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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-11-10 · 11 (10.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
11 (10.11.1930)
Date
1930-11-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nummer ll Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. der Verbundenheit mit Gott, zuströmt endlich aus dem Bewuhtsein treu erfüllter Pflicht. Wir wissen, wir tun nur unsere Pflicht, wenn wir heute das Werk beginnen, und vertrauen im übriiicn auf jenen Einen, auf den die Väter uns vertrauen lehiten. den i naicden JiSiitcr Israels. 2Bir wollen den Grundstein leac» für ein neues Gottcs Haus. Selten wohl hat eine. religiöse Handlung so viel symbolische Bcdcutuna besessen, wie. die »»srigc.. ^ndcm wir das Fundament in die Erde senken — diesen Steif,. der das Heiligste des Gotteshauses tragen soll, seit verbunden mit dem Boden der Heimat, ans der er itanimt - - in diese» Augeirblicken rufen wir ui seren um neue staatliche und litt r t deutschen 'Brüdwm Uf: cs gibt liche Fundamente ringende keine wahre Erneuerung o Bode» der Heimat, der d Wir deutschen Fuder besonders stark in einer am deutschen Heimatbodcn ine seelische Verwurzeln ig in denk r Mensch entstammt. empfinden diese 'Verwurzelung seit, i» der man uns' das^ 'Ufdih streitig machen, in bei man lins seelisch wurzellos machen will. Fn dieser Stunde, da wir unserer unauflöslichen Verbundenheit mit der deutsch cn Heimat gedenken, tritt uns unwillkürlich das Bild eines der grössten Söhne Hamburgs, eines der grössten Söhne unseres scheu Tempel Verbandes vor die Seele, das Bild 1 nbricl Nickers ^>"i. sein 'Atidenkcn iil zw» Segen Fsracliti 'Wie er bei der Grundsteinlegung unseres Tempels 184 l zugegen war, so soll sein Geiit uns auch seht segnend umschweben. Er war cs, der dem Begriff des deutschen Fuder er» den rechten Fnhalt gab, er war cs. der uns lehrte, das; wir unserer deutschen Heimat nur dann wahrhaft :mi sein können, wenn wir unserem Glauben unverbrüchlich die Treue halten. Dasselbe lehrt dieser Stein. Eingebettet in bm 'Boden der Heimat, ist tr bestimmt, das zu tragen, was die Seele des ganzen Gotteshauses bilden wird, das Allerheiligstc mit de» Thorarollen, dem Fudcn cntgcgcnrufend. das; alle Arbeit für die Heimat, für die Familie, für den Beruf solange in den Niederungen des Frdischen bleibt, solange sie nicht aus der 'Verbundenheit mit einer höheren Well, aus der Verbundenheit mit unserer heiligen Tradition, die wahre Kraft .empfängt. Dieser Stein schlägt aber nicht nur die Brücke' zur Vergangenheit, sondern auch zur Zukunft. Er wird seinen Abschlusj finden durch eine Granitvlatte, auf der hie Worte uns cntgcgcnleuchlcn: ’nb niryV ri*: Zeit iit s, für Gott zu wirke».Diese Granitvlatte wird die Verbindung des Allerheiligiten mit jenen Räumen her stelle», in denen die Sckmizimmcr sich besindcn sollen, in denen frohe Kindcraugcn hoffentlich leuchten werden. Eine eindringliche Mahnung an jeden, der im Tempel des Fudcn tums wirkt, das; alle Neligionverdorrt und tpl iit. die nicht in lebendiger 'Verbindung mit der Zukunft bleibt..die die Seele der Fugend nicht zu erfassen., die Herze» aller jugendlichen Menschen nicht höher schlagen zu machen versteht. Wieder hören wir dcfn Ruf der Väter, wieder vernehmen wir den Appell derer, die vor mehr als hundert Fahren zur Begründung des Fsraclitischc» Tcinpel Verbandes Md,' zu sammenschlossen, die de» Kampf dafür aufnalime». das; das Fudcntum — damals vielen nur eine Religion der Vergangen heit, vielen nur eine Neligion der Väter - wieder eine Neligion der Zukunft würde, eine Neligion der Kinder. 'Wiederum, sage id), hören mir den Nut aus früheren Tagen: Seid >auf d?r Wacht, ihr, unsere Erben, ihr. Hüter unseres Geistes, das;! dieses Beste, dieser jugendlidie Gebt, den wir in den Secilc»! entzündet haben,' cud,, unseren Enkeln, nicht verloren gehe. . Wann fände dieser Ruf. der 'Väter wohl eine» besseren 'Widerhall gls jetzt, da wir auf diesem weite», groben Platze stehen und sid, über uns wölbt der weite, grobe Himmel. 'Wie dieser Himmel die Stätte ist des einen Gottes, , bc4 Gottes der ganzen 'Welt, der seinen Segen spendet allen Ländern, allen Völkern, allen Zonen, so soll auch die Delire, die von diesem Platze nusgeht, grob und hell und weit sein, soll sie nid,t dem B»d,itaben dienen, sondern dem Geiit. > Wir habe» gestern im Gotteshaule das erste 'Buch der 'Bibel zu lesen begonnen. Von dem E'ichte ist hie Rebe, das strahlend aufleuchtet in dunkler 'Rad,t. von. dem Gottesgeiil ist die Rede, der geheimnisvoll waltet in der 'Welt. Der Absdinitt schliefst: Und es ward 'Abend, i;nd cs ward Morgen — ein Tag. Unsere Hehrer fügen gedankenvoll hinzu: ein Tag DV Ntdas in der Versöhnungstag — der erste Tag. der einen Abschnitt bildet in der Ge ') Psalm 119.126. I schichte der Welt. ei» Tag des Frieöens in es. 'Veriöhnimgs tag. 'Audi heute öl ei» Abschnitt FsraclilUdien Tempel 'Verbandes. Neues critehen soll, eine kleine 'Vielt. Möge er ein Faum Kippur sein, ein Versölmungslag, Seite 8 in der Geidiidilc unseres Ter erste Tag. da ein möge der Geiit der Versöhnung allezeit von dieser Stätte lusgehen, möge ei! heilend hinausdringen iit unier Fudcntum. in unsere Deutsch-Fsraeli tiidie Gemeinde, möge er hinausdringcn in unsere arme zerrissene Welt. in unier armes, zerrissenes 'Vaterland. Möge der 'Allgütige seine Hand idiützend halten über diesen 'Ban. über.allen, die an diesem Werke tätig sind, möge er das Werk unserer Hände gelingen lassen/ ja. er laiie gelingen unserer Hände 28eil ') Amen. ' Ansprache des Herrn Heinri!ch Levy: Meine Damen und Herren! Fit, 'Namen des Vorstandes des Fsraelitiidien Tempclverbandes zu begriiszen und Fhnen zu danken, ileinleaung unseres Tempels cr>d,i< 28ir haben' lange mit uns g habe id, die Ehre. Sie dab Tie zu der Grund nen sind. lämpit. ob wir cs ver antworten können, im gegenwärtigen 'Augenblick - mit dem 'Neubau zu beginnen. 28ir haben uns hu dem Enlichlub durdigerungen. weil wir glauben^ durd, ein längeres ,j-gern pilidstwidrig zu handeln. Es - e.rulicint uns ein Ilnreckit gegen alle diejenigen, denen dio religiös tortidirittiidie Entwicklung unserer Gemeinde anvertraul isti ui s.mil einem Goties/auie zu begnügen, das idion. durd, ieiile Tage den 2lniorder»ngcn unserer Zeit nickil mehr enlwrickn 'Wir dienen mit dem heule begonnenen Werl dem Bäterglauben. wir die,»» der wickstigen 'Aufgabe der religiösen Inierweisung unieier Fugend und somit dem Gesamlujdenlum. 28ir dienet aber auck>. in gegenwärtiger Zeit der 'Arbeitslosigkeit, der demschen 28irtsd,a,'t und, unserer 2'aleritadt, indem wir iur unseren Teil dazu beitrage», den 'Notstand zu lindern, arbeitswilligen Menschen durd, diesen. Bau Brot zu geben. . Keine Wal,re 'Arbeit für das Heiligtum ohne Mut. keine wahre 'Arbeit atme D vier, ä» Zeit/ an Geld. So haben es die Väter »ns. gejehrtl als .sic vor mehr als hundert Fahren unmittelbar »ad, den Freiheitskriegen'' jn einem durd, die napohonische 'Bedriidung verarmten Deutichland ans 28ert gingen zum 'Bau eines Gotteshauses. - So wollen and, wir es halten., ieizl n dieser schweren Zeit. Fn El,rfurd,t treten wir stni >ieicn Platz, der bestimmt iit, das 'Allerlieiliaile unserer 'Neligion auizunehmen. in Ehrfurcht aber auck, in dem Gedaiäen. dab wir mit dem heutigen Tage aufs neue' -das 'Ba id knüpfen mst denjenigen, die vor 112 Fahren das, geistige Fundament zu dem Fsrae litiidzen Tempelverbande' gelegt haben. Von beiher viebe zum Fndcntum getragen. sind iie damals ans 28erk gegangen. M o i c s '.Mi c »de > s i o I, n war es gewesen, dessen $d,riften jn den Gründern des Fsraelitiidien .Tempclverbandes den 28ille» entzündet batten, unsere iüdn'die Gemeinidiast innerlich frei zu „uidtcit und insbesonde, e durch eine 'Neugestaltung des Gottesdienstes .dein verändert,n Denken und Empimden der Fudcn der dantäligen Zeit fNe.hnung zu tragen. Mil der Erfüllung dieser 2l> ,'gabe hat der Tempo».' im beiten Sinne posiliöe 'Auibauarbe t iur das Gesamljudciilum geleistet. Die von unserem Tempel mister religiösen Käiitpien gesdiastciie 'Neugestaltung des jüdifdren Gottesdienstes ist von der weilaiisüberwiegenden '.Miehrheit der .jüdischen Gemeinden der ganzen 28ell übernommen und organisch weiterenlwi'delt worden. Gar viele, die unbeiriedigt in ihrem religiösen Empfinden gleick,gültig beiseite >lanben. sind durd, den vom Hambur,^ Tentpel ausgegangenen tsteist dem 2>äter glauben erhallen,geblieben. - , Dieser Dienil ani >ü e s a m t j u d e n l u in. am K'lal Fis roel. toll and, in Zukunil unietcr Tätigkeit die Nickilung gebe». 28ir halten ts mit dem Geiste des Fudenlums fiir unvereinbari einen andere» Mensche» um seiner - religiösen Gesinnung willen minder zu lrwerien. 28ir ehren jede anders geartete lleberzeugung i inerl,alb unserer religiösen Gemcinwii,lsd>aft. Die von uns. r ertrelcne religiöse Ansdmu ung iit ein notwendiger, unentbei rlickicr und wertvoller Teil des religiösen Denlens des Gesa litjudentums. - 28ir fordern deshalb für unsere ileberzeugung innerhalb misercr Einlieils gemeinde elirfürckitige 28utdjgüng und volle Gleichbercchligung.' ^- . , Fn' unserem 2terba»de istlein 'Raum titr den Kamps politiidrer 'Ansdiauüngen. Er uinsabt die -religiös Fortschritt lickien in ihrer Gesamtheit, sie „lögen in ihrer judiid, politifd,en Einilellüng nock, so veridneden ' sein. Das liberale Fudentum ehrt und pflegt die ge,d>id,llid,f 2tcrbundcnheil dcs^ Ge- ’) iPsalm 90. 17. >

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