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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-11-10 · 11 (10.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
11 (10.11.1930)
Date
1930-11-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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7 Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch Israelittschen Gemeinde. Nummer 11 sicht, die Pentateuchübersetzung Brgutpaaren nach der religiösen Trauung zu überreichen. Die Franz Rosenzweig-Gedächtnisstiftung wirbt angesichts der schweren wirtschaftlichen Lage zurzeit nicht um Beiträge. Die für ihre Wirksamkeit erforderlichen Mittel wird sie sich je nach Bedarf im engen Kreise zu beschaffen suchen. Der Arbeitsausschuß wird aber die anderweitige Zuwendung von Beiträgen dankbar begrüßen, als ein Zeichen der Anteilnahme an.einem Werke, welches bestimmt ist, die Verehrung für einen Mann, der in die Geschichte eingegangen ist, Zu verbinden mit dem schaffen an der Zukunft der deutschen Judenhcit. Grundsteinlegung zum Neubau des Israelitischen Tempels. Air einem der schönen Herbsttage, deren wir uns in dieiem ^abre freuen durften, beging der Israelitische TeMvcl- Verband am 19. v. Mts. mit einer schlichten Feiers die Grundsteinlegung seines neuen. Gotteshauses, für das er vor kurzem den Baugrund von dem Hamburger Staate erworben bat. Der Erna der - Zeit war wohl der Anlafz, daß der Borsiand des Tempel-Verbandes von einer öffentlichen Feier absah und nur eine kleine 'Anzahl Einladungen zur Teilnahnic an dem feierlichen Akte ergehen ließ. Einige Imitderl Personen mögen cs aber doch gewesen sein, die 'sich aus dem mit Blumen und Girlanden seitlich geichniücklen Blähe zniammenfandcn. unter ihnen, außer den Mitgliedern des Vorstandes und des Verwaltungs-Ausschusses des Tenjpel 'Verbandes. Berlreter von Tlaalsdehördcn, Mitglieder z des Vorstandes und des Repräsentanten Kollegiums der!Eemeinde'. die Architekten 'A scher und Friedmann, Vertreter der bei dem Bau beschäftigten Handwerker und Bauleute: sowie die Witwe des Heimgegangenen Oberräbbiners des Tempel-Verbandes. Frau Tr. Leimdörfer. Hafmoniumiviel und Eborgeiang leiteten die Feier ein. Tann sprach Rablnner Tr. Italiener. Er erinnerte an die Grundsteinlegung der beiden erstem Gotteshäuser des Temvcl Verbandes am 18' .Oktober 1818 und' 18. Oktober 1841, sprach von der Verbundenheit der Geschlechter von ehedem und heute lind von der Verbundenheit der deutschen Juden mit ihrem Heimatlandc. welcher Gab riel Rjener, einer der größten Söhne Hamburgs und des Tempel-Verbandes. beredtesten 'Ausdruck verliehen habe. Er sprach dann weiter von der Pflicht, das. Erbe der Väter den kommenden Generationen zu übermitteln und schloß mit dem innigen Wunsch. daß von dieser Feierstunde und dieser Stätte der «sieist brüderlicher Versöhnung ausgehen -möge. Tann ergriff das Wort für den Vorstand des Israelitischen Tcmpel- Vekbandes desie» Vorsitzender. Herr 'Heinrich Levy. Er begründete die Inangriffnahme des Baues trotz der 'Not der Zeit mir gebieterischen Notwendigkeiten, schilderte den. Geist, der den Tempel Verband erfüllt und mit denen Pflege er Tienst und Arbeit am. Gesamtfudentum geleistet habe, und 'orderte, daher für ihn. ehrfürchtige Würdigung und volle Gleichberechtigung. Hierauf verlasen Herr Rabbiner Tr. Italiener die. hebräische. Herr R. A. Tr. ll r i a s die deutsche Urkunde über die Grundsteinlegung, worauf beide Urkunden mit den bei solchen 'Anlässen üblichen Beigaben, die weiter unten aufgesübrt werden, in einer Kastelle ver-, schlossen im Grundstein niedergelegl wurden. Tie hierbei erforderliche» Arbeiten leisteten als Vertreter des jüdischen Handwerkerstandes Klcmvnermcistcr Lübeck und Bildhauer Eduard Berlin. Tie aus der Werkstatt des letzteren hervorgegangcne Marmorplaite. welche den Grundstein oben alstchliehi, trägt neben dem bürgerlichen und dem jüdischen Tatum der Feier die ersten drei Worte des 126. Verses des 119. Pmlmes. die Rabbiner Tr. Italiener bereits in seiner 'Ansprache zitierte und mit denen er. späterhin seine Hammerschläge' begleitete. Diese Platte schließt den Grundstein dergestalt ab, daß die Inschrift 19. Ctjobcr 1931. p"zb x'sm n:,i r> 'nb mn*1? n* nir iinnrer sichtbar bleiben wird. 'Nachdem die Handwerker ihre Ausizabe beendet hatten, folgten die üblichen Hammerschlägc. Herr Rabbiner Tr. Italiener Wiederholte, wi^ eben erivähnt. die drei Pialmworte 'n? n* „Jetzt ist es Zeit, zu wirten für den Ewigen.". Ihm folgte für den Vorstand des Israelitischen. Tempel-Verbandes, begleitet vom ältesten Mitgliede des Verbandes, dem im 92. Lebensjahre stehenden Herrn E r n st A u g u st '.>N a n » h c i m und den jugendlichen Verbandsangehörigen 'Adolf Amb'or, Jost a n n E-I z a s und Herbert Tier „. welche am Tage vorl',er im Tempel ihre Barmizwob gefeiert hallen. Herr H. L e v n. Er begleitete. seine Hammerschläge .mit den Worten aus den ^.vrücheit der Väter «5\apitcl 1. 18) Lt°?tp Z'N. ..Wabrh^t. Recht. Frieden." Tann -folgten: Herr Alfred Leon. Vorsitzender des Vorstandes der Gemeinde: .TanaVi irr? -Vian naia? -xnnn nas1? „Tem Schöpfer zur Ehre, dem Judentum zum Segen. der Menschheit zum endlichen Heil." Herr Alfred Li sie r, Vorsitzender des Repräsentanten-Kyllegiums der Gemeinde: ^xnt?? vvtp „Höre Israel, . der Ewige unser Gott ist einzig." — Staatsrat Tr. Lippmann: Ich spreche auch im Sinne meines Heimgegangenen Vaters'), wenn ich an dieser Stelle bekenne: ..Gegen Verleumdung und Haß hilft uns deutschen Juden »ür. daß wir uns selbst stets 'als Deutsche fühlen und durch .unser Handeln und Leben beweisen, das; wir ein lebenswichtiger, aber auch ein edler Teil des deutschen Volkes sind." — Ein Vertreter der staatlichen B a u v e rw a l tu ng: „Dem Handwerk zum Segen, der Gemeinde zgr Erbauung, der Stadt zur Zierde." — Oderkantor Kornitzer: „Zur Ehre des deutschen Judentums, zur Ehre seiner Tradition, zur Ehre seiner Kunst." — Rechtsanwalt Tr. llrias: „Tein Judentum, dem Vaterland, der Gerechtigkeit." — Tipi.-Ing. Asche r: „Unser Werl gedeihe durch die drei Tugenden: Kraft, Stolz und Geduld." — Tipl.-Ing. Friedmann: „Bauen, Schauen, Trauen. Bauen, auf heimatlicher Erde: schauen, mutig in die Zukunft: trauen, unverbrüchlich dem Gott der Väter." Ter Vortrag des Psalms 121 durch den unter Leitung 'Oberkantor K o r n i tz e r s stehenden Tcmpelchor schloß die erhebende Feier. Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Italiener: m.-i jar1? ljsram taa’?? lrrins? nVisn irnVx ’n nnx jna Gelobt seist Tu. Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns am Leben erhalten hat, der uns hat bestehen lassen und Imt erreichen lassen diesen Tag. Amen. Geehrte Anwesende! Am 18. Oktober 1818 empfing das erste Gotteshaus des Israelitischen Tempel-Verbandes in der Brunnenstraße seine Weihe, dessen Errichtung einen Markstein bedeutet in der Geschichte des Judentums der ganzen Welt. Am 18. Oktober 1841 ward der Grundstein gelegt für unseren Tempel in der Poolstraße, in dem mir jetzt noch beten. Heute, fast an dem gleichen Monalstage, denr 19. Oktober 1930, das ist am 27. Tischri 5691 nach der jüdischen Zeitrechnung, schicken wir uns an. den Grundsteinju legen zu dem dritten Gblleshauie des Israelitischen ^.cmpel-Verbandes hier in der Oberstraße. Ein Herbsttag damals, ein Herbsttag heute. 'Notzeiten damals, Notzeiten heute. 1818 —r drei Jahre nach den Freiheitskriegen, die unserem Teutschlanb trotz siegreichen 'Ausgangs schwere 'Wunden schlugen. Heute — zwölf Jahre nach dem Weltkriege, der — eine der größten Katastrophen der Weltgeschichte — die Fundamente unserer gesamten Kultur ins Wanken gebracht hat. . In einer solchen Zeit gehen mir, wie die Väter vertrauend. ans Werk zum Bau eines neuen Gotteshauses. Wie die Väter vertrauend! Man müßte uns leichtfertig schelten,, wenn mir uns nicht auf das Beispiel der Väter berufen könnten, denen das Leben Recht gegeben hat. 2m Talmud wird belichtet, daß die Tcmpelwachen im alten. Heiligtum zu Jerusalem einander bei der Ablösung einen Gruß zügerufen hätten, der den Segen, den die einen im Kotleshause empfunden batten, auf die anderen her, abflehte.Wir befinden uns^ jetzt gleichsam' auch' in dem 'Augenblick der Ablösung, linier ehrwürdiges Heiligtum in der Poolstraße wird lebendig vor unserem Auge. Wir sehen sie. die Tempelwachcn. die Väter und Mütter, die dort 'treulich Wacht gehalten haben für die Erhaltung unseres Judentums, und wir hören den Gruß, den sie uns entbieten in dieser Feierstunde: möge der. Segen Gottes auf euch ruhen, wie er auf uns geruht hat, jener Segen, der dem Menschen zuitrömt aus der Verbundenheit des einen mit dem anderen, der dem Menschen zuströmt' aus des früheren Vorsitzenden des Tempelverbandes Joseph Lippmann. , ’) -2' man

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