Sohn schwer verwundet, seinen zweiten Sohn gefallen wujzte. Von seiner Liebe zu seiner Geburtsstadt erfuhr die Gemeinde oft, nicht nur, wenn aus ihr .zurückkehrte und von ihr erzählte, nein auch in »einen Reden, z. B. in der Gedenkrede aus seinen Schwiegervater Oberrabbiner Marcus Hirsch und - seinen kricgsgcsallenen Blessen Moses Jacobson, den Sohn seines kurz vor ihm verstorbenen Bruders Salomon. Dr. Jacobion mit seinem deutschen Herzen und seiner deutschen Gesinnung konnte in Gneien nicht mehr bleiben, als es zu Polen geschlagen zvurdc und seine Gemeinde die Heimat verliejz. Er ging wieder nach Hamburg. Es war ein Mutz, das ihn dorthin trieb. Aber weil es Hamburg war. ertrug er die Verbannung leichter. Ein grotzes Feld der Betätigung bot sich ihm hier wieder. Er konnte zehn Jahre lang wieder die Kanzel besteigen und in der ihm eigenen Art — in Sprache und Pathos eigen wieder predigen/ Die Beiucher der Synagoge Hohelufrchauüce. die seine Predigten vornehmen konnten, harten auch das Glück, »eine gehaltvollen Borträge zu hören. Zudem war er Dozent der Jcfchiwa und dcr 'Maggid Chcwra Kadischa. llcberall fand er neue Freunde und Anhänger. Daneben war er kauzig in Berlin im Kreise der Mitglieder seiner > ehemaligen Gemeinde tätig, wenn freudige oder traurige Anlässe Vorlagen^ Seine Persönlichkeit wird unvergessen bleiben. Sein Wort wird bei den Lebenden nachklingcn, spätere Geschlechter werden es nachleien in keinen beiden Prcdigtiammlungen, jener poetiichen Predigt „Das jüdische Haus" sowie in seinen Beiträgen in jüdischen Zeitschriften. Seine zahlreichen Schüler werden ihn nicht vergessen. Dessen ist der Schreiber dieser Zeilen gewitz, dem er bis heute noch immer Vorbild ist. Weitere Würdigungen des Verewigten veröffentlichten das Hamburger Familienblatt. die Deutsche Israelitische Zeitung und der Israelit-Frankfurt a. Ri. Die Jeichiwa und der Verein Mekor Chajim veranstalteten am :itt. 0. M. eine Trauerfeier zu Ehren des Toten. Die Gedächtnisrede hielt Herr-Rabbiner Rabbin 0 v , der hierbei einen lauten Appell an Hamburgs Judenheit zur Erhaltung der schwer gefährdeten Jcfchiwa richtete. Gemeindesteuer»3ahltermin. Tie förmlich zur Reichseinkommenitcuer Veranlagten weisen wir darauf bin. das; am 10. M. ein Trittes ihrer Gemeindesteuer fällig in. und bitten sie, diese rechtzeitig an das zuständige Finanzamt zu zahlen. Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde.

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