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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-08-11 · 8 (11.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
8 (11.8.1930)
Date
1930-08-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nummer 8 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeind«. bürg gebilligt werde. Es ist nicht richtig, daß die orthodoren Mitglieder der Gemeindebehörden diejenigen Bewilligungen, welche im Interesse der liberalen Kreise geschehen, etwa mit Rücksicht darauf annehmen, daß auch die Liberalen Rücksicht auf orthodore Belange nehmen: sowohl die Orthodoren als auch die Liberalen hätten getragen aus freiem W i.l» len und mit eigener Verantwortung die für die religiösen und tulturellen Bedürfnisse sämtlicher Gemeindeangehörigen notwendigen Einrichtungen anertannt und die hierfür! notwendigen Mittel bewilligt. . Lediglich die Ausübung des Kultus sen den Verbänden übertragen und tsafür, daß dieser Zustand bleibe, müsse gesorgt werden. Herr L i s s e r unterstrmcht die Ausführungen des Herrn Heckscher sind betont, dah die Einheit der Gemeinde erhalten werden müsse. Die Konsequenz der Erklärung. sei aber, dajß der Gedanke der Einheitsgemeinde aufgegeben werden müsse: das müsse aber verhütet werden. Die Kultusverbände haben sich nur mit dem Kultus zu befassen und alle kultjusfremden Angelegenheiten. . wozu er auch den Religionsunterricht und die Förderung der jüdischen Wissenschaft rechne, gehören in die Kompetenz der Gemeinde. Herr Peine entgegnete. dah einem Teile der orthodoren Gemeindemitglieder did Trennung des Kultuswesens von der Gemeinde nicht genüge, da die Gemeinde sich in den letzten Jahren auch dem- Religionsschulwesen zugewandt hätte und dieses nach ihrer Ansicht den Berbän ien -überlassen werden müsse. Der Friede in der Gemeinde werde gewahrt sein, wenn man seinen Anregungen stattgebci. In der Abstimmung wurde aber der Antrag, die Quoten der Kultusverbände zu erhöhen, mit allen gegLn die 3 Stimme i der Antragsteller abgelehnt. Ein Antrag des!Herrn Dr. P l a r t, die Subvention für die hebräische Sprachschule Jwriah vo i 3000 JtJt auf ‘ 1125 Reichsmark zu ermäßigen, wurde abge ehnt. Ebenso ein Antrag. die Subvention für den „Bar Kochba" mit 1800 iRM wiederherzustellen, statt - auf 1500 iRJL zr ermäßigen. Dagegen wurde ein Antrag, den, Beitrag für die „Jüdischen Tum- und Sportverein" von 750 9tM auf 900 RM zu erhöhen, ange-' genommen. Die Vertreter der Volksprrtei hatten beantragt, die Subvention für den jüdischen Trrn- und Sportverein zu verdoppeln und die für den Bar Kochba auf der Höbe des Vorjahres zu belassen. Zur Begrüi bring dieser Forderung führte Dr. Kalmus aus, daß der Bar Kochba 600 Mitglieder zähle, von denen 40 Proz. k:ine oder nur geringe Beiträge leisten können, daß ein Svi rtplatz dringend nötig sei und daß der Verein nach außen hin die sporttreibende Iudenheit Hamburgs vertrete. Zum Kapitel Finanzwesen «ab Herr Dr. Fxänkel als Berichterstatter des Haubbal sausschusses eingehende Erklämngen, die zum größten Teil in den von uns besonders zu gebenden Ausführungen ü rer den Haushaltsplan gebracht werden sollen. Er wies aber : mmer wieder aufs eindringlichste darauf hin. daß in Zutun t mehr als bisher mit der allergrößten Sparsamkeit von a len Zweigen der Gemeindeverwaltung gearbeitet werden müsse. Auf seinen Antrag wurde auch beschlossen, den G> meindevorstand zu ersuchen. nach Ablauf des ersten Qua Zals, also ötwa Ende': Oktober, eine eingehende Prüfung der Finanzgebahrung sämtlicher Institutionen vockrehmen zu lasen und dem Nepräientantenkollegium über deren Ergebnis -u berichten. T. 200 3ahre G'feroh Henkelpöttchen. Der Judentumult in der Elbstraße am 26. August 1730/13. El ul 5490. iVon Edgar Fra>rk. Viele jüdische Gemeinden, die arf eine lange Tradition zurückblicken und stolz huf eine eigen« Geschichte sind, feiem lokale Freuden- und haben ihre eigeren Fasttage, zur Erinnemng an Ereignisse qus alter Zeit, vielfach umwoben von Legende. So kennen wir einen Taan s (Fasttag) von Köln, Worms. Frankfurt,. Xanten. Posen, Regensburg, Prag. Pforzheim. Erfurt. Rom. Livyrno. Earpentras u. a. — Auch unfern Gemeinde besitzt einen solchen Gedenktag, an dem vor langer Zeit gefastet wurde und der noch heute in der Synagoge an den Kohlhöfen durch Psalmrezitationen begangen wird. Da seit dem Judentumult vom August 1730, an dpr^sie erinnem, in diesen Tagen gerade 200 Jahre verflossen sind, dürfte es am Platze sein, ihn und seine Vorgeschichte zu besprechen, selbst auf die Gefahr hin, einigen Kennem nur wenig Neues zu bieten. Seite 5 Durch Vas von dem Kaiser Joseph l. am 7. September 1710 erlassene Judenreglement hatten -die Juden endgültig das Recht der Niederlassung in Hamburg, um das sie im 17. Jahrhundert mit wechselndem Erfolge gekämpft hatten/ erhalten. Das Reglement wurde zwar von der Hamburger Bürgerschaft nie bestätigt, aber der Senat, der stets humane Gesinnung und die wohlverstandenen Interessen der ihm anoertrauten Stadt zu vereinen wußte, hielt seine schützende Hand über die jüdische Siedlung. Neben der Bürgerschaft stand auch ein Teil der fanatischen Geistlichkeit den Juden feindlich gegenüber. Auch im August 1730 hatten verschiedene Pastoren, insbesondere. der Pastor Neumiilter in der Jacobikirche unb der Diakon «chubarth in der iMichaelislirche wieder einmal Hetzreden gegen die Juden gehalten und damit die Wut des Pöbels erregt. Sie kamin damit den Krämern und Kaufleuten entgegen, die sich nur zu^ gern einer lästigen Konkurrenz entledigten. Dazu kam, daß Matrosen das Gerücht verbreiteten, die Juden hätten sich gegen die Schiffer mit den „Algiers", gefürchteten nordafrikanischen Raubstaaten, verbündet. Schon Donnerstag, den 24. August, kam es am Großneumarkt zu einem Tumult. Eine betrunkene Frau skandalierte zum Gaudium -der Menge auf der Straße., Dabei erregte eine jüdische Frau durch ihr Lachen den Zorn der Menge: sie konnte sich aber in Sicherheit bringen. Da behauptete die Trunkene, ein jüdischer Junge habe ihr ihren Hut entwendet. Darüb:r kam es zu einen Auflauf gegen die Juden in der Elbstraße, der erst durch bewaffnete Dragoner und Infanterie in der Nacht zerstreut werden konnte. f Die Wut des Pöbels war damit aber noch nicht besänftigt. Vielmehr setzte her eigentliche Krawall erst am kommenden Tage. Freitag, den 25 August, ein. Einem christlichen Knaben, der einen Krug Milch trag und der einen jüdischen Jungen ohne Grund schlug, wurde bei der Gegenwehr der Krug zerbrochen, und dieser „zerbrochene Krug", das Henkelpöttcheni blieb mit der Erinnerung an die nun einsetzenden Schreckenstage verbunden. Ter Junge verlangte Bezahlung des Schadens, was der Jude/ der sich im Recht fühlte, ablehnte. Jener — er fürchtete auch wohl den Empfang zu Hause — sann auf Rache, sammelte - eine Anzahl Straßenjungeys. üstd man begann zu toben und zu lärmen. .Nun wollte l>cr Jude einlenken. Er nahm den Knaben in sein Haus/ um ihm den Schaden zu'erstatten. Dieser schrie drinnen aber unbändig/ und als er wieder auf die StraßiO kan:, behauptete er, man habe ihn schlachten wollen. Jetzt hatte die Menge den lange gesuchten Grund für einen' Angriff auf die jüdischen Häuser. Es entstand ein Auflauf, besonders in der Elbjtraße: jedoch die Behörde, die die Absichten des Pöbels durchschaute, ' zerstreute die Menge und säuberte die Stoßen. Am Abend sollte der Auflauf jedoch erheblich gefährlichere Fotmen annehmen. Im Laufe' des Tages hatten die Gemeindevorsteher von nichtjüdischer Seite erfahren, daß der Pöbel ein Blutbad beabsichtige und!daß am nächsten Tage eine-große Synagoge am Dreckwall überfallen werden solle. Sie schickten von Haus zu Haus Mit der Aufforderung. die Fensterläden am Abend geschlossen zu halten, so daß snan die «abbathllchter von außen nicht sehen könne. Tie Frauen sollten nicht zur Synagoge gehen und durch ihre Feiertagskleider^kein' Aufsehen jerregen: auch den Männern wurde verboten,: Sabbathkleidusng -oder Schmuck zu tragen. — | ] Tatsächlich versammelten sich dann euch gegen Abend einige Tausend Menschen, j Matrosen, Jü rgen und anderer Janhagel, und fielen einige Juden-Häuser mit. Steinwürfen an. „Deßweg.en wurden einige Dragoner nebst dem Adjutanten auf den großen Neuen-Marckt, roelifrer voll Menschen war, commandiert. welche das Volck mit i buten auseinander zu bringen suchten. Als aber solches nicht verfangen wollte, sondern mit Steinen nach den Dragonern geworffen ward, setzten selbige unter das Volck und jagien es den alten Möllern-Stein-Weg hinunter. Nach dieser r kehrten sie nach der Elbstraße, und jagten die Canallie, si allda war, bey der grünen Blancke nach dem hohlen Wex e auf den Schar- Marckt. — Inzwischen hatte! der Herr lommendant noch mehr Dragoner aufsitzen lassen, und kam auch selbst zu Pferde an. ließ die Infanterie, so viel niöglich wstr durch den Trommel-Schlag zusammen ruffen. dadurch wurde die Canallie vollends aus einander gejaget."! Dank dieser Anstrengungen der Beförden wurde ein Blutvergießen verhindert. Man begnügte ich damit/ Fensterscheiben zu zertrümmern. — Die aus Alton i hinzugekommenen ±

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