Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 8 (11.8.1930)
- Date
- 1930-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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0 Nummer 8 (Seme efttott K. Jahrgang der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg Das Gemeindeblatt erscheint um den 10. eines jeden Monats und wird allen Mitgliedern der Deutsch - Israelitischen Gemeinde zu Hamburg kostenlos zugestellt. Hamburg, 11. August 1930. Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, ABC-Hof, ABC-Straße 57. Fernspr.: Sammelnummer C 4 Dammtor 0737. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Syndikus Dr. N. M. N a t h a n. für den Inseratenteil: L.Knudsen, beide in Hamburg Anzeigenpreis 50^ p. Kgesp. Ronp.-Zeile. Zum Kamps für den Sabbath. Wir haben bereits in der vorigen Nummer des Gemeindeblattes auf die Bestrebungen hingewiesen, welche den geltenden bürgerlichen Kalender mit einer Jahresdaüer von 365 Tagen durch ein Jahr von 52 Wochen und einem Blankotag ersetzen wollen Diese Kalenderreform mit ihrer Durchbrechung der fich stets gleichbleibenden Sieben,Tage-Woche wurde zur Folge naben, daß von Jahr zu Jahr der Sabbath auf einen anderem Wochentag fallen würde. Wir haben die Angehörigen unserer Gemeinde gebeten, sich in die im Gemeindehause und in den hiesigen Gotteshäusern aufliegenden Listen einzütragen, die dem Völkerbund zum Zeichen des Protestes überreicht werden sollen. Am Mittwoch, dem 6. d. M., hat in der Aula des Heinrich- Hertz-Realgymnafiums eine große Kundgebung, von den Gemeinden Hamburg, Altona und Wandsbek veranstaltet, gegen die beabsichtigte 'Kalenderreform stattgefunden. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vorstandes unserer Gemeinde, Herrn Alfred Levy, sprach der Geschäftsführer des Weltverbandes zum Schutze des Sabbaths, Herr Rabbiner Samuel-Berlin über Zweck und Wesen der beabsichtigten .Reform und forderte zum Kampfe aller jüdischen Krei>e von Rechts bis i links gegen diese Kalenderreform auf. Seine Darlegungen wurden von den folgenden Rednern, den Herren Rabbinern Dückesz-Altona, Dr. Italiener und Dr. H o l z e r - Hamburg und Herrn Herbert Gott hold in wgrmen Worten und in eindrucksvollster Weise unterstützt. Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, hatte schriftlich seine Sympathie für den Kampf gegen die Reform zum Ausdruck gebracht; die Herren Oberrabbiner Dr. Ca r l e ba ch - Altona und Rabbiner Bamberger-Wandsbek befinden sich Zurzeit auf Urlaub. 1 Von dem internationalen jüdischen IKalenderreformkymitee lag das nachfolgende Telegramm, dgs Herr Rechtsanwalt David zur Verlesung brachte, vor: „Ihre Tagung lebhaft begrüßend, wünschen, vollsten Erfolg hoffend, daß Kundgebungen dortiger jüdischer Gemeinden gegen Blankotag in einmütiger Zusammenarbeit deutsch-jüdischer Gemeinschaften an dortige Landesbehörden weitergeleitet werden können, sprechen Erwartung aus, daß zwecks geschlosienen Auftretens der Alljudenheit demnächst vor dem Völkerbund auch dort baldigst kräftige Organisation für unerläßliches Höchstmaß persönlicher Unterschriften geschaffen wird." ' Oberrabbiner I. Für st - Wien. — Chief Rabbi Hertz- London..— Grand Rabbin Israel Leo i-Paris. — Lucicn W o l f- Londpn. — Oberrabbiner Dr. T. LeweN st ein- Zürich. Die die große Aula bis auf den letzten Platz füllende Versammlung nahm folgende Enschließung an: Getragen von der Erkenntnis, daß für das Judentum seine Zeitrechnung keine Einrichtung menschlicher Willkür' bedeutet, sondern daß sie in ihren Grundlagen tief verankert ist in dem göttlichen Schöpfungswerk, durchdrungen von der lieber,eugung, daß keinerlei menschliche Machj das Recht für sich beanspruchen darf, aus irgendwelchen Erwägungen der Zweckmäßigkeit, den Kalender in einer Weise zu reformieren, die den seit Jahrtausenden in seiner unverrückbaren Festigkeit geheiligten Sabbath beweglich macht, erhebt die Judenheit von Hamburg, Altona und Wandsbek ihre Stimme zum Protest- Sie protestiert gegen jede Art von Kalenderreform, die durch Einführung des B la n-kota ges den Sabpath im Kreisläufe, der Woche wandern läßt, und gegen die dcfmit der Judenheit aufgenötigte ungeheuerliche Alternative, entweder auf eine Lcbensgrundlage ihrer Existenz zu verzichten oder aber ihr wirtschaftliches Leben - zu ruinieren. Sie richtet an die Kalenderreformkommission des Völkerbundes die dringende Bitte-, sich dem Rufe der um die Erhaltung ihres unschätzbaren Sabbathgules besorgten Judenheit nicht zu verschließen und jedes Reformpröjekt abzulehnen, das mit der Einführung des Blankotages kaum nennenswerte Vorteile durch eine unerträgliche seelische und wirtschaftliche Belastung vieler Millionen jüdischer Menschen erkauft. Im Anschluß hieran fordern wir alle hamburgischen Juden erneut auf, durch ihre Eintragung in die im Gemeindehause, Rothenbaumchaussee 38, im Eemeindehause Johnsallee 54 und in den hiesigen Gotteshäusern ausliegenden Listen den Kampf der Judenheit der ganzen Erde gegen die dem Sabbath drohende Gefahr zu unterstützen. Auch "schriftliche Zustimmungskundgebungen werden entgegengenonimen und weitergeleitet. , Ein 3ahr nach den Unruhen. . Zur Lage ber jüdischen Phläftinabewegung. Von Dr: Alfred Kupserberg - Altona. i i. Am 15. August des vorigen Jahres, einen Tag, nachdem in Zürich unter der Führung von Prof. W e i z m a n n und Louis Markhall die Vereinbarung über die erweiterte Jewish Agency unterschrieben worden war. demonstrierten einige hur dert junge Mitglieder des Brith Trumveldok. der von reiisioniftischen Gedankengängen beeinflußten lüdisch - palästinensischen Jugendorganisation, vor der Klagemauer in Jerusalem. . Eine lange Kette von Konflikten, die ihre Schatten auch auf die Verhandlungen des Zionistenkongresses in Zürich warfen, war dieser in der Form gewiß kritisierbaren, aber aus der hochgespannten Atmosphäre der jüdisch-arabischen Gegensätze hervorgegangenen und daher beg reiflichen Demonstration vorausgegangen, und die furchtbarsten Ereignisse, einzigartig in der jungen Geschichte des natnmäl-jüdifchen Aufbauwerks in Palästina, folgten ihr. Während die englische Verwaltung, zunächst wenigstens, eine ( Neutralität zu bewahren schien, die von den Angreifern als Wohlwollen, von den Angegriffenen als Schwäche bezeichnet wurde, überfielen verhetzte arabische Massen in den Städten des Landes und überall in den Siedlungen die Juden, kämpften erbittert mit dem Jischuw, der jung eingewanderten jüdischen Bevölkerung, als sie Widerstand leistete, plünderten aber und mordeten ohne Hemmungen die alteingesessenen, von der Mildtätigkeit der jüdischen Welt Lebenden. deren Heime und Ieschiwoth ihnen wehrlos preisgegeben waren. Erbitterung und Chaos waren die Brandzeichen dieser Wochen. Was in drei mühevollen Jahrzehnten gebaut worden war, schien der Auflösung nicht mehr fern zu sein. ' In London erklärte W e i z m a n n, völlig noch unter dem Eindruck der ttagischen Erelgniss«, in einer bedeutungsvollen Massenkundgebung, die der zionistischen Führung zur ersten, so notwendigen Orientierung der jüdischen Oeffentlichkeit Gelegenheit geben sollte, daß die Antwort auf di« Hetzereien der arabischen Nationalisten» die einzig mögliche Antwort, nur in einer sofort ungemein .verstärkten