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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-08-11 · 8 (11.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
8 (11.8.1930)
Date
1930-08-11
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite L Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gem ei^de. Nummer 8 politischen Aktivität der Mandatsmacht bestehen könne. Dre Reaktion der englischen Regierung werde ein „Blauwerhbuch" »ein müssen: Schiffe mit neuen jüdischen Einwanderern mühten in demselben Mähe, in dem die unberechtigten Forderungen der Araber etwa noch verschärft würden, vor Jaffa landen — denn nur eine jüdische Massen einwanderung werde Sen Eroh-Murti und seine politische Gefolgschaft wie seine agrar-kavitali'ti'chen Hintermänner von der Aussichtslongkeil ihrer Machenschaften überzeugen. In der Tat entsandte die Regierung Mac Donalds, um das von der Zioniilpchen Organisation geforderte Gutachten oorzubereiten. eine aiis Parlamentariern aller Parteien zuiammengesehte Kommission ins Land. die Vertreter der Bevölkerungsgruppen und Zeugen aus den Schreckenstagen vernahm und ihre Auffassungen schliehlich in dem Bericht niederlegte, der den Namen des Dilegationsführers. Sir Walt/er Shaw, trägt. ll. Hn die Rolle, die die Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung i» den Ditzungen der Shaw-Kommission spielten, ganz ztz verstehen, muh man sich darüber klar sein, dah es für di« — recht geschickten — Vertreter der arabischen Drahtzieher von vornherein nur eine Taktik zu .diesen Verned nungen geben konnte: die blutigen Ausschreitungen als solche mit der Geile des zivilisierten Zeitgenossen, >der für die Erzesse seiner analphabetischsn ■ Massen nur mit Tonenbarer Reserve die politische Verantwortung trägt, zu bcdaueitn. gleichzeitig aber durch eine scheinbar unwiderlegbare Analyse der Hintergründe des"Aufstandes alles, was er an Terror und Blutvergiehen mit sich gebracht hatte, veritänblich zu machen und damit halb zu entschuldigen. Die Palänitia-Erekulive, die' unter dem Beistand eines bekannten englischen Rechtseglebrten die jüdische Position vor der Kommission zu vertreten hatte, war sich bestimmt nicht im Zweitel darübe«, das; der Gegner die Grundfragen des jüdischen Aufbaumerkes einer „vernichtenden" Kritik zu unterziehen versuchen werde. Die Grundlagen einer solchen Taktik des arabischen Gegners waren mit der Tatsache gegeben, dah die Fragen: ob jüdische Majorität im Lande der Forderung eines parlamentarisch struktuierten Binationalismus ooranzustellen »ei.'oder nicht — ob sich die Ausgestaltung wirtschaftlicher Selbständigkeit der Fellachen im Einklang inil den ökonomische» B edürfnissen des Iischuw durchführen lasse oder nicht — das; dies alles monale-, wenn nicht jahrelang vor den Unrubcn ein wesentlicher, wenn nicht der Hauptgegenitand inteüsir iler innerzionistischer Auseinandersetzungen gewesen war. Die Frage, ob man in nächster Zukunft, treu den demokratischen'Grundvorstellungen der national-jüdischen Idee, ein jüdisch-arabisches Parlament zu befürworten habe, auch aut die Gefahr hin. sich bei dem heutigen Kräfteverhältnis der Bevölkern igsgruvven damit gelegentlichen oder häufigen ungünstig i n Beschlüssen auszusetzcn, hatte die Gemüter, 'zumal nach d. r Gründung der viel ängereindeten, grundsätzlich besonders veritändigungsgewilllen Gruppe des „Brith Schalom" immer wieder erhitzt. Im Zusammenhang damit stand die stets von ne »ein von Führern der Arbeiterschaft erhobene Forderung eines Wirtschaftsprogramms, das, im Kampfe gegen arabische, doch nicht nur arabische Ausbeulung, die ökonomische Venlechtung der arbeitenden Massen beider -Bcvölkerungsschichlen hcrbeizurühren habe. In der Polemik gegen jene Vcrkläi digungsvolitker. denen man Verletzung der nationalen Grundbegriffe des Zionismus vorwarf, in der Auseinandersetzung zugleich mit den Journalisten der Linksparteien, deren Wirlick»:ftsideen. verdächtig durch ihr sozialistisches Gepräge, als utopisch oder zumindest verfrüht verworfen wurden, hatten^ich auch manche mahgeblichen Funktionäre der Zionistischen Organisation. vielleicht nicht ganz ohne den Druck der Revisionisten, nicht immer von zugespitzten Formulierungen und Schlagworten freihallen können, sowie von radikalen Paroleh, die populär waren, da sie den durch keine Sachkenntnis getrübten, auf die schnelle Errichtung eines „machtvollen! jüdischen Gemeinwesens" drängenden Leidenschaften des zionistischen „man ok the Street" und der aufbruchgeslimmten Jugend, zumal der des europäischen Ostens, nur entgegSnkamen. Solche Parolen hatten, so sehr sich gerade Weizmann von ihnen freizuhalten wuhte, auch in manchen mahgeblichen Köpfen, im Verlaufe der hier angedeuteten jahrelangen innerzioniitischen Debatte, eine oft verhängnisvolle Verheerung angerichtet, zumal seitdem die Arbeiterschaft in den letzten 'beiden Jahren vor den llnruheiz von der Mitführung der sozialistischen Politik ausgeschlossen war. co konnten, wenn sich auch in die Aussagen der jüdischen Zeugen und Sachkundigen vor der Shaw-Kommiision derartige ertreme Vorstellungen nicht — oder kaum — einschlichen. die arabischen Gegner doch auf solche Stimmungen nicht ohne Erfolg Hinweisen. Was aber bedeutete das für die Taktik der arabischen „Prozehbeoollmächtiglen"? Aus Angreifern wurden dem Scheine nach mit einem Schlage die Angegriffenen! Die Atmosphäre der Verhandlungen, einen Augenblick vorher noch mehr oder minder eindeutig zugunsten des jüdischen Kontrahenten. drohteumzuschlagen, sobald die Araber mit dem Argument hervortraten, dah die jüdische Einwanderung auf ihre politische Entrechtung hinstrebe und dah die jüdische Wirtschaftspolitik der Bodenkäufe durch den Nationalfonds, weit entfernt davon, in ein Siedlungsprogramm friedlichen jüdisch-arabischen Zusammenlebens einzumünden.. ein „landloses arabisches Proletariat" schaffe. Als die jüdischen Vertreter, um diese Behauptungen zu widerlegen, nun ihrerseits die Unruhen. — statt auf die scheinbare Beunruhigung der arabischen Fellachen — auf die Hetzarbeit einzelner Interessenten zuruckzuführen suchten, verschlechterte sich ihre Position nicht unerheblich: denn indem sie. entgegen der arabischen These, die verhängnisvolle Tätigkeit des Gros-: Mufti und des .Oberiten Mohammedanischen Rates nun näher zu beleuchten begannen, muhten sie unweigerlich auf die Haltung der englischen Verwaltungsbehörden Hinweisen, die nichts oder wenig getan hatten, um jzmen Hetzereien einen Riegel vorzuichieben. Und damit 'teilten sie sich sofort in einen folgenschweren Gegensatz zur englischen Administration. ohne bewirken zu können, das? das Sbaw-Komitee seine Landsleute in irgendeinem wesentlichen Punkte preis gab. lll. Furcht, so erklärten die arabischen ^Vertreter, die Furcht der eingesessenen Massen vor der jüdischen Invasion sei die eigentliche. Triebfeder der Unruhen gewesen, und die Kommission, in der hier nach ihrer Entstehung skizzierten Atmosphäre des Vernehmungsverfahrens, nzachte sich diese. — haltlose — These bis zu einem gewissen Grade zu eigen. Nur die Konsequenz dieses mit den wirklichen Verhältnissen freilich gar nicht in Einklang zu bringenden Erundauffassung war es. wenn der Shaw-Bericht, um eine Analyse dieses „Fruchtkompleres" vorzunehmen und gleichzeitig von dem so gewonnenen archimedischen Punkt aus der Lösung aller Schwierigkeiten nahezukommen, die Fragen der jüdischen Einwanderung und der Bodenpolitik des Nationalfonds untersuchte. Während der Kommission bei der Darstellung dessen, was die Zionistische Organisation hierzu in den vergangenen Jahren geleistet hat, manche gewichtigen Irrtümer — manchmal geradezu Veritösze gegen die primitiven, allgemein zugänglichen statistischen Daten — unterliefen, wies sie, hinsichtlich der künfffgen Regelung, in durchaus beachtlicher Weise darauf hin, das; die Modernisierung der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden im Lande,' die Intensivierung der Bodenbearbeitung eine Hauptvoraussehung für die Fortentwicklung des jüdischen Aufbauwerkes ist, da hier der Schlüssel für die Steigerung der Bcvölkerungskapazität Palästinas liege — eine Forderung: die gerade von zionistischer Seite immer wieder erhoben worden war. Der „panische Schrecken" allein freilich, in den die jüdische Einwanderungswelle die Landesbewohner angeblich verseht halte, sei. so erklärte die Sbaw-Kommission weiter, zu politischen Fragen übergehend, nicht als .die einzige in? d i r e k.t e Ursache, neben der unbezweifelbaren direkten arabischen Schuld an den Vorkommnissen, zu betrachten: denn dazu sei die allgemein herrschende Unklarheit über die Politik der Palcvtinaregierung getreten. Die Spitzen der Verwaltung freilich seien — das zu den von zionistischer seite erhobenen, vorhin erwähnten kritischen Bemerkungen — im ganzen^ abgesehen vom Versagen des Nachrichtendienstes, frei von Schuld und Fehle. Sie hätten, auch z. B. in der komplizierten Frage der Entwaffnung jüdischer Polizisten, auch in der. Duldung der verschiedensten Demonstrationen vor der Klagemauer, richtig gehandelt. Das Mandat selbst indessen lasse sich — trotz mancher bisher schon erfolgter Auslegungsversuche — nach so verschiedenen Richtungen deuten, dah schnellstens eine klipp und klare Kundgebung der Londoner Regierung über' Wege und Ziel ihrer 'Mandatspolitik notwendig sei. > ' Mit diesen sogenannten „Empfehlungchi" schloh der Shaw- Bericht, oder, genauer: das Gutachten der Kommissionsmehrheit'. Das von der Arbeiterpartei entsandte Mitglied. Snell, ein Parlamentarier von besonderem Ansehen, fügte aber eine Reihe von „Vorbehalten" an: in vielen der Fragen, in denen seine Kollegen — unter dem Einfluh der hier dargestellten, der jüdischen „Prozehpartei" in manchem ungünstigen Atmosphäre — zu völlig falschen Beobachtungen

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