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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-10-17 · 10 (17.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
10 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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-peite 4 Gemeindeblatt de: Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer tO Beteiligung jämilidicr ftinbcr;ur Besprechung.- Bi sonder» iiiierciianl ift es nun für Tic zu wissen, welche Feste oder Gedenktage bcvcrstchen. sund >o werden sic mir und durch das «jüdische Kalenderjahr mit! dem jüdischen Pflichtcnkreis vertraut., 4iatürlich finden olle 4^esprcchungcn liier neben den immer „e:weiter-!len" BibelleNen des:!. Teiles der Fibel statt, der ium crsin1'" i ') Pentateuch l die -> Bücher Moiis. Bcrständnis führt und dabei durch zahlreiches Fragenmaterial das freie Bewegen in der hebräischen Sprache ermöglicht. Soviel Uber de» . hebräischen Unterricht in der Grundschule. Auf dem hier beschriebenen Wege wird cs gelingen, die Jugend niit jüdisch-seelische» Werten zu erfüllen und hinzuTühren .zu Len Quelle» der jüdischen Lehre und des jüdischen Geictzcs! *■——-i■«——i——mm Lilli Traumatin: Beziehungen der Mädchenschule der Gemeinde zux Volksschule Alsenstratze. U^i die Kinder der allgemeinen Forderung-entsprechend zum bewußten Bqobachipn der 4ialur und zur Liebe zu ihr zu erziehe», richtete ith zu Beginn des Schuljahres IN27 für die Schülerinnen Les: l. Schuljahres ein Aquarium ein. Aus der reichhaltigen Fijchjammlung der Grundschulklasse Aljenstrasze, deren Besichriguikg mir durch eine Kollegin ermöglicht wurde, 'erhielt ich eine Anzahl Fische, die tn unserer Klane gemeinsam gepflegt wurden, : Ta aber die Fische nicht recht gediehen, weil unser Wissen um: die richtige Pflege zu gering war, so wandte ich mich erneut j», die Schule in'der Alsenstraste. Taraushin w.uroe meine ftliiK.c:. -chuljahrj zur Besichtigung der Fische eingeladen. - i So lernten die Kinder nch in der Alsenitrasze leniie», es lam zu Fachgesprächen: über das Thema „Fiichpflcgc", und von da aus allmählich zu rgincn. unbefangenen Kindergeiprüchen. Eine Bekanntschaft der: Kinder untereinander auf Grund mündlicher und schriftlicher Bcrständigung schien mir cripriejzlich. Deshalb schlug ich bei diaer ersten Zusammenkunst eine zweite in der Earolincnstraszc > vor, überhaupt regelmäszige gegenseitige Klaisenbesuchc. dix allerdings aus lechniichcn Gründen nur alle paar Monate stchttfindcn sollt«». Bon der Anregung eines regelmästigen Briefwechsels während der Zwischenzeit Goaren sämtliche Kinder begeistert. Aus einer Liitc suchten sich: die Kinder -meiner Klasse nach Möglichkeit ihre 'Ramensschwestern heraus und machten sich brieflich mit ihnen bekannt. Diese ersten schriitliche» Mitteilungen waren infolge der schrciblechniichem Schwierigkeiten eines zweiten Schuljahres recht wortkarg gefastl: „Ich freue mich sehr, Dich kennenzuleriien: dann können'wir -uns immer erzählen,, was wir den ganzen Tag treiben!". oder „Tu möchtest wohl gerne wissen, wid ich hciszc? drum will ich cs Tir sagen: Ich hciszc I. 41. Hoffentlich werden wir gute Freundinnen, obgleich wir uns noch nicht kennen!" „Ich Mite gern Teinen (Geburtstag gcwujzk! Ich: habe morgen in eitler Woche «»eburtslag und ircue mich schon sehr darauf." „Ich ireue mich sehr, das; ich Tich zur Freuizdin kriege!" Tas war der ganze Inhalt dieser ersten Briefe, diel mit Stolz zugeklebl, ja versiegelt und dann in die Alicnstrasze bkiürderl wurden. Tamil war der Briefwechsel anqebahnt. Tie Antworten folgte» umgehend: sic erhielten Berichte über einest Ausflug, über Familienangehörige. Freundinnen usw. Alles Briefe musztrn in der Klasse laut vorgelcsen werden, weil si>i allgemeines Interesse erregten. -Auf diese Weise lernten dir Kinder gleichzeitig fremde Schriften kennen und entziffern. > Tie Kinder mriiicr Klasse hatten Gustrecht in der Alsenstraste genossen: cs warinichl schwer, »eitAKinich in ihnen zu erwecken: „Auch wir wellep unsere „Frsundistnen" ganlich bei uns auincbmen!" Eine! Einladung erfolgte. - Wzr musitcn unseren «lösten auch etwas bieten. Wir luden sie zu einer „Riärchenstunde" ein. lTas- Wort „Kino", zog noch mehr!! Tas „Lakcrnenlicd" vion Seidl wurde aüfgcführt. Tann erzählten - die Kinder ihren «'»ästen im verdunkelten Raum ielbstoerjastle Märchen von Bisdcrn, die wir mit Hilfe des Epidiaskops vergröszeri an der Wand zeigten. l„Kino"'> Unsere Fstäste kamen aber auch nicht mit leeren Händen: jedes Kind überreichte! seiner neuen, fast noch unbekannten Freundin stolz ein« handgebasteltes Körbchen. Tamil war ein weiterer Anitas; gegeben:! Wie können wir unsere Freundinnen mit ielbstverfertigken Geschenken erfreuen, die nach Möglichkeit nichts kosten'.' Lederreitc wurden gesammelt, zu allerlei Formen geschnitten, mit bunten Knöpfen zusainmengchalten »nd nach einiger ,Jcit waren auch wir io weit, uns mit schönen und dazu noch zwcckmäszigeji Geschenken hervorzuwagen. Sic wurden dem nächsten Briesschqb bcigefügt. . Frcrgen jeder-Art tauchten in diesen Briefen auf: Wie kann man am leichtesten aus Eichclin Männer machen'?.' Ri u st man die Wolle über- Schnur wickeln, um Körbchen her zustellen'? Warum sehen Cure Aquarien io klar aus: bei uns find die Scheiben, immer ijrübc'? habt Ihr auch Bcrtraucnsichülrrinnen'? lBeschreibung, jvie wir gewählt haben!! Wollen wir in; Winter mal alle zusamnien einen Schlitten-Ausflug machen'? Tarf ich Tich mal besuchen? Willst Tu zu mir kommen'? Bor lauter Begeisterung und Mitteilungsbedürfniswollte meine Klasse die kaum empfangenen und entzifferten. Briefe umgehend an Qrt und Stelle beantworten. Ta ich künftige Schwierigkeiten in dieser Beziehung ahnte, legte ich monatlich einen „Schrcibtag" fest: die Kinder sollten nicht nur die Freude b'eim Bricfempfang gemeinsam erleben, auch in die kleinen Sorgen und Röte des Briefeschreibens sollten sic sich teilen. Die Korrespondenz blühte! Rur einige Proben dessen, was als mittcilungswcrt galt und noch gilt: „Ich will Tir mai sagen, wo wir (Äliensträstc! Sonnabend waren. Wir waren in der Kunst- Halle, wir haben sehr wertvolle Bilder von Runge gesehen. Ich weis; ja nicht, ob Tu den Kunstmaler Runge kennst: aber es war jchr schade, dag Ihr nicht mitgewcicn seid!" - „Tenk Tir mal, einige Kinder sind zu 3E sAlscnstrafze! gegangen und haben mit ihr gespielt. .Ta hat I. eine Sicherheitsnadel runtergeschluckt. Liebe 4!, schlucke Tu blos; nicht mal etwas runter! Es ist io schlimm, ich Hab auch mal eine Riarl runterqcschluckt." „Wir haben die Teutschland besichtigt. Wenn Tu in der Teutschland bist. Lenkst Tu, Tu bist in einem Hcrrschaftshaus. Tu muszt staunen, was für wunderbare Räume darinnen sind. Wir habe» aber anch die abgebrannte Europa gesehen. Tu möchtest auch wohl gerne mal die abgebrannte Europa sehen'?" In welcher Weise die allgemeine Liebe zu Tieren durch die Fischpflege inden Kinder» der Alsenstrastcn-SchUlc geweckt wurde und sie zu sprachlicher Formulierung trieb, zeigt folgender Bericht: „Wir hatteniii der Schule einen kleine» niedlichen Igel. Fräulein I. haue ib» gekauft. Als wir letztens morgens 'zur Schule kainen, war er leider tot. Wir hatten Ihn alle jo gern und durften ihn auch füttern. Er war zu droj»ig, wenn er nach Len Regenwürmern schnappte und sie mit seine» Pfötchen dann iesthiell. Morgens lag er meistens zuickmniengekugelt unter dem Schrank oder im Handarbeitskorb." T>c Mitteilung vom Tod des Igels versetzte sämtliche Gemüter in hellste Aufregung. Ta beim Empfang dieser Trauerbotschaft ein Kind meiner Klasse.fehlte, fragte ein anderes umgehend brieflich an: „Wcistt Tu schon, das; der Igel in der 4llsenstras;e gestorben ist'? -Ich will Tir erzählen, wie es kam: Ter Hausdiener rief die Scheuerfrau, sie zollte einen Wäschekorb mit anfasscn. Ta läizt ne die Tür offen, und der Igel läuft raus, fällt die Treppe herunter und bricht sich das «»enick." Auch Fragen ganz anderer Richtung werden in den Briefe» erörtert: „Tu wolltest doch gerne mal wissen, wie wir unser ikichlersest gefeiert haben. Es war alles sehr feierlich, und ich freute mich, als mein Pater die Lichter anzündcte. 4lm ersten Tag wird eins angezündet, an jedem folgenden eins mehr, bis an, achten Tag alle Lichter brennen. Tann sieht es am schönste» aus! Meine Eltern schenkten mir ein paar Turnschuhe und einen Kittel. Ist das'nicht sein'?" 4luf beide» Teile» bieten diese Briese Gelegenheit zu Klasscngeiprächen, sogar zu recht wesentlichen. Sie führten die christlichen Kinder beispielsweise zu beit Fragen: „Welches Jahr zählt Ihr jetzt eigentlich'? Welches Fest feiert Ihr statt <!> unseres Weihnachtsfestcs'?" Tie jüdischen Kinder tragen ihre Ueberzeugung von der häufig hochentwickelten, z. T. angeborenen Geschicklichkckit her christlichen Kinder in ihre Familien, die aus diese Weise nicht immer ihre Kinder im strahlendsten Lichte sehen. Tie christlichen Eltern wieder lesen mit Bewunderung die Briefe der jüdischen Kinder, die trotz ihrer Jahre z. T. reifer schreiben als'die christlichen neunjährigen. Dieser Weg scheint mir geeignet, gegenseitiges Verständnis zu fürder», gegenseitige Anerkennung zu erziele» und den Geiichtskrcis der Kinder zu etweitern. Ter letzte Zuiammcnkunftsort war der Schulhos Alsenstrasze, der an einem sonnigen -eplcmber-Rachmitlag als Sportplatz diente. Ein regelrechtes Sportfest mir Wettspielen innerhalb der einzelnen Klassen und der beiden Klassen gegeneinander fand statt. Tie körperliche Gewandtheit der um ein Jahr älteren Freundinnen war für „unsere" Kinder vorbildlich und spornt sie auch jetzt hinterher zu slciszigen turnerischen Hebungen an mit dem .siel, den „Gegnern" nächstes Rial besser standhalten zu tönncil. Zum Verlauf des Sportfestes ist noch zu bemerken, daiz die Sieger Preise erhielten, und zwar sclbslverfertigte kleine Gegenstände. Zum Schlüsse fühlten sich alle als Sieger --

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