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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-11-10 · 11 (10.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
11 (10.11.1930)
Date
1930-11-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nummer 11 Gemeindeblatt der Deutsch»Israelitischen Gemeinde. des jüdischen Handwerks. — Der Verein prüft;. Zt Beschwerden über angebliche Ilntcrbczahlung jijdischcr Gehilfe» und berät den Lehrlingsoerein bei der Veranstaltung feiner Vortragsabende, insbesondere zwecks Vcrmeidyng politischer oder religiöser Verhetzung. - i Eine neu/in Arbeit besindliche Ifiste der Vereinsmitglicder so l den jüdischen Grundstllcksoqrwaliern, der Gemeinde und den jüiischcn Anstalten zugeleitet werden.! Der» Handwerkervcrei i von 1028 hat sich wieder mit dem Verein von 11*00 verschmolzen. Damit ist. ein unerquicklicher Zwist erfreulicherweise endgültig beigeletzt. Während der Sommxrfcrien verweilten 70 Mitglieder des Vudapejter jüdischen Kulturoereins unter Leitung ihres Lehrers zwei Tage iir Hamburg. Sic wurden von Vertretern der hiesigen jüdischen Iugendbündc geführt und berichteten ihrerseits ausjührlich über die religiöse, wirtschaftliche und politische Lage der Juden in Ungar», j Der Verein zur fördärung ritueller Speisehäuser e. V., macht darauf aufmerksam, das; die Dampfer der Ballinklassc der Hapag von Mitte November d.!3. an nicht mehr aitz'Sonnabend, sondern am f r e i t a g i n 3c c w 31 o r k e i n t r e f s e n , so 'das; dann zllr religiöse Juden keinerlei Schwierigkeiten bei der Landung mehr entstehen. Passagieren der Kajii.sschisse,' die an einem Sonnabend in Hamburg abgcferligt werde», wird die Hapag es ermögliche», das; erforderliche Unterschriften später nachgeholr werden. Aus dem geistigen Leben. 3» der fortschrittlichen 3 uge » d hielt Herr Rabbiner Dr. Holzer zwei Vorträge über den Talmud, von denen der erste sich mit seiner Entstehung und seinem Wesen befajzle. während der zweite Äbeiid die Angriffe gegen den Talmud und ihre Widerlegung zum Gegenstand hatte, Die Teilnehmer, zum überwiegenden Icilcj Richljudcn, folgten den Darlegungen des Redners mit sichtlichem 3nteresse. Die^ Bedeutung dieser praktischen Ausklärungs- und Abwehrarbe», die der Vortragende hier leistete, wurde voit dem Vorsitzenden, der fortschrittlichen 3ugend, Herrn Erich! Lüth, in einleitenden Worten noch unterstrichen.! s Der Altonaer Geschichts- und Hciylatschutz-Vercin veranstaltete am 21*. 3uni eine führung aus,dem jüdischen friedhof an der Königstraszc, um seinen Ätitgliehern die Schönheit und die Kunstwerke dieser einzigartigen Anlage zu zeigen. Herr Rabbiner D u ck e j z hielt im Garten des friedhofes einen einleitende» Vortrag über das Thema „Des Kreis um Lessing und Mendelssohn", wobei er die jüdischen Persönlichkeiten, die zu Lessing und Mcndelsioyn in Beziehungen standen und aus diesem friedhofe ruhen, näber schilderte. - Bekanntlich ruht auf ihm auch frumct Gugenheim, 33fcndelssohns!Gattin;"ein Bild ihrer Grabstätte haben wir in der vorjähriges 3uninu»ii»er des Gemeindeblattes gebracht. Anläßlich der Hansetagung des Deutsche» Lstbuirdes, die vom 22. bis 23. August hser stattfand, ver>instaltele der .zBerein der Posener : in Hamburg und Umgegend zur Wahrung jüdiicher 3nteressen" eine freitagabendscier für die Ostmärker jüdischen Glaubens. Herr Raoblncr Dr. 3taliener betonte in einer Ansprache, dasz gerade die aus den eheiiials deutschen Gebiete» in der Ostmark vertriebenen Angehörigen unserer Glaubensgemcinschajt nicht nur die sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihrer engeren Leidcnsgenossen empfänden, sondern auch darüber hinaus der seelischen Oual ausgesetzt seien, von der sie, durch die allgemeinen 'Angrifse, denen 3uden und 3udcntum heute lekder in so hohem Äkaste in Deutschland ausgesetzt seien, gctrofsc» würden. Er sprach die Hosfnung aus, das; die Regierung mit dem Werke der Wiedergutmachung energisch fortfahren würde. Die feier war von de» hier anwesenden ehemaligen Poienern aus dem ganzen Reiche und den in Hamburg ansässigen früheren Bewohner» der Ostmark auszerordentlich zahlreich besucht und hinterlies; eine» tiefen Eindruck. Als Anwärter atij) Synagogcn-Verbande Alexander Altmann- Dic religiöse Krisis i die allgemeine Zeitr dem Glauben abzuw den Philosophen . den Posten eines zweiten Rabbiners des s hielt am 20. August Herr Rabbiner Dr. Berlin einen Vortrag über das Thema: lnd der jüdische Mensch. Er schilderte, wie chtung die Menschheit veranlasse, sich von gnden, wie aber auch die modernen sührenbestrcbt seien, modernen Objektivisings wieder! Seite 7 mit Religionsphilosophie Zu verknüpfen. Kultur stehe^ keineswegs im Gegensatz Zum Gottesglauben, erhalte vielmehr erst durch de» Hinzutritl der Ofsendar,ung ihren absoluten Sinn. So müsse auch der jüdische Mensch von heure eine geschlossene Einheit von Kultur und Glauben darstellen, |unb dir Erziehung dieses jüdischen Menschen sei heute unsere Hauptaufgabe. 'Rur jo sei es möglich, die Krise piiserer Zeit zu löseck'. — Die Aussührungen des Redners, die von inniger Vclrtrautheit mit den. modernen Problemen der Wisst njchaft und dejs jüdischen Schrifttums zeugten, anderseits erfüllt waren von echter Begeisterung' für das 3udentum und Hoffe ungsjreudigleit auf die jüdische Zukunft, machten tiefen Eindruck, der sich in reichem Beifall tundgab. Auf einen Band neuer synggogaler Kompositionen, den der Allgemeine deutsche Kantorcnverband herausgegcben hat') und in dem die Hamburger Herren Jacob. Katzen st ein und. Oberkanlor Leon K p r n i tz c r mit je drei Kompositionen öerlrelen sind, haben wir in 3fr. 0 des Gcmeindeblattes kurz hingewiejen. Der Musillehrer an der Talmud Tora-Realschule, Herr Dr. 3osep« 3acobsen, veröffentlicht jetzt im „3slaelilischen Familienblatt" eine Besprechung dieses Sammelbandes, in welcher es nach sehr kritischen Bemerkungen heijzt" „Es ist aber nicht mehr als recht und billig, quch die erfreulichen Erscheinungen in dieser Sammlung aufzulyeijen. Da möchte ich zunächst zwei Werte erwähnen, die vor allein wegen des Verzichts auf Orgelbegleitung für den Goltcsdignft der orthodoxen Synagogen durchaus zu enspschlen sind:! 1- -■ Der U w ' n u ch o j 0 m a r von 3a' o b K a tz e n sl e i n <23). Das ist. sitionen heigt es dann weiter: -K o r n i tz e r s gewaltiges zykl wenn auch nicht unbedingt neuartig, jo doch! klar und energisch' au^schreilend harmonisiert, ohne das; der fluji der Melodie durch retardierende Phrasen gehemmt wird." - - Rach einer Eharatrerisierung .zweie'c uns hiqr nicht inlerciisierender Kompo- .Turmhoch abör über diesem steht Ilijches Werk, das das Aus- und EZ » h e b e n d e r T h o r a a >x f c ft r a g c st musikalisch untermalt. (3fr. 2s.) Hier ist keinf 3fole zuviel, keine zu wenig, die melodische Linie ist überzeugend, voll innerer Erfindung, mit sicherem Grifs ist in jedem fall die der Stimmung des Textes entsprechende Tonart gewählt; Chor, Solostimme und Begleitung sind wohl gegeneinander abgewogen — das ganze ist aus einem Gust. Nicht minder bedeutungsvoll sind die beiden anderen Beitrüge pon K o r n i tz c r , die deutlich zeigen, das; sich seine Kunst nicht in einer einzigen Stilgattijcng erschöpft. Der Haschkiwenu lNr.!»>, eine kleine Probe aus einem Zyklus „Maariwgeiängc für Werktage", istin str.'ngem A-cappella-. Stile gebaut, in der Harmonse den Meistern der Kirchentonärlen abgelauscht und erzielt gerade dadurch sfine Wirkung, ohne Kompromijz mit der moderncit! Harmonik, schlicht und vornehm in den Mitteln, ausgeglichen in seiner dynanischcn und rhythmischen Struktur. Die ürjlldische chajonische Begabung Kornitzers tritt voll.,zutage in dem Emcfz (3fr. :tt). 3n jedem, der das gut vorgetraglen hört, werden Erinnerungen! wach, nicht der form,- >ondcrn der Stimmung; denn dieser' kleine Satz ist in einem Stil geschrieben, in den wir' die ganzen j 3omim nauroim erleben mochten." Auch das Organ des Allgemeine» deitjchcn Kantoren- Berbandes: Der jüdische Kantor, bringt in seiner 3fr. :t ooin 1. 3uni d. 3. eine- Besprechung unseres Werkes, für welche drei Männer verantwortlich zeichnen. 3n dieser shcijzt cs über die Beiträge Kotnitzers: „Demgegenüber steht das „Aus- und Einheben der Thora an festtägen", ein 'Weil, das auf starken Efselt zugejchnitten ist. das der Regie eiizes . festgottesdienstes" sich wohl anpajzt, ein echtes Zeitstück, das vpn einer Musiker- Persönlichkeit zeugt, die die Register unserer lfbestdigen Sachlichkeit wohl zu ziehen versteht. Dabei kommt Kornitzer nie ins Schwatzhafte, seine 3mitationcn sind tlug Schlüsse erfreulich korrekt und sauber, bar jede: überslüssigen Anhängerschaft, und. was 'die Hauptsache ist, die an den richtigen Stellen eingesetzt. Einem von uns hätte es allerdings gefallen, wenn etwas hätten verschärft werden können, auch Kornitzer hätte zu diesem Werke eine „festlich: Einleitung" hin zugeschrieben; denn, wie die I Situationen ist Häusern heute noch sind, finden bic Organisten die passende Stimmung zur Einleitung eints solchen Werkes. 3edenfalls steht hier ein Stück., an dem keine ausgezirkelt, die Spannungen sind oder dem anderen diese Spannungen wäre zu wünschen, unseren Gottesnicht immer gleich Groszgemeinde bei ') Schire Simroh. U>:!0. am Main. 140 Seiten. Kaufmann Verlag, frankfurt Beschäftigt jüdische Handwerker und Gewerbetreibende! i

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