Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 8 (11.8.1930)
- Date
- 1930-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Stummer 8 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Seite 3 IV. Der Bericht der Shaw-Kommission, der als die unmittelbare Grundlage der momentanen tritischen Auseinandersetzungen zwischen England, der Mandatsmacht Palästinas, und der zionistischen Organisation, der Trägerin des jüdischen Aufbauwerts, eingehende Skizzierung erforderte,, wurde nicht allein von der jüdischen, am Palästinawerk interessierten Welt^mit Protest entgegengenommen: er bot,— das war. wie inan festhalten möge, immerhin die e r st e Reaktion des öffentlichen England — den Führern der drei grohen politischen Parteien Veranlassung zu einer gemeinsamen Erklärung, die die Deklaration des kurz vorher gerade — sehr zur Unzeit — verstorbenen Lord Balfour unterstrich, Bald aber setzten Gegenströmungen ein: die„Geheim - räte" des Foreign Office, nach dem Muster jeder Beamtenschaft solidarisch bis auf die Knochen mit den tvon jüdischer Seite so scharf angegriffenen) Kollegen im Mandatsland, unterminierten: die arabische Erekutivc entsandte ihre Vertreter nach London;: die Presse der „Diehards". antisemitisch aus Tradition, spielte die alten, ebensooft widerlegten wie gläubig akzeptierten Argumente von den gefährdeten Interessen des britischen Steuerzahlers aus... - Als es galt, der selbstverständlichen und englischerseits auch anerkannten Forderung Weizmanns entsprechend eine Persönlichkeit von. internationalem Ansehen nach Palästina zu senden, mit der Mission, den Shaw-Bericht durch ein wahrhaft objektives Gutachten zu korrigieren, traten die eben angedeuteten Gegenströmungen erstmalig in Wirksamkeit: zum Spezialkommisjar für die Untersuchung der Möglichkeiten von Verbesserungen im landwirtschaftlichen Produktionsprozeh — für die Untersuchung also, wie die Bevölkerungskapazität des Landes gesteigert werden könne , wurde in Sir I. H. Simpson ein zweifellos ungemein sachverständiger, im übrigen aber ohne Zweifel von besonders weitem Verständnis für die Einzigartigkeit und einzigartige Schwierigkeit des Problems nicht „angekränkelter" Beamter ernannt. Dann wurden bereits bewilligte Einwanderungszertifikate zurückgezogen. Die schekelzahlenden Massen der nationaljüdischen Bewegung in Warschau. Berlin. Philadelphia. Johannesburg häuften — und häufen — Proteste auf Proteste: die Opposition gegen Weizmann glaubte — und glaubt — ihre Stunde gekommen und wird in den gegen Jahresende stattfindenden Kongreh mit dem Hinweis auf den — angeblichen? wirklichen? — Bankerott der unentwegten „Englandtreue" des Präsidenten der sexvislr ^sencv gehen: W?izmann, und mit ihm seine Getreuen in der Leitung der Bewegung, kämpft sich, treu gestützt auch von den nichtzionistischen Partnern der Agency, wochen-, monatelang mit bislang noch undurchsichtigem Erfolg durch die vielleicht nervenaufreibendsten Verhandlungen seines Lebens, mit einem Völkerbund, in dessen Mandatskommission der englische Vertreter. Dr. Shields, auf der letzten, der Palästinafrage gewidmeten Sitzung, einigermahen schleierhafte Erklärungen über das Ziel der palästinensischen Mandatspolitik Britanniens gab, mit einer Regierung. die dem Mandat vielleicht untreu werden könnte, vielleicht schon untreu geworden ist . . . V. Ein Jahr nach den Unruhen! Und der Zionismus. ohne jede Beschönigung gesagt, in einer der kritischsten Phasen seiner jungen Geschichte, steht am Scheideweg. Eine innerhalb von zwei, allenfalls von drei Dezennien erfolgende Umkehrung jener Tatsache, datz in Erez Jisrael heute nur 20 Juden auf 80 Araber kommen: eine in 20 oder 30 Jahren durchgeführte Ansiedlung jüdischer Millionenmassen auf beiden Seiten des Jordans: steht, wer im nationaljüdischen Lager heute diese — und ähnliche — Postulate vertritt, vor der Notwendigkeit, endgüliig'und schnellstens' umzulernen? Oder eröffnet nicht vielleicht der in den arbeitenden jüdischen Scharen des Landes f lebende bewuhte Wille nach w i r t - 'cmmengehen mit den arabischen ^glichkeiten einesUusbaus der jungen jenem Umfang, .wie ihn heute gerade der zionistischem Arbeiterschaft, freilich, ohne jede Spur konkreter wirtschaftlicher Pläne, als ihr Ziel unentwegt proklamieren? : j Wird — und dies ist vielleicht die elementarste, drängendste Frage — wird es der Geist de» G l a d it o n e. Dis raeli. Bglfour, die Tradition asso des demokratischen schaftlichem Zus^ Massen erneut die Ms jüdischen Siedlung zu die radikalen Gegner gekommen waren, so fn der Beurteilung der Heharbeil des Eroh-ÄAufti und seiner Kreises, legte Snell. der im Gegensatz zu seinen Kollegen „menschliche Sympathien für die jüdische Aufbauarbeit sr Palästina Hatz seinen abweichenden sachlichen Standpunkt dar. beispielhaften Gröher-Britanniens sein, die seiner palästinensischen Mandatspolitik Richtung und Zielpunkt-weben wird, oder der Ungeist des „perfiden Albion"? Eins ist. wie immer man eine solche Frage beantworte, klar: Wenn England seine aus dem Palästina-Mandat flirhcnden Aufgaben nach , wie vor mit bester Kraft zu erfüllen bereit sein sollte, so wird es mit allergrühter Energie darauf dringen, dah die beiden in diesem Mandat vorgesehenen Ziele, di« Förderung des jüdi chen „national Homo" und die Erziehung der eingesessener) arabischen Bevölkerung zu. weitestgehender gesellschaftlicher.Wohlfahrt — in baldigen Einklang gebracht werden. Lin Zionismus, der begreift, dah er in dreier „Versöhnungsvolitik" der Mandatarmacht gleichermahen aus Gründen der'Politik, der Moral und seiner Ideale keine paiiive. sondern eine höchst aktive Rolle zu spielen hat. wird, am Scheidewege, die richrige Strahe wählen. Repeäsentanten-Kollegium der Deutsch - Israelitischen-Gemeinde. Der Haushaltsplan der Gemeinde für das am 1. Juli 1930 beginnende Geschäftsjahr, wurde vom Rcpräsentanten-Kollegium in zwei bis nach Mitternacht dauernden Sitzungen am 2. und 7. am 2. Juli waren erschienen dü Herr?» Visier, Dr. Fraenlel, Greetz, Heinemann. Horawitz. Dr. Loewenberg, Dr. Meyer. Juli beraten. In der Sitzung Jsaacsen, Dr. Kalmus, Levy> Nathan, Peine, Dr. Plaut. Reich. Dr. Urias. Dr. Wohlgemuth zind die Damen Bauer, Caro und Dr. Meyer-Wedell: entschuldigt waren die Herren Dr. Marr und Stoppelmann: vom Vorstand der Gemeinde waren erschienen die Herren Alfred Leon. Heinrich Levy, Dr. Samson. Heckscher, R.-A. David, Dr. Herzfcld und Dr. Tannenwald: in der Sitzung am 7. Juli' war ferner anwesend Herr Stoppelmann, entschuldigt war aber" auhcr Herrn Tr. Marr Herr Dr. Loewenberg: vom Gcmeindevorstünd waren erschienen die Herren Alfred Levy. Heckscher. Philipp und Dr. Tannenwald. Ohne in eine Generaldebatte einzutreten, wurde die Beratung des Etats begonnen un» auf Antrag des Borilands beschlossen, den'Beginn des Geschäftsjahres vom 1. Juli auf den 1. April zurückzuverlegfn. so dah der Etat nur für neun Monate bewilligt wurde. Das Kapitel l Erunditückswesen und Allgemeine Verwaltung wurden ohne wesentliche Debatte angenommen. Zum Kapitel Schulunb Erziehungswesen wurde besonders von Frau Dr. Meyer-Wedelt darauf hingewiesen, dah mit mehr Nachdruck auf den Eingang des Schulgeldes von den Schülerinnen der Mädchcnschule der Gemeinde geachtet werden müsse. Zum Kapitel Kultuswesen bemängelte Tr. Kalmus, dah die Gemeinde zu wenig für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Ecmeindemitglieder tue. Herr A l e r a n d e r Levy erinnerte ' demgegenüber daran, dah schon eine Kommission niedergesetzt sei, welche die Fiage einer Subventionierung des Synagogen-Verbandes prüfen solle, dah ferner nicht, nur die allerdings ziemlich geringen effektiven Ausgaben der Gemeinde für diesen Zweck betrack tet werden mühten, und dah man nicht vergessen dürfe, dah die Gemeinde dem Snnagogen-Äerband und der Neuen Damnttor-Synagoge die ihr eigentümlich gehörigen ' Synagogen mietfrei zur Verfügung stelle und dem Tempelverband durch Gewährung eines Darlehens und einer Bürgschaft den Bau des neuen Gotteshauses ermögliche. Herr Lisse r warnte vor gröheren Bewilligungen, da solche nicht ohne erhebliche Erhöhung der Steuerguote möglich seien, nach dem Anträge des Hausha äuherte sich Frau Dr. M e i eingehend über die Gesundheitsf Zum Wohlfahrtswesenb das tsausschusscs bewilligt wurde, er - W e d e l l auf Anfrage urjorgc für Kinder. Sie.führte, aus. dah z. -3». in Deutschland eine Ueberproduktion an Kinderheimen, nicht nur an jüdischen, bestehe: nach ihrer Ansicht seien nur nolivendig 1.» Heime für tuberkulös gefährdete Kinder, 2.) Heime in Soolbädern und 3.» Erholungsheime. Für Hamburg seien daher . ausreichend das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Wyk. das Heim deck Humanitären Fraucnvereins. in Segeberg und das Heim der Gemeinde in Wilhelminenhöhe. Eine Verschickung von Hamburger Kindern - in andere meindekoitcn halte sie sowohl erziehlichen Standpunkt aus Posten Bcgräbniswcsen wird F r a e n k e I beschlossen, durch inswäriige Heime auf Gevom ärztlichen als auch vom ür nicht erforderlich. Beim auf Antrag des Herrn Dr. den Hai^shaltsausschuh gemeinsam mit der Friedhofskonimisiion dio Frage prüfen zu lassen, ob nicht durch eine Neuordnung : des Finanzwesens