Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 9 (10.9.1930)
- Date
- 1930-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 9 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. ft. Ausgaben I. Erundstückswcsen . . II. Verjwaltung .... III. Schulu. Erziehungswes IV. Kulturelle Aufgaben V. Kultus. VI. Wohlfahrtswesen > . . VII. Begräbniswesen l . . VIII. Allgemeine Aufgaben IX. Dispositionsfonds . . X. Vorjährige Posten XI. llnporhergeseheiies^ XII. Finanzwesen . . . . 1930 31 fUr 9 Monate 1929.30 tüt 12 Mona» XU 39 000,— 62 325,— 292 665,— 48 487,50 56025,— 269 212,50 113 404,50 8 587,50 5 775,— 15 700,— 1 826,75 52 875,— m ( „ ( .. ( .. ( .. ( .. ( .. ( .. ( .. ( .. ( .. ( .. . XU 966 033,75 52 000,- 89 700,-1) 402 080, : 71 450, 63 200,-1) 369 630,-) 148 756 —> 10 100,- 11000.— 15 200,—) 1 569,—) 70 500,—) Seite , . 1 l Di 1305 205,—1 T. Das Delegierten-Kollegium des Synagogen» Derbandes hielt am! 13. o. M. eine Sitzung ab, zu welcher autzer dem Vorsitzenden; Herrn Offenburg die Herren Heckjchcr, Dr. Möller. Pels, Weihberg und Wart sch erschienen waren. Vor Eintritt in die Tagesordnung wandte sich der Vorsitzende gegen die Aeuherung, die ein Mitglied des Rcpräsentanten- Kollegiums der Gemeinde in dessen, letzter Sitzung getan hatte, dag der Synagogen-Vcrband durch Erhebung einer Abgabe das Koschcrfleisch verteuere. .Die Abgabe betrage auf 650 000 Pfund zu je 0.0>4 XU 26 000 XU, denen 23 000 XU Ausgaben für das Schächtwesen gegenüberstehen. Der Vorsitzende bedauert, dag keiner der dem Kollegium angehörenden Miglieder der konservativen Parteien die irreführende Mitteilung des betreffenden Herrn richtiggestellt habe. Das Kollegium ni nmt eine Mitteilung des Verbands-Vorstandes zur Kenntnis, dag er beabsichtige, aus bereiten Mitteln die Eemeinde-Synagoce Bornplatz 1931, anläglich khres 25jährigen Bestehens, malen zu lassen, genehmigt aus den Mitteln des laufenden Haushaltes jbie Vornahme von Fensterarbeiten in der gleichen Synagoge, lehnt aber die Bewilligung von 5000 XU für Verbesserungen per Zentralheizung der Synagoge trotz Befürwortung durch den Vorstandskommissar Kleve ab. — Die Abrechnung für das Jahr 1929 wird den Herren Cohn und Warisch zur Prüfung übergeben. Eine ausgedehnte Erörterung rufen die Anträge des Herrn Dr. Möller betr. Senkung der Preise für rituelle Lebensmittel und betr. Preisfestsetzung für Arba Minim hervor. Herr Dr. Möller betont neben finanziellen Gesichtspunkten die beachtliche, religiöse Seite des Ant»>ges: augerdem bemerkt er als Arzt, das; die Verteuerung r/tueller Lebensmittel für strengreligiöse Familien, namentlich für deren Kinder, unter Umständen direkt gesundheitgefährdend wirken könne,- An der Erörterung beteiligen sich fast sämtliche Anwesenden, und diese nimmt teilweise sehr erregte Formen an. Man spricht von der Organisierung einer Selbsthilfe durch den Synagogen-Vcrband, erörtert 1 tc Möglichkeit, den Ring der Fleischhändler und damit die Festsetzung ihrer Preise zu durchbrechen, erwägt durch Senkung der Kosten der Aitualaufsicht, z. V. bei Milch, auf die Preisbildung einzuwirken, und hebt die Pflicht der Lebensmittelhändler hervor, zum Ausgleich der Vorzüge, die ihnen ihre Sonderstellung bietet,! ihrem Kundenkreis durch ihre Preisstellung ^ntgegenzukoiymen. Angesichts der Schwierigkeit - der hier behandelten Dinge beschränken wir uns auf diese kurzen Mitteilungen, da die strittigen Fragen zweifellos noch weiterer Klärung unter Anhörung der beteiligten Geschäftsinhaber bedürfen. —1 Ein letzter Antrag des Herrn Dr. Möller betrifft die Abänderung det dif Wahlen zum Delegierten-Kollegium betreffenden Bestimmungen in den Satzungen des Verbandes. Der Antrag bezweckt, dah die unliebsamen Vorkommnisse, welche insbesondere im Jahre 1927Uu beachten waren, als zahlreiche Personen erft-kurz vor den Wahlen in den Verband eintratcn, nur um das Wahlrecht zu Erlangen, sich nicht wiederholen. Das Kollegium beschlietzt, sich zunächst mit dem Vorstande des Verbandes über die grundsäblichen Fragen einer Satzungsänderung, über die zurzeit keine Uetcreinstimmung besteht, zu verständigen. (Berufsberatun g sst eile des Landcsausschus 1 der jüdische ^Jugendorganisationen Hamburg s.) Sprechstunden: Donnerstags, 6^—7% Uhr, Grindel Hof 85. | Jüdische Jugendberatung e S Der 13. jüdische Turntag in Hamburg. ' Von Dr. Edgar Marx. Zur Feier des zwanzigjährigen Jubiläums des Hamburger Par Kochba fand hier die Tagung des Deutschen Kreises im Makkabi-Weltoerband statt, die in weitesten Kreisen.der 05cmcinde ein unerwartet grotzcs Interesse gesunden hat. An dieser Stelle interessiert nicht so sehr der Verlauf des eigentlichen Sportfestes mit seinen Einzelheit en; darüber war ja auch bemerkenswert viel Anerkennendes von fachmännischer Seile in der gesamten Tagcspresie zu lesen. Hier interessiert der innere, der jüdische Gehalt der Vera istaltungen, interessieren die Geschehnisse, die Rückschlüsse-in dieser Richtung ermöglichen. Am Sonnabend abend Eröffnung durch eine Kundgebung. Kurz, konzentriert, eindrucksvoll. Weit über MW Menschen füllten den Saal bis in den letzten Winkel. Von Vertretern der verschiedenen Organisationen und von den Redner» des Makkabi wurde die Bewegung beleuchtet, so das; ein klares, abgerundetes Bild ihres Wollens und ihrer Bedeutung entstand. Wertvoll und getragen von tiefem Verständnis waren die Worte des Mitgliedes des G c in c i n d e v o r st a n d e s . Rechtsanwalt David, mit denen .er das Wirten des Bar Kochba an der jüdischen Jugend Hamburgs durch zwei Jahrzehnte kennzeichnete. Symptomatisch war die julMliide .Begeisterung, mit der der Vertreter des M a k I a b i - K r e i j e s P a l ä st i n a empfangen wurde. Symptomatisch auch, wie immer mehr sich d!ks hebräische Wort und dasj h e b r ä i j.ch e L i e d auf den Tagungen des Mchkkabi durchsetzt. Jeder' Besucher der Kundgebung wird gefühlt haben:.nicht Turnen und Sport allein haben diesen Verband io grofz gemacht, nicht sie allein binden diese Menschen so stark untereinander, sondern jüdische Werte geistiger und kultureller Art bilden Fundament und zugleich Erziehungsziel der Bewegung. Am Sonn lag das Sportfest. Tausend Besucher, tausend Menschen aus Hamburgs jüdischer Gemeinde waren irolz des ungünstigen Wetters gekommen. Mehr als 500 Akcnschen beteiligten sich alles in allem aktiv. Der Besuch lohnte sich.. Allen wurde das äuszere Moment der-Arbeit des Makkabi klar: jüdische Menschen zu e r z i ehen zu sreiwilligcr Disziplin und Einordnung, zu Kampfgeist und körperlicher Leistungs fähigkeit. den Sieg Höhepunkte, auch für im T r c i t a u s e n d m lim Laie»: der Kampf um e t e r - L a u f : der tadellos disziplinierte Aufmarsch der Terncr und Sportler aus allen Städten: das^buntc Bild des Ha nburgcr Bar Kochba, ein Querschnitt durch seine gesamte, vielseitige Arbeit. Vor dem Sportfest fand ein Handballspiel zwischen Leipzigs und Hamburgs Jugend statt, während des Sportfestes die Entscheidung im Faustball, nachher ein Herren-Hockey-Spiel Hamburg Berlrn. > . Abends ein Fest an Bord eines.Dampfers. Hier hätte ein Bild einer für de» Makkabi spezifischen 05 e s c I l i g k c i t gegeben werden können. Es gelang nicht: schuld daran war, war, das; die Zahl der Teilnehmenden fast doppelt so grost war. als man berechnet hatte. In drangvoll fürchterlicher Enge, bei ungenügender Beleuchtung und einem etwas, kühlen Wind verschwand die eigene Rote und die Gemütlichkeit. Die Beratungen der Dclegierien am M o n t a g waren getragen von Ernst- und ticscni Verantwortungsbcwutztiein. Die Hauptarbeit wurde in den Ausschüssen geleistet, io dast - die Verhandlungen im Plenum .nach austen weniger interessant wirkten. Höhepunkt der Tagung bildete die Aussprache über die M a k k a b i a h. die grosze Veranstaltung des Makkabi-Weltocrbandes im Jahre 1 9 32 in E r c.z Israel. Ihre geistige und technische Vorbereitung wird einen grotzen Teil der Slrbeit der nächsten 2 Jahre ausmachen. Anschlictzend wurde den Delegierten der herrliche S p o r t - W e r b c - F i l m gezeigt, gedreht von einigen Berliner Bar Kochbancrn, eine für Amateure ganz erstaunliche" Leistung, die berechtigte Begeisterung .auslöste. Wundervolle Bilder aus dem Leben der Mqkkabi-Bcwegung zogen vorbei, ernste und heitere, unvcrgetzlich eindrucksvoll. In feierlicher Schlutzsitzung der Delegierten, die noch einmal das Ergebnis der drei Tage zusammen atzte, fand der Turtag. sein Ende. In,der folgenden Woche fand ein Sommerlager des Makkabi an der Ostsee statt, teils;in der Jugendherberge und teils in Zelten, an dem sich nahezu 75 Menschen beteiligten: dazu kamen noch von Freitag bis Sonntag viele Bar Kochbaner aus Hamburg und Lübeck. Unmöglich, in einem kurzen Bericht Stimmung und Wert dieses Lagers zu schildern: sie sind überhaupt schwer in Worte zu fassen. So sei nur fcstgestellt, datz es allen Beteiligten io viel gegeben hat, wie sonst monatelange gemeinsame Arbeit und gemeinsames Leben in der Bewegung es nicht vermag.